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Akkorde aus den Charts: Die Ärzte – Schrei nach Liebe

Eigentlich machen Die Ärzte ja alles falsch: Intro und Verse powern volle Lotte und ausgerechnet der Chorus, traditionell der Höhepunkt eines Songs, kommt zurückhaltend und sogar mit neckischen Streichern daher bevor der Verse wieder losdonnert.

Ja, den Mut muss man erst einmal haben, die Kräfteverhältnisse in einem Song auf den Kopf zu stellen – aber Die Ärzte können es und bringen ihre ganze Erfahrung in den Songaufbau ein. In Schrei nach Liebe bilden Text und Musik tatsächlich eine verzahnte Einheit und laufen nicht wie bei vielen anderen Songs einfach parallel nebeneinander ab. Ungewöhnlich ist auch der ¾-Takt Einschub am Ende des Chorus, der natürlich dem Text geschuldet ist.

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Die Ärzte gründeten sich 1982; Farin Urlaub, Bela B. und Rodrigo Gonzales sind stilistisch nicht auf Punk- und Hardrock festgelegt sondern gucken durchaus mal über den Zaun in den Pop-Bereich. Schrei nach Liebe ist eine Singleauskopplung aus dem Album Die Bestie in Menschengestalt welches im Jahr 1993 nach einer fünfjährigen Bandpause entstand.

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In Schrei nach Liebe thematisierten Die Ärzte den aufkeimenden Rechtsextremismus im wieder vereinten Deutschland. Im Zuge der Kampagne #Aktion Arschloch gelangte der Song an die Spitze der Charts. Die Ärzte unterstützen das Projekt und kündigten an, die Einnahmen der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl zu spenden und „wünschen allen Nazis und ihren Sympathisanten schlechte Unterhaltung.“ Auch die Vertreiber Finetunes, Amazon, Google, Apple und Universal Publishing unterstützen die Aktion mit den Einnahmen aus dem Song.

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Anmerkungen zum Ablauf: Im zweiten Chorus wird der ¾ Takt weggelassen, die Wiederholung reicht also nur bis zum Kopf-Zeichen. Danach wird der Chorus ein drittes Mal gespielt, nun aber volles Rohr mit Power bis zum doppelten Kopf-Zeichen, dann geht’s weiter mit dem Chorus-Continue-Abschnitt, der mit einem Ritardando zunächst die Power heraus nimmt um dann mit drei aufeinander folgenden ¾-Takten trotzig das Statement „A…“ dreimal zu bekräftigen.

Ein breiter D-Moll Schlussakkord mit Gitarrensolo in klassischer Hardrock-Manier beschließt den Song – fertig! Wirklich fertig? Denkste – da kommt noch ein Epilog: Eine zur Gitarrenbegleitung gepfiffene Melodie beschließt mit einem fade out den Song – das erinnert ein bisschen an einen Italowestern, in welchem der Held dem Sonnenaufgang entgegen reitet. Vielleicht hat der Junge in den Springerstiefeln, von dem Die Ärzte singen, doch noch von seinem Hass abgelassen und zu sich selbst gefunden?

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