Keys to Power!

Osaka Rising – Zwei Mann und keine Gitarren

(Bild: Dirk Heilmann)

Das Konzept von Osaka Rising ist so einfach wie ungewöhnlich: Tom Walther spielt die Drums und Stephan Janson seine Keys. Das war’s. Im Grund könnte man das Duo wegen der spärlichen Instrumentation fast übersehen − doch wehe, sie legen los, dann brennt die Bühne! Die beiden schmeißen musikalische Konversionen über Bord, befreien sich vom üblichen Gitarren-Rock und gehen ihren eigenen Weg.

Eine Rockband ohne Gitarren? Ohne Bass? Und ohne glamourös schillernde/n Frontsänger/in? Unmöglich? Offenbar nicht!

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Eine Rockband, die heute noch Instrumente zerschlägt so wie einst The Who, Nirvana und Co.? Unmöglich? Ja, »unmöglich«, so könnte man das nennen.

Osaka Rising bieten in gewisser Weise eine Art Zeitreise: Verzerrte Orgeln, krachendes Schlagzeug, rustikaler Gesang erinnern an die wilden 70er. Über die Bühne verteilte Reste von Instrumenten versetzen einen in die Szenerie, die man sonst nur noch von Videos und skandalösen Zeitzeugenberichten des einstigen Establishments kennt. Aber eigentlich geht es um mehr als das: Bei Osaka Rising wird der Sound gefeiert. Ein Sound, den sich sonst für gewöhnlich Gitarristen mit der Gelassenheit eines Heroinsüchtigen an sich zerren und ungefähr auch so verteidigen. Ein Sound, der die Orgel wieder in ein neues, fast vergessenes Licht rückt. Man soll es nicht nur hören, sondern auch fühlen. Es muss dreckig sein, muss überraschen und darf niemals glattgebügelt sein! Das ist in etwa die eigentliche oberste Prämisse des Duos.

Das Steinbach-Case ist ganz bewusst stabil gefertigt. (Bild: Dirk Heilmann)

Wie lange macht ihr das schon, und habt ihr vorher schon zusammen Musik gemacht?

Tom: Vorher hatten wir noch nicht zusammen Musik gemacht, aber natürlich haben wir beide schon lange in anderen Bands gespielt − 16, 17 Jahre lang locker.

Dass wir uns gefunden haben, war, wie so oft, ein Zufall. Als wir dann das erste Mal im Proberaum standen − eigentlich erstmal nur zum Kennenlernen und zum Über-Musik-reden − haben wir gemerkt, dass wir beide das Gleiche bei der aktuellen Musik vermissen und dass wir beide in die gleiche Richtung wollen, was Live-Performances betrifft.

Schlagzeug und Orgel ist eine sehr ungewöhnliche Kombination. Wart ihr nicht skeptisch, dass das klingen kann?

Stephan: Gleich beim ersten Jammen sind schon Ideen entstanden, die auch später zu Songs umgebaut wurden − das war also sofort magisch. Natürlich hatten wir auch überlegt, noch andere Musiker hinzuzunehmen, aber dann war uns das zu heiß. Denn es klang ja cool, genau so, wie es war.

Tom: Ein anderes Problem war auch, dass wir keine Lust mehr hatten auf Leute, die nicht denselben Antrieb haben wie wir. Zu zweit ist das viel einfacher: »Hast du Bock auf die Musik, ja oder nein? Und hast du Zeit zum Proben, ja oder nein?« Da gibt’s auch weniger zu diskutieren.

(Bild: Dirk Heilmann)

Was habt ihr denn vorher an Musik gemacht?

Stephan: Alles Mögliche! Ich hatte schon eine Dark-Rock-Band, eine Elektro-Band, Folk- und Pop-Projekte, ich habe immer schon viel mit Improvisation in Bands experimentiert. Natürlich habe ich auch in Cover-Bands gespielt zum Geldverdienen − da kann man auch viel Live-Erfahrung sammeln, das ist nicht schlecht. Aber das Herz schlug immer für die Rockmusik.

Tom: Ich hatte immer Bands, die eigene Musik gemacht haben. Von Rap-Rock bis Deathmetal hatte ich eigentlich alles dabei. Gemerkt habe ich aber auch, dass dieses Hardrock-Schlagzeug das ist, was ich eigentlich immer machen wollte. Für Metal hat’s dann doch manchmal nicht gereicht. (lacht)

Stephan: Ich habe auch immer einen vernünftigen Einsatz der Hammond-Orgel vermisst. Und zwar ohne, dass man zwangsläufig 70er-Jahre-Retro-Rock macht. Für mich ist die Orgel einfach das Ausdrucksmittel, wo ich, ähnlich wie ein Gitarrist, Charakter zeigen kann. Eine verzerrte Hammond hat eben dieses Gefährliche, und man kann der E-Gitarre richtig Paroli bieten.

Das heißt, du hast das auch in deinen früheren Bands vermisst?

Wenn eine oder mehrere E-Gitarren dabei sind, suche ich mir schon meinen Platz, und außerdem ist es dann ja auch noch nicht gleich 70er-Jahre-Rock. Aber ja, ich wollte auch schon immer mal in einer Band spielen, wo ich mehr im Fokus stehe.

Wäre dann nicht der Griff zur E-Gitarre auch eine Möglichkeit gewesen?

Tatsächlich habe ich mir auch Gitarre spielen beigebracht, naheliegend für Rockmusik. Aber als ich damals die Verzerrer-Funktion bei meinem Yamaha PSR-620 entdeckte, spürte ich, dass es doch eher auf dem Keyboard für mich weitergeht. Das fand ich cool, das hat nämlich damals sonst niemand in meinem Umfeld genutzt, und es klang schon fast wie bei Deep Purple.

War Deep Purple eine der Bands, von denen du dich hast inspirieren lassen?

Ja! Das war die Initialzündung, um auf Rockmusik zu kommen. Die waren so experimentierfreudig und auch gefährlich vom Sound her − daher übrigens auch unser Name Osaka Rising: kreischende Orgel, kreischende Gitarren und kreischender Gesang − wie auf Made In Japan (recorded live in Osaka & Tokio) − das war mein Anfang. Allerdings habe ich das nie nachgespielt, allein vom Sound her hat mich das beeinflusst und was das Experimentieren mit Effekten und irgendwelchen Verkabelungen angeht.

The Doors oder auch Emerson, Lake and Palmer, was mir gerne angedichtet wird, habe ich nie gehört. Tom: Allgemein orientieren wir uns viel an den brachialen Sachen, also auch mal an Rage Against The Machine z. B. Das ist nämlich das, was wir heute bei der Rockmusik vermissen. Das ist häufig einfacher und vor allem glattgebügelt. Unserer Meinung nach muss es immer Überraschungen geben, etwas, das man nicht erwartet und was man danach vielleicht auch nie wieder so spielt.

(Bild: Dirk Heilmann)

Improvisiert ihr viel auf der Bühne?

Stephan: Ja! Unsere Lieder sind auch wie Spielwiesen für uns, mit Stellen, über die wir dann eben auch improvisieren. Und je nach Tagesform und wie man sich eben fühlt, kommen da ganz verschiedene Sachen zustande, um den anderen und sich selbst zu überraschen.

Tom: Das ist auch der Vorteil von zwei Leuten, dass Stephan z. B. direkt mit dem Bass in seine Idee einsteigen kann, der ja sonst von jemand dritten gespielt werden würde, und ich muss mich auch nur auf eine Person einschießen.

Stephan: Das Problem ist allerdings auch, dass einen niemand rettet, wenn es mal ausartet. Man muss sehr tight zusammenspielen, sonst entfaltet sich keine Magie. Das mussten wir auch erstmal herausfinden. Inzwischen läuft das sehr gut.

Wie ist das für dich als Keyboarder, der, abgesehen vom Schlagzeug, eine ganze Band ersetzt. Verlangt es dir viel ab?

Das ist Segen und Fluch zugleich, denn es ist für Stimme und Körper sehr anstrengend, da man keine einzige Pause hat. 40 Minuten bis eine Stunde ist alles noch im Rahmen. Wenn wir länger spielen, da kommt man schon sehr ins Schwitzen.

Tom: Wenn wir länger spielen − wir hatten schon Konzerte mit 1:30 Stunde oder gar 1:45 −, dann lassen wir uns auch mehr Zeit für Improvisationen, die dann ja rein instrumental sind.

Stephan: Richtig. Wir sehen uns auch als Instrumental-Band. Eine Instrumental-Band mit Gesang obendrauf.

In das Steinbach-Case ist eine inzwischen ziemlich mitgenommene Hammond SK1 eingebaut, Stephans Soundgeber Nr. 1. Darunter das Miditech I2 Black Edition welches er zu einer herausnehmbaren mobilen Keytar mit Tragegurt und Akkupack umgebaut hat. Die ist wahlweise mit der Korg Microstation (Bass Sounds, Synths) oder der Hammond als zweites Manual gekoppelt. Das Signal wird gesplittet und auf die beiden Amps geschickt.
Der alte Peavey Audition 30 sieht zwar schäbig aus, ist aber transportabel und bietet genau den Sound, den Osaka Rising in den Höhen braucht.
Der Ampeg Portaflex 350 ist mit dem 15"-Speaker für die Bässe zuständig und wird Post-EQ (über den Effekt Send mit extra DI-Box) über DI abgenommen.
Die Bodentreter sind überraschend übersichtlich, der Ventilator und das Hammond-Schwellerpedal allerdings unverzichtbar.

Wie war denn dein Weg zum Amp? Hast du viel ausprobiert?

Bei den Aufnahmen hatte man viel überlegt: »Welchen Sound gebrauche ich hier und welchen da?«, da wurde viel gewechselt und experimentiert, »Welche Amps können das, was ich gebrauche?« − das ist nicht so einfach. Es gab auch Überlegungen, mit mehren Amps ein Stereo-Setup zu bauen. Zurzeit ist es aber doch einfach mono mit einem Bass-Amp fürs Fundament und einem Gitarren-Amp oben drüber.

Für mich war es auch interessant herauszufinden, dass, wenn man mit Verzerrung spielt und Rockmusik machen will, es tatsächlich ein bestimmtes Frequenzbild gibt, das man braucht, damit es noch melodisch klingt und ein tonales Fundament hat, aber gleichzeitig auch diesen kreischenden Faktor. Das ist mit Keyboards nämlich etwas schwierig. Manchmal klingt es dann sehr elektronisch oder Synthesizer-lastig und daher etwas steril, dann ist es manchmal sehr analog und zu warm usw. Da habe ich mir dann viel von Gitarristen abgeschaut, was die für Amps und Tretminen nutzen, und mir zusätzlich im Studio Frequenzbilder abgeschaut. Übrigens würde mein Sound mittlerweile über Line-Signal nicht wesentlich anders klingen. Es ginge dann nur der dreckige Faktor verloren, deswegen nutze ich die Amps.

This keytar has seconds to live. (Bild: Dirk Heilmann)

Ein Leslie kommt aus technischen Gründen nicht infrage?

Eher aus finanziellen Gründen. (lacht) Wir sind da auch hier noch in einer Experimentier-Phase und für alles offen und suchen auch stets weiter nach Equipment. Aber der NEO Instruments Ventilator II ist einfach schon unglaublich gut, da vermisse ich erstmal nichts. Selbst im Studio haben wir den genutzt, obwohl noch ein altes Leslie da gewesen wäre.

Ich bin da auch nicht so eitel. Letztendlich kommt es aufs Gesamtergebnis an und dass man sich beim Spielen gut fühlt. Allerdings habe ich live auch schon ein paar Mal ein Leslie vermisst. Das müsste dann aber auch der richtige Schrank sein und nicht so einer, den man gefühlt in den Rucksack stecken kann.

Auch aus optischen Show-Gründen?

Ja klar! Aber da ist auch wieder das Problem, dass wir nur zu zweit sind und alles selbst auf die Bühne schleppen. Im Moment geht das noch ganz gut, das passt noch alles in einen PKW, aber Pläne gibt’s natürlich, dass das noch alles voller wird auf der Bühne. Wir freuen uns über ein Endorsement. (alle lachen)

Von der Wartungsfreiheit bin ich allerdings mit meiner SK1 schon sehr zufrieden. Eine echte Hammond würde bei mir auch sehr beansprucht werden beim Spielen, da wäre dann ein Techniker an meiner Seite quasi Grundvoraussetzung.

Der Rest vom Schützenfest (Bild: Dirk Heilmann)

Du steigst häufiger mal auf deinen Spieltisch. Wie machen das die Keyboards mit?

In der Regel hat das untere Keyboard vorher schon auf die ein oder andere Art das Case mehr oder weniger brutal verlassen. Sollte das aber nicht der Fall sein, stehe ich auch auf den Tasten. Das bringt dann nochmal den nötigen Nervenkitzel. (lacht)

Das Steinbach-Case, in dem die Keyboards liegen, habe ich bewusst so bauen lassen, dass ich mich nicht zurückhalten muss. Die Hammond habe ich schon zweimal auseinandergebaut, da einige von den Dämpfermatten verrutscht waren, ein paar Tasten waren ausgehakt. Derzeit fehlt auch der Setup-Poti, dafür kann ich mir gerade noch mit einem Bit als Werkzeug behelfen. (lacht) Die Microstation hat auch schon ziemlich gelitten.

Es gibt leider zu viel Plastik bei Keyboards, ich hätte da lieber mehr Holz und Metall. Ich will ja die Dinger nicht sinnlos kaputt machen, aber ich möchte damit live vernünftig interagieren können. Tom hat den Luxus, der kann mit Holz auf Felle hauen, sodass er jeden Schlag richtig spürt, und das möchte ich auch.

www.osakarising.de

Tom (links) und Stephan (Bild: Dirk Heilmann)

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