Beim Instrumenten-Kauf den Überblick bewahren

Digitalpiano kaufen

Digitalpianos haben sich in den vergangenen Jahren qualitativ wie funktional ausgesprochen stark weiterentwickelt. Die Hersteller wenden sich dazu mittlerweile an ein breitgefächertes Klientel an Spielern mit jeweils ganz unterschiedlichen Bedürfnissen. Es gibt zwar noch keine völlig maßgeschneiderten Instrumente, wohl aber für fast jeden Anspruch ein jeweils erstaunlich gut passendes Modell im Angebot der führenden Hersteller.

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Einen sich nie verstimmenden „Klavierersatz“ zu spielen, an den man aus Rücksicht auf den Nachbarn auch mal einen Kopfhörer anschließen kann – das war der Grund- und zugleich Erfolgsgedanke, welcher letztlich den Siegeszug der Digitalpianos in den 80er-Jahren – als die Qualität samplebasierter Klänge langsam interessant (und erschwinglich) wurde – einläutete.

So sehr dieses „Anforderungsprofil“ auch heute immer noch zutrifft, so wenig Begeisterung löst es beim Kaufinteressenten aus, der längst in anderen Kategorien denkt: „Bester Sound“ und „beste Tastatur“, die beiden wichtigsten und zugleich subjektivsten, müssen nicht nur zusammen mit der Preisvorstellung des Spielers im Auge betrachtet werden, sondern sie werfen auch Fragen auf, mit denen es sich vor dem Kauf auseinanderzusetzen lohnt: ob allein, im Ensembles oder mit der Band gespielt wird; ob das Instrument nie von seinem angestammten Platz verrückt oder doch ab und an bzw. sogar sehr häufig zu wechselnden Einsatzorten transportiert werden soll; was der Pianist zusätzlich ans Instrument anschließen möchte, Funktionen welche er erwartet, damit gerade kein zusätzliches Equipment angedockt werden muss … Selbst wenn man nur bei einer bestimmten Marke bleibt, hält der entsprechende Hersteller allein bereits ein umfangreiches Portfolio an Digitalpianos unterschiedlichster Serien bereit, aus dem man auf jeden Fall mehrere Instrumente angespielt haben sollte.

Vielleicht hältst du dich ja doch eher für den „Homepiano-Typen“ – aber der Look des Instruments könnte für deinen Geschmack ruhig ein wenig ausgefallener sein? Oder möchtest du ein gut transportables Piano, bist dir aber nicht sicher, ob du damit im Bandspiel wirklich klar kommst? Unser Digitalpiano-Guide zeigt dir die wichtigsten Instrumentengruppen und erklärt, welche Ansprüche die einzelnen Modell-Typen jeweils erfüllen.

Homepiano – der Klassiker

Diese Gattung pflegt bis heute den Look bodenständiger Digitalpianos und bietet herstellerübergreifend einen recht klar definierten Qualitätsmaßstab. Ein Homepiano ist die beliebteste Alternative zum akustischen Klavier. Einmal in der Wohnung des Spielers aufgestellt, wird es seinen angestammten Platz meistens nicht mehr verlassen. Dem Konzept nach gilt diese Gattung der Digitalpianos in erster Linie als Übungs- und Hausmusikinstrument.

Dieses Einsatzgebiet lässt auf die Anforderungen an das Homepiano schließen: Für einen solchen Klavierersatz sind neben einer ordentlichen Optik die Tastaturqualität, das Fußpedalsystem, ein möglichst gutes Soundsystem und natürlich ein gehobener Pianoklang von größter Bedeutung. Weitere Klänge sowie Funktionen wie ein integrierter Recorder oder erweiterte Anschlussmöglichkeiten sind zweitrangig und beim Kauf als Bonus zu betrachten.

Einsteigerklasse

Schon die preiswertesten der aktuellen Homepianos bieten eine gewichtete Tastatur mit Hammermechanik und einstellbarer Dynamikkurve sowie den gewohnten drei Fußpedalen. Die Hauptklänge, für die jeweils ein bestimmter mikrofonierter Akustikflügel (Grand Piano) gesampelt wurde, klingen heutzutage bereits in dieser Klasse ausgesprochen hochwertig, sauber und ausgewogen. Die Dynamik ist mittlerweile bei den meisten Geräten überdurchschnittlich gut, aber mit Blick auf Mittel- und Oberklasse selbstverständlich noch ausbaufähig. Konnten kritische Ohren die Sounds dieser Pianos oft vor allem aufgrund des Diskants (oft ein wenig dünn) sowie des Ausklangverhaltens (Loop-Phase des Samples) enttarnen, hat die Qualität in diesem Bereich in den vergangenen Jahren doch deutlich zugelegt. Eine Schwäche der sogenannten Einsteiger-Preisklasse ist meist im Bereich der integrierten Soundsysteme (eher schwache Verstärker und kleine Lautsprecher) zu finden: Sie bringen zwar schon eine  recht ordentliche Zimmerlautstärken zustande, bleiben in Sachen Voluminösität, Räumlichkeit und Ausgewogenheit jedoch weit hinter den etablierten Oberklassemodellen, geschweige denn akustischen Instrumenten zurück.

Auch bei der Bedienung muss man bei einigen am Markt erhältlichen Low-Budget-Lösungen leichte Abstriche machen. So kommen sie nicht selten ohne Display und zusätzliche Funktions-Buttons und ein erweitertes Soundangebot aus.

Die Zusatzfunktionen beschränkt sich meist auf ein Metronom und einen integrierten MIDI-Recorder. Tipp: Wenn Letzterer mindestens zwei Spuren besitzt, kann man rechte und linke Hand getrennt einspielen und aufzeichnen – umgekehrt wird das partweise Abspielen von eingebauten Demo-Pianostücken – auch die gibt es in jedem Einstiegsinstrument – zur echten Lernhilfe.

Raum für Spezialitäten und umfangreiche Features bleibt den Herstellern in der Einsteigerklasse aus Preisgründen meist kaum. Die Klangauswahl beschränkt sich auf drei bis vier Versionen des A-Piano-Hauptklangs sowie wenige weitere Klänge wie E-Pianos, Streicher und Chor, Vibrafon, Cembalo und Kirchenorgel; manchmal sind noch eine E-Orgel und ein Bass-Sound dabei. Eine 128-stimmige Polyfonie gehört glücklicherweise bei den meisten Instrumenten mittlerweile zum Standard. Ein Hall-, manchmal auch ein Chorus- Effekt werten die einzelnen Klänge bei Bedarf zusätzlich auf. Von Vorteil für den Gesamtsound ist es zudem, wenn das Instrument wahlweise über eine Brillanz-Regelung sowie eine rudimentäre EQ-Funktion verfügt. Meist gibt es noch die Möglichkeit, die Tastatur für zwei Spieler in autarke Bereiche aufzuteilen („Duo“-, „Twin Piano“- oder „4 Hand“-Modus) was besonders für Unterrichtszwecke ausgesprochen praktisch ist. In diesem Zusammenhang machen natürlich auch zwei Kopfhöreranschlüsse Sinn.

Kawai (CN-Serie) und Yamaha (Arius YDP- Serie) als die beiden Flügelbauer unter den Herstellern setzen in dieser Klasse gehobene Minimalanforderungen an die Funktionsausstattung, zugunsten einer soliden Qualität bei Flügelklang, Tastatur und Verarbeitung. Wer eine Split- und Layer-Funktionalität benötigt und ab und zu das eigene Spiel aufnehmen oder einfache Lerneinheiten abrufen möchte, ist mit diesen Modellen aktuell bereits ganz gut bedient. Aber auch die Hersteller Casio (Privia- oder Celviano-Serie) oder Roland (RP-Serie) bieten in dieser Preisklasse adäquate Lösungen an.

Zwar nur 64 Stimmen, aber dafür die größte Soundvielfalt in dieser Klasse und ebenfalls Splits und Layer bieten die Einsteiger-Homepianos von Kurzweil (MP-Serie). Alle diese Instrumente bewegen sich in der Preisklasse zwischen etwa 700 und 1.500 Euro. Wem das noch zu viel Geld ist, für den gibt es neben Auslaufmodell-Schnäppchen noch Alternativen aus chinesischer Produktion der Marken Fame (Hausmarke Music Store Köln) und Hemingway, die auch hiesige Händler im Portfolio haben – Thomann bietet unter dem eigenen Namen Digitalpianos, die ebenfalls in China produziert werden. Die Qualität der Hardware und auch der Sounds der japanischen Modelle erreichen diese einfacheren Instrumente allerdings nicht.

Mittel- und Oberklasse

Die Modelle im Mittelklasse-Preissegment über 1.600 Euro sind charakteristisch für den Typus des Homepianos schlechthin. Die gehobene Qualität dieser Instrumente kommt bereits durch die insgesamt wertigere Optik zum Ausdruck. Sämtliche Bauelemente werden mit ansteigendem Modellpreis außerdem zumeist merklich robuster, was sich natürlich auch im finalen Gewicht der Instrumente niederschlägt – Top-Modelle wie etwa Yamahas CVP-709 erreichen so schon einmal leicht 80kg und mehr. Neben hochwertigeren Notenhaltern und Tastaturabdeckungen gibt es auch Details wie Kopfhörerbügel und für den Spieler gut erreichbare Anschlussfelder unterhalb der Klaviatur sowie natürlich ein deutliches Mehr an Anschlüssen. Im Trend liegen ab dem mittleren Preissegment Frontbeine am Korpus, die für ein majestätischeres Gesamtbild sorgen sollen und ein klassisch inspiriertes Design zulassen. Mehrere Farbausführungen pro Modell sind ebenfalls ab der Mittelklasse Pflicht. Richtig nobel wird es in der Hochglanz- Pianolack-Ausführung, die ebenfalls oft schon ab der Mittelklasse gegen Aufpreis angeboten wird. Die hardwaretechnische Krönung sind Home-Pianos im Flügel-Design – die sogenannten „Grand Piano“-Modelle –, wie etwa die Roland-GP-Serie bzw. V-Piano oder die Yamaha Clavinova CLP- und CVP-Serie. Yamahas CVP-Modelle verfolgen zudem mit ihrer reichhaltigen Ausstattung bestehend aus großer Klangauswahl, Begleitrhythmen (Styles), Recorder und Lernfunktion ein Rundum-Sorglos-Konzept für Musiker die mehr als nur Klavier spielen möchten.

Soundaustattung und Funktionsvielfalt in der Mittel- und Oberklasse sind zwar grundsätzlich deutlich umfangreicher, doch nicht jedes professionelle Homepiano bietet gleich mehrere hundert Klänge. Nach wie vor steht das klassische Soundrepertoire aus stetig besser werdenden A- und E-Piano-Replikationen, Streicher/Flächen, Cembalo/Orgeln, Saiten- und die wichtigsten Soloinstrumente klar im Mittelpunkt. Eine Reihe von Effekten, zumeist in den wichtigsten Parametern editierbar, veredeln die Sounds.

Zunehmend mehr Wert wird seit einigen Jahren auf die Individualisierung der Flügelklänge durch den Spieler gelegt: Equalizer, einstellbare Saiten- und Dämpferresonanzen, Pedal- und Tastaturgeräusch oder virtuelle Parameter wie LID (Position des Flügeldeckels) zählen hier mittlerweile zum festen Repertoire. Raumgreifende und hochdynamisch spielbare Spitzenklänge werden aktuell auch schon in den gehobenen Mittelklasse-Modellen bis etwa 3.000 Euro geboten; dass die Pianos der Oberklasse ab 3.000 Euro nochmals edler und voluminöser klingen, liegt in der Regel an deutlich aufwendigeren Soundsystemen: Deren Ausstattung krönen separate Lautsprecher für Höhen, Mitten und Bässe plus mehrere leistungsstarke Verstärker oder sogar Resonanzboden-Simulationen.

Eine ausgezeichnete Qualität erreichen die heutzutage verfügbaren Klaviaturen, die mit mehr unterschiedlichen Gewichtszonen (Graduierung) und längeren Tasten als bei den Preiswert-Modellen sehr gut austariert sind. Präzision, Repetition und Dynamik werden praktisch mit steigendem Preis zunehmend diffiziler und optimaler umgesetzt. Zum Standard gehört mittlerweile die Drei-Sensoren-Technik sowie eine akkurate Druckpunkt-Simulation. Schon ab der Mittelklasse liefert eine entsprechende Oberflächenbeschichtung dem Spieler außerdem das beliebte „Ivory- Feeling“. Spezialität fast aller Kawai-Modelle der CA- und CS-Serien sind ihre immer wieder von Profipianisten gelobten Holztasten. Auch Yamahas CLP-Reihe bietet mit ihrer innovativen NWX-Tastatur und GrandTouch-Klaviauren mit Holzelementen und einer Decklage aus synthetischem Elfenbein Spielkomfort auf höchstem Niveau. Mit der Integration einer Flügeltastatur geht Casio mit seinen in Kooperation mit C. Bechstein entwickelten Grand Hybrid Celviano-Modellen darüber hinaus noch einen anderen Weg.

Song-Player/Recorder für MIDI- und Audio- Playbacks sind inzwischen aus den höherpreisigen Homepianos nicht mehr wegzudenken. In Yamahas Oberklasse (CLP-685) kratzt die Klangvielfalt des GM/XG-kompatiblen Soundangebots bereits an der 500er-Marke und bietet in Kombination mit einem 16-spurigen Sequenzer jede Menge Potential für einen kreativen Umgang mit Playbacks. Doch auch bei Kawai und Roland sind ab der oberen Mittelklasse Song-Player/-Recorder mit an Bord (ab Kawai CA48 bzw. Roland HP-603). Bei allen drei Herstellern wächst die Polyfonie bereits in der Mittelklasse auf 256 Stimmen an grundsätzlich ist das ein Vorteil, doch schon ab 128 Stimmen kommt es in der Praxis nur noch sehr selten zu Problemen mit abgeschnittenen Tönen.


Wesentliches Merkmal der teureren Homepianos ist aber auch der höhere Bedienkomfort: Es gibt nicht nur deutlich mehr Funktions- und Menütaster als bei den Einsteiger-Modellen, sondern auch mindestens ein LED-Display.


 

Smart-Pianos

Mit seiner innovativen CSP-Serie bereicherte der japanische Hersteller Yamaha den Digitalpiano-Markt zudem noch um eine ganz besondere Spezialität und eigene Klasse. Die Bedienung der mit knapp 700 Sounds, 470 Styles und  403 Songs inklusive 256-stimmiger Polyfonie reichhaltig ausgestatteten Mittelklasse-Modelle CSP-150 und CSP-170 wanderte komplett in ein Smartdevice auf iOS– oder Android-Basis. Die kostenfrei verfügbare App Smart Pianist unterstützt in Verbindung mit über der Tastatur angebrachten Stream-Lights (LEDs, welche die zu spielenden Tasten anzeigen) auch das Klavierlernen  und Notenlesen. Darüber hinaus lassen sich die CSP-Pianos natürlich auch Touchscreen-frei über Funktions-(Klavier-)Tasten bedienen – in diesem Fall allerdings nur eingeschränkt.

Designer-Pianos

Dieser Begriff bezeichnet Digitalpianos in allen Preisklassen, bei denen eine moderne, zeitgemäße Optik die Hauptrolle spielt. Designer-Pianos sind technisch gesehen Homepianos. Häufig entspricht ein Designer-Piano in der Sound- und Funktionsausstattung einem Homepiano-Modell desselben Herstellers.

Designer-Pianos rücken aber deutlicher vom klassischen Homepiano-Look ab: Die Hersteller spielen hier mit moderneren Formen und auch Farben. Im Trend liegen zum Beispiel zurzeit Ausführungen in weißem oder rotem Hochglanzlack. Einsteiger- bis Mittelklasse-Modelle dieser Gattung können aber nicht nur wegen ihres schicken und möglicherweise Einrichtungs-kompatibleren Äußeren die bessere Wahl darstellen, sondern auch aus Platzgründen: Rolands F-140R (Einsteiger) und DP-90e/Se (Mittelklasse) sowie Yamahas Arius YDP-S52 (Einsteiger) zum Beispiel besitzen jeweils eine Tiefe von unter 35 cm. Dadurch lassen sich diese Modelle oft auch an Stellen in Wohnräumen platzieren, an denen ein konventionell designtes Homepiano mit 50 und mehr Zentimetern Tiefe schon wieder zu ausladend wäre. Aber auch das Oberklasse-Modell H7 des italienischen Herstellers Dexibell besticht durch einen formschönen und schlanken Auftritt.

In der Einsteigerklasse bietet sich – gerade bei den Modellen unter 1.000 Euro – das Konzept Designer-Piano mit „gewollt offenem Look“ natürlich auch deshalb an, weil die Hersteller bei schmaleren Bauteilen für den Korpus von vornherein Materialkosten einsparen können – wenn das Ergebnis gut designt ist und noch schick aussieht, warum auch nicht? Das YDP-S34 ist als Yamahas jüngster Zuwachs in der Arius-Serie ein gutes Beispiel für eine geglückte Melange aus Funktionalität und exklusivem Design zu einem erschwinglichen Preis. Mit dem LP-380 hat auch Korg ein attraktives sowie günstiges Designer-Piano im Programm.

Tipp: Wer sich für ein Mittelklasse-Designer-Piano interessiert, für den lohnt sich, was den Sound angeht, der Vergleich mit dem funktional entsprechendem Homepiano-Modell desselben Herstellers: Durch die kompaktere Bauweise, die zwangsläufig mit der Verwendung unter- schiedlicher Lautsprecher oder zumindest deren Positionierung einher geht, treten hier Unterschiede bei den internen Soundsystemen auf.

In der Oberklasse sind Hardware-Sparmaßnahmen kein Thema mehr, denn hier liegen die Designer-Pianos als besonders edle und luxuriöse Instrumente preislich oft noch deutlich über den Top-Homepianos. Yamaha bietet in diesem Bereich Modelle wie das stilsicher im Look eines klassischen Klaviers interpretierte CLP-685 an, bei welchem Optik und Verarbeitung gepaart mit einem exquisiten Klang deutlich an erster Stelle stehen. Mit seiner formschönen CS-Serie huldigt auch Kawai diesem Trend.

Diesen und anderen Modellen aus japanischer Produktion kann das Kurzweil MP20 technisch nicht ganz das Wasser reichen,  preisbewussten Kunden sollte es aber dennoch einen Blick wert sein.

Portable-Pianos

An der Ausstattung von Homepianos orientiert, sind diese leichtgewichtigeren Instrumente das Richtige für wechselnde Einsatzorte. Bei einem Portable-Piano ist der Ständer nebst Dreier-Pedal-Einheit in der Regel optional erhältlich, was nicht allein den Sinn hat, den Anschaffungspreis zu drücken: Im Gegensatz zum Homepiano ist das Portable-Piano für Spieler gemacht, die ein Instrument benötigen, das sie leicht zwischen Wohnung, Proberaum oder Auftrittsort hin und her bewegen können. Der optionale Ständer kommt dann ins Spiel, wenn das Piano doch mal für längere Zeit an einem Ort stehen soll: Dann bilden Piano und Stand eine homogene Einheit in meist modernem Look, ähnlich dem eines Designer-Pianos.

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Wichtig für den Musikunterricht und das Simultanspiel ist ein Twin- oder 4-Hand-Modus. Hier wird die Tastatur in zwei Bereiche unterteilt, die mit gleicher Oktavierung gespielt werden können. (Bild: Dieter Stork)

Das interne Soundsystem eines Portable- Pianos erfüllt den Zweck einer „kleinen Abhöre“. Einem von der sonstigen Ausstattung her vergleichbarem Homepiano kann ein Portable- Piano mit seiner eingebauten Verstärkung in Sachen Klangfülle nicht das Wasser reichen; dennoch richtet es sich gerade an Spieler, die auf interne Lautsprecher nicht verzichten wollen. Fast wichtiger sind an einem Portable-Piano aber die Line-Ausgänge für den Anschluss an eine „satte“ externe Verstärkung, obwohl sie den meisten Einsteiger-Homepianos fehlen – bei denen dann die Kopfhörerbuchsen bemüht werden müssen.

Die funktionale Ausstattung von Portable-Pianos ist grundlegend an der von Homepianos orientiert. Auf Einsteiger-Instrumente wie die aus Yamahas P-Serie, auf Korgs B1, Casios PX-160 sowie Kurzweils portable Einsteiger-Modelle der SPS-Serie trifft das voll und ganz zu – es handelt sich um sehr puristisch ausgestattete Instrumente. Yamahas neustes Portable-Flaggschiff P-515 bietet zudem aktuell mit Oberklasse Sample-Libraries eines Bösendorfer Imperial und die binaurale Version eines Yamahas CFX Flügels gepaart mit 256-facher Polyfonie und integriertem 16-Spur Sequenzer.

In der Mittelklasse setzt abgesehen von Yamhas P-Serie vor allem Kawai mit dem ES8 sowie dem günstigeren Grenzgänger ES-110 eigene Akzente. Gehobene Homepiano- Qualität bei den Flügelsounds und den Tastaturen sowie die bekannten USB-Player/Recorder-Möglichkeiten für MIDI- und Audio-Songs werden um spezielle Möglichkeiten erweitert, die vor allen Dingen auch junge Band-Pianisten ansprechen sollen. Neben einer live-orientierteren Soundauswahl mit mehr Pads und Vintage-Keyboard-Sounds werden unter anderem auch Begleitautomatiken mit Drumpattern und automatisch ablaufenden Akkordprogressionen zum Üben angeboten. Roland bezeichnet seine Lösung als„Session Partner“, wodurch klar werden sollte, wohin die Feature-Reise geht. Außerdem besitzen die meisten Pianos einen kleinen Grundstock an Registrierungsspeichern, um Split/Layer- und Effekteinstellungen sichern zu können. Durch Apps für iOS und Android wie etwa Yamahas Smart Pianist (iOS/Android z.Zt. nur CSP-Serie) wird das Funktionsangebot herkömmlicher Portable-Digitalpianos zudem zusätzlich erweitert.

Tipp: Wenn du allzu häufig on the road sein willst, solltest du dir gut überlegen, ob ein Portable-Piano dieser Belastung wirklich gewachsen ist. Ebenso solltest du dich fragen, ob du live mit einer Handvoll Registrations oder schlimmstenfalls ganz ohne sie gut auskommen kannst. Ansonsten dürfte ein Stagepiano das geeignetere Instrument für deine Zwecke dar- stellen.

Stagepianos

Eine robuste Verarbeitung und ein auf den Bühneneinsatz und das Bandspiel abgestimmter Live-Sound inklusive der entsprechenden Klangauswahl sind Pflicht für die Pianos dieser Gattung. Unempfindlich sollte ein Stagepiano sein und so manchen Rempler wegstecken können – das ist in diesem Fall wichtiger als eine raffinierte Optik. Neben Holz verwenden die Hersteller zumindest in der gehobenen Mittel- bis Oberklasse auch Metall als Gehäusematerial für ihre Modelle. Eine Low-Cost-Klasse um ca. 1.000 Euro schließt sich da schon rein verarbeitungstechnisch von vornherein aus.

Diese Instrumentengattung richtet sich an fortgeschrittene und professionelle Bühnenpianisten. Auf ein internes Lautsprechersystem wird gängigerweise verzichtet.

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Besonderes Detail bei Instrumenten der gehobenen Preisklassen: Holztasten mit einer echten Hammermechanik sorgen für ein sehr authentisches und überaus komfortables Spielgefühl.

Die qualitativ hochwertigen Flügelsounds und Tastaturen entstammen oft wieder den Homepiano-Modellen der Hersteller. Ein Stagepiano benötigt allerdings auch weitere durchsetzungsfähige Pianoklänge für das Bandspiel und den PA-Gesamtsound, des Weiteren eine größere Auswahl an Standardklängen von E-Pianos, Orgeln, Strings, Bässen, Chören und Pads oder Bläsern, um eine Vielzahl von Layer-Sounds oder Splits für verschiedene Musikstile im schnellen Zugriff zu haben. Meist umfasst die Klangauswahl sogar noch Synth- und Natur- Solo-Sounds. Letzteres setzt auch eine größere Anzahl von Registration- oder Setup-Speichern voraus. Ohnehin lassen sich an Stagepianos Einstellungen für Klänge und Effekte wie auch beispielsweise für Fußpedale und andere Controller umfangreich programmieren und dann über die Setups verwalten.

Richtig amtlich klingen beispielsweise viele Vintage-Keyboard- oder Synthesizer-Sounds erst durch die passenden Effekte – deshalb gehören mehrere Effekteinheiten mit Typen wie Rotary, Phaser, Flanger, Chorus und Delay usw. neben dem System-Reverb auf alle Fälle ins Pflichtenheft eines echten Stagepianos. Mindestens der Effektanteil des Signals eines jeden Effektblocks sollte über Echtzeitregler im direkten Zugriff auf dem Bedienfeld des Stagepianos liegen. Fast unverzichtbar ist ferner eine direkte EQ-Regelung auf der Bedienoberfläche. Gleiches gilt für die Lautstärkenkontrolle der Einzelklänge eines Layers: Dazu gibt es in der Oberklasse meist gleich vier Volume-Fader, denn hier sind Vierfach-Splits und -Layer üblich. USB-Player/ Recorder bieten ebenfalls viele aktuelle Bühnen- Digitalklaviere.

Zu den preiswerteren Stagepianos unter 2.000 Euro zählt das Yamaha CP40 Stage sowie das Kawai MP7. Schon diese Instrumente bieten über die genannten Kriterien hinaus eine Kontrolle über drei bis vier autarke Tastaturzonen, in die sich über MIDI auch die Sounds externer Klangerzeuger einbinden lassen. Masterkeyboard-Funktionen, die im Kawai MP7 am professionellsten umgesetzt sind, werden bei Yamaha und Roland mittlerweile ähnlich stark gewichtet.

In der Oberklasse rücken die wichtigsten Hersteller aktuell am deutlichsten vom allgemeinen Bild eines Masterkeyboard-Alleskönners ab und konzentrieren sich stattdessen auf Wesentliches. Beim Kawai MP11 SE stehen eine komfortable Bedienung mit vielen Echtzeit-Steuerungsmöglichkeiten, die exzellente Holztastatur und der individuell ausgestaltbare Flügelsound im Vordergrund, während sich das sonstige Klangrepertoire eher auf ausgewählte E-Piano- und Flächensounds beschränkt. Diesen Ansatz perfektionieren die mehr als doppelt so teureren Instrumente V-Piano von Roland, Dexibells VIVO S9 und CP1 von Yamaha, die darüber hinaus mit neuen Modeling-Technologien für die Klangerzeugung innovative Wege gehen. Weil in der Stagepiano- Oberklasse Instrumentengewichte von über 30 kg erreicht werden, benötigen tingelnde Spieler stets jemanden, der beim Verladen und Aufbauen hilft – das sollten Kaufinteressenten unbedingt bedenken.

Zwei schon rein optisch charaktervolle Stagepianos, die sich auf eher wenige ausgewählte Klänge konzentrieren; sind der Mittelklasse-dauerbrenner SV-1 sowie das Grandstage von Korg sowie das teurere Clavia Nord Piano 4 – Letzteres arbeitet als einziges aktuelles Stagepiano mit austauschbaren Samples, die Clavia in einer umfangreichen Bibliothek zur Verfügung stellt; so wird eine sehr individuelle Gestaltung des Speicherinhalts bzw. die Option, sein Instrument für verschiedene Anlässe mit einem jeweils passenden Sample-Sound-Repertoire zu befüllen, möglich. Auf Masterkeyboard- oder Player-Funktionen verzichten beide Modelle.

Ein Preistipp ab etwa 1.000 Euro sind die Stagepianos der SP-Serie von Kurzweil. Sie können in Sachen Tastaturqualität und realistischem Flügelsound zwar nicht recht mit den Modellen aus japanischer Produktion mithalten, bieten aber erstaunlich professionelle Masterkeyboard-Fähigkeiten.

Hinweis: Zahlreiche Livekeyboarder haben heute auch 88-tastige Synthesizer-Workstations wie Yamahas MX88 und/oder Laptops im Einsatz. Kommt der Pianosound aus dem Rechner, bleibt aber nach wie vor die Frage, über welche Klaviatur er sich denn nun am besten spielt. Workstations wiederum sind in Sachen Klaviatur vergleichbaren Stagepianos unter pianistischen Gesichtspunkten meist nicht ebenbürtig. Aber auch, weil ihre Digitalpiano-Fähigkeiten ohnehin nur einen Bruchteil ihrer Leistungsfähigkeit ausmachen, fassen wir sie an dieser Stelle gar nicht als Alternative ins Auge. Daher noch mal schnell zurück zu den Stagepianos: Hier ist erstens die Abstimmung zwischen Flügelklang und Tastatur und damit das Spielgefühl ziemlich optimal; zweitens sind diese Instrumente gleich nach dem Anschalten spielbereit, ohne dass störende Boot-Zeiten anfallen.

Hybrid-Pianos

Das Maximum an originaler Klaviertechnik, gepaart mit den Vorzügen einer digitalen Klangerzeugung – das ist die Idee hinter dieser Piano-Gattung. Der traditionellen Idee des Hybrid-Pianos folgen die Instrumente der Aures-Serie des japanischen Herstellers Kawai: Es handelt sich um echte Klaviere, deren akustischer Teil sich über das Mittelpedal stummschalten lässt; die Hammerköpfe werden dann praktisch abgefangen, bevor sie die Saiten berühren. Zugleich kommen optische Sensoren zum Einsatz, die jetzt die Tastenbewegungen messen und in MIDI-Daten umwandeln. Die Wiedergabe der digitalen Sounds erfolgt wahlweise über den Kopfhörer oder ein aufwändiges direkt auf dem Resonanzboden des Klaviers aufgebrachtes Transducer-System, mit welchem quasi das gesamte Instrument zum “Lautsprecher” wird. Die integrierte digitale Klangerzeugung wird über ein linkerhand verbautes Touchscreen-Display gesteuert. Der Spieler besitzt also ein knapp 200 kg schweres akustisches Instrument mit allen Vorzügen und kann dennoch jederzeit die – stets perfekt gestimmte – digitale Klangerzeugung aktivieren und sogar über Kopfhörer üben.

Den gleichen Weg schlägt Yamaha mit seinen Transacoustic-Pianos ein die funktional noch über die Silent Piano-Reihe hinaus gehen; der Marktführer hält gleich ein ganzes Arsenal an akustischen Flügeln und Klavieren bereit, die zusätzlich mit Stummschaltung, einer digitalen Klangerzeugung und Transducer-Technologie  ausgestattet sind. Ein neues Konzept hybrider Pianos hat Yamaha jedoch mit der AvantGrand-Serie sowie dem Modell NU1X umgesetzt: Klaviatur, Hammermechanik, Pedalsystem und Teile des Korpus stammen zwar auch hier aus dem hauseigenen Klavierbau; die Klangerzeugung aber arbeitet rein digital. Zum Einsatz kommen hier nicht nur extrem aufwendige Multisamples, sondern ein ebenso spektakuläres Vier-Kanal- Soundsystem mit 12 bis 16 Verstärkern. Gleich- wohl bieten diese Hybriden von Yamaha nur eine Handvoll Klänge und bleiben so einem ganz und gar traditionellen Ansatz treu.

Bitte antesten!

Unsere Digitalpiano-Kategorien können dir eine Basis-Orientierung geben, um die Modell-Auswahl einzugrenzen – jetzt zählen allein deine Ohren und dein Spielgefühl. Wenn du darüber hinaus mehr über einzelne im KEYBOARDS- Digitalpiano-Guide genannte Modelle wissen möchtest, findest du aber auch zahlreiche Tests aktueller Instrumente auf unserer Website unter www.keyboards.de/thema/test.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Die CP 50 bzw. CP5 Serie ist seit 2014 von CP 40 bzw. CP 4 abgelöst.
    Klaviersounds und Tastatur (CP4 mit Holzanteil) wurden deutlich verbessert.

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  2. was wünschenswert wäre:

    wo bleiben die portablen Dig. Pianos, welche auch eine Anschlußmöglichkeit einers 3-fach Pedals ohne dazugehörigen Stativs erlauben?
    Bisher sind nur “Kompromisse”, geschweige befriedigendere Lösungen im derz. Angebot verfügbar. Außerdem sollte sich die “Industrie” auch langsam mal auf (warum nicht kostenintensivere) leichtere Varianten (11 – 15kg) vorbereiten.

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  3. Ordentlicher Artikel. Einige Klangbeispiele würden den Rahmen nicht sprengen. Das Tastengefühl muss man sich am Instrument erfühlen.

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  4. Hallo liebes keyboards-team. Danke für die tollen Tests und das ausführliche Beschreiben der einzelnen Modelle. Petra

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  5. Hallo TSt
    Ich glaube jetzt gibt es ein Stage Piano die die Wünsche der meisten Pianisten erfüllen werden. Ich bin momentan auf der suche nach einem neune E-Piano. Ich habe verschiedene Modelle verglichent: Roland V-Piano, Yamaha CP1, Kawai MP11, Physis Piano H1, und an der Messe Frankfurt habe ich das Dexibell VIVO S7 gesehen. Ich habe alles in eine Excel- Tabelle zusammengestellt und bin zum Schluss gekommen dass für meine Bedürfnisse die Modelle Phisis Piano H1 und Dexibell VIVO S7 die Idealen sind und zum Teil auch ähnliche Daten haben. Schau dir diese an besonders der VIVO S7 ist Preis Leistung Top.
    LG Oreste

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  6. Hallo !
    Ich suche ein Dig. Piano In der Mittelklasse mit begleitautomatik
    Bis 3000€
    Danke !

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