Spieltechniken für Anfänger und Fortgeschrittene

Die 5 häufigsten Unarten beim Klavierspielen

Immer wieder gibt es Dinge, die sich gerade frische Musiker unbewusst aneignen und die dann im späteren Musikerleben unschöne Auswirkungen auf dein Spiel haben oder dich im schlimmsten Fall in eine musikalische Sackgasse führen. Aber auch fortgeschrittene Musiker sind davon immer wieder betroffen. Ein nicht-weiter-kommen und Frustration sind dann die Folge. Und sobald sich schlechte Marotten erst einmal eingebürgert haben, sind sie richtig schwer wieder loszuwerden. Deshalb gilt die einfache Regel: Besser gleich richtig machen!!!

Auch wenn das am Anfang oft noch eine Sache mehr ist auf die du achten musst und das ganze Lernen damit noch eine Stufe komplizierter macht, kann ich dir versprechen: der Aufwand wird lohnen.

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In jedem Fall gilt: Lass dir beim Spielen immer wieder von deinem Lehrer und einem anderen erfahrenen Musiker auf die Hände schauen. Es liegt einfach in der Natur des Menschen, dass man seine eigenen Fehler mehr oder wenige bewusst gerne übersieht. Viele Dinge kann man außerdem als Außenstehender besser beurteilen. Deine Haltung am Klavier z.B. kannst du selbst eher nur fühlen. Wie aber fühlt sich die richtige Haltung an? Auch nimmt ein Außenstehender die Sachen ganz anders wahr als du, der ein Lied schon 800 Mal auf die selbe Art und Weise gespielt und gehört hat. Gerade in Puncto Artikulation und Nuancen sind direkte Anregungen eines erfahrenen, kritischen Lehrers durch nichts zu ersetzen.

In jedem Fall gilt daher, dass diese Tipps keinen Lehrer ersetzen können oder sollen! Vielmehr sollen sie dich daran erinnern, immer wieder die eigenen Angewohnheiten zu überprüfen.

Im Übrigen: jeder Lehrer sollte schon von sich aus Tipps zur richtigen Übepraxis, musikalische Artikulation, Körper- und Handhaltung geben. Tut er dies nicht, ist er vielleicht ein cooler Lehrer, aber nicht unbedingt ein guter.

1. Wie sitze ich richtig am Klavier

Richtig am Klavier sitzen
(Bild: Alfred Music)

Es ist nicht nur besser für deinen Rücken, es sieht auch besser aus als so’n nasser Sack vorm Klavier. Die Grafik (aus dem Fachbuch Garantiert Klavier Lernen von Alfred Music) zeigt die wesentlichen Punkte die beim richtigen Sitzen beachtet werden sollen.

Ein Keyboard oder Stagepiano lässt sich bequem in der Höhe verstellen. Bei einem richtigen Klavier ist das schon komplizierter. Abgesehen von der Klavierbank, die in aller Regel in der Höhe verstellbar ist, gibt es aber auch noch weitere Tricks: Bist du besonders klein, kannst du für deinen rechten Fuß ein dickeres Brett (2, 3 cm machen schon etwas aus) vor das Pedal legen. Probiere es aus und gucke ob du so die Pedale bequemer bedienen kannst. Bist du besonders groß, gibt es im Fachgeschäft “Untersetzer” für die Klavierfüße, die nicht nur schonender für den Boden sind, sondern auch das ganze Klavier um einige cm anheben.

Bezüglich einer geraden Wirbelsäule hilft es sich vorzustellen, dass an deinem obersten Wirbel ein Faden befestigt sei. Würde dich nun an diesem imaginären Faden jemand nach oben ziehen, sodass ein guter Teil deines Gewichtes daran hängt, formt sie dein Rücken “wie von Zauberhand” in die richtige Postion.

2. Die richtige Handhaltung

Immer wieder beobachte ich Pianisten mit einer verkrampften Handhaltung. Das ist auf Dauer nicht nur unnötig anstrengend, sondern führt besonders dann zu Schwierigkeiten, wenn du sehr schnelle oder sehr leise (oder schnelle UND GLEICHZEITIG leise) Passagen spielen willst.

Handübung

°

“Ganz locker sein” ist daher die grundsätzliche Zauberformel. Die mentale Hilfestellung sieht zwar aus, als sei sie ausschließlich für Kinder, funktioniert aber natürlich gleichermaßen bei Erwachsene. Versuche außerdem die Tasten nur mit soviel Kraft wie nötig zu drücken.

 

3. Wie übe ich effizient?

Kennst du den Unterschied zwischen effektiv und effizient?

Bei Effektivität geht es darum, möglichst viel zu erreichen / zu verändern.

Bei Effizienz geht es darum mit möglichst geringem Aufwand möglichst viel zu erreichen / zu verändern.

Aufs Üben projiziert bedeutet das, dass du theoretisch mit nur genügend Übeaufwand alles lernen kannst. Praktisch aber macht das keinen Spaß, geschweige denn, dass jeder 8 Stunden am Tag dazu Zeit findet. Immer wieder ein Song von vorne bis hinten spielen bringt: NICHTS!!! Du machst dann immer wieder die gleichen Fehler, die sich dann auch noch verfestigen. Besonders bei schwierige Stellen solltest du darauf achten, dass du Stück für Stück übst. Das können auch gerne nur ein, zwei Takte sein, oder sogar nur von einem Akkord zum nächsten. Wenn das klappt, dann vom zweiten Akkord (oder Takt) zum dritten usw. Wichtig ist außerdem, dass du in einem passenden Tempo übst, sodass du im Rhythmus bleibst. Viele Leute üben grundsätzlich zu schnell, nicht zuletzt da sie sich selbst zu viel zutrauen. Leg beim Üben die Scham vor dir selbst ab und übe langsam! Steigern kannst du das Tempo wenn’s klappt.

4. Mit oder ohne Metronom?

Wenn du nicht weiß, wann du mit und wann du ohne Metronom üben sollst, dann kann dein Übeverhalten ganz sicher noch effizienter werden.

Natürlich sollten die Finger schon einigermaßen wissen, von welcher Taste sie zu welcher wechseln müssen. Wenn du merkst, dass das noch ganz unklar ist, führe dir Punkt 3 noch einmal zu Gemüte. Gerade aber Anfänger haben oft das Problem, dass sie Pausen viel zu kurz spielen und dadurch auch Probleme haben ein stabiles Rhythmusgefühl zu entwickeln. Um dem entgegen zu wirken hilft dir das Metronom.

Wenn du fortgeschritten bist und mit der richtigen Länge der Pausen keine Probleme hast, dann hilft dir ein Metronom bei anderen Dingen. In rhythmisch verzwackten Passagen mit vielen 8tel, 16tel und/oder 32tel Noten (und Pausen) hilft es den Überblick zu wahren und die richtige Rhythmik zu verinnerlichen. Natürlich gilt auch hier: Am Anfang erstmal langsam, und dann langsam das Tempo steigern!

Eine andere Sache für die das Metronom Gold wert ist, ist um einen Song auch von Anfang bis Ende in einem Tempo zu spielen. Das klingt simpel, ist aber gar nicht so selbstverständlich. Oft drängt man danach in einem Lied immer schneller zu werden. Bei einigen Liedern mehr, bei anderen weniger. Und oft merkt man es erst, wenn man ein Metronom einschaltet. Probiere es mal mit verschiedenen Liedern aus.

5. Nicht zu laut und nicht zu schnell spielen!

Der lauteste Klang ist nicht immer der beste! Je lauter der Klang ist, desto voller wirkt er, ist er aber eigentlich nicht!! Er ist dann “einfach nur” lauter – und das ist dann auch häufig zu viel des Guten. Wichtiger ist, dass dein Sound zum Song passt. Mache dir Gedanken, welche Emotionen du in einem Song rüberbringen willst und mit welchem Spiel du diese Emotionen erreichst. Und vergiss dabei nicht, dass das Klavier in den meisten Fällen als Begleitinstrument eingesetzt wird. D.h. es hat die Funktion den Gesang (der in aller Regel im Vordergrund ist) zu unterstützen. Deswegen muss dein lautestes Spielen immer eine Ticken leiser sein, als der Gesang. Ausnahme sind Piano-Soli.

Besonders Pianisten die häufig am E-Piano spielen, haben nicht einen solchen Dynamikumfang entwickelt wie Pianisten am akustischen Klavier. Das liegt ganz einfach daran, dass E-Pianisten den Luxus haben ihre Lautstärke außer mit den Händen über einen Poti oder Fader regeln zu können. An einem traditionellen Klavier spielen sie dann besonders zarte, sanfte Passagen oft zu kräftig. Wenn du mehr Gefühl in die Finger bekommen willst, dann dreh dein E-Piano voll auf, aber spiele leise. Anfangs werden die einzelnen Töne sehr unterschiedlich laut sein. Nach etwas Übung wird das Spielen wieder gleichmäßiger. Sobald du es richtig gut kannst, kannst du dich darauf konzentrieren, einzelne Töne zu akzentuieren.

Ebenfalls haben viele Musiker (also auch Schlagzeuger) die schlechte Angewohnheit, chronisch zu schnell zu spielen. Auch hier gilt: mach dir Gedanken welche Emotionen du erzeugen willst und lehn dich mal entspannt zurück. Um nicht versehentlich zu schnell zu werden, schalte das Metronom ein.

Und zu guter Letzt: Kopf an beim Üben! 

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Guter Ratgeber! Vieles davon trifft im Übrigen auch auf alle anderen Instrumente zu. Allerdings, bei Punkt 3 steht: Leg beim Üben die Charme vor dir selbst ab … Nein, es ist gut, die Scham vor sich selbst abzulegen, sich seinen Charme aber unter allen Umständen zu erhalten:)

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    1. Wurde korrigiert.
      Danke.

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  2. Allgemein, gute Rat!
    Aber immer wieder das Bild vom Hand um ein Ball… Falsch! So ein hand wird gespannt im Klavier klauen, da hilft die Seife auch nicht mehr…
    Das müßte etwas viel flacheres sein, z.B. ein frisch-gebackenes Korinthenbrötchen.

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