Das FAME Pro Series Uranus ist ein Großmembran-Kondensatormikrofon, das sich bewusst nicht als universeller Problemlöser positioniert, sondern eine klar definierte klangliche Richtung verfolgt. Für 229 Euro inklusive Spinne bewegt es sich im ambitionierten Einstiegs- bis unteren Mittelklasse-Segment professioneller Studiomikrofone. In diesem Preisbereich ist der Markt dicht besetzt, gleichzeitig sind die Erwartungen hoch: Anwender:innen wünschen sich ein Werkzeug, das sofort einsatzbereit ist, zuverlässig funktioniert und klanglich mehr liefert als reine technische Korrektheit.
Das Uranus richtet sich explizit an Nutzer:innen, die einen sanften, eleganten und kontrollierten Vocal-Sound suchen. Besonders weichere, feinzeichnende oder weibliche Stimmen sollen von der Abstimmung profitieren. Damit grenzt sich das Mikrofon klar von neutralen Allround-Lösungen ab und verfolgt stattdessen einen musikalischen Ansatz: weniger Analyse, mehr Klangästhetik. Entscheidend ist also nicht die Frage, ob das Uranus alles kann, sondern ob es genau das kann, was viele Produktionen im Alltag tatsächlich benötigen.
Ausstattung & Bedienung
Technisch setzt das FAME Pro Series Uranus auf ein klassisches, bewährtes Konzept. Eine 34-mm-Großmembran-Kondensatorkapsel arbeitet mit fester Nierencharakteristik. Der Anschluss erfolgt über XLR, die Stromversorgung über standardisierte 48-Volt-Phantomspeisung. Damit ist das Mikrofon kompatibel mit praktisch jedem Audio-Interface, Preamp oder Mischpult im Studio- und Broadcast-Bereich.
Die Verarbeitung macht einen soliden, professionellen Eindruck. Das Metallgehäuse wirkt robust genug für den täglichen Studioeinsatz, ohne unnötig schwer oder unhandlich zu sein. Die mitgelieferte Spinne ist hochwertig gefertigt, lässt sich sicher montieren und entkoppelt das Mikrofon effektiv von Trittschall und mechanischen Vibrationen. Gerade bei Sprachaufnahmen, ruhigen Gesangspassagen oder filigranen Instrumenten ist das ein relevanter Punkt im Workflow.
In der Bedienung zeigt sich das Uranus kompromisslos reduziert. Es gibt keine schaltbaren Hochpassfilter, keine Pads, keine umschaltbaren Richtcharakteristiken. Das Mikrofon wird angeschlossen, ausgerichtet und ist einsatzbereit. Diese Klarheit kann man als Einschränkung lesen – in der Praxis sorgt sie jedoch für einen sehr schnellen, fehlerarmen Workflow. Das Uranus zwingt nicht zur Entscheidungsfindung, sondern liefert seinen Charakter konsequent und reproduzierbar.

Klang & Technik im Detail
Der nominelle Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz deckt das gesamte hörbare Spektrum ab, doch entscheidend ist die Art der Abstimmung. Das Uranus präsentiert sich nicht mit spektakulär angehobenen Höhen oder überzeichneten Präsenzbereichen, sondern mit einer sanften Offenheit, die Stimmen Luft und Eleganz verleiht. Die Höhen wirken fein aufgelöst, ohne scharf zu werden, was insbesondere bei sibilanten Stimmen ein großer Vorteil ist.
Die Mitten sind leicht geglättet und musikalisch abgestimmt. Stimmen sitzen dadurch stabil im Mix, ohne sich unangenehm nach vorne zu drängen. Gerade bei modernen Produktionen, in denen Vocals oft dicht komprimiert und stark bearbeitet werden, bietet das Uranus eine angenehme Ausgangsbasis. Die Tiefen bleiben kontrolliert und sauber, ohne künstlich aufzudicken.
Mit einer Empfindlichkeit von –33 dB liefert das Mikrofon einen kräftigen Ausgangspegel. Das erleichtert die Arbeit mit durchschnittlichen Interface-Preamps und sorgt dafür, dass auch leise Details sauber eingefangen werden. Die Ausgangsimpedanz von 200 Ohm garantiert eine stabile Signalübertragung, selbst bei längeren Kabelwegen. Der Signal-Rausch-Abstand von 72 dB ist im praktischen Betrieb unauffällig und unterstützt ruhige, saubere Aufnahmen.
Der maximale Schalldruckpegel von 130 dB sorgt dafür, dass das Uranus auch bei lauteren Gesangspassagen oder nah mikrofonierten Instrumenten souverän bleibt. Verzerrungen treten im normalen Studioeinsatz nicht auf, solange die grundlegenden Gain-Strukturen stimmen.
Kontrolle & Mikrofonierung
Ein zentraler Punkt im Umgang mit jedem Mikrofon ist die Frage der Kontrolle: Wie reagiert es auf Abstandsänderungen, wie sensibel ist es gegenüber Raumanteilen, und wie gut lässt sich der Klang formen, ohne ständig korrigierend eingreifen zu müssen?
Hier zeigt das Uranus eine angenehme Gutmütigkeit. Die Nierencharakteristik ist präzise, aber nicht übermäßig eng. Seitliche und rückwärtige Schallanteile werden gleichmäßig gedämpft, wodurch der Raumanteil kontrolliert bleibt. Das ist besonders in Homestudios oder nicht perfekt akustisch behandelten Räumen ein echter Vorteil.
Abstandsänderungen wirken sich nachvollziehbar auf den Klang aus, ohne extreme Effekte zu erzeugen. Der Nahbesprechungseffekt ist vorhanden, aber moderat ausgeprägt. Dadurch lassen sich Stimmen formen, ohne dass sie bei geringfügigen Positionsänderungen sofort überladen oder dumpf wirken. Insgesamt vermittelt das Uranus ein Gefühl von Kontrolle und Verlässlichkeit – Eigenschaften, die im Alltag oft wichtiger sind als maximale klangliche Flexibilität.

Praxis im Studioeinsatz
Im Vocal-Booth spielt das Uranus seine Stärken konsequent aus. Stimmen wirken sofort präsent und „gesetzt“, ohne aggressiv zu werden. Gerade bei weiblichen Vocals, zarten Pop-Stimmen, Balladen oder atmosphärischen Voice-Overs entsteht schnell ein Klangbild, das wenig Nacharbeit erfordert. EQ-Eingriffe bleiben meist subtil, Kompression greift musikalisch, ohne unerwünschte Artefakte zu betonen.
Bei Sprachaufnahmen für Podcast, Broadcast oder Content Creation zeigt sich der Vorteil der sanften Hochtonabbildung. Zischlaute bleiben kontrolliert, die Verständlichkeit hoch, ohne dass der Klang hart oder anstrengend wirkt. Auch längere Sessions bleiben angenehm hörbar, was sowohl für Sprecher:innen als auch für Zuhörer:innen relevant ist.
Akustische Instrumente profitieren ebenfalls von der Auflösung und der ruhigen Abstimmung. Akustikgitarren klingen detailreich und ausgewogen, ohne überbetonte Anschlagshärte. Streicher, Bläser oder Percussion lassen sich sauber abbilden, solange ein musikalischer, nicht analytischer Klang gefragt ist. Das Uranus ist hier kein Spezialist für extreme Präzision, sondern ein Mikrofon, das Instrumente organisch in einen Mix einbettet.
Einordnung im Workflow
Im täglichen Studioeinsatz zeigt sich das Uranus als Werkzeug mit klarer Handschrift. Es lädt nicht zum Experimentieren mit unzähligen Optionen ein, sondern liefert konsistent seinen Sound. Das kann gerade in Produktionsumgebungen ein Vorteil sein, in denen schnelle Entscheidungen gefragt sind und Aufnahmen reproduzierbar funktionieren müssen.
Die fehlenden Schalter und Features bedeuten, dass klangliche Anpassungen primär über Mikrofonpositionierung, Raumakustik und nachgelagerte Signalbearbeitung erfolgen. Für erfahrene Engineers ist das kein Nachteil, sondern Teil eines bewussten Workflows. Wer hingegen maximale Flexibilität direkt am Mikrofon sucht, wird hier bewusst nicht bedient.
Als klassisches analoges Kondensatormikrofon verzichtet das FAME Pro Series Uranus vollständig auf digitale Features, Presets oder MIDI-Integration. Performance entsteht hier ausschließlich durch Kapsel, Charakteristik und Mikrofonierung. Das unterstreicht die Rolle des Uranus als klassisches Studio-Werkzeug, das sich nahtlos in bestehende analoge und hybride Signalwege integriert.
Langzeiteindruck & Zuverlässigkeit
Im längeren Einsatz überzeugt das Uranus durch seine unaufgeregte Zuverlässigkeit. Es gibt keine klanglichen Überraschungen, keine instabilen Eigenheiten, die den Workflow stören. Die Mechanik wirkt langlebig, die Spinne erfüllt ihren Zweck auch nach häufigem Auf- und Abbau zuverlässig. Gerade für Studios, die regelmäßig mit wechselnden Sprecher:innen oder Sänger:innen arbeiten, ist diese Konstanz ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Fazit: FAME Pro Series Uranus
Das FAME Pro Series Uranus ist kein Mikrofon für alle – und genau das ist seine Stärke. Es ist ein klar positioniertes Werkzeug für Produzent:innen, Recording- und Mixing-Engineers, die einen seidigen, kontrollierten und musikalischen Vocal-Sound suchen. Besonders weichere, feinzeichnende oder weibliche Stimmen profitieren von der Abstimmung, die Präsenz und Eleganz verbindet, ohne Härten zu erzeugen.
Für 229 Euro bietet das Uranus ein erwachsenes, stimmiges Gesamtpaket aus Klang, Verarbeitung und Workflow. Wer ein sofort einsetzbares Mikrofon mit klarer Handschrift sucht und auf Zusatzfeatures verzichten kann, erhält hier ein zuverlässiges Studio-Werkzeug, das im Alltag überzeugt und sich schnell als feste Größe im Setup etabliert.
Pro
- Seidig-offene Höhen mit hoher Langzeittauglichkeit
- Sehr einfacher, reproduzierbarer Workflow
- Kontrollierte Nierencharakteristik, auch in schwierigen Räumen
Contra
- Keine schaltbaren Filter oder Pads
- Feste Charakteristik ohne klangliche Variabilität


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