Voyetra Eight (1983), analoger Synthesizer

Octave Voyetra 8 analoger Synthesizer im Rack

Voyetra Eight (1983): Der unterschätzte Analog-Rack-Synthesizer mit Sequencer, Arpeggiator und Modulationsmatrix

Obwohl er nie im Zentrum der breiten Synthesizer-Öffentlichkeit stand, zählt der Voyetra Eight zu den beeindruckendsten Analogsynthesizern der 80er. Als einer der frühen programmierbaren Synth-Expander im 19″-Rack kam er 1983 auf den Markt – und kombinierte dabei eine erstaunlich flexible Klangerzeugung mit Performance-Features, die ihrer Zeit in vieler Hinsicht voraus waren.

Hersteller, Historie und das ungewöhnliche Konzept „Expander + Keyboard“

Gebaut wurde der Voyetra Eight von der New Yorker Firma Octave-Plateau. Deren bekanntestes Produkt war der Octave Cat, ein Analogsynthesizer, der in einigen Punkten an den ARP Odyssey erinnert. 1986 änderte die 1975 vom Synthesizer-Pionier Carmine Bonanno gegründete Firma ihren Namen zu Voyetra und wandte sich später zunehmend computerorientierten Produkten zu. Mitte der 90er folgte schließlich die Fusion mit Turtle Beach – nicht zuletzt, weil Octave/Voyetra bereits zuvor stark im Musiksoftware-Bereich aktiv war.

Analoger Racksynthesizer Octave Voyetra Eight
Octave Voyetra Eight, Foto: Bernhard Loesener

Der Voyetra Eight war eines der ambitioniertesten Projekte des Hauses: acht Stimmen, umfangreiche Programmiermöglichkeiten, integrierter Step-Sequenzer, Arpeggiator und – als Performance-Erweiterung – ein zugehöriges Keyboard (VPK-5) inklusive Joystick. Interessant ist außerdem die Vorgeschichte: Ein Prototyp namens „Voyager Eight“ wurde bereits 1981 auf der NAMM gezeigt, im Handel tauchten Seriengeräte jedoch erst 1983 auf. Produziert wurde der Synth bis 1986.

Preislich war das Ganze klar Oberklasse: 4.600 US-Dollar für den Expander (plus 950 US-Dollar für das VPK-5). Genau deshalb war der Voyetra Eight nie ein „Volks-Synth“, auch wenn das Grundkonzept – Rack-Expander plus externes Keyboard – in den frühen 80ern radikal wirkte und sich später als erstaunlich zukunftssicher erwies. Als zusätzliche Kuriosität existiert eine einstimmige Variante namens Voyetra One, die heute noch seltener zu finden ist als der polyfone Eight.

Voyetra Eight: Äußeres und Bedienung: viel Power, viel Mehrfachbelegung

Der Voyetra Eight sitzt in einem 19″-Rack (3 HE). In der Programmiersektion lassen sich zwei Sounds gleichzeitig bearbeiten: Dafür stehen 14 Multifunktions-Potis bereit (sieben pro Sound). Ergänzend gibt es pro Sound je drei Taster, etwa für Hold, das Deaktivieren der VCA-Releasephase sowie die Pitch-Funktion. Dazu kommen Regler für Master-Volume, Tune, Arpeggiator-Tempo, mehrere Funktionstaster, ein Zahlenfeld und drei zweistellige Displays.

Links findet man einen Kopfhöreranschluss mit eigenem Lautstärkeregler, einen Panik-Knopf zum Muten des Ausgangs sowie einen XLR-Anschluss für das zugehörige Keyboard (bei frühen Geräten ohne M17IDI). Genau hier zeigt sich die Kehrseite der enormen Funktionsdichte: Durch die teils bis zu 11-fache Parameter-Mehrfachbelegung braucht der Voyetra Eight Einarbeitungszeit. Entsprechend sind manche Geräte im Alltag mit kleinen Funktions-Aufklebern übersät – praktisch, aber auch ein Hinweis darauf, wie viel Synthesizer hier „unter der Haube“ steckt.

Anschlüsse, MIDI und Lüfter: üppig bestückt

Auch auf der Rückseite wurde nicht gespart. Neben Stereo- und Mono-Audioausgängen gibt es mehrere Anschlüsse für Pedale und Fußschalter, eine Buchse zum Durchsteppen der Sounds, separate Clock-Eingänge für Sequenzer und Arpeggiator, CV/Gate-Ausgänge, ein Kassetten-Interface sowie Mehrpin-Buchsen für Joysticks. Weil der Synth im Betrieb recht warm wird, ist ein Ventilator verbaut.

Octave Voyetra Eight Rückseite mit Anschlüsse Audio & Midi
Octave Voyetra Eight Rückseite, Foto: Bernhard Loesener

Spannend (und etwas verwirrend): Bei manchen Geräten ist das MIDI-Trio nicht sofort ersichtlich, da die Buchsen als XLR-Anschlüsse ausgeführt sein können. Frühere Voyetras kamen teils ohne MIDI, spätere Modelle boten die üblichen DIN-MIDI-Buchsen.

Das VPK-5 Keyboard: reduziert – bis auf den extravaganten Joystick

Das passende VPK-5 wirkt optisch vergleichsweise zurückhaltend: Holzseitenteile, fünf Oktaven, anschlagsdynamische Tastatur und monofoner Aftertouch. Abseits von zwei Step-Tastern und einem Regler für die Modulations-Range dominiert vor allem ein besonderes Detail: der auffällig gestaltete Joystick in einem silbernen Metalltrichter. Das Keyboard ist heute selten und vor allem für Sammler interessant – der Expander selbst bleibt dagegen für viele Synth-Fans das eigentlich begehrte Stück.

Klangarchitektur: klassische Subtraktion, aber „erwachsen“ umgesetzt

Der Voyetra Eight ist unter Synth-Freaks so begehrt, weil er eine vielseitige, exzellent klingende analoge Klangerzeugung bietet. Die acht Stimmen lassen sich in der Praxis sehr flexibel nutzen: Du kannst layern (zwei Sounds mit je vier Stimmen), die Tastatur splitten und das Ganze sogar auf zwei MIDI-Kanälen ansteuern. Der Speicher hält 100 Sounds plus 100 Performance-Setups bereit.

Specs (kompakt)

  • Synthese: Subtraktiv, analog
  • Polyphonie: 8 Stimmen
  • Multimode: Layer (2 Sounds × 4 Stimmen), Split
  • Oszillatoren: 2× VCO pro Stimme (Sägezahn, Sinus, Rechteck, PWM), Sync und Crossmod
  • Zusatzquellen: Suboszillator, White-Noise
  • Filter: 24 dB/Okt Lowpass mit Resonanz
  • Hüllkurven: 2× schnelle ADSR (VCF/VCA), Keyboardtracking, modulierbare Attack/Release
  • LFOs: 2× (Sägezahn, Sinus, Dreieck, Sample & Hold)
  • Modulation: umfangreiche Modulationsmatrix
  • Speicher: 100 Sounds + 100 Performances

Die Modulationsmatrix ist dabei ein echtes Highlight, auch wenn sie Geduld verlangt: Wer viele Routings setzt, verliert ohne System schnell den Überblick. Dafür belohnt der Voyetra mit Spielarten, die weit über „Standard-Analog“ hinausgehen. Außerdem stehen zahlreiche Trigger- und Spielmodi (z. B. Round-Robin oder Unisono) zur Verfügung, womit sich das Verhalten der Stimmen sehr gezielt formen lässt.

Sequenzer und Arpeggiator: kreativ gedacht, nicht nur „Beigabe“

An Bord ist ein Step-Sequenzer mit zwei Kanälen, wobei jeder Kanal bis zu 425 Noten speichern kann. Zusätzlich gibt es einen Arpeggiator mit den Modi Up, Down, alternierend und Random. Besonders spannend wird es im Split-Mode: Hier lassen sich zwei parallele Arpeggios mit jeweils eigenen Sounds aktivieren, die sogar unabhängig zu unterschiedlichen Clocks laufen können. Gerade für rhythmische Patterns, Sequencer-Hooks oder „bewegte“ Pads ist das eine extrem musikalische Funktion.

Voyetra Eight: Sound in der Praxis: warm, plastisch, breit – und bei Bedarf aggressiv

Klanglich ist der Voyetra Eight ein echtes Soundmonster. Der Grundcharakter ist plastisch und warm, und in seiner Klasse spielt er ohne Weiteres neben Synthesizern wie dem SCI Prophet-5. Die VCOs reagieren etwas auf Temperatur, stabilisieren sich jedoch nach dem Aufwärmen; mit der Autotune-Funktion bleibt die Oszillator-Drift in der Praxis beherrschbar.

Gerade Pads profitieren vom Layer-Betrieb, weil der Voyetra nicht nur breit, sondern auch lebendig klingen kann. Dazu trägt die Panning-Option bei, bei der die acht Stimmen im Stereobild „wandern“ – so entsteht Bewegung, selbst wenn du nur einen einzelnen Sound spielst. Gleichzeitig liefert der Synth drückende Bässe, schneidende Leads (dank Sync) sowie groovende Sequencer-Lines und spacige Filtersweeps. Wer experimenteller arbeiten will, findet über die Modulationsmatrix auch metallische Spektren und geräuschhafte Texturen; für ultrafette Hook-Sounds ist der Unisono-Modus die naheliegende Eskalationsstufe.

Wer hat ihn gespielt? New Order & Co.

Die Qualitäten des Voyetra Eight blieben auch Profis nicht verborgen. Unter anderem New Order sollen gleich mehrere Geräte besessen haben. Zu hören ist der Synth beispielsweise auf dem Album „Low-Life“ (1985); die Single „The Perfect Kiss“ gilt vielen als einer der großen Synthpop-Momente der 80er. Weitere Namen, die im Zusammenhang mit dem Voyetra Eight häufig genannt werden, sind Depeche Mode, Eddie Jobson, The Fixx, Shamen, Eurythmics, Trevor Horn und Hongkong Counterfeit.

Katalog mit Voyetra 8
Katalog mit Voyetra 8

Voyetra Eight: Verfügbarkeit heute: selten – besonders in Europa

Da die meisten Voyetra-Geräte in den USA verkauft wurden, taucht der Voyetra Eight hierzulande nur selten auf. Entsprechend ist er heute eher ein Synth für Sammler und echte Nerds – allerdings einer, der klanglich und konzeptionell mehr als genug Substanz liefert, um ihn nicht nur als „Vintage-Trophäe“ zu betrachten.

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