Die Soundmaschine aus Terminator 2

Brad Fiedel’s Fairlight CMI III zu verkaufen

fairlight cmi III reverb
Quelle: Reverb

Auf der auf Musikinstrumente spezialisierten Auktionsplattform Reverb wird ein Fairlight CMI Series III angeboten. Es ist aber nicht ein x-beliebiger CMI, sondern das Exemplar, das früher im Besitz von Hollywood-Komponist Brad Fiedel war, der damit den Soundtrack zu “Terminator 2 – Judgement Day” produzierte.

Der Verkäufer Andrei Kudryavtsev hat nach eigenen Angaben über ein Jahr für die Restauration des Fairlights gebraucht. Das System war offenbar in einem schlechten Zustand und hatte in der Verganagenheit mehrere Reparaturen erfahren, die zum Teil nicht mit den richtigen Komponenten durchgeführt wurden. Über den Umfang der Restauration und den jetzigen Zustand berichtet der Verkäufer in einem Video:

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Was macht den Fairlight CMI Series III so besonders? Der Sampler hat zwar einen legendären Ruf, doch aus heutiger Sicht ist die Technik natürlich hoffnungslos veraltet. Es gibt einen Artikel von Bernhard Lösener zu den unterschiedlichen CMI-Modellen, den ihr über diesen Link erreichen könnt.

Es waren ironischerweise die technischen Unzulänglichkeiten, welche den Fairlight-Sound zum entscheidenen Stilmittel für den T2-Soundtracks werden ließen. Brad Fiedel ließ Sound-FX und Scoring auf eine Weise miteinander verschmelzen, wie es zuvor noch nie gemacht und später in vielen Filmen übernommen wurde. Zum Beispiel erhielten die Gegenspieler im Film, der von Arnold Schwarzenegger verkörperte T-800 und der von Robert Patrick gespielte T-1000, eigene Sounds, die in die musikalischen Themen gemischt wurden.

Die bedrohlichen Klänge und Sound-FX wurden vor allem durch Down-Pitching erreicht, was bedingt durch die damalige Digitaltechnik mit Verzerrungen, Aliasing und Artefakten einher ging. Fiedel griff für den T2-Soundtrack auf die seinerzeit brandneuen und sehr teuren Prosonus-Libraries zurück, die Strings, Brass, Percussion, Woodwinds und andere akustische Instrumente lieferten. Es gibt ein informatives und unterhaltsames Reconstrution-Video, das den T2- Soundtrack analysiert und einige Passagen nachbaut. Zuerst macht das Video jedoch einen kurzen Ausflug zum Soundtrack des ersten Terminator-Films, der ebenfalls von Brad Fiedel stammt. Hier arbeitete er noch ohne MIDI mit Geräten wie Sequential Prophet-10, Oberheim DMX und DSX, Emulator II und (Achtung, schlechtes Wortspiel!) einer Geige. Im Video wird mit vergleichbaren Instrumenten eine überzeugende Cover-Version des “Tunnel Chase”-Themas nachgespielt.

Beim T2-Soundtrack stützte sich Brad Fiedel absichtlich fast ausschließlich auf den Fairlight, um die düstereAtmosphäre des Films zu unterstreichen. Das Reconstruction-Video führt dazu einige Zitate von Fiedel an. Exemplarisch werden mit den Library-Sounds “Brassfall” und “Anvil” die markantesten T2-Klänge und ihre Anwendung demonstriert.

Aufschlussreich ist auch ein Soundvergleich zum Opening-Thema. Brad Fiedel hatte sich gegen Aufnahmen mit einem echten Orchester entschieden und stattdessen ebenfalls mit gepitchten Sounds gearbeitet. Eine Imitation des Openings mit ähnlichen Sounds (aber ohne Fairlight) erzeugt auf Anhieb die unverkennbare Atmosphäre. Das gleiche Thema mit einer modernen Orchester-Library gespielt, kann da nicht mithalten.

Sicherlich ist ein Fairlight CMI heutzutage nur etwas für Liebhaber, zumal der aufgerufene Auktionspreis den Interessentenkreis ohnehin klein halten dürfte. Doch der T2-Soundtrack zeigt, das Kreativität, Ausdruck und Musikalität nicht immer technische Perfektion voraussetzt. Auch nach über 30 Jahren gilt der Soundtrack als Meilenstein und hat nichts von seiner atmosphärischen Wirkung verloren.

Übrigens, die Sound- und Sequencer-Files von Brad Fiedel sind ausdrücklich nicht Bestandteil der Auktion, da sie sein geistiges Eigentum darstellen. Es ist “nur” die originale Fairlight-Library enthalten. Allerdings sind die alten Prosonus-Libraries bei Big Fish Audio immer noch als Download erhältlich. Vielleicht lohnt es sich, diese mit dem Arturia CMI V auszuprobieren … nur so ein Gedanke.

Kommentar zu diesem Artikel

  1. “Reverb” ist ein Tummelplatz für Phantasten. Man schaue sich nur unten die “ähnlichen Inserate” an, wo für jedwedes ältere Instrument grundsätzlich fünfstellige Preise aufgerufen werden.
    Wären beim Fairlight wenigstens die Fiedel-Sounds dabei und das Gerät handsigniert, dann hätte es zumindest Sammlerwert. So sind die aufgerufenen 20.000 Euro einfach nur ein Witz.
    Zu seiner Zeit war der Fairlight in Sachen Sampling, Synthese, Bedienung und Mehrspursequencer eine einzigartige Krönung der Technik. Heute kann man das alles mit jedem 300 € Notebook machen.

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