Wie aus einem fernen Sonnensystem

Reingehört: Lucid Grain mit „Rise & Fall“

Es ist immer ein bisschen schwierig, über Musik zu schreiben, die mit wenig zu vergleichen ist. Wir haben uns das sieben Stücke umfassende Debütalbum unserer Kollegin Martha Platchetka und Anatol Locker angehört und wagen trotzdem einmal den Versuch.

 

Anzeige

(Bild: Lucid Grain, Modularfield )

 

Man stelle sich eine Szene in einem Kinofilm vor: endlose Sanddünen, eine langsame Kamerafahrt und irgendwo weit in der Ferne sammelt ein futuristischer Mars-Roboter einige Bodenproben. Schnitt – die kleine Maschine befindet sich in einem Raumschiff auf Reisen und zieht vor der Kulisse eines ganzen Sonnensytems seine Kreise.

Das sieben Tracks umfassende Erstlingswerk “Rise & Fall” des Projekts Lucid Grain ist großes Sci-Fi Kino. Kino deshalb, weil dem Hörer vermutlich innerhalb kürzester Zeit ein ganzes Mondlabor voller Bilder vor den Augen erscheint und der Blick in endlose Weiten schweift während im Hintergrund die Apperaturen des Space-Shuttles wabern und blinken.

Auch das Cover von Rise & Fall erinnert an die staubige Oberfläche etwa des Planeten Mars und einzelne Elemente in der schick visualisierten Atmosphäre treten zueinander in Beziehung. Dabei zeigt das Cover, was es gleichzeitig auch zu hören gibt – nebenbei ist hier und dort auch das ein oder andere lucid grain (zu deutsch etwa helles oder leuchtendes Korn) zu hören.

 

 

Der Klang der einzelnen Stücken passt zu deren Titel von “Mommy, Look!” bis “I Dreamt Music” ebenso zum Gesamtbild wie Solarzellen auf der Außenseite einer Raumsonde. Das allgemeine Klangbild ist vor allem von analogen Erzeugnissen geprägt – es wabert, brummt und zischt an allen Ecken und Enden während wohl dosierte Stimmsamples und Sprachfetzen für eine traumartige Klangkulisse sorgen.

Jeder der sieben Songs ist über 5 Minuten lang und fast die hälfte bewegt sich um die 10-Minuten-Marke sodass eine Gesamtspielzeit von fast 65 Minuten auf der Zielmarke abzulesen ist. Dass in dieser Zeit viele Motive, Ideen und Stile zu hören sind, liegt nicht nur an der Dauer von Rise & Fall. Laut Eigenbeschreibung des Projekts ist

“Lucid Grain (…) not a collaboration, its more a fusion between the soundscapes of Martha Plachetka & Anatol Locker.”

Dieses sich suchende Antwortverhältnis gehen dabei nicht nur die beiden Musiker miteinander ein – sondern auch das Werk mit seinem Hörer. In seiner Atmosphärik ist es dabei wohl kaum etwas für zwischendurch oder die kurze Fahrt im Auto – aber eine spannende Reise durch unterschiedlichste Welten.

 

>> Zur Website des Albums

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: