Ein Fuchs muss tun, was ein Fuchs tun muss..

Interview mit Produzent und Musiker David Hasert

(Bild: M.Mercer)

150 Releases, um die 100 Gigs im Jahr, einen gutlaufenden Club in Kölns pulsierendem Szeneviertel – nur ein Auszug der langen Liste bisheriger Karriere-Goals des Kölner DJs und Produzenten David Hasert. Der gebürtige Sauerländer hat es vom einstiegen Profi-Skater zum Profi-Musiker gebracht und lebt die perfekte Verschmelzung von Produktion, Performance und Party-Tumult. Die Musik, die er unter der Woche im hauseigenen Studio produziert, wird am Wochenende im direkt anliegenden Reineke Fuchs auf der Ausgehmeile Aachener Straße im laufenden Nachtbetrieb getestet.

Für den Club macht er das Booking, gibt Linie vor und steht im inzwischen dritten Jahr erfolgreich als Mittelsmann zwischen Veranstaltern, DJs und der heterogenen Gästeschar. In der Zeit davor war der Netzwerker in Sachen elektronische Musik über lange Jahre vor allem für seine Partyreihe LIKE bekannt und hat auf diese Weise etliche durchgetanzte Schuhe und Nächte zu verantworten. Sein aus der Partyreihe erwachsene gleichnamige Musiklabel “Like Records” zählt inzwischen 32 Veröffentlichungen und spiegelt, ähnlich einer Discokugel, einen bunten Querschnitt aus etablierten und jungen Talenten der Stadt auf die Tanzfläche. David Hasert – eine der vielseitigsten Figur der lokalen Underground House und Techno-Szene der Domstadt.

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David, wie ist dein Background und wie bist du zur Musik gekommen?

Ich komme ja eigentlich eher aus dem Band-Bereich. Ich hatte früher Hardcore-Bands und Punk-Bands. Das erste Projekt, das elektronisch war, war eine Elektropunk-Band. Dann aber so richtig mit Major-Plattenvertrag und allem drum und dran… MALK hieß das Projekt. Da werde ich noch super oft drauf angesprochen, weil das noch sehr viele Leute kennen. Als Kind habe ich ja zwar Musikunterricht gehabt, bin da aber immer wieder abgehauen und hab geschwänzt. Ich habe mir das dann später mit Anfang, Mitte 20 alles nochmal autodidaktisch beigebracht. Das ist natürlich irgendwie blöd. Deshalb kann ich ein bisschen Noten lesen, etwas Gitarre und Bass – aber nichts davon im klassischen Sinne „richtig“.

David und der Arturia MatrixBrute. (Bild: M.Mercer)

Klassisch effektiv produziert David seine Musik:  Ableton als Zentrale, dazu einige Drum-Machines und Synthies – House-Musik braucht wenig, um effektiv zu sein. Gemischt wird auf Genelec Boxen, bevor der Track auf der Funktion One F-1 Anlage im einige Stockwerke tiefer gelegenen Club und der somit idealen Umgebung durch den Raum schallen darf.

Es ist schon ein ziemlicher Luxus, seine Musik direkt auf einer Clubanlage zu hören, wann immer man möchte. Meine Abhöre hier oben hat mir Adam Kroll empfohlen, ein Typ der früher auch mal House gemacht hat, mittlerweile aber im Reggae zuhause ist. Mit dem tausche ich mich öfter mal aus, weil er mit seinem Dub-Reggae auch recht nah an diesem typischen Techno-Klang unterwegs ist. Daher hatte ich ihn damals mal nach einer Empfehlung gefragt, weil ich Boxen wollte, die nicht die typischen Studio-Anforderungen erfüllen und fest an einer Stelle installiert werden müssen. Ich stelle mein Studio nämlich gerne mal um oder möchte die Boxen mal irgendwo hin mitnehmen, deshalb stehen die im Endeffekt nie „100% richtig“ bei mir.

David Hasert in seinem Home Studio mit “House” Setup: Arturia MatrixBrute, Roland Tr-8, Roland R3 Vocoder und JU-06

Meine Mischungen mache in der Regel auch mehr bei Kollegen in deren Studios. Deshalb brauche ich also Boxen, die recht authentisch wiedergeben, wie meine raus-gerenderten Stücke später über die Clubanlage klingen werden. Dafür hatte er mir dann die Genelec empfohlen, die für die Preiskategorie – sie kosten ca. 1.500/Stück – so ziemlich das Beste sind, was man kriegen kann.

Für was besseres müsste man dann direkt schon gut das Doppelte ausgeben. Seit dem habe ich auch nicht mehr die Probleme, dass sich bei mir alles voll fett anhört, und wenn ich es über die Club-Anlage gegehnhören, plötzlich die Mitten oder was anderes unerwartet extrem laut ist. Mit denen hier hat man eine super Referenz in der Hinsicht. Das einzige Manko ist vielleicht, dass Musikhören auf den Dingern fast keinen Spaß macht, da du so gut wie keinen Bass hast. Wenn der Bass hierüber eher wie ein laues Lüftchen klingt, ist der im Club entsprechend dominanter. Das muss man halt schon wissen und damit klarkommen. Ich habe mich über die Zeit aber schon total daran gewöhnt, auf solchen Boxen Musik zu hören und weiß dann genau, dass im Club noch einiges an Bass dazu kommt.

Enter the Matrix

An Klangerzeugern fällt direkt der massive MatrixBrute auf… ein ganz schön komplexer Synth mit seinen Modulations-Möglichkeiten…

Ja total, davor hatte ich ja den kleinen Micro-Brute und der war schon gut. Ein Freund hatte mir den damals empfohlen, weil das Instrument didaktisch sehr wertvoll ist, durch sein extrem simples Konzept. „Wenn du den verstehst, kapierst du fast jeden Synthesizer.“ Das ist das Signalfluss, da geht das rein, hier kannst du zum Beispiel Resonanz draufgeben, etc.  Den hatte ich mir dann geholt, aber auch bald leider wieder verkauft, weil ich dann doch nicht so gut damit arbeiten konnte. Aber das Geile war trotzdem, dass wenn du damit ein Tutorial einmal durchgemacht hast, hast du nachher wirklich jeden Knopf verstanden, an dem du vorher so ohne Plan dran rumgedreht hattest.

Wie zum Beispiel den Arturia-Brut Faktor. Ein wichtiges Bedienelement mit dem sich der Klang drastisch verändern lässt. Wenn du hier dran rumspielst, kriegst du denn so den hier (lautes Brummen) Stefan Bodzin-Sound. Der  MatrixBrute ist auch wieder ähnlich aufgebaut, das didaktische Prinzip ist das Gleiche. Man versteht die Grundelemente recht schnell, das muss man Arturia lassen – der Signalfluss lässt sich sehr gut nachvollziehen, mit seinen drei Oszillatoren und den dahinter liegenden Möglichkeiten um die Welle zu modulieren; hier den Sub dazu addieren… dann hier Sägezahn so  etc. –  vom Aufbau ist der MatrixBurte dem Micro-Brute sehr ähnlich. Nur die Vielzahl an Knöpfen macht mich dann immer etwas fertig, so dass ich ab und an doch mal einen Blick ins Manual werfen muss.

Verarbeitest du damit auch MIDI-Daten? 

Ja genau, ganz klassisch (läßt eine Sequenz aus Ableton laufen): Ich sende meine MIDI-Daten über USB an den Synth und nehme dann eine Performance als Audio wieder zurück in meine DAW auf. Ich wandle alles bewusst recht schnell zu Audio, ich mag das, dass man sich direkt für eine Variante entscheiden muss. Du kannst ja auch das Audio immer umschneiden und editieren. Dann schneidest du da eine bestimmte Stelle raus, kopierst, editierst.. usw. (HipHop-Beat läuft und stoppt) … so arbeite ich dann den ganzen Tag (lacht). Aber das macht natürlich auch wirklich Bock, zwischen dem ganzen Kästchen schubsen immer mal ein bisschen Mucke zu machen. Ich sitze ja eigentlich die meiste Zeit am Arrangement, das ist immer die meiste Arbeit. Und da Ideen überlegen und samplen und warpen und rumschubsen – das macht dann irgendwann überhaupt keinen Spaß mehr.

Wenn man die Controller ein bisschen bewegt, dann würde ich jetzt zwei, drei Minuten aufnehmen und hier die ganze Zeit (spielt ein paar Chords ein), bis irgendwas Cooles dabei rauskommt, etwas, das den Track lebendig hält. Das finde ich einfach immer geiler, als irgendwelche MIDI-Knöpfe zu schubsen. Deswegen bin ich auch überhaupt kein Fan von VST`s. Ich habe lediglich zwei Plug-in’s mit Ozone8. Ansonsten reichen mir die hauseigenen Effekte von Ableton.

Welchem Genre lässt sich deine Musik zuordnen, wie würdest du das beschreiben?

Ich freue mich immer, wenn Leute den Vergleich Musikern wie Holden, Weatherall, Koze und Konsortien machen, das ist dann ja schon ein Kompliment. Man will natürlich keine Kopie sein aber ich werde natürlich lieber mit Musikern verglichen die ich persönlich auch mag.

Bei Koze weiß man ja auch nie, ob das ein Ambient-Stück wird, ob`s mit Gesang ist, ob`s ein Klub-Stück wird – das hör ich dann auch immer und find das nett. Ist besser, als wenn man mit irgendeinem “Spacko” verglichen wird. Da werde ich oft drauf angesprochen. Fragen wie „Was machst du eigentlich?“ und „Ist das, was du machst, das Ergebnis der verschiedenen Einflüsse?“. Ich komm immer zu dem Ergebnis, dass ich viel zu viel Musik schon gehört und im Kopf hab, sodass ich irgendwie nie lange das Gleiche machen kann. Zum Beispiel komme ich gerade – jetzt durch dich auch – wieder mehr auf Minimal und fange an, wieder mehr Beats in diese Richtung zu bauen und die ganzen Harmonien wieder raus zu nehmen.

Eine Zeit lang war ich sehr auf dem Pop-Film und wollte lieber Songs machen, die richtige Stücke mit Arrangements sind. Ich finde es immer spannend, wenn ich morgens aufstehe und ein Stück, von Kollegen höre und denke: „Boah, jetzt hab ich gerade Bock, sowas zu machen.“ Ich fange auch tatsächlich ganz oft einen Song an mit einer Idee, etwas zu machen was so und so ist, wo dann aber hinterher etwas ganz Anderes bei rumkommt.

Der Club Reineke Fuchs – wie kam es dazu, dass du dort fest zu finden bist, wie ist die musikalische Ausrichtung und was machst du dort?

Ich habe dort hauptsächlich die Funktion des Bookers. Also, du musst dir das so vorstellen: Am Anfang waren wir nur drei Leute – der eine hat die Buchhaltung gemacht, der eine hat die Gastronomie gemacht und ich war quasi für alles, was inhaltlich läuft, zuständig. Im Reinke Fuchs fahren wir vom musikalischen Angebot so eine Art Split-Konzept: Die meisten Leute gehen schon eher gezielt, je nach Lineup, auf Veranstaltungen und eher weniger mehrmals hintereinander in den selben Laden. Wir haben mittwochs und freitags immer HipHop – womit ich super leben kann, weil ich selber fünf Jahre HipHop gemacht habe.

HipHop-Beats sind mein Grundstein wenn man so will, wodurch das spätere Interesse, elektronische Musik zu produzieren, aufbaut. Ich habe mir recht früh eine MPC geholt, gesampelt und versucht wie RZA  vom Wu-Tang Clan zu klingen. Dementsprechend kann ich mit dieser Aufteilung in HipHop-und House-/Technoabende super leben. Der Laden ist praktisch wie zwei Läden in einem.

Wenn du nicht im Studio oder dem Reineke bist, findet man dich mittlerweile auf dem ganzen Globus. In deinem Tour Kalender reihen sich neben ständigen Gigs in Berlin und Hamburg nahtlos an Konzerte in Übersee an. Um international gebucht zu werden, muss man also nicht mehr zwingen in Berlin seine Basis haben, oder?

Von vier Wochenende im Monat bin ich auch zwei davon außerhalb von Köln – meistens dann im näheren Ausland oder wenn`s auch nur Dortmund ist. Dadurch macht Köln auch direkt wieder viel mehr Spaß. Ich muss sagen, die Zeit, als es noch nicht so gut lief mit den Gigs und ich 99% der Zeit hier festgehangen habe, da fiel mir dann schon auch mal die Decke auf den Kopf und ich konnte das alles nicht mehr sehen. Aber eigentlich ist Köln schon schön. Und ich finde, viele Leute, die von hier weggegangen sind, und immer die Stadt dafür verantwortlich machen, wenn es bei ihnen selber nicht vorwärts geht, machen es sich da vielleicht etwas zu leicht. Ich habe schon so manchen, der eigentlich Potential hatte, zum Beispiel in Berlin dann untergehen sehen.

Da gibt es auch so ein passendes Mime zu, auf der einen Seite das Lenor-Bärchen und auf der anderen Seite ein abgewracktes Ding aus Star Wars: „Nach zwei Jahren Berlin.“ Da kann man schon echt böse untergehen, wenn man ein bisschen anfälliger oder labil ist. Trotzdem habe ich nichts gegen Berlin. Aber ich finde, das eigene Fortkommen ist irgendwie städteungebunden.

Musikalisch gesehen ist meine deutsche Lieblingsstadt Hamburg. Weil die Jungs haben immer so eine Art Augenzwinkern in der Musik. Ich habe ja super lange auch mit der ADA ein Projekt gemacht bei Kompakt – DAMH das hat mich definitiv geprägt, dann das ganze Ding in und um den Golden Pudel Club und generell die ganze Underground-Szene von Jaques Palminger bis hin zu den ganzen tollen Bands wie Tocotronic und Konsortien. Ich mag deren Kultur und Vorliebe für kleine ausgefallene Locations mit Charakter, das finde ich eigentlich auch viel spannender, da ich persönlich gar nicht so der Club-Gänger bin.

Die nehmen sich irgendwie alle nicht so ernst, das mag ich und das ist selten in der sonstigen Techno-Szene. Ich kann sowieso Leuten nicht so viel abkaufen, die in ihrem Leben immer nur Techno gehört haben. „Ja, die Bass-Drum …“, ich kann das auch voll feiern und mich da mittlerweile auch total reinhängen, aber wenn ich dann an manchen Abenden zum zehnten Mal höre: „Woah, die Mucke hier ist so fett!“ und ich höre eigentlich die ganze Zeit nur den gleichen TR8-Beat durchdonnern. Da kann ich mich dann auch irgendwie drüber freuen, aber ich finde es viel spannender, wenn auch mal Elemente aus anderen Genres dazukommen oder irgendwer einfach mal eine Gitarre oder so rausholt und darauf etwas spielt, anstatt immer nur auf denselben MIDI-Knöpfen auf Ableton rumzudrücken und das dann Live-Act zu nennen.

Vielen Dank für das Gespräch.


Kommentare zu diesem Artikel

  1. Cologne´s finest!

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  2. Sauerland represent!

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  3. Don´t Understand but <3 his Music

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  4. Der Roland R3 Vocoder garnicht erwähnt. Back to the 80s 🙂

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  5. Kenn isch net.. mal anhören

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  6. Kross.. den kenn ich vom skatepark früher ?

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  7. His music ? gives me chills

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  8. Hasi bitte bilde mich aus (held ohne job)

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