Mit dem Teenage Engineering EP-136 K.O. Sidekick erweitert der schwedische Hersteller seine EP-Serie um ein Gerät, das auf den ersten Blick wie ein kleiner Zweikanal-Mixer wirkt, in der Praxis aber deutlich mehr Aufgaben übernimmt. Für einen Straßenpreis von 189 Euro erhält man nicht nur einen kompakten Stereo-Mixer, sondern gleichzeitig Performance-Effekte, ein USB-Audiointerface und verschiedene Funktionen zur Synchronisation und Live-Steuerung. Gerade in Zeiten immer kleinerer Hardware-Setups trifft dieses Konzept einen interessanten Nerv.
Nach vielen Jahren mit Synthesizern, Grooveboxen und kompakten Live-Rigs fällt auf, dass weniger die Klangerzeugung als vielmehr das sinnvolle Zusammenführen verschiedener Geräte häufig zum eigentlichen Problem wird. Zwei Instrumente gleichzeitig sauber mischen, spontan bearbeiten, aufnehmen und möglichst mobil bleiben – genau hier setzt der Sidekick an.
Dabei versteht sich das Gerät nicht als klassischer Studiomixer. Vielmehr ist es eine spezialisierte Schaltzentrale für kompakte Performances, spontane Jam-Sessions oder mobile Produktionsumgebungen. Der Preis von 189 Euro erscheint angesichts der Funktionsdichte nachvollziehbar und ordnet den Sidekick als hochwertiges Spezialwerkzeug für Hardware-Musiker ein.
Ausstattung und Bedienung
Der Sidekick besitzt zwei vollständig ausgestattete Stereo-Kanäle, die jeweils über Gain, Lautstärke, Cue-Schalter, Effektaktivierung sowie einen 3-Band-EQ verfügen. Die Bedienoberfläche erinnert bewusst an kompakte DJ-Mixer und ermöglicht einen schnellen Zugriff auf alle wichtigen Parameter.
In der Mastersektion befinden sich das hochauflösende Display, die Effektsteuerung, das druckempfindliche FX-Pad sowie ein kleiner Joystick, mit dem zahlreiche Effektparameter in Echtzeit verändert werden können. Die Kombination wirkt zunächst ungewöhnlich, erweist sich nach kurzer Eingewöhnung jedoch als erstaunlich direkt.
Besonders gelungen ist die Kanalstruktur. Beide Eingänge lassen sich unabhängig bearbeiten, sodass sich beispielsweise Drumcomputer und Synthesizer sehr komfortabel getrennt mischen lassen. Gerade bei Live-Performances entsteht dadurch deutlich mehr Kontrolle über den Gesamtsound als bei einfachen Summensignalen.

Zusätzlich stehen ein Stereo-Aux-Eingang sowie USB-Audio zur Verfügung. Der Aux-Eingang führt direkt auf die Summe und eignet sich hervorragend für weitere Geräte oder das Daisy-Chaining mehrerer Sidekicks. Über USB lässt sich das Gerät sowohl als Audiointerface als auch als zusätzlicher Audioeingang nutzen. Dadurch wächst der kleine Zweikanal-Mixer in der Praxis auf bis zu vier Stereoquellen an, auch wenn nur zwei davon vollständig regelbar sind. Diese Flexibilität erweitert die Einsatzmöglichkeiten erheblich.
Die Bedienung gelingt insgesamt angenehm intuitiv. Trotz der kompakten Bauweise sind die wichtigsten Funktionen jederzeit erreichbar. Einige Kombinationen über Select-Taste und Mehrfachbelegungen sollte man sich allerdings zunächst einprägen. Nach kurzer Einarbeitung entwickelt sich jedoch ein flüssiger Workflow, der insbesondere während einer Performance überzeugt.
Auch die Stromversorgung passt zum mobilen Konzept. Der Sidekick arbeitet entweder über USB-C oder mit zwei AAA-Batterien und lässt sich dadurch problemlos unabhängig vom Studio einsetzen.

Klang und Technik
Technisch kombiniert der Sidekick mehrere Signalwege in einem äußerst kompakten Gehäuse. Die beiden Hauptkanäle verfügen jeweils über Gain-Stufe, EQ und Effektsektion, bevor das Signal auf die Mastersumme gelangt. Der Aux-Eingang wird dagegen direkt auf die Summe geführt und bleibt von den Kanalbearbeitungen unberührt.
Der integrierte 3-Band-EQ arbeitet musikalisch und eignet sich weniger für chirurgische Eingriffe als vielmehr für performatives Mischen. Gerade beim Ausblenden von Höhen oder dem Zurücknehmen tiefer Frequenzen entstehen sehr flüssige Übergänge während einer Performance.
Ergänzend besitzt jeder Kanal eine eigene Dynamikbearbeitung. Dadurch lassen sich unterschiedliche Klangquellen besser aneinander angleichen oder gezielt verdichten. Diese zusätzliche Kontrolle trägt wesentlich dazu bei, verschiedene Instrumente harmonisch zusammenzuführen.
Zu den sechs Knock-Out-Effekten gehören Filter, Delay, Tape, Looper, Tremolo und Sirene. Dabei handelt es sich nicht um klassische Studioeffekte mit umfangreichen Editiermöglichkeiten, sondern um Performance-Werkzeuge. Das druckempfindliche FX-Pad steuert die Intensität unmittelbar über den Fingerdruck, während der Joystick zusätzliche Parameter verändert.
Besonders interessant ist die Möglichkeit, Effekte entweder kanalweise oder auf beide Eingangssignale gleichzeitig anzuwenden. Dadurch entstehen sehr dynamische Übergänge zwischen einzelnen Instrumenten oder kompletten Mixen.
Beeindruckend arbeitet außerdem die automatische BPM-Erkennung. Der Sidekick analysiert eingehende Audiosignale und kann darauf basierend Delayzeiten oder Looper synchronisieren. Gerade bei Geräten ohne gemeinsame MIDI-Clock entsteht dadurch ein überraschend flüssiger Workflow.
Nicht zuletzt fungiert der Sidekick als USB-Audiointerface mit 8 Eingängen und 4 Ausgängen. Einzelne Kanäle sowie die Summe lassen sich getrennt in einer DAW aufnehmen, wodurch sich Live-Jams unkompliziert weiterverarbeiten lassen.

Praxis im Studio und Live-Setup
Im täglichen Studioeinsatz zeigt sich schnell, worin die eigentliche Stärke des Sidekick liegt. Das Gerät reduziert den technischen Aufwand zwischen mehreren Hardware-Instrumenten erheblich.
Besonders häufig nutze ich den Sidekick zwischen Drumcomputer und Synthesizer. Beide Instrumente bleiben dauerhaft angeschlossen, lassen sich unabhängig mischen und gleichzeitig mit Performance-Effekten versehen. Statt ständig Pegel am jeweiligen Instrument anzupassen, übernimmt der Sidekick diese Aufgabe zentral.
Auch spontane Soundideen profitieren davon. Während ein Synthesizer melodische Elemente liefert, können Drums separat gefiltert oder mit Looper-Effekten bearbeitet werden. Dadurch entstehen lebendige Arrangements, ohne dass das eigentliche Instrument verändert werden muss.
Im Studio entwickelt sich daraus ein sehr schneller Workflow. Die integrierte Mehrspuraufnahme ermöglicht es, Sessions unmittelbar in der DAW weiterzuverarbeiten. Gerade für hybride Produktionen aus Hardware und Software entsteht ein angenehm unkomplizierter Signalfluss.
Live überzeugt vor allem die unmittelbare Bedienung. Alle relevanten Parameter befinden sich direkt unter den Fingern. Das kleine Format macht den Sidekick außerdem zu einer idealen Ergänzung für kompakte Desktop-Rigs oder mobile Setups.
Die Kontrolle gelingt insgesamt sehr gut. Die Lautstärkeverhältnisse bleiben jederzeit übersichtlich, der Equalizer arbeitet vorhersehbar und die Performance-Effekte reagieren unmittelbar. Lediglich einzelne Effektparameter – insbesondere im Tape-Modus mit starken Geschwindigkeitsänderungen – verlangen etwas Fingerspitzengefühl, da sie sehr sensibel auf Bewegungen reagieren. Insgesamt entwickelt sich nach kurzer Eingewöhnung jedoch ein äußerst direkter und musikalischer Workflow.

Presets, MIDI und Performance-Funktionen
Der Sidekick versteht sich weniger als Preset-Maschine, sondern vielmehr als Live-Werkzeug. Im Mittelpunkt stehen die unmittelbare Steuerung und das spontane Eingreifen in den Mix.
Besonders gelungen ist der Tap FX Sequencer. Effektbewegungen lassen sich aufnehmen und anschließend automatisch wiedergeben. Bis zu zwei Takte langer Automationen können aufgezeichnet werden, wodurch rhythmische Filterfahrten, Tremolo-Bewegungen oder Looper-Effekte wiederholbar werden.
Die Effekte lassen sich jederzeit zwischen Einzelkanal- und Summenbearbeitung umschalten. Das erweitert die kreativen Möglichkeiten erheblich, da Übergänge entweder nur einzelne Instrumente oder den kompletten Mix betreffen können.
Praktisch gelöst wurde auch die Cue-Sektion. Der Kopfhörerausgang arbeitet klassisch als Vorhörweg, lässt sich aber alternativ als zweiter Main-Ausgang konfigurieren. Für viele Live-Setups ist diese Lösung deutlich praxisnäher als ein ausschließliches DJ-Cue-System.
Über USB arbeitet der Sidekick zusätzlich als MIDI-Controller und Audiointerface. Dadurch integriert er sich problemlos in DAW-basierte Produktionsumgebungen, ohne dass weitere Hardware erforderlich wird.
Fazit Teenage Engineering EP-136 K.O. Sidekick Test
Der Teenage Engineering EP-136 K.O. Sidekick ist weit mehr als ein kompakter Zweikanal-Mixer. Er verbindet Audio-Mixing, Performance-Effekte, Mehrspuraufnahme und USB-Interface in einem äußerst mobilen Format und schließt damit eine Lücke zwischen klassischem Hardware-Mixer und Live-Performance-Werkzeug.
Die Bedienung gelingt nach kurzer Eingewöhnung sehr flüssig, der Signalweg ist praxisgerecht aufgebaut und die Performance-Funktionen laden zum kreativen Arbeiten ein. Besonders Hardware-Musiker profitieren davon, mehrere Instrumente ohne großen technischen Aufwand in einem kompakten Setup zusammenzuführen.
Für 189 Euro erhält man ein durchdachtes Spezialwerkzeug, das sich vor allem an Produzenten, Live-Performer und Synthesizer-Enthusiasten richtet. Wer häufig mit mehreren kompakten Instrumenten arbeitet und dabei Wert auf spontane Eingriffe in den Mix legt, findet hier eine überzeugende Lösung mit eigenständigem Konzept.
Pro
- Sehr kompakter Performance-Mixer mit vielseitigen Live-Funktionen
- USB-Audiointerface inklusive Mehrspuraufnahme
- Kreative Effektsektion mit druckempfindlichem FX-Pad
Contra
- Einige Funktionen benötigen kurze Einarbeitung
- Tape-Effekt reagiert sehr sensibel auf Eingaben
Link zur Herstellerseite: Teenage Engineering


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