Der Innovator

Dave Smith: Meister der Propheten

DaveSmith4Kaum jemand hat die Entwicklung elektronischer Musikinstrumente so vehement vorangetrieben wie Dave Smith. Ob Sequenzer, Effektgerät, analoge und digitale Synthesizer, das MIDI-Protokoll oder die Soundblaster AWE 64: Immer war er innovativer Vorreiter, dessen Kreationen seiner Zeit oft voraus waren.

Dave Smith verdanken wir nicht nur den ersten polyfonen, Mikroprozessor-gesteuerten Synthesizer der Welt, den legendären Prophet-5, sondern auch die Idee und den Entwurf einer universellen Computer-Schnittstelle für elektronische Musikinstrumente, der er das Akronym “MIDI” gab.

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Bereits 1981 stellte Dave Smith das MIDI-Konzept auf einer AES Konvention vor und brachte mit dem Prophet-600 das erste mit MIDI ausgerüstete Instrument der Geschichte auf den Markt. Aber noch viele andere zukunftsweisende Geräte machten den Namen Sequential Circuits in den 70ern und 80ern zum Inbegriff modernster Musikelektronik. So z. B. das ProFX, ein modulares Effekt-Rack, was damals bereits zwischen Effekt-Presets morphen konnte. Als günstige Alternative zu den Linn-Drumcomputern fand der 12- Bit-Drum-Sampler Drumtraks damals viele Freunde. Und mit dem Six-Trak brachte Sequential Circuits den ersten multitimbralen, mit MIDI ausgestatteten Synthesizer auf dem Markt, der mit einem Computer programmiert werden konnte. Kurze Zeit später dann der Prophet 2000, ein 12-Bit-Sampler, der zwar nur über magere 500 kB an Sample-Speicher verfügte, aber durch die analogen Filter und Hüllkurven klanglich zu überzeugen wusste. Mit dem Prophet VS und dem Studio 440 beschritt Dave Smith anschließend einmal wieder innovative neue Wege.

Das letzte Produkt von Sequential Circuits war 1987 der Sampler Prophet 3000. Das achtstimmige Rackgerät hatte eine Fernbedienung mit Display und eine Auflösung von 16 Bit bei 48 kHz. Im selben Jahr kam dann das Aus. Sequential-Circuits musste Konkurs anmelden. Dave Smith und sein Team – und auch der Firmenname – wurden von Yamaha übernommen, wo sie die Vektorsynthesizer SY22 und TG33 entwickelten. Später wechselte Dave Smith zu Korg, wo er am Design der Wavestation beteiligt war. Es folgte ein Intermezzo bei Seers Systems, wo unter seiner Federführung einer der ersten Software-Synthesizer entstand, der später − von Creative Labs lizenziert − als “Soundblaster AWE 64” bekannt wurde

Das Jahr 2002 war dann wieder bereit für eine Überraschung. Dave Smith Instruments, kurz DSI, brachte den Evolver auf den Markt. Der kompakte Hybrid-Synth überzeugte mit umfangreichen Features und einer flexiblen Sound-Engine, die analoge und digitale Oszillatoren mit analogen Filtern und Hüllkurven verband. Inzwischen hat DSI eine breit gefächerte Produktpalette zu bieten – vom Desktop-Synth zu verschiedenen Prophet-Inkarnationen, und mit dem Erscheinen des Prophet-6 ist der Name SEQUENTIAL wieder in aller Munde. Mit Unterstützung von Yamaha wurde die Firma wiederbelebt, die den Prophet-6 herstellt, welchen DSI vertreibt.

Wie erklärst du dir das große Interesse der jüngeren Generation an analogen Synthesizern und Vintage-Elektronik?

Dave Smith: Es ist eine Reihe von Dingen, aber vor allem entdecken die Musiker, dass Vintage-Synths und neue analoge Instrumente viel mehr Persönlichkeit haben als Software-Synths. Sie sind alle ein bisschen unterschiedlich, während digitale Instrumente exakte Kopien sind, wie Computer oder Handys. Viele junge Musiker begannen mit Software, weil diese günstig oder sogar umsonst ist und sie bereits einen Computer hatten. Wenn sie aber einmal das »Wahre Ding« zu hören bekommen, erkennen sie sofort den Unterschied − und das ist nicht allein der Sound, sondern auch Look and Feel eines richtigen Instruments im Vergleich zu reiner Software.

Was ist für die besondere klangliche Qualität von analoger Hardware verantwortlich, die wir alle so lieben?

Es ist nicht immer einfach, die genauen Gründe zu bestimmen, aber im Grunde ist jeder analoge Schaltkreis ein wenig anders. Nimm einen polyfonen Analog Synth wie den Prophet-08: Dort sind es acht individuelle Mono-Synths, die den Sound erzeugen. Jeder von ihnen verhält sich ein wenig anders, und damit ist das klangliche Ergebnis deutlich ansprechender. Auch ein analoger Mono-Synth wird diese kleinen Unterschiede haben, und wenn man an einem Regler dreht, bekommt man deutlich subtilere Veränderungen, die oft weit weniger vorhersehbar sind als bei Digital-Synths.

Verbessert die gestiegene Qualität heutiger elektronischer Bauteile auch den Klang, oder verflacht dieser eher etwas?

Im Allgemeinen sind die Bauteile heutzutage wesentlich zuverlässiger und präziser, aber aktuelle Designs benutzen wahrscheinlich eine Menge an Bauteilen aus den 70er-Jahren. Technologien wie SMD (Surface Mount Devices) sind wesentlich besser, und eine korrekt entworfene Platine erzeugt weniger Rauschen und Übersprechen. Die gesamte Konstruktion wird zuverlässiger arbeiten als bei einem Vintage-Gerät, selbst wenn die Schaltungen sich kaum unterscheiden. Wenn der Sound verflacht, liegt das Problem eher beim Schaltungsdesign als bei den Bauteilen. Eine Menge Leute denken allerdings, dass alte, nachlässig designte Schaltungen besser sind, bloß weil sie überall verwendet werden. Wir sollten uns jedoch daran erinnern, das manche Geräte praktisch unbrauchbar waren, z. B. weil sie sich ständig extrem verstimmten.

Was war die Herausforderung beim Design des neuen Prophet-6?

Wir wollten dem Instrument die gleiche “Seele” geben wie dem Prophet-5, konnten aber nicht die gleichen Bauteile verwenden, da diese nicht mehr hergestellt werden. Aber wir haben neue, diskret aufgebaute VCOs und Filter entwickelt, die mittels extrem schneller Prozessoren kalibriert werden, welche auch alle Steuerspannungen mit sehr hoher Genauigkeit berechnen. Damit haben wir einen Synthesizer, der im Vergleich zu manchen Feature-überfrachteten Geräten dieser Zeit simpel erscheint, aber dem Original einiges an Funktionalität voraus hat. Ich denke, wir haben eine perfekte Mischung erreicht − die Einfachheit des Prophet-5 kombiniert mit modernen Features, die Musiker heute erwarten. Und er klingt großartig!

Digital versus Analog. Wo haben die beiden Ansätze jeweils ihre Stärken?

Wie ich eben schon erwähnt habe, ist das Digitale eine exakte Kopie, was oft eine gute Sache ist. Und digitale Instrumente klingen gemeinhin sehr gut! Wir 3 JUNGE MUSIKER ENTDECKEN, DASS VINTAGESYNTHESIZER UND NEUE ANALOGE INSTRUMENTE VIEL MEHR PERSÖNLICHKEIT HABEN ALS SOFTWARE-PRODUKTE. benutzen manchmal digitale Komponenten, wie beispielsweise digitale Oszillatoren beim Prophet-12. Analoge Oszillatoren konnten nicht das leisten, was wir für dieses Instrument wollten. Ich möchte hier nicht Partei für eine Seite ergreifen, aber so ziemlich alles, was ich entwickelt habe, hat analoge Filter mit unterschiedlichen Graden an digitaler Kontrolle. Musiker erzählen mir, dass analoge Instrumente sich anscheinend besser in den Mix einfügen. Ich denke, das sagt eine Menge aus über die Unterschiede.

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Dave Smith

Gewöhnlich überraschst du uns mit einem frischen Design anstatt Vintage-Vorlagen einfach zu kopieren. Was können wir in Zukunft von dir erwarten?

Mehr davon! Ich habe kein Interesse daran, etwas zu wiederholen, was ich bereits getan habe. Unser nächstes Instrument wird da keine Ausnahme machen. Ich bin lieber innovativ und überlasse das Kopieren anderen Firmen.

Vielen Dank für das Gespräch.

http://www.davesmithinstruments.com/

 

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