Der Mann, der den Minimoog populär machte

Moog-Missionar Van Koevering gestorben

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Mit 77 Jahren starb am 30.01.18 David Van Koevering, der Mann, der u.a. mit unkonventionellen Markting-Aktionen Moog Synthesizer wie den Minimoog populär machte.

Er war eine Zeitlang Vizepräsident von Moog startete später auch seine eigene Firma (Vako) und brachte das Orchestra Keyboard heraus, eine Art Sampler mit Optical Discs, das u.a. von Kraftwerk und Foreigner eingesetzt wurde. Mehr über die (Mini-)Moog-History findet ihr übrigens in  Sound & Recording 10/17 und Sound & Recording 11/17 .

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David Van Koevering performte als Wunderkind in lokalen TV-Shows, arbeitete im musikpädagogischen Bereich und wurde dann zum dem Mann, der den Minimoog auf die Strasse brachte. Er lernte Bob Moog während eines Gershon Kingsley Konzerts in der Carnegie Hall kennen, man freundete sich an und Van Koevering erwarb ein Moog Modularsystem, was für ihn damals eine budgetzerfetzende Investition war. Um das teure Gerät zu refinanzieren, brachte er zwei eigentlich inkompatible Welten zusammen und organisierte Synthesizer-Edutainment-Shows in der Taco Bell Fastfood Kette; bezahlt wurde er von beiden Firmen.

The Island Of Electronicus

Van Koevering war ein Marketing-Genie, das Eskimos Schneebälle verkaufen konnte. An der Küste Floridas organisierte er 1971 unter dem Titel „ The Island Of Electronicus“ psychedelische Moog-Demonstrations Shows mit spaciger Lightshow, einer fetten PA und einer mit „Love & Peace“-Backdrops geschmückten Bühne, auf denen Van Koevering und manchmal auch Bob Moog himself Minimoogs vorführten. Das Publikum saß auf Kissen auf den Boden und konnte interaktiv am Soundgeschehen teilnehmen, da einige im Saal plazierte und mit Kopfhörern ausgestattete Minimoogs zum Mitspielen einluden und bei Gefallen vom Zeremonienmeister Koevering auf die PA gelegt wurden. Begleitend gab es Radiojingles („The Moog Synthesizer is here now …to stimulate your feelings, thoughts and your love…“). Die Aktion war ein voller Erfolg (Moog rief das „Island Of Electronicus“ auf der NAMM 2016 wieder ins Leben), aber in den Musikgeschäften weigerte man sich Anfang der 70er Jahre, das exotische Instrument mit 44 Reglern und Tastern ins Sortiment zu nehmen, woran auch die wenig beachtete Moog-Demonstration auf der NAMM 1971 nichts änderte.

Man with a mission

Van Koevering bereiste daher die Musikgeschäfte als Moog-Erweckungsprediger und erschuf einen Markt, den es vorher nicht gab. Er präparierte die Geräte mit farbigen Tape, um Sound-Presets zu markieren, rekrutierte weitere Moog-Salesmen und stellte Rock-Bands den Minimoog leihweise für einen Gig zur Verfügung; nach dem Gig und den Reaktionen des Publikums auf die spacigen Geräusche kratzten viele angefixt ihren letzten Dollar zusammen, um das magische Instrument behalten zu können. Er verließ keine Stadt, wenn er nicht mindestens einen Minimoog verkauft hatte. Nachdem Investor Waytena die in finanzielle Schieflage geratene Firma übernommen hatte, machte er Van Koevering zum Moog-Vizepräsidenten, der bald ein weltweites Vertriebsnetz aufbaute.

 

www.moogmusic.com

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