Beim Instrumenten-Kauf den Überblick bewahren

Digitalpiano kaufen

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Dieter Stork

Digitalpianos haben sich in den vergangenen Jahren qualitativ wie funktional stark weiterentwickelt. Angesprochen werden von den Herstellern inzwischen so gut wie alle Spieler mit ihren ganz unterschiedlichen Bedürfnissen, denen zwar noch keine völlig maßgeschneiderten Instrumente, wohl aber für fast jeden Anspruch ein jeweils erstaunlich gut passendes Modell angeboten werden kann.

Einen sich nie verstimmenden „Klavierersatz“ zu spielen, an den man aus Rücksicht auf den Nachbarn auch mal einen Kopfhörer anschließen kann – das war die Grund- und zugleich Erfolgsidee, die den Siegeszug der Digitalpianos in den 80er-Jahren – als die Qualität samplebasierter Klänge langsam interessant (und erschwinglich) wurde – einläutete.


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So sehr dieses „Anforderungsprofil“ auch heute immer noch zutrifft, so wenig Begeisterung löst es beim Kaufinteressenten aus, der längst in anderen Kategorien denkt: „Bester Sound“ und „beste Tastatur“, die beiden wichtigsten und zugleich subjektivsten, müssen nicht nur zusammen mit der Preisvorstellung des Spielers im Auge behalten werden, sondern es gibt weitere Fragen, mit denen es sich vor dem Kauf auseinanderzusetzen lohnt: ob allein oder in Ensembles und Bands gespielt wird; ob das Instrument nie von seinem angestammten Platz verrückt oder doch ab und an bzw. sogar sehr häufig zu wechselnden Einsatzorten transportiert werden soll; was der Pianist zusätzlich ans Instrument anschließen möchte, Funktionen welche er erwartet, damit gerade kein zusätzliches Equipment angedockt werden muss … Selbst wenn man nur bei einer bestimmten Marke bleibt, hält der entsprechende Hersteller allein bereits ein umfangreiches Portfolio an Digitalpianos bereit, aus dem man auf jeden Fall mehrere Instrumente angespielt haben sollte.

Vielleicht hält du dich eher für den „Homepiano-Typen“ – aber der Look des Instruments könnte für deinen Geschmack ruhig ein wenig ausgefallener sein? Oder möchtest du ein gut transportables Piano, bist dir aber nicht sicher, ob du damit im Bandspiel wirklich klar kommst? Unser Digitalpiano-Guide zeigt dir die wichtigsten Instrumentengruppen und erklärt, welche Ansprüche die einzelnen Modell-Typen jeweils erfüllen.

Homepiano – der Klassiker

Diese Gattung pflegt bis heute den Look bodenständiger Digitalpianos und bietet herstellerübergreifend einen recht klar definierten Qualitätsmaßstab. Ein Homepiano ist die beliebteste Alternative zum akustischen Klavier. Einmal in der Wohnung des Spielers aufgestellt, wird es seinen angestammten Platz meistens nicht mehr verlassen. Dem Konzept nach gilt diese Gattung der Digitalpianos in erster Linie als Übungs- und Hausmusikinstrument.

Dieses Einsatzgebiet lässt auf die Anforderungen an das Homepiano schließen: Für einen solchen Klavierersatz sind neben einer ordentlichen Optik die Tastaturqualität, das Fußpedalsystem, ein möglichst gutes Soundsystem und natürlich ein gehobener Pianoklang von größter Bedeutung. Weitere Klänge sowie Funktionen wie ein integrierter Recorder oder erweiterte Anschlussmöglichkeiten sind zweitrangig und beim Kauf als Bonus zu betrachten.

Einsteigerklasse

Schon die preiswertesten der aktuellen Homepianos bieten eine gewichtete Tastatur mit Hammermechanik und einstellbarer Dynamikkurve sowie drei Fußpedale. Die Hauptklänge, für die jeweils ein bestimmter mikrofonierter Akustikflügel (Grand Piano) gesampelt wurde, klingen heutzutage bereits in dieser Klasse ausgesprochen hochwertig, sauber und ausgewogen. Die Dynamik ist mittlerweile bei den meisten Geräten überdurchschnittlich gut, aber mit Blick auf Mittel- und Oberklasse selbstverständlich noch ausbaufähig. Deutlich nach Digitalpiano klingen diese Sounds für kritische Ohren meist noch im Bereich des Diskants (oft ein wenig dünn) sowie im Ausklangverhalten (Loop-Phase des Samples). Eine Schwäche sind in der Einsteiger-Preisklasse vor allem auch die integrierten Soundsysteme (eher schwache Verstärker und kleine Lautsprecher): Sie bringen zwar schon recht ordentliche Zimmerlautstärken zustande, bleiben jedoch in Sachen Voluminösität, Räumlichkeit und Ausgewogenheit weit hinter Oberklassenmodellen, geschweige denn akustischen Instrumenten zurück.

Abstriche muss man bei der Bedienung machen, die zumeist ohne Display bewältigt werden muss und für die mangels ausreichend Funktionsbuttons auch Tasten der Klaviatur eingesetzt werden.

Die Zusatzfunktionen beschränkt sich meist auf ein Metronom und einen integrierten MIDI-Recorder. Tipp: Wenn Letzterer mindestens zwei Spuren besitzt, kann man rechte und linke Hand getrennt einspielen und aufzeichnen – umgekehrt wird das partweise Abspielen von eingebauten Demo-Pianostücken – auch die gibt es in jedem Einstiegsinstrument – zur echten Lernhilfe.

Raum für Spezialitäten bleibt den Herstellern in der Einsteigerklasse aus Preisgründen kaum. Die Klangauswahl beschränkt sich auf drei bis vier Versionen des A-Piano-Hauptklangs sowie wenige weitere Klänge wie E-Pianos, Streicher und Chor, Vibrafon, Cembalo und Kirchenorgel; manchmal sind noch eine E-Orgel und ein Bass-Sound dabei. Dass sich eine Polyfonie von 128 Stimmen schon bei den Preiswert-Instrumenten zunehmend durchsetzt, ist beachtlich. Ein Hall-, manchmal auch ein Chorus- Effekt werten die Klänge zusätzlich auf. Von Vorteil für den Gesamtsound ist es, wenn das Instrument entweder eine Brillanz-Regelung oder eine rudimentäre EQ-Funktion mitbringt. Meist gibt es noch die Möglichkeit, die Tastatur für zwei Spieler in autarke Bereiche aufzuteilen („Duett“-, „Twin Piano“- oder „4 Hand“-Modus) was besonders für Unterrichtszwecke ausgesprochen Praktisch ist. In diesem Zusammenhang machen natürlich auch zwei Kopfhöreranschlüsse Sinn.

Kawai (CN-Serie) und Yamaha (Arius YDP- Serie) als die beiden Flügelbauer unter den Herstellern setzen in dieser Klasse eher Minimalanforderungen an die Funktionsausstattung zugunsten einer soliden Qualität bei Flügelklang, Tastatur und Verarbeitung. Wer eine Split-Funktion benötigt und ab und zu MIDI- und Audio-Playbacks vom USB-Stick an seinem Piano abspielen möchte (Achtung: GM-kompatibel ist das Ganze meist nicht), sollte sich in dieser Preisklasse eher nach einem Modell von Casio (Privia- oder Celviano-Serie) oder dem Roland RP301 oder RP401R umsehen.

Zwar nur 64 Stimmen, aber dafür die größte Soundvielfalt in dieser Klasse und ebenfalls Splits und Layer (aber keinen GM/Audio-Player) bieten die Einsteiger-Homepianos von Kurzweil (MP-Serie). Alle diese Instrumente bewegen sich in der Preisklasse zwischen etwa 700 und 1.500 Euro. Wem das noch zu viel Geld ist, für den gibt es neben Auslaufmodell-Schnäppchen noch Alternativen aus chinesischer Produktion der Marken Fame (Hausmarke Music Store Köln) und Hemingway, die auch hiesige Händler im Portfolio haben – Thomann bietet unter dem eigenen Namen Digitalpianos, die ebenfalls in China produziert werden. Die Qualität der Hardware und auch der Sounds der japanischen Modelle erreichen diese einfacheren Instrumente zwar nicht, dafür sind sie teilweise für weit unter 600 Euro zu haben.

Mittel- und Oberklasse

Die Modelle im Preissegment über 1.600 Euro sind charakteristisch für den Typus des Homepianos schlechthin. Die gehobene Qualität der Instrumente ab der Mittelklasse kommt bereits durch die wertigere Optik zum Ausdruck. Sämtliche Bauelemente werden mit ansteigendem Modellpreis außerdem zumeist merklich robuster, was sich natürlich auch im finalen Gewicht niederschlägt – die Top-Modelle erreichen so schon einmal leicht 80kg und mehr. Neben hochwertigeren Notenhaltern und Tastaturabdeckungen gibt es auch Details wie Kopfhörerbügel und für den Spieler gut erreichbare Anschlussfelder unterhalb der Klaviatur sowie natürlich ein deutliches Mehr an Anschlüssen. Im Trend liegen ab dem mittleren Preissegment Frontbeine am Korpus, die für ein majestätischeres Gesamtbild sorgen sollen und ein klassisch inspiriertes Design zulassen. Mehrere Farbausführungen pro Modell sind ebenfalls ab der Mittelklasse Pflicht. Richtig nobel wird es in der Hochglanz- Pianolack-Ausführung, die ebenfalls oft schon ab der Mittelklasse gegen Aufpreis angeboten wird. Die hardwaretechnische Krönung sind Home-Pianos im Flügel-Design – die sogenannten „Grand Piano“-Modelle –, wie etwa die Roland-RG-Serie bzw. V-Piano oder die Yamaha-Clavinova-CLP-Serie.

Die Soundausstattung ist zwar grundsätzlich umfangreicher, doch nicht jedes professionelle Homepiano bietet gleich mehrere hundert Klänge. Nach wie vor steht das klassische Soundrepertoire aus A- und E-Pianos, Streicher/Flächen, Cembalo/Orgeln, Saiten- und die wichtigsten Soloinstrumente klar im Mittelpunkt. Eine Reihe von Effekten, zumeist in den wichtigsten Parametern editierbar, veredeln die Sounds.

Zunehmend mehr Wert wird seit einigen Jahren auf die Individualisierung der Flügel- klänge durch den Spieler gelegt: Equalizer, einstellbare Saiten- und Dämpferresonanzen oder virtuelle Parameter wie LID (Position des Flügeldeckels) zählen hier zum Repertoire. Spitzenklänge an sich werden auch schon in den gehobenen Mittelklasse-Modellen bis etwa 3.000 Euro geboten; dass sie in den Oberklassemodellen ab 3.000 Euro nochmals edler und voluminöser klingen, liegt meist einzig an den aufwendigen Soundsystemen dieser Pianos: Deren Ausstattung krönen separate Lautsprecher für Höhen, Mitten und Bässe plus mehrere leistungsstarke Verstärker, mitunter auch Resonanzboden-Simulationen.

Eine hervorragende Qualität erreichen die Klaviaturen, die mit mehr unterschiedlichen Gewichtszonen und längeren Tasten als bei den Preiswert-Modellen sehr gut austariert sind. Präzision, Repetition und Dynamik werden praktisch mit steigendem Preis zunehmend diffiziler und optimaler umgesetzt. Zum Standard gehört mittlerweile die Drei-Sensoren-Technik sowie eine Druckpunkt-Simulation. Schon ab der Mittelklasse liefert eine entsprechende Oberflächenbeschichtung dem Spieler außerdem das beliebte „Ivory- Feeling“. Spezialität fast aller Kawai-Modelle der CA- und CS-Serien sind ihre immer wieder von Profipianisten gelobten Holztasten. Doch auch Yamahas CLP– und Rolands HP-Spitzenmodelle sowie im besonderen Maße die brandneuen (in Kooperation mit C. Bechstein entwickelten) Grand Hybrid Celviano Pianos von Casio mit echter Flügeltastatur bieten ein vorzügliches Spielgefühl auf höchstem Niveau.

Song-Player/Recorder für MIDI- und Audio- Playbacks sind inzwischen aus den höherpreisigen Homepianos nicht mehr wegzudenken. Vor allem Roland steigt hier schon in der unteren Mittelklasse (HP-603) mit der GM-Kompatibilität ein und bietet mit den Funktionen CENTER CANCEL sowie AUDIO-SONG-TEMPO den kreativsten Umgang mit Playbacks an. Doch auch bei Kawai und Yamaha sind ab der oberen Mittelklasse Song-Player/-Recorder mit an Bord (ab Kawai CA17 bzw. Yamaha CLP-535). Bei beiden Herstellern wächst die Polyfonie bereits in der Mittelklasse auf 256 Stimmen an (ab CA67 bzw. CLP-440) – grundsätzlich ist das ein Vorteil, doch schon ab 128 Stimmen kommt es in der Praxis nur noch sehr selten zu Problemen mit abgeschnittenen Tönen.


 

Wesentliches Merkmal der teureren Homepianos ist aber auch der höhere Bedienkomfort: Es gibt nicht nur deutlich mehr Funktions- und Menütaster als bei den Einsteiger-Modellen, sondern auch mindestens ein LED-Display.


 

Designer-Pianos

Dieser Begriff bezeichnet Digitalpianos in allen Preisklassen, bei denen eine moderne, zeitgemäße Optik die Hauptrolle spielt. Designer-Pianos sind technisch gesehen Homepianos. Häufig entspricht ein Designer-Piano in der Sound- und Funktionsausstattung einem Homepiano-Modell desselben Herstellers.

Designer-Pianos rücken aber deutlicher vom klassischen Homepiano-Look ab: Die Hersteller spielen hier mit moderneren Formen und auch Farben. Im Trend liegen zum Beispiel zurzeit Ausführungen in weißem oder rotem Hochglanzlack. Einsteiger- bis Mittelklasse-Modelle dieser Gattung können aber nicht nur wegen ihres schicken und möglicherweise Einrichtungs-kompatibleren Äußeren die bessere Wahl darstellen, sondern auch aus Platzgründen: Rolands F-120R (Einsteiger) und DP-90e/Se (Mittel- klasse) oder Yamahas Arius YDP-S52 und -S51 (Einsteiger) zum Beispiel besitzen jeweils eine Tiefe von unter 35 cm. Dadurch lassen sich diese Modelle oft auch an Stellen in Wohnräumen platzieren, an denen ein konventionell designtes Homepiano mit 50 und mehr Zentimetern Tiefe schon wieder zu ausladend wäre.

In der Einsteigerklasse bietet sich – gerade bei den Modellen unter 1.000 Euro – das Konzept Designer-Piano mit „gewollt offenem Look“ natürlich auch deshalb an, weil die Hersteller bei schmaleren Bauteilen für den Korpus von vornherein Materialkosten einsparen können – wenn das Ergebnis gut designt ist und noch schick aussieht, warum auch nicht? Kawai zum Beispiel spart bei seinem Modell CL-36 gleich noch die Tastaturabdeckung ein, kann aber so einen besonders tiefpreisigen Einstieg mit einem zugleich trendigen Piano-Look verbinden. Ein schickes, preiswertes Designer-Piano hat auch Korg mit dem LP-380 im Programm. Noch einmal deutlich reduzierter ist Korgs neues Sparmodell LP-180.

Tipp: Wer sich für ein Mittelklasse-Designer-Piano interessiert, für den lohnt sich, was den Sound angeht, der Vergleich mit dem funktional entsprechendem Homepiano-Modell desselben Herstellers: Durch die kompaktere Bauweise, die zwangsläufig mit der Verwendung unter- schiedlicher Lautsprecher oder zumindest deren Positionierung einher geht, treten hier Unterschiede bei den internen Soundsystemen auf.

In der Oberklasse sind Hardware-Sparmaßnahmen kein Thema mehr, denn hier liegen die Designer-Pianos als besonders edle und luxuriöse Instrumente preislich oft noch deutlich über den Top-Homepianos. Yamaha hat in diesem Bereich neben dem eleganten CLP-S408 eigens die Modus-Serie aufgelegt, bei deren Modellen Optik und Verarbeitung gepaart mit Klangfülle an erster Stelle stehen; die zusätzliche Ausstattung mit Klängen und Funktionen ist hier Nebensache und bleibt sogar unter den Fähigkeiten eines Top-Homepianos wie dem CLP-480 aus gleichem Hause.

Einem neuen Trend huldigen Kawai mit der CS-Serie und Roland mit dem LX-15e: Diese hochwertig verarbeiteten Modelle bieten eine noch stärker am Klavier-Look orientierte Optik als die bewährten Homepianos beider Hersteller – die „Design-Idee“ ist hier also, das Homepiano noch stärker wie ein modern gestaltetes, reales akustisches Instrument wirken zu lassen.

Diesen und anderen Modellen aus japanischer Produktion kann das Kurzweil CUP-2 technisch nicht ganz das Wasser reichen; es kann durch seinen besonderen, ebenfalls sehr Klavier-ähnlichen Look und sein leistungsstarkes Soundsystem aber eine Alternative für preisbewusste Spieler sein.

Portable-Pianos

An der Ausstattung von Homepianos orientiert, sind diese leichtgewichtigeren Instrumente das Richtige für wechselnde Einsatzorte. Bei einem Portable-Piano ist der Ständer nebst Dreier-Pedal-Einheit in der Regel optional erhältlich, was nicht allein den Sinn hat, den Anschaffungspreis zu drücken: Im Gegensatz zum Homepiano ist das Portable-Piano für Spieler gemacht, die ein Instrument benötigen, das sie leicht zwischen Wohnung, Proberaum oder Auftrittsort hin und her bewegen können. Der optionale Ständer kommt dann ins Spiel, wenn das Piano doch mal für längere Zeit an einem Ort stehen soll: Dann bilden Piano und Stand eine homogene Einheit in meist modernem Look, ähnlich dem eines Designer-Pianos.

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Wichtig für den Musikunterricht und das Simultanspiel ist ein Twin- oder 4-Hand-Modus. Hier wird die Tastatur in zwei Bereiche unterteilt, die mit gleicher Oktavierung gespielt werden können.

Das interne Soundsystem eines Portable- Pianos erfüllt den Zweck einer „kleinen Abhöre“. Einem von der sonstigen Ausstattung her vergleichbarem Homepiano kann ein Portable- Piano mit seiner eingebauten Verstärkung in Sachen Klangfülle nicht das Wasser reichen; dennoch richtet es sich gerade an Spieler, die auf interne Lautsprecher nicht verzichten wollen. Fast wichtiger sind an einem Portable-Piano aber die Line-Ausgänge für den Anschluss an eine „satte“ externe Verstärkung, obwohl sie den meisten Einsteiger-Homepianos fehlen – bei denen dann die Kopfhörerbuchsen bemüht werden müssen.

Die funktionale Ausstattung von Portable-Pianos ist stark an der von Homepianos orientiert. Auf Einsteiger-Instrumente wie die aus Yamahas P-Serie, auf Korgs SP-280 oder Casios PX-160GD/BK sowie Kurzweils portable Einsteiger-Modelle MPS10 und -20 trifft das voll und ganz zu – es handelt sich um sehr puristisch ausgestattete Instrumente. Dagegen wartet das Casio PX-360 zusätzlich mit GM-Kompatibilität, USB-Audio/MIDI-Player und sogar -Recorder- Funktionen sowie einer integrierten Begleitautomatik mit 180 Rhythmen (Styles) auf.

In der Mittelklasse setzen Kawai mit ES7 und dem brandneuen ES 8 sowie Roland mit seinen FP-Modellen eigene Akzente: Die gehobenen Homepiano- Qualitäten bei den Flügelsounds und den Tastaturen sowie die bekannten USB-Player/Recorder-Möglichkeiten für MIDI- und Audio-Songs werden um spezielle Möglichkeiten erweitert, die junge Band-Pianisten ansprechen sollen: Neben einer live-orientierteren Soundauswahl mit mehr Pads und Vintage-Keyboard-Sounds werden kleine Begleitautomatiken mit Drum- patterns und automatisch ablaufenden Akkordprogressionen zum Üben angeboten – Rolands Bezeichnung „Session Partner“ für dieses Feature macht schon klar, wohin die Reise geht. Außer- dem besitzen diese Pianos von Roland und Kawai einen kleinen Grundstock an Registrierungsspeichern, um Split/Layer- und Effekteinstellungen sichern zu können. Rolands FP- Serie bietet in dieser Klasse die üppigste Klangauswahl und volle GM2-Kompatibilität. Das FP-7 besitzt noch einen Looper als Spezialität, der Audio- oder Vokal-Signale über den Mikrofoneingang in eine Session mit den internen Pat- terns integriert.

Tipp: Wenn du allzu häufig on the road sein willst, solltest du dir gut überlegen, ob ein Portable-Piano dieser Belastung wirklich gewachsen ist. Ebenso solltest du dich fragen, ob du live mit einer Handvoll Registrations oder schlimmstenfalls ganz ohne sie gut auskommen kannst. Ansonsten dürfte ein Stagepiano das geeignetere Instrument für deine Zwecke dar- stellen.

Stagepianos

Eine robuste Verarbeitung und ein auf den Bühneneinsatz und das Bandspiel abgestimmter Live-Sound inklusive der entsprechenden Klangauswahl sind Pflicht für die Pianos dieser Gattung. Unempfindlich sollte ein Stagepiano sein und so manchen Rempler wegstecken können – das ist in diesem Fall wichtiger als eine raffinierte Optik. Neben Holz verwenden die Hersteller zumindest in der gehobenen Mittel- bis Oberklasse auch Metalle als Materialien für ihre Modelle. Eine Low-Cost- Klasse um ca. 1.000 Euro kommt da aus rein verarbeitungstechnischen Gründen bei den Stagepianos von vornherein nicht in Frage.

Diese Instrumentengattung richtet sich an fortgeschrittene und professionelle Bühnenpianisten. Auf ein internes Soundsystem wird gängigerweise verzichtet.

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Besonderes Detail bei den Kawai-Instrumenten der gehobenen Preisklassen: Holztasten mit einer echten Hammermechanik sorgen für ein sehr authentisches und überaus komfortables Spielgefühl.

Die qualitativ hochwertigen Flügelsounds und Tastaturen entstammen oft wieder den Homepiano-Modellen der Hersteller. Ein Stagepiano benötigt allerdings auch weitere durchsetzungsfähige Pianoklänge für das Band- spiel und den PA-Gesamtsound, des Weiteren eine größere Auswahl an Standardklängen von E-Pianos, Orgeln, Strings, Bässen, Chören und Pads oder Bläsern, um eine Vielzahl von Layer- Sounds oder Splits für verschiedene Musikstile im schnellen Zugriff zu haben. Meist umfasst die Klangauswahl sogar noch Synth- und Natur- Solo-Sounds. Letzteres setzt auch eine größere Anzahl von Registration- oder Setup-Speichern voraus. Ohnehin lassen sich an Stagepianos Einstellungen für Klänge und Effekte wie auch beispielsweise für Fußpedale und andere Controller umfangreich programmieren und dann über die Setups verwalten.

Richtig amtlich klingen beispielsweise viele Vintage-Keyboard- oder synthetische Sounds erst durch die passenden Effekte – deshalb gehören mehrere Effekteinheiten mit Typen wie Rotary, Phaser, Flanger, Chorus und Delay usw. neben dem System-Reverb auf alle Fälle ins Pflichtenheft eines echten Stagepianos. Mindestens der Effektanteil des Signals eines jeden Effektblocks sollte über Echtzeitregler im direkten Zugriff auf dem Bedienfeld des Stagepianos liegen. Fast unverzichtbar ist ferner eine direkte EQ-Regelung auf der Bedienoberfläche. Gleiches gilt für die Lautstärkenkontrolle der Einzelklänge eines Layers: Dazu gibt es in der Oberklasse meist gleich vier Volume-Fader, denn hier sind Vierfach-Splits und -Layer üblich. USB-Player/ Recorder bieten ebenfalls viele aktuelle Bühnen- Digitalklaviere.

Zu den preiswerteren Stagepianos unter 2.000 Euro zählen das Yamaha CP40 Stage, das Roland RD-300NX und das Kawai MP6. Schon diese Instrumente bieten über die genannten Kriterien hinaus eine Kontrolle über drei bis vier autarke Tastaturzonen, in die sich über MIDI auch die Sounds externer Klangerzeuger einbinden lassen. Masterkeyboard-Funktionen, die im Kawai MP7 am professionellsten umgesetzt sind, werden bei Yamaha und Roland in den Modellen CP4 Stage bzw. RD-800 ähnlich stark gewichtet.

In der Oberklasse rücken die wichtigsten Hersteller aktuell ab vom Masterkeyboard- Anspruch und möglichst vielen Zusatzklängen: Beim Kawai MP11 stehen eine komfortable Bedienung mit vielen Echtzeit-Steuerungsmöglichkeiten, die exzellente Holztastatur und der individuell ausgestaltbare Flügelsound im Vordergrund, während sich das sonstige

Klangrepertoire eher auf ausgewählte E-Piano- und Flächensounds beschränkt. Diesen Ansatz perfektionieren die mehr als doppelt so teureren Instrumente V-Piano von Roland und CP1 von Yamaha, die darüber hinaus mit neuen Modeling-Technologien für die Klangerzeugung innvative Wege gehen. Weil in der Stagepiano- Oberklasse Instrumentengewichte von über

30 kg erreicht werden, benötigen tingelnde Spieler stets jemanden, der beim Verladen und Aufbauen hilft – das sollten Kaufinteressenten unbedingt bedenken.

Zwei schon rein optisch charaktervolle Stagepianos, die sich auf eher wenige ausgewählte Klänge konzentrieren; sind das Mittel- klasse-Modell SV-1 von Korg und das teurere Clavia Nord Piano 2 HA – Letzteres arbeitet als einziges aktuelles Stagepiano mit austauschbaren Samples, die Clavia in einer umfangreichen Bibliothek zur Verfügung stellt; so wird eine sehr individuelle Gestaltung des Speicherinhalts bzw. die Option, sein Instrument für verschiedene Anlässe mit einem jeweils passenden Sample-Sound-Repertoire zu befüllen, möglich. Auf Masterkeyboard- oder Player-Funktionen verzichten beide Modelle.

Ein Preistipp ab etwa 1.000 Euro sind die Stagepianos der SP-Serie von Kurzweil. Sie können in Sachen Tastaturqualität und realistischem Flügelsound zwar nicht recht mit den Modellen aus japanischer Produktion mithalten, bieten aber erstaunlich professionelle Masterkeyboard-Fähigkeiten. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Studiologic Fatar Numa Piano.

Hinweis: Zahlreiche Livekeyboarder haben heute auch 88-tastige Synthesizer-Workstations und/oder Laptops im Einsatz. Kommt der Pianosound aus dem Rechner, bleibt aber nach wie vor die Frage, über welche Klaviatur er sich den nun am besten spielt. Workstations wiederum sind in Sachen Klaviatur vergleichbaren Stagepianos unter pianistischen Gesichtspunkten meist nicht ebenbürtig. Aber auch, weil ihre Digitalpiano-Fähigkeiten ohnehin nur einen Bruchteil ihrer Leistungsfähigkeit ausmachen, fassen wir sie an dieser Stelle gar nicht als Alternative ins Auge. Daher noch mal schnell zurück zu den Stagepianos: Hier ist erstens die Abstimmung zwischen Flügelklang und Tastatur und damit das Spielgefühl ziemlich optimal; zweitens sind diese Instrumente gleich nach dem Anschalten spielbereit, ohne dass störende Boot-Zeiten anfallen.

Hybrid-Pianos

Das Maximum an originaler Klaviertechnik, gepaart mit den Vorzügen einer digitalen Klangerzeugung – das ist die Idee hinter dieser Piano-Gattung. Der traditionellen Idee des Hybrid-Pianos folgen die Instrumente aus der Anytime-Serie von Kawai: Es handelt sich um echte Klaviere, deren akustischer Teil sich über das Mittelpedal stummschalten lässt; die Hammerköpfe werden dann praktisch abgefangen, bevor sie die Saiten berühren. Zugleich kommen optische Sensoren zum Einsatz, die jetzt die Tastenbewegungen messen und in MIDI-Daten umwandeln. Getriggert wird nun eine digitale Klangerzeugung, wie sie aus den Kawai-Homepianos bekannt ist. Auch die weitere Sound- (E-Pianos, Streicher usw.) und Funktionsausstattung (Metronom, Recorder usw.) des digitalen Teils, für den ein herausfahrbares Bedienfeld unterhalb der Tastatur angebracht ist, stammt aus der CA-Homepiano-Serie. Der Spieler besitzt also ein über 200 kg schweres akustisches Instrument mit all seinen Vorzügen und kann dennoch jederzeit die – stets perfekt gestimmte – digitale Klangerzeugung aktivieren und über Kopfhörer üben.

Den gleichen Weg schlägt Yamaha mit den Silent-Pianos ein; der Marktführer hält gleich ein ganzes Arsenal an akustischen Flügeln und Klavieren bereit, die zusätzlich mit einer Homepiano-Klangerzeugung à la CLP ausgestattet sind. Ein neues Konzept hybrider Pianos hat Yamaha jedoch mit der Avant-Grand-Serie sowie dem Modell NU1 umgesetzt: Klaviatur, Hammermechanik, Pedalsystem und Teile des Korpus stammen zwar auch hier aus dem haus- eigenen Klavierbau; die Klangerzeugung aber arbeitet rein digital. Zum Einsatz kommen hier nicht nur extrem aufwendige Multisamples, sondern ein ebenso spektakuläres Vier-Kanal- Soundsystem mit 12 bis 16 Verstärkern. Gleich- wohl bieten diese Hybriden von Yamaha nur eine handvoll Klänge und bleiben so einem ganz und gar traditionellen Ansatz treu.

Einen Preisvorteil gegenüber herkömmlichen Flügeln und Klavieren bieten Hybrid-Pianos freilich nicht – genauer trifft das Gegenteil zu.

Bitte antesten!

Unsere Digitalpiano-Kategorien können dir eine Basis-Orientierung geben, um die Modell- Auswahl einzugrenzen – jetzt zählen allein deine Ohren und dein Spielgefühl. Wenn du dar- über hinaus mehr über einzelne im KEYBOARDS- Digitalpiano-Guide genannte Modelle wissen möchtest, findest du aber auch zahlreiche Tests aktueller Instrumente in unserem Artikel-Download unter www.keyboards.de (ab 75 Cent).

6 Kommentare zu “Digitalpiano kaufen”
  1. Georg Rox

    Die CP 50 bzw. CP5 Serie ist seit 2014 von CP 40 bzw. CP 4 abgelöst.
    Klaviersounds und Tastatur (CP4 mit Holzanteil) wurden deutlich verbessert.

    Antworten
  2. was wünschenswert wäre:

    wo bleiben die portablen Dig. Pianos, welche auch eine Anschlußmöglichkeit einers 3-fach Pedals ohne dazugehörigen Stativs erlauben?
    Bisher sind nur “Kompromisse”, geschweige befriedigendere Lösungen im derz. Angebot verfügbar. Außerdem sollte sich die “Industrie” auch langsam mal auf (warum nicht kostenintensivere) leichtere Varianten (11 – 15kg) vorbereiten.

    Antworten
  3. Arezoo Talebi

    Ordentlicher Artikel. Einige Klangbeispiele würden den Rahmen nicht sprengen. Das Tastengefühl muss man sich am Instrument erfühlen.

    Antworten
  4. Hallo liebes keyboards-team. Danke für die tollen Tests und das ausführliche Beschreiben der einzelnen Modelle. Petra

    Antworten
  5. Oreste

    Hallo TSt
    Ich glaube jetzt gibt es ein Stage Piano die die Wünsche der meisten Pianisten erfüllen werden. Ich bin momentan auf der suche nach einem neune E-Piano. Ich habe verschiedene Modelle verglichent: Roland V-Piano, Yamaha CP1, Kawai MP11, Physis Piano H1, und an der Messe Frankfurt habe ich das Dexibell VIVO S7 gesehen. Ich habe alles in eine Excel- Tabelle zusammengestellt und bin zum Schluss gekommen dass für meine Bedürfnisse die Modelle Phisis Piano H1 und Dexibell VIVO S7 die Idealen sind und zum Teil auch ähnliche Daten haben. Schau dir diese an besonders der VIVO S7 ist Preis Leistung Top.
    LG Oreste

    Antworten
  6. Hallo !
    Ich suche ein Dig. Piano In der Mittelklasse mit begleitautomatik
    Bis 3000€
    Danke !

    Antworten
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