Sound-Tuning-Tipps für den Jan Hammer Klang

Jan Hammers Sound mit Arturias Minimoog V

Keine Angst, du brauchst dir nicht die teure Originalhardware zu kaufen, um den legendären Solosound von Jan Hammer nachzubauen. Mit dem Minimoog V von Arturia kannst du den Sound auch am Audiorechner realisieren – hier einige Tipps zu Soundprogramming und Spieltechnik.

Jan Hammer hat den Klang und die Spielweise seines legendären Leadsynth-Sounds auf dem Minimoog in den 70er-Jahren entwickelt, indem er sich der Spielweise und Klanggestaltung der Gitarristen angenähert hat. Ein wesentlicher Einfluss war Jeff Beck; beide Protagonisten kannst du sogar gemeinsam auf Wired hören. Dieser Workshop zeigt, wie man mit dem Minimoog V den legendären „Hammer-Sound“ Schritt für Schritt aufbaut. Die Grundidee dieses Sounds ist der perkussive, klickähnliche Plop-Effekt, der den Anschlag der Gitarre nachahmt. Diesen speziellen Sound erreichst du durch die speziellen Hüllkurven-Einstellungen.

Anzeige

Notenbeispiel-Jan-Hammer-Solo-Sounds
Notenbeispiel zum Jan Hammer Sound

Pitchbend

Das Pitchen ist Jan Hammers besondere Kunst. Du kannst einen Ausschnitt des Solos im Notenbeispiel nachvollziehen. Gehen wir zunächst von der Pitchbend-Einstellung von zwei Halbtönen aus – stell dafür den BENDRANGE-Regler links neben dem Pitchbend dementsprechend ein. Das erste „a“ wird von unten „erpitcht“, dreh das Pitchrad, bevor du den ersten Ton anschlägst, nach unten. Wenn du das „a“ anschlägst, klingt es als „g“ und entwickelt sich entsprechend deiner Regelung am Pitchrad langsam zum „a“, bis du die mittlere Ausgangstellung erreicht haben. Alternativ kannst du auch vom „g“ aus starten und das „a“ anvisieren – achte dann aber darauf, das Rad rechtzeitig loszulassen, bevor du einen weiteren Ton spielst. Das pünktliche Loslassen des Rades ist genau so wichtig wie die Tonkontrolle per Pitchbending!

Im zweiten Takt siehst du den Zielton des Pitchbends als kleine eingeklammerte Note; dieser Ton wird nicht angeschlagen und muss auch nicht unbedingt ganz erreicht werden, manchmal ist es reizvoller, sich dem Ton nur anzunähern. Das nächste Pitchbend von „c#“ zu „d“ umfasst nur einen Halbton. Hier reicht es, das Rad ein wenig anzuschubsen. Du hörst an dieser Stelle eine Art Tonrepetition: Das vom „c#“ aus gepitchte „d“ wird vom nachfolgenden tatsächlich angeschlagenen, das „d“ quasi gedoppelt – in Takt 6 und 7 gibt es diesen Effekt in Hülle und Fülle. Dieses Bending wurde von den Gitarristen ersonnen und mithilfe zweier Saiten gespielt: Der erste Ton wird auf der unteren Saite durch das Ziehen der Saite erzeugt, und der zweite Ton folgt auf der nächst höheren Saite.

Weiter geht’s: Der x-Notenkopf in Takt 4 zeigt einen sehr kurzen perkussiven Plop ohne eigentlichen Ton; dieser ist kaum wahrnehmbar, hat jedoch als Deadnote durchaus eine rhythmische Funktion. In Takt 7 gibt es zwei Besonderheiten: Zum einen wird das „d“ per Pitchrad zum „e“ hin und dann zurück zum „d“ geführt, und zum anderen muss ich mich an dieser Stelle outen: Ich bin bekennender Ganztonpitcher, mit drei Halbtönen habe ich nichts im Sinn. Das musste raus, weil an dieser Stelle das „c#“ drei Halbtöne höher zum „e“ gepitcht wird.

Als Pragmatiker habe ich etwas gemogelt und mir die Eigenart der Hüllkuve zu Nutze gemacht: Vom „c#“ aus habe ich legato das „d“ angeschlagen (ohne Plop) und von da aus gepitcht – hätten Sie’s gehört? Wenn du möchtest, kannst du versuchen, mit drei Halbtönen zu pitchen. Stell den Bendrange-Regler links neben dem Pitchbend eine Rasterstufe höher – zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie …

Noch ein abschließender Kommentar zu den gespielten Tönen: Jan Hammer spielt häufig Akkordbrechungen und improvisiert über die Akkorde der Tonstufen. In Takt 4 bildet D-Dur das tonale Zentrum, während Em7 in Takt 7 den Bezugspunkt des Solos darstellt – das ist nicht spektakulär, aber damit kann man sich ein wenig aus der Enge der pentatonischen A-Dur Tonleiter befreien.

Sound-Tuning-Tipps

Nun das Solo in zwei Klangbeispielen: Zum einen gibt es das komplette Solo in einem kleinen Song-Arrangement, und zum anderen wird als zweites ein Ausschnitt aus dem Solo angeboten – dieser stellt die Grundlage unseres Specials dar.

 

Das zweite Klangbeispiel besteht aus drei Abschnitten: Der erste Abschnitt gibt das Solo ohne Klangkosmetik wieder, der Ton wird direkt aus dem Minimoog V abgezapft. Der zweite Abschnitt beginnt wie der erste, aber dann wird das Signal durch eine AC-30-Amp-Simulation des NI Guitar Rig geschickt, dann wird zusätzlich ein Speaker-Kabinett (auch AC 30) dazugeschaltet und zuletzt alles mit einer kleinen Brise Hall verfeinert. Du hörst, wie der Klang bissiger und voller wird und wie das perkussive „Plop“ weniger heraussticht. Im dritten Abschnitt wird das Tempo verlangsamt, damit du die Pitch-Technik besser nachvollziehen kannst.

 

Soundprogramming

Wähle zunächst folgendes Basis-Preset: Klicke in der Werkzeugzeile auf den Abwärtspfeil, der sich rechts neben den „Save“- und „Save-as“-Buttons befindet. Im daraufhin erscheinenden Pulldown-Menü klickst du auf Templates, dann auf Temp-Synth und wählen dann Temp 2 OSC oder Temp Saw.

Schaubild Arturia Minimoog V
Arturias Minimoog V in der Detailerläuterung

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren