Mobile Music Testbericht

Test: Jam-Sequenzer “triqtraq” für Unterwegs

DAW-ähnliche Apps gibt es wie Sand am Meer. Viele versprechen einen ähnlichen Workflow und Umfang wie Software für PC und Mac. Die Qualität schwankt in diesem Bereich schon recht stark. Der Jam-Seqenzer “triqtraq” will mobile Musiker mit einem ungewöhnlichen Konzept begeistern. Wir haben die iOS-App mit Blick auf das mobile Musikmachen oder eine Jamsession mit Ableton Link getestet und sagen euch, ob sie uns überzeugen konnte.

Triqtraq_Aufmacher

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Angeklickt

Buntes und schlichtes Design und der Fokus auf das Wesentliche – HALT! Das kennen wir doch schon. Mit der Ableton Live macht eine DAW vor, wie schlichter und gleichzeitig flexibler Workflow miteinander vereinbar sind.

Bis auf diese Prämisse und eine gewisse Ähnlichkeit in der äußeren Erscheinung ist triqtraq aber ein verdammt eigenständiges Konzept. Das Konzept passt perfekt auf einen (gerne größeren) Touchscreen und ist damit auf einem Tablet sehr komfortabel zu bedienen. Auf einem kleineren Smartphone kann so manche Eingabe etwas fummeliger werden. Aber auch hier ist trigtraq gut nutzbar.

 

X-Y Pad für die Interaktion mit dem Filter sowie Automationskurve.
Hauptansicht mit Eingabe für den Sequenzer und einzelnen Steps.

 

Los geht’s

Wer schon einmal mit Software Musik gemacht hat, findet sich eigentlich sofort zurecht. App geladen und geöffnet, erscheint sofort die Hauptansicht auf dem Display, die alle wesentlichen Funktionen auf einen Fingertipp erreichbar macht. Umständliche Menüs gibt es (bis auf die Soundverwaltung) nicht. Aber auch für alle Neueinsteiger oder jene, die bisher eher weniger mit mobiler Musik anfreunden konnten, erschließt sich das Konzept hinter dem Jam-Sequenzer weitestgehend intuitiv.

Mittig platziert findet ihr vier verschiedene “Instrumente” oder auch Spuren, die in der Standarteinstellung den Sounds Drum, Percussion, Bass und Keys zugeordnet ist. Zentral findet ihr die 9 Samples, die zu jedem der Spuren gehören. Damit macht ihr die Eingaben für den Sequenzer.

Den 16-Step-Sequenzer findet ihr wiederum im oberen Teil des Bildschirms. Hier können die Eingaben auch editiert werden. Das klappt manchmal nicht auf Anhieb so, wie man es erwartet, wenn die Auswahl etwa beim Löschen eines Steps sofort auf den nachfolgenden springt, obwohl man eventuell ja nur das Sample tauschen wollte. Nach etwas Übung sollte das aber auch kein Problem sein.

 

 

Schön ist, dass ihr jederzeit “on-the-fly” aufnehmen könnt. Ihr schaltet also die Aufnahme auf scharf, währen euer Arrangement läuft und fügt weitere Steps oder Effektautomation hinzu. Das klappt reibungslos. Insgesamt stehen euch 8 Pattern zur Verfügung, mit denen ihr eurer Arrangement aufbauen und variieren könnt.

Mit an Bord sind etwa 400 Sounds aus den vier oben genannten Kategorien. Über verschiedene Importfunktionen oder das integrierte Mikro eures Gerätes lassen sich diese aber auch noch durch eigene Samples ergänzen. Top!

 

Live und unterwegs

Für den dynamischen Betrieb live oder für das Zusammenspiel mit anderen Musikern gibt es zahlreiche weitere Funktionen. Da wären zum einen die Effekte, welche als Automation ebenfalls aufgenommen werden können. Hierzu zählen Delay, Filter und Pitch. Daneben kann auch Eingriff in Level und Pan genommen werden. All diese Parameteränderungen könnt ihr (wenn ihr sie etwa automatisiert habt) jederzeit per Knopfdruck resetten, wenn etwas nicht passt.

Zum anderen kann triqtraq mit Ableton Link umgehen. Damit könnt ihr über das selbe Netzwerk synchron mit anderen jamen, die ebenfalls eine Link-fähige App benutzen. Das klappt tadellos und macht gerade mit einer App wie diesen Spaß, die quasi als Master fungiert und Taktgeber für eine ganze Reihe an App-Instrumenten sein kann.

In der Bahn oder unterwegs im Auto ist Link für das mobile Musikmachen aber weniger geeignet. Dann muss man sich aufs gute alte Taktgefühl verlassen oder eben mit der gleichen BPM-Anzahl an den Start gehen.

 

Der Pitch-Effekt. In dem oberen Teil der App ist einfaches Mixing möglich.
Eigene Samples können via iTunes oder AudioCopy geladen werden. Zusätzlich kann auch Sound über das eingebaute Mikro des Gerätes aufgenommen werden.

 

Studio

Für das Studio halte ich triqtraq für weniger geeignet. Da die App nur mit Samples gefüttert werden kann, also keine eigene Klangerzeugung hat, greifen die meisten wohl auf eine “richtige” DAW mit ihren Plugins zurück. Das soll nicht bedeuten, dass die mitgelieferten Sounds nicht gut klingen oder das Beatprogramming nicht locker von der Hand geht – für den Studioeinsatz vermisst man aber so manches Feature. Dafür wurde die App aber definitiv nicht gemacht.


 

Fazit

Triqtraq macht einfach Laune. Egal ob ihr alleine mit den internen oder selbstgeladenen Samples herumspielt oder mit anderen Musikern via Link jamt – die App macht dabei eine gute Figur und funktioniert weitestgehend intuitiv. So manches Pro-Feature wie die Automation von Effekten hätte es dann gar nicht gebraucht, denn die App wurde eindeutig für unterwegs entwickelt, wenn man schnell mal ein paar Tackte spielen möchte. Für einen Ausflug auf die Bühne wäre triqtraq ebenfalls zu haben und lässt euch dank guter Programmierung auch technisch nicht im Stich.

 


App Info (Stand 07. August 2016)

triqtraq / iPad & iPhone / 3,99€ / 33 MB / Version 1.6.2

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