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Mit Orgelwerner an den Tasten

Elektronik-Urgestein – Der Hamburger Orgelwerner ist ein Keyboard-Freak der alten Schule: keine Computer, bestenfalls traditionelle Stepsequenzer — und reichlich Dampf unter der Hammond …

(Bild: Orgelwerner)

So muss ein klassischer Übungsraum aussehen: aufeinander getürmte Instrumente und Lautsprecher, dazwischen Kabel und noch mehr Kabel. Der unverwechselbare Geruch von Holz und Elektronik liegt in der Luft – ein Mekka für jeden Vintage-Keyboard-Enthusiasten. Wenn das Hamburger Musiker-Urgestein in die Tasten seiner Hammonds greift, fliegt der Putz:

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„Am liebsten starte ich einen Drumcomputer und improvisiere nach Lust und Laune zum Beat,“ erklärt Werner, der seinen Spitznamen der Eingebung eines Freundes verdankt. „Mit Computern habe ich grundsätzlich nur das Notwendige am Hut; selbst Aufnahmen und Arrangements haben mich nie wirklich interessiert. Essenziell ist dagegen die Spielfreunde,“ betont Werner. „Zu hören und zu spüren, wie ein Instrument auf das Spiel reagiert, das ist toll. Endlose Improvisationen, bei denen ich mich ganz und gar verlieren kann, sind für mich der Hauptspaß!“

Interessanterweise hat Werner nie wirklich ein Instrument im klassischen Sinne erlernt. Alle musikalischen Fähigkeiten hat sich der Hamburger selbst beigebracht und von seinen Keyboard-Heroen – Keith Emerson steht hier an erster Stelle – abgeschaut. Neben den großen Tastenvirtuosen der 70er-Jahre ist Werner vom Krautrock und der klassischen EM beeindruckt und beeinflusst: „Das erste Kraftwerk-Album (mit dem roten Gummikegel; Anm.d.Aut.), Tangerine Dreams Alpha Centauri und diverse frühe Klaus-Schulze-Produktionen haben definitiv einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Deren Spielfreude und der anfänglich erfrischend unprofessionelle Umgang mit Musik und Instrumenten wirken auf mich noch immer inspirierend.“

Bis zum aktuellen Instrumentenpark war es ein weiter Weg, erinnert sich Werner: „Mein erstes elektronisches Instrument war eine Neckermann-Orgel. Die klang sehr scheiße und so gar nicht nach Keith Emerson oder Tangerine Dream.“ Der nächste Versuch galt dem Selbstbau. Zusammen mit einem Freund baute Werner diverse Klangerzeuger, die sich jedoch weniger als spielbares Instrument denn als Geräuscherzeuger eigneten. Dem musikalischen Reiseziel Alpha Centauri war man damit jedoch schon um einiges näher gekommen.

Werners erste ernst zu nehmenden Instrumente wurden schließlich ein Roland SH-3A – der auch heute noch seinen Platz im Übungsraum hat – und ein modularer PPG-Synthesizer mit Stepsequenzer: „Wolfgang Palm hat den damals noch in seiner Wohnung gebaut.“

Anfang der 80er-Jahre kam Werner zeitweilig auf den „Jazz-Trip“ und verkaufte seine Synthesizer zugunsten eines Flügels („Zumindest im Falle des PPG war das aus heutiger Sicht keine kluge Entscheidung …“). Ohne Synths ging es dann jedoch auch nicht: Einem Roland JX-3P folgten im Laufe der Jahre schließlich der Minimoog, drei Hammond-Orgeln und einige weitere Synthesizer: „ARP Odyssey und Octave CAT zählen zu meinen größten Favoriten – beides tolle Performance-Instrumente mit Super-Sound.“ Ein Zugeständnis an die Moderne ist Werners Tenorion: „Die Bedienung ist witzig. Ich benutze nur den Sequenzer und steuere damit gerne den Minimoog an – eine sehr interessante Kombination …“


Orgelwerners „Freak-Room“ ist ein Spielzimmer im besten Wortsinn. Computer oder Aufnahmegeräte finden sich hier nicht, dafür jedoch jede Menge tolle Vintage-Instrumente und Effekte zum Live-Austoben.

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Genau lieber “Orgelwerner” . habe selbst eine sogenannte Vintage-Musikwerkstatt…Hammond Leslie und Roland Produkte.Ja es muss nach Holz und Elektromechanik riechen und Ton Wheel Geräuschen sollen sich auch bemerkbar machen!!mal ein wenig Oel geben, dann ists wieder lange ok.
    Gruss Ruedi Züsli Chemin de Pra Commouna 1 1982 Euseigne Wallis Schweiz

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