Wolfgang Palms visionäre Instrumente

3 Fragen an den PPG-Visionär

Du hast mit nahezu all deinen Instrumenten technisches Neuland betreten: digital gesteuerte Oszillatoren, Speicherbarkeit, Wavetables, Harddisc-Recording, schließlich sogar virtuell-analoge Klangsynthese. Wie denkst du über den RetroTrend am Synthesizer-Markt?

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Für mich ist es tatsächlich seltsam, dass immer noch so viele Leute an analogen Klängen hängen! Dass man sich an winzigen Klangunterschieden ergötzt und der eine Synth weicher klingt als der XY-Synth. Und alle Hersteller locken mit „fetten Sounds“ …

Mich als Entwickler hat es gereizt, neue Wege zu gehen! Auch nach PPG habe ich neue Sachen probiert und der PPG Wavecomputer war ja der erste Schritt in neue Klangdimensionen.

Was erschien dir in den vergangenen 25 Jahren als echte und wichtige Innovation?

Eine interessante Technik ist das „Physical Modelling“, ebenso die Sprach- und Gesangsanalyse/-synthese. Damit beschäftige ich mich seit einiger Zeit. In Kürze dürfte da mit interessanten Resultaten, wahrscheinlich sogar mit einem neuen Produkt, zu rechnen sein.

Es gab in der Vergangenheit technische Konzepte, welche die Musik (und nicht nur die Produktionsabläufe) nachhaltig verändert haben, etwa (Step-)Sequenzer oder Sampling. Siehst du auch für die Zukunft solche Entwicklungen, oder sind die Möglichkeiten ausgeschöpft, alle Klänge gehört, alle Kompositionsund Produktionsmethoden ausprobiert?

Tja, die Frage habe ich mir in den letzten Jahren auch oft gestellt. Als ich damals den Wave auf der Musikmesse vorgestellt habe, waren das für die Leute nie gehörte Klänge! Damals war es vergleichsweise einfach, mit neuen Klängen zu überraschen. Heute sind wohl kaum noch wirklich neue Sounds möglich, sondern Kombinationen oder Morphings von Vorhandenem. Bei den Kompositions- und Produktionsmethoden sehe ich da noch eher Verbesserungsmöglichkeiten: Ein komplexes Sequenzersystem ist ja heute so umfangreich, dass man es ein paar Monate nutzen muss, um ein fließendes Arbeiten zu ermöglichen. Da ist bestimmt noch viel zu verbessern. Ich habe ja noch immer die Vision von einem System, welches direkt die Vorstellungen aus unserem Gehirn realisiert! Etwa über Sensoren, sodass man schneller zu qualifizierten musikalischen Ergebnissen kommt. Vielleicht in 50 Jahren? Keine Ahnung … (lacht).

>> Die PPG-Story – Alle Synthesizer von 1974 bis 1986 in der Übersicht <<

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