Live at Java Jazz Festival 2010

Transkription: George Duke – It’s On

Vor sieben Jahren (am 05.08.2013) ging einer unserer Besten von Bord: George Duke war ein großartiger Produzent, Komponist und Performer. Als Keyboarder hat er mit seinen Rhodes-, Clavinet- und Synthie-Sounds Maßstäbe gesetzt. Vor allem sein subtiles Pitchbending gehört für jeden angehenden Tastier nach wie vor zum Pflichtprogramm.

Anzeige

Seine musikalische Heimat waren Funk, Soul und Fusion Jazz, er spielte in den Bands von Frank Zappa und Cannonball Adderley und arbeitete u. a. mit Billy Cobham, Stanley Clarke und Al Jarreau. Seine Ausbildung weist ihn übrigens als Posaunisten, Komponisten und Kontrabassisten aus.

Das Video des George Duke Trios Live at Java Jazz Festival 2010 in Jakarta, bei dem auch It’s On gespielt wurde, sorgte für einen Schub ins Bewusstsein der YouTube-Gemeinde – hier wird George von Christian McBride am Kontrabass und von Ronald Bruner Jr. an den Drums begleitet. Er selbst spielt den Wurlitzer-Sound auf einem Yamaha Motif ES 8, dazu später. Dieses Video ist ein eindrucksvolles Zeitzeugnis in puncto Groove und Feelings, das George Duke mit seiner Musik verkörperte.

Die Transkription zeigt Ausschnitte aus beiden Darbietungen: Vom Intro bis zum Interlude in Takt 36 habe ich die CD-Version übernommen, während das Solo der Live-Version entspricht. Das B-Solo habe ich aus Platzgründen gekürzt und mit Wiederholungszeichen versehen; hier sollte der zweite Durchgang durch eigenes Solospiel ergänzt werden.

It’s On ist ein Instrumentalstück, dass auf zwei Vamps beruht: Im A-Teil geht der Bass von F-Moll schrittweise abwärts bis zum Bb/D und dann wieder zurück. Der Slashchord Db/Eb kann auch als Eb9sus4 bezeichnet werden. Dieser recht einfache, gospelige Vamp entfaltet seine Wirkung durch seinen coolen Groove, der vor allem vom Bassisten der Aufnahme Byron Miller getragen wird und primär aus Achtelgrundtönen besteht. Wichtig sind die Artikulationen: kurz-lang-kurz-lang-kurz – vgl. Takt 1. Ab Takt 9 variiert der Bass in der Oktavlage: Die unter den Noten befindlichen Pfeile zeigen an, dass diese Töne eine Oktave tiefer als notiert gespielt werden. Später kommen gelegentlich kurze Fills-ins dazu. Beim Spielen der Transkription kann die Bassfigur durchaus in ein Solo-Piano-Arrangement integriert werden, ansonsten wäre eine Triobesetzung sinnvoll.

In der linken Hand spielt George überwiegend flächige Akkorde und konzentriert sich auf das Melodiespiel, bei dem die 16tel-Noten geshuffelt werden, während sie im Live-Solo (ab Takt 37) meist gerade gespielt sind. Auf der Studioaufnahme scheint es, als würden die Akkorde unterschwellig von einem Synthie (Brass-Pad) unterstützt werden. In einigen kurzen Abschnitten, wie z. B. in Takt 21 und 22, zeigt George Duke als variabler Pianist, wie er problemlos mehrstimmige Passagen einstreuen konnte und dadurch die Klangpalette erweiterte. Im B-Teil kommt der zweite Vamp zum Einsatz: Von Fm geht es über Bb7, Eb9sus4 zu Ab, bevor ein kleiner IIm7-V7-Baustein wieder zur Tonika Fm zurückführt. Die kleinen Licks des Clavinets in Takt 25 und 26 habe ich mit einem Notenkarokopf gekennzeichnet.

Die Transkription findest du in der Sound&Recording+Keyboards-Ausgabe 04/2020. Hier versandkostenfrei bestellen oder las PDF kostengünstig herunterladen. 

Solospiel à la Duke. In den ersten acht Takten des Solos kümmert sich die linke Hand um das Pitchrad – und hier kommt die Spezialität von George zum Tragen. Die Tonhöhe der Noten wird meist einen Ganzton nach oben verschoben, selten wird der Ton aber auch herunter gepitcht – das zeigen die kleinen Bögen vor oder nach den Noten. Die Zahl 1 in Takt 38 besagt, dass der Spielraum von einem Ganzton voll ausgenutzt wird. In Takt 38 und 39 hingegen wird das »b« um einen Halbton knapp an das »h« heran gebeugt, das entspricht der Blue-Note der verminderten Quinte in F-Moll. Sehr häufig wird das Pitchrad aber auch nur ein wenig »angeschubst«, um dem Ton die Andeutung einer Tonänderung zu geben, das reicht schon aus, um den Ton lebendig zu halten – vgl. z. B. im Intro das kleine gekippte Dreieck neben den betreffenden Noten.

Und zu guter Letzt gibt es ja noch das Vibrato, dass traditionell mit dem Modulationsrad abgerufen wird – vgl. z. B. die Wellenlinie in Takt 40. An einigen Stellen erzeugt George das Vibrato allerdings mit dem Pitchrad, indem er es schnell auf und ab bewegt.

Die Lebendigkeit des Klangs ist ein wesentliches Stilmittel von George Duke: In Takt 38 wiederholt er das gepitchte »b« immer leiser werdend bis zum Pianissimo. Im Gegensatz zu diesen intimen, leise intonierten und mit legato verbundenen Tönen werden die meisten Passagen non legato mit »Schmackes« gespielt, um den perkussiven Effekt des Sounds ausleben zu können. Der Clou des Ganzen ist, dass sowohl der Solo- als auch der Akkordklang mit einem Wurlitzer-Sound des Yamaha S 90 ES gespielt werden. Ob dieser Sound modifiziert worden ist und ob da ein anschlagsabhängiger Layer-Sound und/oder ein Split für das Solospiel in höheren Lagen ein Rolle spielt, ist unklar.

Das Tonmaterial besteht aus der F-Blues-Tonleiter, gelegentlich tauchen auch chromatische Umspielungen auf. Einige Passagen sehen vom Notenbild recht komplex aus – mein Tipp ist, sich hier unbedingt das Video anzusehen und die Rhythmik auditiv zu erfassen.

Das Interlude im Livespiel: Die Akkorde werden ein wenig clusterhaft gesetzt und laufen rhythmisch parallel zum Bass. Durch den angezerrten Wurly-Sound klingen die Akkorde noch schärfer, bei den einzelnen Tönen fällt das nicht so stark auf. Raffiniert ist, wie George nach dieser Power-Passage blitzschnell auf einen butterweichen chromatischen Aufgang im Break in Takt 64 wechselt.

Als kleine Zugabe habe ich das Intro der rubato gespielten Live-Version notiert, das ab Takt 14 a tempo geht. Wer möchte, kann dieses Intro alternativ übernehmen.

Hier findest du außerdem ein George-Duke-Special als PDF zum Download.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren