Ein Subwoofer im Studio ist immer ein sensibles Thema. Gerade aus Sicht eines Mixing Engineers, der sich intensiv mit Lautsprecher-Einmessung, Raumakustik und dem ARC-Raumanpassungssystem von IK Multimedia beschäftigt, ist die Erwartungshaltung klar definiert: Ein Sub darf nicht beeindrucken wollen, er muss funktionieren. Er muss helfen, Entscheidungen zu treffen, statt neue Probleme zu erzeugen. Genau mit diesem Anspruch bin ich an den IK Multimedia iLoud Sub herangegangen, der bewusst im ambitionierten Projektstudio-Segment positioniert ist.
Schon vorab sei gesagt: Der iLoud Sub versteht sich weniger als klassischer „Bass-Booster“, sondern als präzises Werkzeug innerhalb eines systemisch gedachten Monitoring-Setups. Das merkt man ihm in nahezu jedem Detail an.
Konzept und Bauweise – Kontrolle statt Effekthascherei
Der iLoud Sub setzt auf ein geschlossenes Gehäuse, was im Studiokontext ein klares Statement ist. Keine Bassreflex-Ports, keine künstliche Betonung einzelner Frequenzen, sondern ein kontrolliertes Abstrahlverhalten mit sauberem Ausschwingen. Der verbaute 10-Zoll-Treiber wird von einer leistungsstarken Endstufe angetrieben, die weniger auf maximalen Schalldruck als auf Präzision und Stabilität ausgelegt ist.
Gerade in kleineren bis mittleren Regieräumen ist dieser Ansatz sinnvoll. Statt den Raum unnötig anzuregen, bleibt der Bassbereich definiert und nachvollziehbar. Das Gehäuse wirkt kompakt, aber massiv und professionell verarbeitet – nichts klappert, nichts wirkt nach Sparlösung. Auch optisch fügt sich der Sub unauffällig in moderne Studio-Setups ein, insbesondere in Kombination mit iLoud-Monitoren oder anderen neutral abgestimmten Nahfeldlautsprechern.

Anschlüsse und Integration ins Studio-Setup
Auf der Rückseite bietet der iLoud Sub symmetrische XLR- und Klinkenanschlüsse, was eine flexible Integration in bestehende Monitor-Controller- oder Interface-Setups ermöglicht. Die Signalführung ist logisch aufgebaut und erlaubt sowohl klassische Stereo-Setups als auch die saubere Einbindung in komplexere Monitoring-Ketten.
Besonders wichtig aus professioneller Sicht ist, dass der Sub nicht als Fremdkörper im Signalweg agiert. Pegel, Übergangsverhalten und Phasenlage sind so ausgelegt, dass der Subwoofer nicht als separate Klangquelle wahrgenommen wird, sondern als organische Erweiterung des bestehenden Systems.
Workflow im Mixing-Alltag – Subwoofer als Referenzwerkzeug
Im täglichen Mixing-Betrieb zeigt sich sehr schnell, worin die Stärke des iLoud Sub liegt. Er drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern erweitert das Frequenzspektrum nach unten auf eine sehr kontrollierte Art. Kickdrums bekommen Substanz, ohne an Kontur zu verlieren. Subbässe lassen sich klar voneinander unterscheiden, was besonders bei elektronischer Musik, modernen Pop-Produktionen oder Filmmusik ein echter Vorteil ist.
Was mir besonders positiv aufgefallen ist: Der iLoud Sub verleitet nicht dazu, basslastiger zu mischen. Im Gegenteil – er entlarvt zu fette Low-End-Entscheidungen sehr zuverlässig. Genau das ist aus professioneller Sicht entscheidend, denn ein guter Subwoofer sorgt nicht für mehr Bass, sondern für bessere Übersetzbarkeit auf anderen Systemen.

ARC-Integration – der eigentliche Gamechanger
Seine volle Stärke spielt der iLoud Sub in Kombination mit dem ARC System aus. Die eigentliche Qualität von ARC zeigt sich dabei weniger im Plug-in selbst als im gesamten Einrichtungs- und Denkprozess dahinter. ARC versteht sich nicht als simples Korrekturwerkzeug, sondern als Mess- und Entscheidungsgrundlage für ein konsistentes Monitoring-Setup.
Grundlage ist eine Mehrpunktmessung rund um die Hörposition. Statt nur einen idealisierten Sweet Spot zu optimieren, wird ein realistisch nutzbares Abhörfeld erfasst – ein entscheidender Faktor, gerade im Bassbereich, wo sich schon kleinste Positionsänderungen massiv auswirken können. Mit dem ARC-Messmikrofon werden mehrere Messpunkte auf Ohrhöhe erfasst, wobei direkte Schallanteile, frühe Reflexionen und Raummoden in die Berechnung einfließen.
Im Zusammenspiel mit ARC-fähigen Lautsprechern aus der iLoud-Serie kann die Korrektur entweder klassisch als Plug-in in der DAW genutzt oder direkt in die Lautsprecher geschrieben werden. Letzteres ist besonders elegant, da das kalibrierte Monitoring unabhängig von der DAW erhalten bleibt – ein klarer Vorteil beim Arbeiten mit externen Quellen oder beim schnellen Referenzhören.
Im Setup mit iLoud-Monitoren und iLoud Sub wird der Subwoofer vollständig in den Messprozess integriert. ARC analysiert das gesamte System inklusive Übergangsbereich und Phasenverhalten. Der Übergang zwischen Satelliten und Subwoofer wird so nicht „nach Gefühl“, sondern messbasiert und zeitlich kohärent gestaltet. In der Praxis äußert sich das in einem deutlich ruhigeren und besser kontrollierten Bassbild, insbesondere im kritischen Bereich zwischen etwa 60 und 120 Hz.
Auch mit Subwoofern oder Lautsprechern anderer Hersteller funktioniert ARC zuverlässig, allerdings mit Einschränkungen. Der Sub muss in solchen Fällen vorab sinnvoll eingepegelt und korrekt getrennt werden. ARC kann Frequenzgänge glätten und Raummoden entschärfen, ersetzt aber keine saubere Grundkonfiguration. Zeitliche Fehlanpassungen oder falsche Übergangsfrequenzen lassen sich nur begrenzt kompensieren – hier spielen iLoud-Systeme mit integrierter DSP-Kontrolle ihre Stärke aus.
Ein oft unterschätzter Punkt ist die Interpretation der Messergebnisse. ARC bietet unterschiedliche Zielkurven und Intensitätsstufen. Aus Mixing-Sicht gilt: Weniger ist häufig mehr. Eine moderate Korrektur, die Problemstellen entschärft, ohne das System vollständig zu „glattzubügeln“, hat sich im Alltag als musikalischer und verlässlicher erwiesen.
Klangliche Beurteilung – nüchtern, präzise, musikalisch
Klanglich zeigt sich der iLoud Sub von seiner besten Seite, wenn es um Kontrolle und Detail geht. Der Bass ist straff, trocken und gut definiert. Auch komplexe Low-End-Strukturen bleiben nachvollziehbar, ohne zu verschwimmen oder aufzudicken. Besonders bei leisen bis mittleren Abhörlautstärken arbeitet der Sub sehr souverän – ein klarer Vorteil im modernen Studioalltag.
Bei höheren Pegeln bleibt der Sub stabil und unaufgeregt. Er ist kein Club-Subwoofer, sondern ein präzises Monitoring-Werkzeug. Genau das macht ihn für Mixing- und masteringnahe Anwendungen interessant.

Fazit: IK Multimedia iLoud Sub
Mit einem Preis von 699,99 € positioniert sich der IK Multimedia iLoud Sub klar als ernstzunehmendes Werkzeug für ambitionierte Projektstudios und professionelle Arbeitsumgebungen. Er richtet sich nicht an Anwender, die einfach „mehr Bass“ wollen, sondern an Engineers, die ihr Monitoring ganzheitlich betrachten.
In Kombination mit dem ARC-System entfaltet der iLoud Sub sein volles Potenzial und wird zu einem präzisen Referenzwerkzeug für Low-End-Entscheidungen. Wer bereit ist, Zeit in Einmessung und Setup zu investieren, erhält einen Subwoofer, der hilft, bessere Mischungen zu erstellen – und genau darum geht es am Ende.
Pro
- Sehr kontrollierter, präziser Bass
- Nahtlose Integration mit ARC-System
- Kompakte Bauweise mit professioneller Performance
Contra
- Kein Effekt-Sub für bassbetonte Spaß-Setups
- Volles Potenzial nur mit sorgfältiger Einmessung
Link zur Herstellerseite: IK Multimedia


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