Nie mehr alleine Üben – Literatur und Patterns zur Songbegleitung

Fit für die Band!

Die Begleitung von Songs nach Akkordsymbolen ist eine der wichtigsten Anforderungen an einen Pianisten oder Keyboarder — sei es in der Band, sei es als pianistischer Begleiter eines Sängers oder als Barpianist, der eine Melodie zu eine vollständigen Arrangement ergänzt.

Die Songbegleitung

– oder neudeutsch: Comping – basiert auf Begleitmustern, die den Akkordsymbolen folgen. Hier gibt es zahl- reiche Varianten und Ausbaumöglichkeiten: Akkorddurchgänge, Bassläufe, Fill-ins und Breaks, Riffs, zusätzliche Akkordtöne, Akkordersetzungen u.v.m. Auch formale Aspekte wie Intro, Ending, Modulation oder dramaturgische Steigerung sind zu berücksichtigen. Hier kannst du bei entsprechender Ausstattung dein Digitalpiano als virtuellen Übungspartner nutzen und zu einer aufgenommenen Melodie oder zu einem Bandplayback spielen. Playbacks mit ausgesparten Keyboardparts gibt es in unserer JAM-Playalong-Serie von vielen Klassikern und Neuerscheinungen.

>> 5 einfache Tipps, wie aus Presets gute Sounds werden <<

Mit den Sounds Spielen

Für den Bandkeyboarder ist auch der Umgang mit den verschiedenen Sounds wichtig, denn es ist logisch, dass man langsam einfadende Streicher nicht funky wie ein Clavinet spielen kann. Indessen gibt es zumindest für die Songbegleitung eine Fülle an Literatur mit Notenbeispielen zu Patterns und zu arrangierten Musterlösungen.

Hier sind zwei Punkte zu unterscheiden: a) Begleitung einer „externen“ Melodiestimme oder b) Begleitung einer im Arrangement integrierten Melodie. In den Lehrheften wer- den die Inhalte meist anhand von Muster- Arrangements vermittelt, wobei es sich nicht um die ganz aktuellen Songs handelt – hier ist die Gefahr des frühen Verfallsdatums und der Verlagsrechte zu groß, zum Üben reichen diese Standards aber allemal.

 Methoden zur Songbegleitung

Pop Piano

Kuchar, George: Pop Piano, Liedbegleitung und freies Spiel nach Leadsheets (für Fortgeschrittene) mit CD (Audio/Video), 24,95 Euro, Tunesday Records. Schwierig- keitsgrad 2 – 3 von 6.

Das neueste Werk auf dem Markt ist im September 2014 erschienen. Der erste von drei Abschnitten beschäftigt sich auf 50 Seiten mit Akkordaufbau und Kadenzen in verschiedenen Tonarten. Im zweiten Abschnitt kommt es zur Praxis: Die Kadenzen werden mit einfachen Patterns (Grundton und Quinte im Bass und Akkorden in Viertel- und Achteln) in Songs wie Oh When The Saints oder Go Down Moses eingesetzt. Besonderen Wert legt George Kuchar auf „Klischeelinien“ im Bass. Der Schwierigkeitsgrad dieser Arrangements ist einfach gehalten, von daher ist der Cover- Hinweis „Für Fortgeschrittene“ m. E. nur bedingt richtig.

Akkorde moderner gestalten

Modern Bar Piano

Auch recht frisch auf dem Markt ist: Gerlitz, Carsten – Modern Bar-Piano, Harmonik- Arrangement-Interpretation, Schott Verlag 2014, 111 Seiten mit CD, ED 21138, 22,99 Euro. Schwierigkeitsgrad 3 – 4 von 6.

Carsten Gerlitz setzt nach eigener Angabe „einige

Jahre Klavierpraxis“ voraus und zeigt an elf Songs wie z. B. Amazing Grace, Kiss From A Rose oder Sentimental Journey, wie man Ak- korde moderner gestaltet – hier entpuppt sich der Autor als Spezialist für die hinzuge- fügte None (add9). Ein weiterer Schwerpunkt ist die Verzierung von Melodien mit Vorschlä- gen und Trillern. Aber auch Themen wie Eine Melodie ohne angegebene Akkordsymbole nach Gehör harmonisieren sowie ein knapper Aus- flug in den Jazz werden nicht ausgespart und machen das Werk zu einem schönen Einstieg in die Materie. Die ausnotierten Demosongs sind schön arrangiert und lohnen sich auch als Spielstücke.

 Spiel’s noch einmal, Sam

Bar Piano Profi

Das folgende Werk liegt in zwei Bänden vor: Gundlach, Michael: Die Bar Piano Schule. Band 1, MIGU MUSIC im Vertrieb von Artist Ahead, ISBN: 978-3-86642-011-3, 156 Seiten, 24,95 Euro, mit weiteren PDF-Dateien zum Ausdrucken auf der CD. Schwierigkeits- grad3–4von6.

Auf Stilrichtungen und Patterns geht Michael Gundlach nicht direkt ein, stattdessen geht es ziemlich flott ins pianistische Geschehen und erfordert einen fortgeschrittenen Spieler. Die rechte Hand wird sogleich mit Akkorden und Durchgangsharmonien konfrontiert, um den Spieler in die Lage zu versetzen, jeden Ton einer Melodie akkordisch umzusetzen. Nach Akkorderweiterungen wie übermäßige Quinte, Sexte, verminderter Ak- kord – dafür gibt’s Notenbeispiele in vielen Tonarten – geht es zu den Akkordbrechungen für die rechte Hand, die auch als Fill-in-Bau- steine eingesetzt werden.

Die Songs sind geschmackvoll arrangiert und schon deshalb eine Empfehlung wert. Allerdings sollte man sich darauf einstellen, dass hier ziemlich viel Training erwartet wird, was sich m. E. allerdings später auszahlt. Der Fokus der beiden Bände liegt auf dem kompletten Spiel inklusive Melodie.

Wer seine Skills weiterführen möchte – als Fortsetzung erschienen ist: Der Bar Piano Profi – Stilvolle Barpiano-Techniken und ihre professionelle Umsetzung, 159 Seiten inkl. CD, ISBN 978-3-86642-022-9, 24,95 Euro.

Schwierigkeitsgrad 4 – 6 von 6.

Melodie-Umspielungen, Reharmonisation, Jazz-Harmonik (mit Upper Structure), ver- minderte Akkorde als Durchgangsharmonien, Intros, Endings und Solo-Fills – wer in der Lounge/Bar-Profiliga mitspielen möchte, kommt an diesem Werk nicht vorbei.

 Das große Genre „World“

song playing

Dunisch, Volker: Song Playing, Sikorski- Verlag, 159 Seiten + CD, 27,90€, ISBN 3- 935196-54-7, Schwierigkeitsgrad 2-4/6.

Play On! Songbook For Piano, Sikorski- Verlag, 119 Seiten + CD, 24,90 €, ISBN 3- 935196-67-9.

Let’s Go Latin! Tango, Salsa & more, Sikorski-Verlag, 123 Seiten + CD, 24,90€, ISBN: 978-3-940982-06-3.

Auf dem Markt haben sich die drei Werke von Volker Dunisch bewährt. Im Starterband Song Playing wird die Akkordtheorie auch mit Übungen ausführlich behandelt, wodurch man behutsam an die Materie herangeführt wird. Dieses Werk baut im Wesentlichen auf den unterschiedlichen stilistischen Begleitpatterns auf, wobei Volker Dunisch Wert da rauf legt, erst die reinen Begleitpatterns zu zeigen und dann zu erläutern, wie die Melodie in diese integriert wird. Stilistisch geht’s bei den 92 Ausgangspatterns vom Rock, Shuffle, Soul, Reggae, Latin, Boogie bis hin zu Patterns für ungerade Takte wie 5/8 und 9/8. Auch über die Gestaltung eines Songs (z. B. Ausgewogenheit, Fill-ins, Intro, Ending und selbst Harmonisieren) wird gesprochen. Akkordoptionen und Jazz-Voicings werden eher am Rande erwähnt.

Anwendungssongs findet man im zweiten Band von Volker Dunisch: Play On! Songbook For Piano. Hier werden 50 Songs wie Yesterday, Killing Me Softly bis hin zu Satin Doll zunächst als Leadsheets gezeigt. Auf den jeweiligen Folgeseiten stehen die empfohlenen Patterns fürs reine Begleiten oder als Aus- schnitt mit integrierter Melodie. Die stilistische Palette reicht von Pop, Latin, Reggae bis zum Walzer. Es gibt keine komplett arrangierten Demos der Übungssongs, allerdings sind die Hörbeispiele der Songausschnitte eine gute Orientierungshilfe. Im dritten Band: Let’s Go Latin! findest du Begleitungen für 30 Latin-Songs von Salsa bis Samba.

 Is it Jazz? No it’s Funk!

Piano Keyboard Profi

Brockhaus, Immanuel: Der Piano- und Keyboardprofi, Jazz-Rock-Fusion, Leu-Verlag, ISBN 978-3-89775-114-9, 240 Seiten, 2 CDs (mit weiteren PDF-Notenübungen), 39,80 Euro. Schwierigkeitsgrad 3 – 5 von 6.

Dieses Buch beginnt mit Harmonielehre, modernen Akkord-Voicings, Begleitung und Improvisation. Immanuel Brockhaus beschäftigt sich auch mit den Sounds und ihrer Spiel- weisen auf den verschiedenen Instrumenten und gibt Tipps zu Effektgeräten u.v.m. Der stilistische Schwerpunkt liegt eher beim Jazz, und erfreulicherweise listet der Autor auch die wichtigen Keyboarder, stilbildende CDs, 100 wichtige Jazz-Standards und Fusion- Songs auf. Die eigentliche Stärke des Buches

liegt auf den letzten 80 Seiten: Hier gibt es Piano-, Clavinet-, E-Piano- und Orgel-Patterns in Styles wie Rock, Funk, Reggae oder House sowie nützliche Tipps zum Pitchbending, Streicher- und Bläsersatz. Auf der zweiten CD finden sich 26 Playalongs und 25 MIDI-Files zu Übungszwecken sowie ein PDF-Notenteil.

 Diese Klassiker dürfen nicht fehlen

 Dreksler, Jacky und Härle, Quirin: 1000 Tipps für Keyboards, Voggenreiter Verlag, 263 Seiten + CD, 24,95 Euro, 1987/2002, ISBN: 3-8024-0158-1, Harmonielehre, Pattern-Sammlung, Improvisation, Schwierigkeitsgrad 2 – 4 von 6.

gehören eigentlich als Grundstock zu jeder Pattern-Sammlung. Auch wenn nicht alle 94 Patterns gelungen sind, so bekommt man einen guten Überblick über viele Latin-Styles, Tanz-Standards wie Foxtrott oder Charleston, Boogie, Rock, Jazzrock und 5/4- und 7/4-Patterns, und das im gut spielbaren Schwierigkeitsgrad. Sehr praktisch: Es gibt keine Spielstücke, sondern stattdessen eine Angabe von Akkordfolgen zum Üben der jeweiligen Styles.

Merkies, Michel: Zu Akkorden spielen, Band 1, de haske Verlag, ISBN: 90-73252-68- 7, 43 Seiten inkl. CD, 20,– Euro, Band 2, 36 Seiten inkl. CD, 20,– Euro, ISBN: 90-73252- 69-5. Schwierigkeitsgrad 1 – 2 von 6.

Allein die Anzahl der angekündigten Tipps lässt aufhorchen: Es geht über Noten- und Harmonielehre bis hin zu Improvisation und Patterns. In dieser Fundgrube geht’s nicht darum, Songs mit Melodien als Klaviersongs zu arrangieren, sondern um das Spielen in der Band. Auch Keyboarder ohne Notenkenntnisse können sich mithilfe von Tastenbildern mit dem Akkordaufbau vertraut machen.

Frank, Bernd: Rhythm-Styles For Piano, Band 1, mit CD (enthält Beispiele aus Band 1 und 2), 22,– Euro, ISBN: 978-3-7957-5111-1

Rhythm Styles Piano

Diese Begleitmethode für Anfänger enthält zusätzliche Ensemblestimmen fürs Bandplay und fängt sehr einfach an, ohne banal zu klingen. Diese beiden Hefte sind meine Empfehlung für Leute mit wenig pianistischen Voraussetzungen oder für sehr junge Spieler.

Norton, Christopher: Rock & Pop Piano Basics, Der Klavier-Workshop für Blues, Funk, Gospel, Hip-Hop und 16 weitere populäre Musikstile, 127 Seiten inkl. CD, 24,99 Euro, ISMN: 979-0-001-18648-3, Schwierigkeitsgrad 2 – 4 von 6.

Schott-Verlag, Band 2, 72 Seiten ohne CD, 18,– Euro, ISBN: 978-3-7957-5116-6, Schwierigkeitsgrad 3 – 4 von 6. Diese beiden Hefte

Christopher Norton, der „Erfinder“ der Microjazz-Serie, kann auf eine fast schon rekordverdächtige Strecke von Veröffentlichungen zurückblicken. In seinem neuen Werk, das 20 Stilstudien von Pop, Country, Hip-Hop, Blues, Funk bis hin zu R’n’B anbietet, wird jeder stilbezogene Demo-Song auf vier bis sechs Seiten mit den entsprechenden Infos und Notenbeispielen vorbereitet. Auf der CD gibt es drei Versionen je Song: Übungstrack, Aufnahme ohne Piano und einmal „tutto completto“.

Viele der Demosongs orientieren sich stilistisch an einem „Patensong“: Die Pop/Rock- Ballade Think About It hat deutliche Bezugspunkte zu John Lennons Imagine – und so kann man die Begleitung auch gleich beim Vorbild anwenden.

Moehrke, Philipp: The Easy Groove Piano Book, Modern Piano Grooves, 160 Seiten mit DVD, Preis: 34,95 Euro, ISMN: 979-0- 2063-0043-1, Schwierigkeitsgrad 2 – 5 von 6.

'Das Groove Piano

 

Philipp Moehrke hat bereits einige Unterrichts-Klassiker veröffentlicht, das Easy Groove Piano Book ist sein neuester Streich. Die Begleitpatterns aus Disco, Funk, House, Latin, Pop/Rock und Soul sind in unterschiedlichen Ausbaustufen notiert und auf der DVD eingespielt worden; beim Anhören springt der Funke gleich über: Das ist hervorragendes und authentisches Material.

Es stehen jeweils ein Drumloop, mehrere Pianodemos, Band-Playback und Banddemo als WAV und MP3 zur Verfügung. Auch pädagogische Tipps werden vom Unterrichtsprofi Moehrke gegeben, zudem werden 13 komplett ausarrangierte Songs geboten.

Moehrke, Philipp: Das Groove Piano Buch, Verlag: Advance Music, ISMN: 979-0- 2063-0249-7, 112 Seiten mit CD, 29,95 Euro, Schwierigkeitsgrad 4 – 6 von 6.

Hier wird der Bandprofi mit über 100 Piano-Grooves bedient, die aus folgenden Stilrichtungen stammen: Funk, Pop, Boogie Woogie, Jazz, Samba, Bossa Nova, Salsa und Afro Cuban 6/8. Besonders die 27 Funk- Grooves haben es in sich und sind eine lohnende und zugleich arbeitsintensive Heraus forderung. Im Pop-Piano werden vor allem die add9- und sus-Optionen eingesetzt. Im Jazz-Abschnitt gibt es eine knappe, aber fun- dierte Einführung in Voicings und Walking- Bass mit einem schönen Stridepiano-Demo- song. Auch die Salsa-Abteilung bringt eine informative Essenz professioneller Patterns. Fazit: Ambitionierte Keyboarder finden hier aussagekräftiges authentisches Material.

Weiterführende Tipps

Es gibt weitere spezielle Themenhefte zu Boogie, Gospel, Latin und Jazz mit entsprechenden Patterns und Begleitungen sowie Rock-Piano-Schulen, wie die von Jürgen Moser, der auch ein anerkannter Pattern- Sammler und Jäger ist.

Meine Literatur Empfehlungen:

als Einstieg in die Liedbegleitung: Volker Dunisch: Song Playing, als Bandpattern- Training: Philipp Moehrkes The Easy Groove Piano Book, als Bar-Piano-Trainer: Michael Gundlachs Der Bar Piano Profi.

Zum Abschluss habe ich eine kleine persönliche Auswahl von interessanten Patterns quer durch verschiedene Stile und Schwierigkeitsgrade notiert, und auch ein Formteil (Intro) darf da nicht fehlen. Hinter den Stilbezeichnungen stehen die Verweise zu den jeweiligen Büchern, die oben vorgestellt wurden – viel Spaß beim „Durchschmökern“.

 

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