Der Minimoog Model D ist unbestritten DIE Legende unter den Synthesizern. Bob Moog und sein Team haben ein Instrument geschaffen, das mit seiner klar definierten Struktur zur Blaupause für unzählige Analog- und VA-Synthesizer wurde und auch die Funktion eines Türöffners für die diese Art von Keyboards übernahm, die in der Folge viele Musikstile nachhaltig beeinflussten. Kein Wunder also, dass es zahlreiche Nachahmer dieses Synthesizers gibt.
Minimoog Model D: Original vs. Reissue
Nachbauten, Emulationen, Kopien, Libraries – der Minimoog taucht in vielerlei Gestalt auf, als Hardware wie als Software. Und so sah sich selbst die Firma Moog veranlasst, den Klassiker von 1970 neu aufzulegen. Natürlich sollte die als Reissue bezeichnete Version dem Original so nahe kommen wie kein anderer Nachbau zuvor. Doch ist eine 1:1-Kopie überhaupt möglich? Die Qualität der Bauteile hat sich im Laufe der Jahrzehnte stark gewandelt und die Original unterscheiden sich allein durch den Alterungsprozess und der (vernachlässigten) Kalibrierung schon mehr oder weniger voneinander. Dennoch gibt es immer wieder Vergleichstest, von denen wir drei mit unterschiedlichen Herangehensweisen herausgesucht haben.
Matt Johnson, der Keyboarder von Jamiroquai, vergleicht seinen abgerockten, ca. 40 Jahre alten Minimoog Model D, den er u.a. beim Purple Disco Machine-Mix für Lizzo eingesetzt hat, mit einem neu erworbenem Exemplar. Er geht die Geräte nicht Funktion für Funktion durch, sondern versucht, ob er bestimmte Sounds auf beiden Minis gleich hinbekommt.
„Pretty close“ ist sein Resümee, dennoch fallen hörbare Unterschiede auf. Matt Johnson wird seinen Vintage-Minimoog in Rente schicken, denn neben den leichten klanglichen Vorteilen spricht vor allem die MIDI-Schnittstelle für den Reissue.
Der Synth-Spezialist und Producer Andy Whitmore (u.a. für Atomic Kitten, Elton John, Terence Trent D’arby) hat den Minimoog Model D Vergleich schon vor längerer Zeit gemacht. Zunächst verglich er akribisch den Sawtooth-Oszillator der beiden Modelle, der bereits deutliche Unterschiede erkennen ließ. Als er dann verschiedene Bass- und Lead-Sounds einstellt, könnte man fast meinen, dass hier zwei unterschiedliche Synthesizer stehen. Offenbar weicht die interne Kalibrierung stark voneinander ab. Whitmore zieht jedoch kein eigenes Fazit, man muss sich selbst ein Urteil bilden.
Andy Whitmore hat kürzlich ein neues Old vs. New-Video veröffentlicht, das einen gleichsam sympathischen wie praxisnahen Ansatz verfolgt. Er hat Minimoog-Sounds von 40 bekannten Songs nachgestellt und spielt diese nacheinander auf beiden Geräten an. So lässt sich vielleicht am besten beurteilen, ob der offenere Reissue-Sound oder die Instabilitäten des Originals im Kontext besser funktionieren.
Ergänzend möchten wir auf die Berichte über den originalen Minimoog Model D und die Reissue-Version in unserem Archiv hinweisen, die ihr unter diesen Links nachlesen könnt. Und auch sonst sind noch zahlreiche Artikel mit Minimoog-Bezug im Keyboards-Archiv zu finden.

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