„Portichen“ mit Profi-Sound

Korg microArranger – Portable Keyboard im Test

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Manchem reicht’s auch mini: Korg hat mit dem Korg microArranger sein Ensemble der „micros“ um ein weiteres Modell ergänzt. Mit dem Korg microArranger werden waschechte Portable- Keyboard-Fähigkeiten im Ultra-kompakt-Format geboten.

Mit microKorg, microPiano oder microStation hat Korg es vorgemacht, nun reiht sich auch der microArranger in die Riege jener Instrumente ein, die einem pfiffigen Low-BudgetPrinzip folgen: Jenseits aller Einsteigerformate anderer Hersteller sehen die Korgschen „micros“ vielmehr aus wie Miniaturen „echter“ Instrumente – greifen aber auf bewährte Technologien teurerer Modellreihen zurück. Der optischen Gratwanderung zwischen Low-Cost und Wertigkeit, ernst zu nehmendem Instrument und Spielzeug wird so der überzeugende Sound und die Kernausstattung eines Mittelklassen-Produkts zuteil.

Pa50-Miniatur

Wem die Standard-Tastengröße nicht so wichtig, ein Korg Pa50SD aber immer noch zu teuer ist, der kann blind zum microArranger greifen. Am neuen Korg-Portichen ist zwar alles kleiner und das schwarze Chassis inklusive der von der microStation her bekannten geschlossenen 61er-Mini-Tastatur verleihen dem Instrument einen individuellen Look; doch sowohl die Benutzeroberfläche wie auch das technische Innenleben stammen fast eins zu eins vom Pa50SD. 2004 brachte Korg das Ur-Pa50 zum Preis von 1.120 Euro heraus. Das Modell entwickelte sich aufgrund seiner überzeugenden Klangqualität und seiner flexiblen Möglichkeiten zum noch heute produzierten Dauerbrenner.

2010 folgte die Version Pa50SD (773 Euro) mit SD-Card-Slot zur zeitgemäßen Datensicherung. Nochmals rund 200 Euro weniger verlangt Korg für den microArranger. Seine anschlagdynamischen „micro“-Tasten sind gewöhnungsbedürftig, aber noch spielbar; der Pitch-Modulation- Joystick ist sogar eine professionelle Spielhilfe. Bei den Anschlüssen wurde im Gegensatz zum Pa50SD auf MIDI-Thru verzichtet, und Phonessowie Input-Buchse (z. B. für einen MP3-Player) sind beim micro als Stereo-Miniklinke ausgeführt. Weiterer Unterschied zum Pa50SD ist das interne Soundsystem, das mit nurmehr 2 x 5 Watt Leistung (gegenüber 2 x 15 Watt) und Lautsprechern ohne Bassreflex-Öffnungen auskommen muss.

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Sounds und Styles

Der microArranger liefert als kleine Portable-Workstation eine universell einsetzbare Sammlung von Sounds und Styles. Die 62- stimmig arbeitende HI(„Hyper Integrated“)- Klangerzeugung kommt auch in den nicht mehr produzierten Triton-Synthesizer-Workstations und im alten Pa1X zum Einsatz. Zwar nagt der Zahn der Zeit bereits an einigen der 662 Klänge des microArranger – beispielsweise an den Akustikgitarren und an manchen Solo- Instrumenten –, doch der Gesamtsound kann auch heute noch überzeugen. In Klanggruppen wie „Piano“, „E-Piano“ oder „Organ“ wird – bei guter Klangqualität – viel Abwechslung geboten. Drums (33 Kits) und Bässe setzen sich gut durch und sorgen für Druck. Warme Streicher und Pad-Sounds sowie gute Synth-Leads sind ohnehin eine Domäne von Korg, die der microArranger mit komplexen Edit-Funktionen begleitet: Filter, LFO und Amplitude mit jeweils mehrstufigen Hüllkurven lassen sich für jeden der bis zu vier Oszillatoren eines PROGRAMS (Sounds) detailliert einstellen. 128 User-Programs stehen dafür bereit. Daneben kann man 64 eigene User Drumkits erstellen.

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Klasse sind die Effekte: Vier DSPs mit den jeweils gleichen 89 Typen, darunter komplexe Modulations- und Kombi-Effekte, alle editierbar. Deren Qualität überzeugt durchweg. Die 256 Preset-Styles mit jeweils acht Spuren sind den klassischen Genres wie 8/16 Beat, Ballad, Ballroom, Latin, Jazz usw. verpflichtet. Die Arrangements sind geschmackvoll und mit viel Groove programmiert. Manche Pop- und Dance-Styles sind nicht mehr auf der Höhe der Zeit, insgesamt aber wird ein recht universell einzusetzendes Repertoire geliefert. Wünschenswert wäre eine Auswahl von zeitgemäßen Arrangements exklusiv für den microArranger gewesen, anstatt die Werksdaten aus dem Pa50 eins zu eins zu übernehmen. Nach Auskunft des deutschen Korg-Vertriebs wird aber bereits über ein zusätzliches Style-Angebot für den neuen Kleinen nachgedacht. Schon jetzt lädt der micro Styles für die i-Serie sowie die Modelle Pa50, 60 und 80. Dafür gibt es 48 USER-STYLE-Speicher.

Performen à la micro

164 Speicherplätze für PERFORMANCES fasst der interne Speicher. Eine solche Registrierung organisiert die vier REALTIME PARTS UPPER 1 bis 3 sowie LOWER zusammen mit einem beliebigen Style und allen dazugehörigen Einstellungen. Im STYLE PLAY MODE gibt’s zudem vier veränderbare SINGLE TOUCH SETTINGS pro Style. Die Begleitautomatik arbeitet professionell – mit vier VARIATIONS und je zwei INTROS, ENDINGS und FILLS; außerdem gibt es die Funktionen BREAK, SYNCHRO START und STOP sowie FADE IN/OUT. Zur Akkord-erkennung dienen die FINGERED-Modi und eine ONE-FINGER-Automatik. Die Funktion ON BASS kann man frei hinzu schalten. Im Modus SONG PLAY spielt der microArranger SMFs direkt von einer SD-Card ab. Mittels JUKE- BOX-Funktion lassen sich Playlists abspielen. Und dank Doppelsequenzer können zwei MIDI-Songs unabhängig voneinander gestartet und mit dem CROSSFADER ineinander überblendet werden.

Song-Maschine an Bord

Im Sequenzer-Teil des microArrangers lassen sich Songs so detailliert wie in OberklasseKeyboards programmieren. Die Spur-für-SpurAufnahme von 16 MIDI-Tracks ist im SONG-SEQUENCER zwar möglich, kann aber leicht in un- übersichtliche Tipp-Orgien ausarten. Einfacher ist es, Song-Ideen im BACKING-SEQUENCER festzuhalten, der das eigene Spiel auf der Tastatur inklusive Style-Wiedergabe aufzeichnet. Das Ergebnis kann anschließend im Song-Sequencer oder dank Sicherung im SMF-Format auch gleich am Rechner weiterbearbeitet werden. Die Kapazität von maximal 56.000 Noten für einen Song kann sich in dieser Klasse sehen lassen.

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Fazit

Der microArranger ist ein wertiges „Porti to go“ mit dem Funktionsumfang eines flexiblen Mittelklasse-Keyboards. Die Edit-Möglichkeiten für Sounds und Styles sind professionell, und der XDS-Sequenzer macht das micro-Modell zur komplexen MIDI-Workstation. Aufgrund der Mikro-Tasten empfiehlt sich der microArranger natürlich nicht als starkes Livekeyboard. Der mittels der Spar-Klaviatur erzielte Preisvorteil kommt aber wiederum Musikern entgegen, die zum Beispiel auf der Gitarre oder auf einem Blasinstrument zu Hause sind und ein kleines Keyboard als Kompositions- und Arrangierhilfe suchen.

Nicht zu unterschätzen ist der Doppelsequenzer, mit welchem der microArranger sich als flexibler Abspieler für ein StandardMIDI-File-Repertoire erweist. Nur schade, dass Korg die Preset-Auswahl an Sounds und Styles gänzlich vom Pa50 übernommen hat. Das Potenzial, um Klänge und Arrangements zeitgemäßer zu gestalten, besitzt der microArranger nämlich zweifellos.

Plus/minus

+ guter Gesamtsound
+ flexible Sound- und Style-Auswahl
+ leistungsstarke Begleitautomatik
+ Doppel-Sequenzer
+ Edit-Möglichkeiten

– kein USB
– Preset-Material könnte das Klangpotenzial besser ausschöpfen

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