OXI INSTRUMENTS ONE MkII – Sequencer im Test

Die Bedienoberfläche des OXI ONE MkII kombiniert direkte Hardware-Kontrolle mit tiefem Sequencing-Zugriff über Encoder, RGB-Pads und Performance-Taster.

Der OXI INSTRUMENTS ONE MkII Sequenzer ist kein klassischer Step-Sequencer für nebenbei. Er versteht sich eher als zentrale Steuerinstanz für komplexe Hardware-Setups, modulare Systeme und hybride Studio-Workflows. Mit einem Preis von rund 899 Euro bewegt sich das Gerät klar im professionellen Bereich – und genau dort fühlt sich der OXI ONE MkII auch zuhause. Das Konzept dahinter ist ambitioniert: acht vollständig konfigurierbare Sequencer, generative Funktionen, MIDI-, CV/Gate- und DAW-Integration, dazu ein sehr performance-orientierter Ansatz mit Echtzeit-Modulationen und tiefen Eingriffsmöglichkeiten.

Schon nach wenigen Minuten wird klar: Hier geht es nicht um schnelles Pattern-Geklicke oder klassische Groovebox-Mentalität. Der OXI ONE MkII ist vielmehr ein Werkzeug für Musiker, die aktiv komponieren, Strukturen entwickeln und Sequenzen bewusst formen wollen. Gleichzeitig besitzt das Gerät aber auch eine sehr spielerische Seite. Gerade die Kombination aus kontrollierter Eingabe und kontrolliertem Zufall macht den Reiz dieses Sequenzers aus.

Interessant ist dabei vor allem, dass OXI den ONE MkII nicht nur als MIDI-Sequencer versteht. Das Gerät verbindet klassische Sequencing-Konzepte mit Ansätzen aus der Eurorack-Welt, generativen Kompositionsmethoden und modernen Live-Performance-Techniken. Genau dadurch hebt sich das Gerät im Alltag deutlich von typischen Hardware-Sequenzern ab.

Verarbeitung, Bedienung und Workflow

Der erste Eindruck ist erstaunlich hochwertig. Die Black Edition wirkt massiv, sauber verarbeitet und deutlich erwachsener als viele kompakte Sequencer am Markt. Gegenüber der ersten Generation wurde das Gehäuse größer und schwerer, das Display verbessert und die Anzahl der Direktzugriffe erweitert. Genau das merkt man im Alltag sofort.

Die 128 RGB-Pads bilden das Zentrum des Geräts. Sie dienen nicht nur zur Noteneingabe, sondern visualisieren gleichzeitig Parameter, Sequenzen, Modulationen und Zustände. Das System wirkt anfangs komplex, ist aber logisch aufgebaut. Besonders positiv fällt auf, dass viele Eingriffe direkt über Kombinationen aus Tastern und vier Encodern erfolgen. Nach einer gewissen Einarbeitungszeit entsteht dadurch ein erstaunlich schneller Workflow.

Trotzdem gehört zur Wahrheit auch: Der OXI ONE MkII ist kein Gerät für sofortige Erfolgserlebnisse. Die Lernkurve ist deutlich steiler als bei klassischen Lauflicht-Sequenzern. Viele Funktionen liegen in Untermenüs, Parameterseiten oder Shift-Ebenen verborgen. Gerade Einsteiger könnten sich anfangs überfordert fühlen. Selbst erfahrene Musiker müssen zunächst verstehen, wie tief das Gerät tatsächlich aufgebaut ist. Genau das wurde auch in praktischen Anwenderberichten deutlich, in denen selbst erfahrene Nutzer die Menüstruktur zunächst als „intimidating“ beschrieben haben.

Die Rückseite bietet umfangreiche CV/Gate-, MIDI- und Clock-Anschlüsse und macht den OXI ONE MkII zum zentralen Steuergerät hybrider Setups.
Die Rückseite bietet umfangreiche CV/Gate-, MIDI- und Clock-Anschlüsse und macht den OXI ONE MkII zum zentralen Steuergerät hybrider Setups.

Im Gegenzug bekommt man allerdings ein System, das außergewöhnlich flexibel arbeitet. Besonders gelungen ist die Struktur der acht unabhängigen Sequencer. Jeder kann eigene Laufrichtungen, Shuffle-Werte, Step-Längen, Start- und Endpunkte sowie individuelle Modulationsstrukturen besitzen. Dadurch entstehen Polyrhythmen und organische Pattern fast automatisch.

Die Bedienung wirkt dabei erstaunlich musikalisch. Statt sterilem Rasterdenken entsteht schnell das Gefühl, tatsächlich mit Sequenzen zu performen. Funktionen wie Step Probability, Repeat Engines, Accumulator oder Flow-Layer greifen sehr direkt in das musikalische Geschehen ein. Besonders der neue Accumulator-Modus gehört zu den spannendsten Erweiterungen der MkII-Version. Dabei verändern sich Noten bei jedem Durchlauf schrittweise – beispielsweise um Halbtöne oder Oktaven – und erzeugen dadurch evolvierende Pattern, die ständig leicht variieren.

Das Gerät belohnt Experimentierfreude enorm. Gleichzeitig verlangt es aber Konzentration. Wer lediglich einfache MIDI-Sequenzen programmieren möchte, wird das Potenzial des OXI vermutlich nie vollständig ausschöpfen.

Sequencing-Konzept und technische Architektur

Technisch gehört der OXI ONE MkII zu den interessantesten Hardware-Sequenzern seiner Klasse. Das liegt vor allem daran, dass OXI verschiedene Sequencing-Ansätze konsequent miteinander kombiniert. Zur Verfügung stehen sechs verschiedene Modi: Mono, Poly, Chord, Multi, Stochastic und Metriceal. Während Mono- und Poly-Sequencing noch relativ klassisch arbeiten, öffnen insbesondere die generativen Modi das System deutlich in Richtung experimenteller Komposition. Der Stochastic-Modus arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten und kontrolliertem Zufall. Pattern entwickeln sich permanent weiter, bleiben aber musikalisch nachvollziehbar. Der Metriceal-Modus wiederum erzeugt komplexe rhythmische Verschiebungen und generative Strukturen, die man in klassischen DAWs oft nur mit erheblichem Aufwand realisieren könnte.

An der linken Gehäuseseite sitzen USB-C-Anschluss und Power-Schalter – minimalistisch und funktional umgesetzt.
An der linken Gehäuseseite sitzen USB-C-Anschluss und Power-Schalter – minimalistisch und funktional umgesetzt.

Sehr clever gelöst ist auch der Multi-Modus. Hier verwandelt sich ein einzelner Sequencer in acht unabhängige Spuren – ideal für Drums oder multitimbrale Setups. Im Studioalltag funktioniert das hervorragend. Kick, Snare, HiHats und Percussion können jeweils eigene MIDI-Kanäle, Step-Längen und Wahrscheinlichkeiten erhalten. Gerade dadurch entstehen extrem lebendige Drum-Patterns. Hinzu kommen zwei LFOs pro Sequencer, interne Modulationsroutings, Looper, Arpeggiatoren und umfangreiche Randomizer-Funktionen. Die Modulationsmatrix gehört dabei klar zu den Highlights des Geräts. LFOs, Hüllkurven oder handgezeichnete Kurven lassen sich flexibel auf interne oder externe Ziele routen.

Besonders spannend wird das im Modularbereich. Die acht CV- und Gate-Ausgänge lassen sich frei konfigurieren und können neben klassischen Tonhöhen- und Gate-Signalen auch Modulationsdaten transportieren. Das macht den OXI ONE MkII zu einem außergewöhnlich mächtigen Zentrum für Eurorack-Setups. Interessant ist außerdem die Integration moderner Groove-Ansätze. Der Sequencer unterstützt Groove-Importe aus Ableton-ähnlichen Timing-Strukturen und erlaubt unterschiedliche Grooves pro Spur. Dadurch wirken Sequenzen weniger mechanisch und deutlich musikalischer.


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OXI INSTRUMENTS ONE MkII Black

Klangcharakter? Ja – trotz Sequencer

Formal erzeugt der OXI ONE MkII natürlich keinen eigenen Klang. Trotzdem prägt er den musikalischen Charakter eines Setups massiv. Das liegt vor allem an seiner Art, Rhythmus, Timing und Modulation zu formen. Während viele Sequencer eher neutral arbeiten, erzeugt der OXI schnell organische, lebendige und leicht unvorhersehbare Strukturen. Besonders Funktionen wie Humanizer, Probability, Repeat-Spans oder unterschiedliche Pattern-Längen führen dazu, dass Sequenzen weniger statisch wirken.

Dadurch entstehen oft musikalische Ergebnisse, die eher an modulare Performances als an klassische MIDI-Sequenzen erinnern. Gerade im Ambient-, Techno-, IDM- oder experimentellen Bereich entwickelt der OXI enorme kreative Stärke. Auch Harmonizer- und Chord-Funktionen sind bemerkenswert gelungen. Der Chord-Modus ermöglicht sehr komplexe Akkordfolgen inklusive Spread-, Bass- und Voicing-Optionen. Besonders spannend ist die Möglichkeit, andere Tracks harmonisch an diese Akkorde zu koppeln. Dadurch entstehen selbst mit wenigen Noten erstaunlich komplexe harmonische Bewegungen. In der Praxis fühlt sich der OXI deshalb weniger wie ein technisches Steuergerät an, sondern eher wie ein kompositorisches Instrument.

Die leicht angewinkelte Oberfläche erleichtert den Zugriff auf Pads und Encoder und unterstützt den performativen Charakter des Sequenzers.
Die leicht angewinkelte Oberfläche erleichtert den Zugriff auf Pads und Encoder und unterstützt den performativen Charakter des Sequenzers.

Praxis im Studio und Live-Einsatz

Im Studio entfaltet der OXI ONE MkII seine Stärken besonders dann, wenn mehrere Synthesizer, Drumcomputer oder modulare Systeme miteinander verbunden werden. Das Gerät übernimmt dabei schnell die Rolle des zentralen Taktgebers und Strukturgebers. Besonders gelungen ist die Kombination aus MIDI, CV/Gate und USB. Dadurch lassen sich moderne Software-Setups problemlos mit klassischer Hardware kombinieren. Selbst hybride Produktionsumgebungen mit DAW, Eurorack und externen Synthesizern funktionieren stabil und logisch. Die Möglichkeit, Projekte auf microSD-Karten zu speichern, ist ebenfalls praxisgerecht. Gerade bei komplexen Live-Sets oder mehreren Produktionsprojekten wird das schnell unverzichtbar.

Live zeigt sich der Performance-Fokus des Geräts besonders deutlich. Die neuen FLOW-Layer erlauben spontane Modulationen und Variationen, ohne das ursprüngliche Pattern dauerhaft zu verändern. Das ist musikalisch extrem sinnvoll, weil Improvisation möglich bleibt, ohne dass komplette Sequenzen zerstört werden. Auch Funktionen wie Fill-Machine, Bit-Repeat-artige Effekte oder Echtzeit-Transpositionen funktionieren hervorragend für Live-Jams. Trotzdem bleibt der OXI kein unkompliziertes Live-Gerät. Wer spontan und intuitiv performen möchte, muss das System wirklich beherrschen. Viele Funktionen liegen tief im Workflow verborgen. Ohne intensive Vorbereitung kann man sich live durchaus verirren. Gerade deshalb eignet sich der OXI vor allem für Musiker, die ihr Setup wirklich kennen und gezielt entwickeln möchten.

MIDI, Presets und Performance-Funktionen

Die MIDI-Implementierung ist außergewöhnlich umfangreich. Jeder Track kann eigene MIDI-Kanäle, eigene Sequenzparameter und eigene Modulationen besitzen. Gleichzeitig unterstützt das Gerät Bluetooth-MIDI, USB-C sowie klassische MIDI-Ports. Besonders im modernen Studioalltag ist Bluetooth-MIDI interessanter, als man zunächst denkt. Gerade mobile Controller, Keytars oder drahtlose Performance-Tools lassen sich erstaunlich elegant integrieren.

Auch die Preset-Verwaltung wirkt durchdacht. Patterns, Projekte, Akkorde und Grooves lassen sich flexibel speichern und abrufen. Die Akkordverwaltung gehört dabei zu den musikalisch stärksten Funktionen des Geräts. Über 150 Akkordvariationen stehen direkt zur Verfügung. Spannend ist außerdem die Möglichkeit, Akkorde live umzuschalten und andere Sequenzen automatisch harmonisch folgen zu lassen. Gerade dadurch entstehen komplexe musikalische Bewegungen mit erstaunlich wenig Eingabeaufwand.

Die leicht angewinkelte Oberfläche erleichtert den Zugriff auf Pads und Encoder und unterstützt den performativen Charakter des Sequenzers.
Die leicht angewinkelte Oberfläche erleichtert den Zugriff auf Pads und Encoder und unterstützt den performativen Charakter des Sequenzers.

Fazit – OXI INSTRUMENTS ONE MkII

Der OXI INSTRUMENTS ONE MkII Black Edition Sequenzer ist kein einfacher Hardware-Sequencer für zwischendurch. Er ist ein tiefes, anspruchsvolles und extrem leistungsfähiges Kompositions- und Performance-Werkzeug für moderne Hardware-Studios. Die größte Stärke des Geräts liegt nicht in einzelnen Funktionen, sondern in der Kombination aus klassischem Sequencing, generativer Musik, Performance-Kontrolle und modularer Flexibilität. Genau dadurch entstehen musikalische Ergebnisse, die sich oft deutlich lebendiger und organischer anfühlen als typische DAW-Sequenzen.

Gleichzeitig fordert das Gerät seinen Nutzer. Die Lernkurve ist steil, die Menüstruktur teilweise komplex und spontane Bedienung nicht immer sofort zugänglich. Wer sich allerdings intensiv mit dem Workflow beschäftigt, bekommt eines der kreativsten Sequencing-Systeme aktuell am Markt. Der Preis von rund 899 Euro wirkt zunächst hoch, ist angesichts des Funktionsumfangs, der Verarbeitung und der enormen Flexibilität aber nachvollziehbar. Trotzdem bleibt der OXI ONE MkII ein Spezialist. Für einfache MIDI-Aufgaben wäre er klar überdimensioniert. Für komplexe Synthesizer-Studios, modulare Systeme und performance-orientierte Musiker dagegen kann er schnell zum kreativen Zentrum des gesamten Setups werden.

Pro

  • Extrem flexibles Sequencing-Konzept
  • Herausragende Modulations- und Performance-Möglichkeiten
  • Sehr stark für hybride MIDI- und Modular-Setups

Contra

  • Steile Lernkurve
  • Teilweise komplexe Menüstruktur

Link zur Herstellerseite: Oxi Instruments

 

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