Neumann KH 310 II Test: Der Referenzmonitor geht ins digitale Zeitalter

Die linke Variante platziert Mittel- und Hochtöner zur Stereomitte hin – für eine symmetrische Abbildung am Hörplatz.

Mit der KH 310 II aktualisiert Neumann einen der etabliertesten Drei-Wege-Monitore für professionelle Regieräume. Das neue Modell behält das kompakte, geschlossene Drei-Wege-Konzept der KH 310 A bei, ergänzt es aber um einen vollständig digitalen Signalweg, AES3id, deutlich stärkere Endstufen und die Einmessung mit MA 1. Die KH 310 II Lund KH 310 II R kosten jeweils 2.979 Euro; für ein Stereo-Paar werden also 5.958 Euro fällig.

Wichtig beim Kauf: L und R sind keine unterschiedlichen Modelle, sondern zwei spiegelbildliche Varianten desselben Monitors. Die Mittel- und Hochtoneinheit sitzt bei der linken Box auf der rechten Seite der Schallwand, bei der rechten entsprechend auf der linken Seite. Im Stereodreieck gehören die Hochtöner somit nach innen. Das verbessert die symmetrische Abbildung am Hörplatz und macht die KH 310 II auch für Mehrkanal- und immersive Setups besonders interessant.

Drei Wege, geschlossenes Gehäuse

Das grundlegende Rezept bleibt überzeugend: Ein 8,25-Zoll-Tieftöner, ein 3-Zoll-Mitteltöner und ein 1-Zoll-Hochtöner teilen sich die Arbeit. Der kompakte, liegend aufgestellte Monitor setzt weiterhin auf ein geschlossenes Gehäuse. Das ist bei wandnahen Aufstellungen und bei der Beurteilung von Bassimpulsen oft ein handfester Vorteil: Die Tieftonwiedergabe bleibt kontrolliert, ohne dass ein Bassreflexport zusätzlich mit dem Raum interagiert.

Der Tieftöner arbeitet mit Neumanns ELFF-Technologie und soll auch bei großen Auslenkungen sehr geringe Verzerrungen liefern. Mit einem Frequenzbereich von 29 Hz bis 21 kHz und maximal 121,4 dB SPL reicht die KH 310 II deutlich über das hinaus, was man klassisch nur einem Nahfeldmonitor zutrauen würde. Sie kann deshalb im Nah- wie im kompakten Mittelfeld eingesetzt werden – sofern Raum, Stative und Hörabstand dazu passen.

Das eigentliche Pfund der Konstruktion ist der separate Mitteltöner. Stimmen, Snare, Gitarren, Klavier, Synth-Layer und die oft kritische Präsenzzone müssen nicht vom Woofer mitgetragen werden. Gerade bei dicht arrangierten Produktionen schafft das die Voraussetzung, Klangfarben und Pegelverhältnisse im Mitteltonbereich sehr präzise einzuordnen.


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Neumann KH 310 II L Aktiver Studiomonitor

Warum die gespiegelte L/R-Ausführung wichtig ist

Bei vielen Monitoren ist die vertikale Treiberanordnung zwangsläufig identisch. Die KH 310 II liegt hingegen quer, und genau deshalb ist eine reine Dopplung der Box für ein Stereopaar nicht ideal. Neumann liefert die KH 310 II daher als linke und rechte Ausführung. Der Tieftöner bleibt außen, die kompakte Mittel-/Hochtonsektion sitzt jeweils zur Stereomitte hin. So liegen beide Boxen am Hörplatz geometrisch gleich, statt dass eine der empfindlicheren Mittel- und Hochtonsektionen weiter außen arbeitet als die andere.

In der Praxis ist das kein Marketingdetail. Gerade bei nahen Hörabständen, bei einer sorgfältig eingerichteten Regie und bei sehr klaren Panoramaentscheidungen trägt die Symmetrie dazu bei, dass Phantommitte, Tiefenstaffelung und die seitliche Ortung plausibel bleiben. Wer die Boxen aufstellt, sollte deshalb unbedingt auf die Bezeichnung achten: KH 310 II L links, KH 310 II R rechts – jeweils vom Hörplatz aus betrachtet. Die Hoch- und Mitteltöner zeigen nach innen.


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Neumann KH 310 II R Aktiver Studiomonitor

Für einen einzelnen Center-Lautsprecher oder einen Surround-Kanal wird die Ausrichtung zusätzlich zur Planungsfrage. Hier zählt weniger „links oder rechts“ als eine zum gesamten Layout passende, möglichst symmetrische Treiberposition. Bei einem Mehrkanalprojekt sollte die Monitorplanung daher vor dem Kauf feststehen.

Neue DSP-Plattform und MA 1

Der Generationswechsel steckt vor allem im Inneren. Die KH 310 II arbeitet mit einem vollständigen 32-Bit-DSP-Signalweg und unterstützt das Neumann-MA-1-System zur automatischen Monitor-Ausrichtung. Das ersetzt keine gute Aufstellung und keine akustischen Maßnahmen, kann aber die letzten, raumbedingten Unregelmäßigkeiten am Hörplatz sinnvoll korrigieren.

Für die Praxis ist das ein starkes Upgrade gegenüber der analogen KH 310 A: Wer in einem gut behandelten Regieraum arbeitet, kann die Boxen klassisch nutzen; wer in einem kleineren Studio, Mietraum oder wechselnden Arbeitsumfeld mischt, erhält ein deutlich besseres Werkzeug, um die Abhöre an den konkreten Hörplatz anzupassen. Die Korrektur sollte dabei als Feintuning verstanden werden – nicht als Freifahrtschein für ungünstige Lautsprecher- oder Sitzpositionen.

MA 1 setzt am Monitor- und Hörplatz an: Gemessen wird mit dem passenden Messmikrofon, anschließend wird die Korrektur in den DSP der Lautsprecher übertragen. Das ist komfortabler und zuverlässiger als eine pauschale EQ-Kurve im Monitor-Controller oder in der DAW, weil die Arbeitsumgebung unabhängig vom gerade genutzten Rechner und der Software konsistent bleibt. Besonders sinnvoll ist das, wenn mehrere Zuspieler an derselben Abhöre genutzt werden oder Mixe nicht nur in einer einzelnen DAW entstehen.

Trotzdem bleiben die Grundregeln unverändert. Der Hörplatz sollte nicht unmittelbar an der Rückwand liegen, die Lautsprecher brauchen eine stabile, mechanisch entkoppelte Aufstellung und die erste Reflexion von Seitenwänden, Tischplatte oder Decke muss berücksichtigt werden. Ein DSP kann Moden und breitbandige Raumfehler am Messpunkt glätten, aber keine zu lange Nachhallzeit, keine flatternden Reflexionen und keine asymmetrische Raumgeometrie wegzaubern. Gerade bei einer Monitoranlage in dieser Preisklasse gehört die Akustik deshalb fest zur Investition.

Analoger XLR-Eingang, AES3id über BNC, Netzwerkanschluss für die Systemintegration sowie Bedienelemente für Pegel und Raumanpassung.
Analoger XLR-Eingang, AES3id über BNC, Netzwerkanschluss für die Systemintegration sowie Bedienelemente für Pegel und Raumanpassung.

Analog oder digital anschließen

Neben dem analogen XLR-Eingang steht ein digitaler AES3id-Eingang auf BNC-Basis bereit. Damit lässt sich die KH 310 II direkt und ohne eine zusätzliche Analogwandlung in passende digitale Monitor-Setups integrieren. Besonders bei Mehrkanal-Setups ist die einheitliche DSP- und Treiberplattform ein Vorteil: Sie erleichtert eine konsistente Abstimmung zwischen den einzelnen Kanälen.

Die Endstufenleistung wurde im Vergleich zum Vorgänger deutlich angehoben. Neumann nennt 300 Watt für den Tieftöner, 160 Watt für den Mitteltöner und 125 Watt für den Hochtöner. Zusammen mit der modernen Limiter-Struktur verspricht das mehr Pegelreserven und ein souveräneres Verhalten bei transientenreichem Material. Entscheidend ist dabei weniger die reine Lautstärke als die Fähigkeit, auch bei Arbeitspegeln Klangbalance, Dynamik und Tiefenstaffelung zuverlässig beurteilen zu können.

Der AES3id-Anschluss ist dabei keine Universal-Digitalbuchse für jedes Audio-Interface. Er richtet sich an professionelle Geräte und entsprechende Digital-Verkabelung. Wer überwiegend analog aus einem üblichen Monitor-Controller oder Interface arbeitet, nutzt einfach XLR; der DSP- und MA-1-Vorteil bleibt erhalten. Für den digitalen Betrieb sollte man vorab prüfen, welches Ausgangsformat das Interface oder die Monitorzentrale tatsächlich bereitstellt und wie Clocking, Pegelmanagement sowie Kanalzuordnung im System gelöst werden.

Aufstellung: kompakt, aber keineswegs nebenbei

Mit ihrer horizontalen Bauform wirkt die KH 310 II zunächst wie eine typische Meterbridge-Box. Das kann funktionieren, aber die Größe, das Gewicht und der mögliche Pegel machen sie wesentlich erwachsener als einen kleinen Desktop-Monitor. Auf einer breiten und resonanzarmen Meterbridge muss der Abstand zu großen Konsolenflächen sowie zu frühen Reflexionen bedacht werden. Im Zweifel sind solide Stative die bessere Wahl, weil sie Höhe, Abstand und Einwinkelung präziser erlauben.

Die Hochtöner sollten ungefähr auf Ohrhöhe zielen. Im Stereodreieck beginnt man praxisnah mit gleich langen Seiten zwischen beiden Boxen und dem Hörplatz; die genaue Distanz richtet sich dann nach Raumgröße, Arbeitsweise und der Frage, wie viel Direktschall gegenüber Raumeinfluss gewünscht ist. Eine allzu breite Aufstellung kann die Phantommitte ausdünnen, ein zu geringer Abstand zur Rückwand kann den Bassbereich unnötig aufdicken. Die kontrollierte, geschlossene Abstimmung ist hilfreich, befreit aber nicht vom Messen und Hören.

Die KH 310 II kann laut genug, um auch als kompaktes Mittelfeld zu arbeiten. Das heißt jedoch nicht, dass man dauerhaft laut mischen sollte. Im Gegenteil: Ihre Auflösung ist vor allem dafür wertvoll, dass Probleme bei moderaten Pegeln hörbar bleiben. Lautes Gegenchecken bleibt für den Bass, die Belastbarkeit und die Dynamik sinnvoll – die meisten Balanceentscheidungen fallen besser bei einem entspannten, wiederholbaren Arbeitspegel.

Die linke Variante platziert Mittel- und Hochtöner zur Stereomitte hin – für eine symmetrische Abbildung am Hörplatz.
Die linke Variante platziert Mittel- und Hochtöner zur Stereomitte hin – für eine symmetrische Abbildung am Hörplatz.

Für wen lohnt sich die KH 310 II?

Die KH 310 II ist kein universeller „schön klingender“ Genussmonitor, sondern klar als belastbare Referenz für Aufnahme, Editing, Mixing, Mastering und Postproduktion gedacht. Ihre Stärke liegt dort, wo Entscheidungen reproduzierbar sein müssen: Wie laut ist die Vocal wirklich? Ist der Bass präzise oder nur groß? Klebt die Snare im Mix? Wandert die Phantommitte? In Stereo liefert die spiegelbildliche L/R-Bauweise dafür eine sauber symmetrische Ausgangsbasis; in Surround- und immersiven Installationen zahlt sich zusätzlich die hohe Fertigungskonsistenz aus.

Für Musikproduktionen mit vielen Spuren ist die getrennte Mittenwiedergabe besonders attraktiv. Wenn Vocal, Gitarren, Keys und Drums gleichzeitig in einem kritischen Präsenzbereich arbeiten, ist eine gute Trennschärfe keine akademische Disziplin, sondern spart Zeit beim Entscheiden. In der Postproduktion stehen wiederum Sprachverständlichkeit, die Beurteilung von Geräuschen und eine stabile Lokalisierung im Vordergrund. Und für Atmos- oder andere immersive Formate sind gleiche, reproduzierbare Monitore sowie eine verlässliche Raumkalibrierung ohnehin wichtiger als ein spektakulärer Charakterklang.

Weniger passend ist die KH 310 II für sehr kleine, unbehandelte Räume, in denen weder ausreichender Hörabstand noch eine saubere Aufstellung möglich sind. Auch reine Producing-Setups, die überwiegend von einer gefälligen, inspirierenden Wiedergabe leben und kaum kritische Mixentscheidungen treffen, müssen nicht zwingend bis in diese Preisklasse gehen. Die Neumann spielt ihre Stärke aus, wenn ihre Neutralität und Genauigkeit regelmäßig genutzt werden.

Die rechte, spiegelbildlich aufgebaute Variante ergänzt die KH 310 II L zum präzisen Stereo-Paar.
Die rechte, spiegelbildlich aufgebaute Variante ergänzt die KH 310 II R zum präzisen Stereo-Paar.

KH 310 A oder KH 310 II?

Besitzer einer KH 310 A müssen nicht automatisch wechseln: Das bewährte akustische Grundkonzept bleibt erhalten. Der wesentliche Mehrwert der II liegt nicht in einer völlig neuen Klangphilosophie, sondern in der zeitgemäßen Systemintegration. MA 1, 32-Bit-DSP, der digitale AES3id-Eingang, die höhere Verstärkerleistung und die auf moderne Stereo- sowie Multichannel-Anforderungen ausgelegte Plattform machen sie für Neuanschaffungen besonders interessant.

Wer bereits einen gut eingemessenen, akustisch überzeugenden Raum hat und ausschließlich analog arbeitet, wird den Schritt nüchterner kalkulieren. Wer dagegen ein neues Studio plant, ein Mehrkanal-Setup aufbaut oder gezielt eine Neumann-Referenz mit integrierter Raumkorrektur sucht, bekommt mit der KH 310 II ein deutlich runderes Gesamtpaket als beim Vorgänger.

Mit 18 kg pro Box sowie 383 x 253 x 292 mm verlangt die Neumann nach stabilen Stativen oder einer wirklich tragfähigen Meterbridge. Auch der Preis positioniert sie eindeutig im professionellen Segment. Wer jedoch bisher mit einer KH 310 A arbeitet und digitale Integration sowie MA 1 vermisst hat, bekommt hier ein sehr schlüssiges Update – ohne die bewährte Drei-Wege-Idee aufzugeben.

Drei Wege in kompakter, horizontaler Bauform: 8,25-Zoll-Tieftöner, 3-Zoll-Mitteltöner und 1-Zoll-Hochtöner.
Drei Wege in kompakter, horizontaler Bauform: 8,25-Zoll-Tieftöner, 3-Zoll-Mitteltöner und 1-Zoll-Hochtöner.

Fazit: Neumann KH 310 II

Die Neumann KH 310 II L/R führt die Stärken der KH 310 A konsequent weiter und ergänzt sie um das, was in modernen Regien tatsächlich fehlt: DSP, MA-1-Unterstützung, digitale AES3id-Anbindung und deutlich mehr Leistungsreserven. Die gespiegelt aufgebauten Varianten ergeben ein sorgfältig auf Stereopräzision ausgelegtes Paar; technisch sind sie baugleich. Für 2.979 Euro pro Lautsprecher beziehungsweise 5.958 Euro pro Stereo-Paar ist das eine kostspielige, aber sehr durchdachte Referenzlösung für anspruchsvolle Studios, Postproduktion und immersive Workflows. Wer ihre präzise Mitteltonarbeit, das kontrollierte Low-End und die digitale Systemintegration ausnutzt, investiert hier in ein langfristiges Arbeitswerkzeug. Voraussetzung für ihr Potenzial bleibt ein sinnvoll geplanter Raum – die Einmessung hilft, ersetzt aber keine Akustik.

Pro

  • Präzise Drei-Wege-Konstruktion mit geschlossenem Gehäuse und tiefer Tieftonreichweite
  • 32-Bit-DSP, MA-1-Raumkorrektur sowie analoger und digitaler AES3id-Anschluss
  • Spiegelbildliche L/R-Varianten für eine saubere Stereo- und Mehrkanal-Geometrie

Contra

  • Hoher Anschaffungspreis von 5.958 Euro pro Stereo-Paar
  • MA-1-Korrektur ist zusätzliches Zubehör und kein Ersatz für Raumakustik

 

Link zur Herstellerseite: Neumann

Technische Daten

  • Bauart: aktiver Drei-Wege-Studiomonitor, geschlossen
  • Varianten: KH 310 II L und KH 310 II R, spiegelbildlich aufgebaut
  • Bestückung: 8,25 Zoll Tieftöner, 3 Zoll Mitteltöner, 1 Zoll Hochtöner
  • Verstärkerleistung: 300 W (LF), 160 W (MF), 125 W (HF)
  • DSP: vollständiger 32-Bit-Signalweg, MA-1-Unterstützung
  • Eingänge: analog XLR, digital AES3id über BNC
  • Frequenzbereich: 29 Hz bis 21 kHz
  • Maximalpegel: 121,4 dB SPL
  • Maße (B x H x T): 383 x 253 x 292 mm
  • Gewicht: 18 kg pro Lautsprecher
  • Preis: 2.979 Euro pro Stück (UVP/Shoppreis zum Testzeitpunkt)

 

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