Mit einem Preis von 1.859 Euro inklusive E.Piano-Modul richtet sich das Viscount Legend ’70s MkII Compact an anspruchsvolle Live-Keyboarder, die eine hochwertige, erweiterbare Alternative zum üblichen All-in-one-Stagepiano suchen. Das Viscount Legend ’70s MkII Compact ist kein klassisches All-in-one-Stagepiano. Statt eine feste Auswahl an Klavier-, Orgel- und Synth-Sounds mitzubringen, setzt es auf ein modulares Konzept: Ab Werk ist ein Physical-Modeling-E-Piano-Modul installiert, drei weitere Steckplätze lassen sich je nach musikalischem Bedarf ergänzen. Damit richtet sich das 73-Tasten-Instrument an Keyboarder, die ihr Setup gezielt auf Rhodes, Wurlitzer, Clavinet, Akustikpiano oder Synthesizer zuschneiden möchten.
Mit 19,5 kg bleibt das Legend ’70s MkII Compact zwar klar unter einem ausgewachsenen 88-Tasten-Piano, ist aber kein Leichtgewicht. Dafür bietet das schwarz lackierte Metallgehäuse mit seitlichen Mahagoni-Elementen eine ausgesprochen wertige, bühnentaugliche Anmutung. Preislich liegt das Instrument bei rund 1.859 Euro inklusive E.Piano-Modul.
73 Tasten und neue TP/110-Hammermechanik
Das MkII Compact besitzt 73 gewichtete Tasten mit Fatar-TP/110-Hammermechanik. Der Umfang reicht für typische E-Piano-, Synth- und Band-Parts sehr gut aus und spart gegenüber einer 88er-Tastatur spürbar Platz auf der Bühne und im Fahrzeug. Wer überwiegend akustische Piano-Literatur spielt oder viel mit großen Splits arbeitet, wird die zusätzlichen Tasten eines 88er-Modells vermissen. Für Pop, Soul, Funk, Fusion und Indie ist das Compact-Format dagegen ein überzeugender Kompromiss.
Gegenüber der ersten Legend-’70s-Generation bringt die MkII-Version eine leistungsstärkere Dual-DSP-Plattform, eine überarbeitete Programmspeicherung, Aluminiumregler sowie laut Hersteller reduzierte Nebengeräusche mit. Das Gehäuse wurde ebenfalls aufgewertet. Es wirkt bewusst wie ein hochwertiges Vintage-Keyboard und grenzt sich damit angenehm von vielen rein funktionalen Kunststoff-Stagepianos ab.

Das E.Piano-Modul: Rhodes, Wurlitzer und CP-80
Im Lieferumfang steckt das Electric-Piano-Modul. Es arbeitet mit Physical Modeling und simuliert fünf Rhodes-Varianten, zwei Wurlitzer-Sounds sowie ein CP-80-artiges Electric Grand. Der große Vorteil gegenüber einer reinen Sample-Library: Spielverhalten, Dynamik und Klangcharakter lassen sich unmittelbar beeinflussen, ohne sich auf eine begrenzte Anzahl fester Velocity-Layer zu verlassen.
Die Bedienung bleibt dabei erfreulich direkt. Bass und Höhen stehen als eigene Regler bereit, dazu Tremolo-Intensität und -Geschwindigkeit. Ein Amp-Simulator kann per Taste aktiviert werden. Gerade für Live-Spieler ist das sinnvoll: Der Klang lässt sich ohne Menüarbeit an Band, PA oder Song anpassen.
Das E.Piano-Modul ist klar auf musikalische Praxis statt auf eine möglichst lange Presetliste ausgelegt. Wer ein warmes, rundes Rhodes für Soul und Balladen sucht, ein aggressiveres Wurlitzer für Rock und Indie braucht oder einen prägnanten CP-80-Charakter einsetzen möchte, findet hier eine fokussierte Auswahl.

Der eigentliche Clou: Soundmodule austauschen
Die drei freien Einschübe machen das Legend ’70s MkII Compact zu einem Instrument, das mit den eigenen Anforderungen wachsen kann. Erhältlich sind unter anderem diese Module:
- A.Piano 2G für Flügel-, Baby-Grand- und Upright-Sounds
- FM Synth mit DX-inspirierter 6-Operator-FM-Synthese
- Synth-8 für klassische analoge Synth-Sounds
- Clavi für Clavinet-artige Klangfarben
- Sound Collection mit weiteren Instrumentenklängen
- External-Modul zur Steuerung externer Klangerzeuger
Besonders spannend ist das A.Piano-2G-Modul. Es bringt 2 GB Speicher, aktualisierte Sample-Sets und akustische Piano-Modelle wie US-Grand, German Grand, JP-Grand, Honky-Tonk sowie mehrere Piano-Layer-Kombinationen mit. Über eigene Dynamic- und Brilliance-Regler lässt sich der Klang im Spiel schnell anpassen.
Das FM-Synth-Modul geht deutlich tiefer: Zwei unabhängig nutzbare FM-Ebenen, sechs Operatoren, 32 Algorithmen, 256 Sounds und zwei beschreibbare User-Cartridges eröffnen authentische Achtziger-Sounds bis hin zu komplexen Digital-Flächen und Glockenklängen. Für Sounddesign steht ein kostenloser Editor für macOS, Windows und iPad bereit.
Der modulare Ansatz ist gleichzeitig Stärke und Einschränkung. Das Grundinstrument ist nicht als möglichst umfassendes Brot-und-Butter-Keyboard gedacht. Wer sofort akustisches Piano, Orgel, Streicher, Synth, Pads und E-Piano in einem Gerät erwartet, muss die passenden Module zusätzlich einkalkulieren. Wer sein Instrument bewusst konfiguriert, bekommt dafür ein außergewöhnlich individuelles Setup.

Bedienung und Effekte
Die Klangmodule sitzen sichtbar an der Oberseite und bringen ihre jeweiligen Bedienelemente mit. Das ist im Alltag wesentlich angenehmer als eine universelle Bedienoberfläche, die sämtliche Parameter über Menüseiten versteckt. Die wichtigsten Klangformungen bleiben dort, wo man sie erwartet: direkt am jeweiligen Soundmodul.
Global stehen zwei Effektsektionen bereit. Zur Auswahl gehören Reverb-Algorithmen wie Room, Hall, Stage, Plate, Spring und Tape sowie Tremolo, Vibrato, Chorus, Flanger, Phaser, Wah-Wah, Rotary, Amp-Simulationen, Delay, EQ und Kompressor. Split und Layer sind möglich, ebenso Transposition. Insgesamt lassen sich 384 Programme in 24 Bänken speichern; für Setlists gibt es neun Songlisten mit jeweils 40 Songs und vier Sets pro Song.
Das ist klar auf den Live-Einsatz zugeschnitten. Statt jedes Mal Klangkombinationen neu zu bauen, lassen sich komplette Setups mit Split, Layer, Effektzuweisung und Controller-Konfiguration abspeichern und schnell abrufen.

Anschlüsse für Bühne und Studio
Das Legend ’70s MkII Compact bietet zwei Stereo-Hauptausgänge und zwei Stereo-Aux-Ausgänge im 6,3-mm-Klinkenformat. Dazu kommen Kopfhörerausgang, 3,5-mm-Stereo-Aux-In, MIDI In/Out und zwei USB-Ports. USB-Host dient MIDI und Audio, USB Device der Sicherung und Verwaltung von Programmen.
Für Pedale ist das Instrument sehr großzügig ausgestattet: zwei Eingänge für kontinuierliche Fußcontroller, zwei Fußschalter-Eingänge sowie separate Buchsen für Sustain und Program Change. Damit lässt sich das Compact gut in ein professionelles Bühnen-Rig integrieren, etwa mit Expression-Pedal, Sustain, Effektsteuerung und Set-Wechsel per Fuß.
Pitchbend- und Modulationsrad sind ebenfalls vorhanden. Die Kombination aus mehreren Pedalanschlüssen, MIDI, Audio über USB und dem External-Modul macht das Legend ’70s MkII Compact auch als Steuerzentrale für weitere Klangerzeuger interessant.

Für wen eignet sich das Viscount Legend ’70s MkII Compact?
Das Viscount Legend ’70s MkII Compact richtet sich an Musiker, die sich nicht mit einem fest definierten Klangangebot zufriedengeben wollen. Seine besondere Qualität liegt in der Kombination aus direkter Bedienung, hochwertigem Gehäuse, gewichteter 73er-Tastatur und der Möglichkeit, die Soundausstattung später umzubauen oder zu erweitern.
Als kompaktes E-Piano mit hochwertiger, modellierter Rhodes-, Wurlitzer- und CP-80-Basis ist es bereits ab Werk interessant. Sein volles Potenzial entfaltet es jedoch erst als maßgeschneidertes Instrument: etwa mit Akustikpiano- und FM-Modul für eine Pop-Produktion, mit Clavi und Synth-8 für Funk und Retro-Sounds oder als flexible Steuerzentrale im hybriden Keyboard-Setup.

Fazit: Viscount Legend ’70s MkII Compact
Das Viscount Legend ’70s MkII Compact ist ein außergewöhnlich konzipiertes Stage Piano für Keyboarder, die sich ein hochwertiges und langfristig erweiterbares Instrument wünschen. Statt mit einer riesigen, aber festen Klangliste zu arbeiten, lässt sich das 73-Tasten-Piano über Module gezielt für den eigenen Einsatz zusammenstellen. Bereits mit dem mitgelieferten E.Piano-Modul bietet es eine starke Basis für Rhodes-, Wurlitzer- und CP-80-Sounds; mit zusätzlichen Modulen wächst es zum vielseitigen Performance-Keyboard.
Die direkte Bedienung, die wertige Optik und die umfassende Anschlussausstattung passen hervorragend zum professionellen Live-Einsatz. Mit rund 1.859 Euro ist das MkII Compact kein günstiges E-Piano – und die Erweiterung um weitere Soundmodule erhöht den Gesamtpreis. Dafür erhält man ein Instrument, das sich nicht nach einem Jahr überholt anfühlen muss, sondern mit den musikalischen Anforderungen weiterentwickeln kann.
Pro
- Modulares Konzept mit drei freien Slots für individuell wählbare Sound-Engines
- Wertige Verarbeitung, direkte Bedienoberfläche und überzeugendes Vintage-Design
- Umfangreiche Anschlüsse mit sechs Pedalbuchsen, MIDI, USB-Audio und separaten Aux-Outs
Contra
- Kein integriertes Lautsprechersystem und ab Werk nur das E.Piano-Modul enthalten
- Mit 19,5 kg für ein 73-Tasten-Instrument relativ schwer
Link zur Herstellerseite: Viscount

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