Wer sich mit Studio und Recording beschäftigt, stößt früher oder später auf einen kleinen Schalter direkt am Mikrofon: Lowcut oder Highpass. Auf den ersten Blick wirkt er unscheinbar. Trotzdem kann genau diese Funktion darüber entscheiden, ob eine Aufnahme sauber, definiert und professionell klingt oder ob sie von Trittschall, Rumpeln und unnötigem Bass zugedeckt wird.
Ich merke immer wieder, dass viele Musiker den Schalter zwar sehen, ihn aber entweder ignorieren oder aus Unsicherheit grundsätzlich ausgeschaltet lassen. Das ist verständlich, denn die Bezeichnungen wirken zunächst etwas technisch. Gleichzeitig ist die Funktion in der Praxis sehr leicht zu verstehen. Genau deshalb lohnt es sich, den Lowcut einmal sauber einzuordnen.
Was ist ein Lowcut beziehungsweise Highpass?
Ein Lowcut ist technisch gesehen ein Hochpassfilter. Das klingt im ersten Moment widersprüchlich, ist aber logisch: Tiefe Frequenzen werden abgesenkt oder abgeschnitten, während höhere Frequenzen passieren dürfen. Deshalb heißen beide Begriffe im Grunde dasselbe.
Wenn ich also den Lowcut-Schalter an einem Studiomikrofon aktiviere, reduziert das Mikrofon einen bestimmten Bassbereich bereits vor der weiteren Signalverarbeitung. Je nach Mikrofon beginnt dieser Eingriff oft bei etwa 75 Hz, 80 Hz oder 100 Hz. Alles darunter wird mehr oder weniger stark abgesenkt.
Das Ziel ist nicht, den Klang dünn zu machen. Vielmehr geht es darum, unerwünschte tiefe Störanteile früh zu entfernen, damit die eigentliche Aufnahme klarer und kontrollierter wirkt.
Warum haben Studiomikrofone überhaupt einen Lowcut-Schalter?
Im Studio landen auf einer Aufnahme oft deutlich mehr tiefe Frequenzen, als man beim Singen oder Sprechen bewusst wahrnimmt. Genau hier zeigt sich, wie sinnvoll der Lowcut ist. Ich nutze ihn vor allem dann, wenn ich Störquellen direkt an der Aufnahme minimieren möchte, anstatt sie später umständlich mit EQs zu bekämpfen.
Typische Problemquellen sind zum Beispiel:
Trittschall über den Boden oder das Stativ, tieffrequentes Rumpeln durch Lüftungen oder Verkehr, Vibrationen vom Schreibtisch, tiefe Atemgeräusche oder ein überbetonter Nahbesprechungseffekt bei sehr geringem Mikrofonabstand.
Gerade in kleinen Homestudios ist das relevant. Dort sind die Aufnahmebedingungen selten perfekt. Deshalb hilft mir der Lowcut dabei, das Signal schon an der Quelle aufzuräumen. Das spart später Zeit im Mix und sorgt oft für ein besser kontrollierbares Ergebnis.
Was passiert klanglich, wenn ich den Highpass aktiviere?
Sobald der Highpass-Schalter aktiv ist, werden tiefe Frequenzen beschnitten. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass eine Aufnahme an Wärme verliert. Im Gegenteil: In vielen Situationen klingt das Signal danach sogar verständlicher, weil unnötige Tiefen nicht mehr mit dem wichtigen Grundton- und Präsenzbereich konkurrieren.
Ich nehme das in der Praxis oft so wahr: Die Stimme wirkt etwas aufgeräumter, Sprachaufnahmen werden klarer und Instrumente sitzen leichter im Mix. Außerdem bleibt mehr Platz für Bassdrum, Bassgitarre oder tiefe Synths, wenn ich mehrere Spuren kombiniere.
Allerdings sollte man den Schalter nicht blind einschalten. Bei einer sehr tiefen Männerstimme, einer Bassdrum-Abnahme oder einer akustischen Gitarre, die bewusst voll und warm klingen soll, kann ein zu früher Lowcut auch Substanz kosten. Deshalb höre ich immer auf die konkrete Quelle und den musikalischen Kontext.
Lowcut und Nahbesprechungseffekt: ein wichtiges Duo
Besonders spannend ist der Zusammenhang mit dem Nahbesprechungseffekt. Viele gerichtete Mikrofone betonen den Bass, wenn ich sehr nah an die Kapsel gehe. Das kann gewollt sein, etwa für einen satten Radiosound. Es kann aber ebenso schnell zu viel werden.
Genau hier hilft mir der Lowcut. Wenn ich nah einsinge oder einspreche und der Klang unten herum zu stark anschwillt, aktiviere ich den Schalter oft testweise direkt am Mikrofon. Dadurch bleibt die Aufnahme voller Präsenz, ohne unten herum zu wummern.
Ich sehe den Lowcut deshalb nicht als Notlösung, sondern als bewusstes Werkzeug. Er hilft mir, Nähe im Klang zu behalten, ohne dass die Aufnahme undefiniert wird.
Wann ich den Lowcut am Studiomikrofon einschalte
Im Studio gibt es einige Situationen, in denen ich den Lowcut besonders gerne nutze. Bei Vocals, Podcast-Aufnahmen, Sprachrecordings, Akustikgitarre oder Overheads kann der Schalter sehr sinnvoll sein. Vor allem dann, wenn der eigentliche Nutzinhalt nicht im Tiefbass liegt.
Wenn ich eine Gesangsspur aufnehme, möchte ich in der Regel keine Störgeräusche im Subbassbereich. Dasselbe gilt für Sprache. Die Verständlichkeit spielt dort die Hauptrolle, und genau deshalb ist ein sauber kontrollierter Tiefenbereich oft wichtiger als möglichst viel Bass.
Bei Akustikgitarren hängt es vom Arrangement ab. In einem dichten Mix kann der Lowcut helfen, die Gitarre definierter zu platzieren. In einer sehr natürlichen Soloaufnahme entscheide ich dagegen vorsichtiger, weil dort die volle Klangfülle wichtiger sein kann.
Wann ich den Lowcut lieber ausgeschaltet lasse
Es gibt aber auch Aufnahmesituationen, in denen ich bewusst darauf verzichte. Wenn ich eine Klangquelle mit starker Tieftoninformation aufnehmen will, etwa einen Bassamp, eine Kickdrum oder einen besonders vollen Bariton-Gesang, dann höre ich sehr genau hin. Ein aktiver Lowcut kann in solchen Fällen wichtige Klanganteile abschwächen.
Auch bei hochwertigen Mikrofonen mit sehr schönem Tiefenfundament schalte ich den Filter nicht automatisch ein. Ich entscheide lieber nach Ohr als nach Gewohnheit. Denn manchmal bringt gerade der volle Bassbereich den Charakter, den eine Aufnahme braucht.
Lowcut am Studiomikrofon oder Highpass im EQ – was ist besser?
Diese Frage ist im Recording-Alltag absolut berechtigt. Schließlich kann ich tiefe Frequenzen auch später in der DAW mit einem EQ entfernen. Warum also schon am Mikrofon filtern?
Ich sehe darin vor allem einen praktischen Vorteil: Wenn störende Tiefen bereits vor dem Preamp und vor weiteren Bearbeitungsschritten reduziert werden, ist das Ausgangssignal sauberer. Das kann vor allem bei problematischen Räumen, empfindlichen Kondensatormikrofonen oder sehr dynamischen Stimmen hilfreich sein.
Trotzdem ist ein späterer EQ natürlich flexibler. In der DAW kann ich die Einsatzfrequenz, die Flankensteilheit und die Intensität genauer einstellen. Deshalb arbeite ich oft so: Wenn klar ist, dass der Tiefbass nicht gebraucht wird und eher stört, nutze ich den Lowcut am Mikrofon. Wenn ich mir die Entscheidung offenhalten möchte, lasse ich ihn aus und bearbeite später gezielt im Mix.
Typische technische Werte beim Lowcut
Je nach Mikrofon unterscheiden sich die genauen Eckdaten. Häufig findet man jedoch folgende Werte:
Typische Lowcut-Frequenz: 75 Hz, 80 Hz oder 100 Hz
Filtertyp: Hochpassfilter
Ziel: Trittschall, Rumpeln und übermäßigen Bass reduzieren
Einsatzbereich: Studio, Podcast, Vocal-Recording, Sprache, Instrumentenabnahme
Wichtig ist dabei: Nicht jedes Mikrofon mit Lowcut klingt gleich. Die Abstimmung hängt vom Modell, der Kapsel und dem gesamten Schaltungsdesign ab.
Mein Fazit zum Lowcut am Studiomikrofon
Für mich ist der Lowcut-Schalter kein nebensächliches Extra, sondern ein sehr nützliches Werkzeug im Studioalltag. Er hilft mir dabei, Aufnahmen schon an der Quelle sauberer zu machen. Gerade bei Vocals, Sprache und vielen akustischen Instrumenten bringt das oft sofort hörbare Vorteile.
Gleichzeitig setze ich ihn nicht pauschal ein. Ich höre immer darauf, ob der Filter wirklich hilft oder ob er dem Signal zu viel Fundament nimmt. Genau das ist am Ende der wichtigste Punkt: Der Lowcut ist kein Automatismus, sondern eine bewusste Entscheidung im Recording-Prozess.
Wenn ich ihn passend einsetze, bekomme ich meist eine klarere, besser kontrollierbare und mixfreundlichere Aufnahme. Und genau deshalb lohnt es sich, diesen kleinen Schalter am Studiomikrofon ernst zu nehmen.
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FAQ: Lowcut und Highpass am Studiomikrofon
Was macht der Lowcut-Schalter an einem Mikrofon?
Der Lowcut-Schalter senkt tiefe Frequenzen ab. Dadurch werden Störgeräusche wie Trittschall, Rumpeln oder übermäßiger Bass reduziert.
Ist Lowcut dasselbe wie Highpass?
Ja. Beide Begriffe beschreiben denselben Filtertyp. „Lowcut“ beschreibt, was entfernt wird, und „Highpass“ beschreibt, was durchgelassen wird.
Wann sollte ich den Lowcut bei Gesang aktivieren?
Ich aktiviere ihn häufig bei Gesang, wenn Trittschall, Atemgeräusche oder ein starker Nahbesprechungseffekt die Aufnahme im Bassbereich unnötig aufblasen.
Macht der Lowcut meine Stimme dünn?
Nicht unbedingt. Richtig eingesetzt sorgt er oft sogar für mehr Klarheit. Zu starkes Filtern kann allerdings Substanz kosten, deshalb sollte man immer probehören.
Ist ein Lowcut am Mikrofon besser als ein EQ in der DAW?
Das kommt auf die Situation an. Der Lowcut am Mikrofon kann das Signal schon früh aufräumen. Ein EQ in der DAW ist dafür flexibler und genauer einstellbar.
Sollte ich den Lowcut immer eingeschaltet lassen?
Nein. Bei tiefen Stimmen, Bassinstrumenten oder sehr vollen Klangquellen kann es sinnvoller sein, den Filter ausgeschaltet zu lassen.
Leitender Redakteur – keyboards.de
Multiinstrumentalist • Audio Engineer • Kreativer Tüftler • Familienvater • Pen-&-Paper-Enthusiast

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