Kolumne mit Martha Bahr

Von Modularpilzen Communities und Festivals

Panic_Girl Martha Bahr
Martha Bahr aka. Panic Girl

Nicht nur die Szene wächst und wächst seit geraumer Zeit mit all ihren neuen Herstellern, Entwicklern, Tüftlern, Modulen, Cases sowie Neueinsteigern, die sich einer immer größer werdenden Auswahl gegenübersehen. Auch immer mehr Events sprießen aus dem Boden wie Modular-Pilze im Wald. Seien es DIY-Workshops, Stammtische, Konzerte, Synthesizer Meetings, Outdoor Sessions, Vorträge, Gesprächsrunden oder ausgewachsene Festivals − die Nachfrage scheint nicht abzuebben, im Gegenteil. In einer Welt des digitalen Überflusses, in der man sich jederzeit mit nur wenigen Clicks connecten, sich in diverse Foren, Gruppen und Livestreams einklinken sowie alle erdenklichen Infos via Reviews, Tutorials oder Manuals einholen kann, scheint das Bedürfnis nach »Real Life«-Treffen ebenso zu wachsen.

Vielleicht tut es dem Modular-User nach stunden- oder möglicherweise tagelanger Versenkung in einen Patch ja vielleicht ganz gut, mal wieder unter Leute zu gehen, sich sogar ein wenig mit anderen Menschen zu unterhalten, womöglich noch etwas Tageslicht abzubekommen. Oder aber man möchte das eine oder andere Modul vor Ort antesten und sich beraten lassen, bevor man es denn kauft, die Meinung anderer User einholen, hören, wie es sich denn in der Praxis bewährt. Oder das Modul der Begierde direkt im Kontext während eines Gigs, eingebettet in ein voll bestücktes Case, in Aktion erleben, vielleicht sogar sein eigenes Travelcase mitnehmen und sich mit anderen für eine Jamsession verlinken. Oder man möchte einfach nur die Gesellschaft von Gleichgesinnten bei einem kühlen Bier in entspanntem Ambiente genießen.

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Andreas Schneider hat es vorgemacht. Er und sein Team organisieren schon seit geraumer Zeit nicht nur regelmäßig Workshops und Events zu allerlei Themen rund um Modularsynthesizer und elektronische Musikinstrumente. Mit der inzwischen allseits bekannten Superbooth in Berlin hat er darüber hinaus ein Festival etabliert, das seinesgleichen sucht und jedes Jahr aufs Neue sowohl alle Beteiligten als auch Besucher begeistert zurücklässt. Inspiriert von diesem Festival nehmen sich wiederum Modular-Enthusiasten anderer Städte und Länder zum Ziel, ihre eigenen Communities mehr zu stärken, lokal aktiver zu werden, eigene Events zu organisieren. So z. B. der Modular Day in Barcelona, das Brighton Modular Meet, die Modcon in Wien, MEFF in Florenz, Modular on the Spot in Seattle, das Tokyo Festival of Modular, das Dutch Modular Fest in den Niederlanden oder das Noise Kitchen Synth Fest in Brno, die Liste ließe sich noch eine Weile fortführen.

Vor Kurzem fand nun auch erstmals das Knobs & Wires Festival in München statt, an dem auch ich selbst als Co-Organisatorin mitgewirkt habe. In der Heimatstadt Dieter Doepfers, dem Erfinder des Eurorack-Formates, war solch ein Event bereits lange überfällig und erntete mit seinem bunten und abwechslungsreichen Programm durchweg positives Feedback. In den verschiedenen Räumlichkeiten des charmanten Kreativquartiers konnte man unter anderem einen Messebereich finden, an diversen Praxis- und DIY-Workshops teilnehmen, eine beeindruckende Vintage-Synthesizer-Ausstellung besuchen, Konzerten unter anderem von Driftmachine, Ströme, HHNOI, Meng Qi und Colossus of the Road lauschen, Vorträgen von Mario Schönhofer (Ströme), Peter Pichler, Moritz Simon Geist und natürlich auch Dieter Doepfer beiwohnen, der in einem Gespräch zu seiner Geschichte befragt wurde.

In der Modular-Szene zeichnen sich Veranstaltungen jedweder Art vor allem durch ein gewisses familiäres Flair aus, wirken beinahe wie große Klassentreffen mit vielen bekannten, aber auch zahlreichen neuen Gesichtern, bei denen jeder gleichermaßen willkommen ist. Wir hoffen sowohl in München als auch in allen anderen Städten auf zahlreiche Fortsetzungen. In diesem Sinne, ich bin dann mal patchen.

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