Jazzpiano-Workshop

Improvisieren im Stil von Chick Corea, Herbie Hancock und McCoy Tyner

In diesem Workshop möchten wir auf die Improvisation zu sprechen kommen. Das demonstrieren wir an Hand verschiedener Werke bekannter Jazzmusiker wie Chick Corea, Herbie Hancock und McCoy Tyner.

Improvisation

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Zunächst ein paar wichtige Gedanken: Sowohl die Harmonik als auch die Melodik basieren auf Gesetzen der Harmonielehre. Ein Akkordschema kann mit Elementartönen aufgrund von Dreiklangkombinationen zusammengestellt werden, und man erhält relativ schnell ein gut klingendes Resultat, wie etwa die in der ersten Lektion vorgestellten Blockakkorde.

Die Improvisation, bestehend aus Melodielinien, die entweder spontan kreiert oder vorgefertigt wurden, ist ein individuelles, nicht so einfach in Schablonen zu packendes Gebilde und zugleich Aushängeschild eines Musikers. Auch wenn man relativ schnell und unüberlegt den Begriff „Chick-Corea-Lick“ oder „Herbie-Hancock-Line“ erwähnt, gilt es zu bedenken, dass beide Musiker über Jahrzehnte hinweg an diesen Licks gefeilt haben und selbst im großen Pool der Jazzpianogeschichte ihre Studien betrieben, um dann schließlich zu einer eigenen Aussage zu gelangen. Auf die Frage, was ein Pianist tun sollte, der so klingen möchte wie Chick Corea, antwortete der Meister bei einem Interview, man solle die Pianisten studieren, die er einst analysierte: Thelonius Monk, Bud Powell, Bill Evans und Horace Silver. Auf die gleiche Frage nannte Herbie Hancock Kenny Barron. Mit dieser Information und den damit verbundenen Hörtipps, möchte ich dir ein paar Improvisationslinien vorstellen, die nach dem Studium der oben genannten Künstler auch in rhythmischer Hinsicht im richtigen Kontext gesehen und gespielt werden sollten.

Es soll grooven!

Eine Tonfolge wird erst durch eine Groove definiert. Eine Sololinie, die Herbie Hancock 1975 bei seiner Fusion-Band „Headhunters“ gespielt hat, kann durchaus schon mal bei einer Miles-Davis-Produktion aus den späten Sechzigern stammen. Der Unterschied liegt lediglich in der rhythmischen Verpackung.

Im Notenbeispiel 1 siehst du eine Tonfolge, die bewusst ohne irgendeinen Rhythmus notiert wurde. Alle hier gelisteten Töne sind aus Akkordbrechungen entstanden und wurden mit chromatischen Durchgangstönen angereichert. Bitte präg dir dieses melodische Geschehen, wenn es geht, auswendig ein, denn es kann Pate für weitere eigene Ideen stehen.

Im Notenbeispiel 2 werden die existierenden Töne rhythmisiert. Dabei kann es zu Tonrepetitionen oder zu Sequenzierung einzelner Tongruppen des vorhandenen Materials kommen.

Beispiel 3 lässt das Vorige in modernen Gefilden erklingen, wie sie von den drei oben angeführten Pianisten zu hören sind. Es werden einzelne Segmente aus dem Zusammenhang heraus sequenziert, dabei einen halben Ton höher transponiert und gegebenenfalls wieder der Originaltonart zugeführt. Es entsteht die bekannte „Inside/Outside“-Rückung, die nicht nur gerne von Pianisten benutzt wird; zu weiteren Studium dieser Spielvariation empfehle ich daher auch das Studium anderer Instrumente und Künstler die Gitarristen Pat Metheny und John Scofield sowie der leider kürzlich verstorbene Saxofonist Michael Brecker sind Meister dieses Gebietes.

Im Beispiel 4 ist nun der pianistische und konzertante Ernstfall notiert: die Beispiele 1 bis 3, versehen mit den dazugehörigen Akkorden. Melodie und Akkorde können sowohl parallel als auch abwechselnd in einer Art Konversation in Erscheinung treten. Versuche, nachdem du diese vier Beispiele verinnerlicht hast, sie in andere Tonarten zu transponieren.

Eine weitere Maßnahme wäre, die Licks auf verschiedenen Zählzeiten anzufangen. Ziel dieser Übungen ist es natürlich, dass du das erlernte Material bei Stücken anwendest, die sich bereits in deinem Repertoire befinden. Wer lieber auf leichte Jazzstandards zurückgreifen möchte: Ich empfehle hierfür „Autumn Leaves“ und „Softly as in a Morning Sunrise“.

Jazzpianoworkshop mit Notenbeispielen
KEYBOARDS
Jazzpiano-Workshop mit Notenbeispielen

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