Produkt: Keyboards 04/2019
Keyboards 04/2019
ANALOGUE WINTER +++ Moog Matriarch +++ Doug Carn +++ NOVATION SUMMIT – Hybrider Polysynth +++ METRONOMY – Frontmann Joe Mount +++ ERICA SYNTHS PICO SYSTEM III – Modulares Komplettpaket
Knietief im Jazz

Im Interview: Organist und Pianist Simon Oslender

(Bild: Dirk Heilmann)

Gerade mal 1998 ist er geboren, aber er hat die Musik aufgesogen wie nur ganz wenige. Bereits als Teenie solierte er in der WDR Big Band in der Kölner Philharmonie, um nur einen einzigen Karriereschritt zu nennen. Nun hat er sein erstes eigenes Album veröffentlicht, das er mit seinem eigenen Ensemble auch live auf die Bühne bringt.

Als Zweijähriger war er fasziniert von Vaters Bassdrum. Irgendwie kommunizierte er erfolgreich seinen Eltern, dass er ebenfalls eine haben wollte. Für die nächsten Weihnachts- und Geburtstagsfeste mussten sich die Eltern keine weiteren Geschenke mehr überlegen: Zu jedem Anlass bekam er ein weiteres Stück des Schlagzeugs dazu. Und zwischenzeitig mussten Keksdosen herhalten.

Anzeige

Irgendwann, da muss er vier oder fünf gewesen sein, hat er ein Konzert gesehen: John Mayall & The Bluesbreakers. Genau hier hat er die Hammond-Orgel wohl das erste Mal gehört, und seitdem war er von dem Sound der Hammond so fasziniert, dass dies sein Leben bis heute nachhaltig beeinflussen sollte. Nach seinem musikalischen Lebenslauf würde sich so manch einer die Finger lecken: Er bekam zig (Jazz-)Preise, begleitete 2013 Max Mutzke und Butterscotch und trat 2016 bei der Hammond Night mit Barbara Dennerlein in Ascona auf. Er spielte 2018 mit Wolfgang Haffner bei der Jazz Baltica, beim Jazzfestival des Jazzclubs Karlsruhe, bei den Leverkusener Jazztagen (wurde in der Sendung Rockpalast übertragen), spielte mit Bill Evans in Australien, tourte durch Südost-Asien, Japan und wurde für die 50. Internationale Jazzwoche Burghausen 2019 verpflichtet. Hui! Bei Haffner und Evans gehört er inzwischen zur festen Bandbesetzung.

Zuletzt hat er sein Solo-Debüt About Time veröffentlicht. Wir trafen ihn im Februar auf der Tour vor einem seiner Konzerte im Kölner King Georg, eine Jazzbühne, vor der etwa 200 Leute Platz finden. Der Laden war gleich an zwei Tagen hintereinander ausverkauft.

(Bild: Dirk Heilmann)

Profitiert das Klavierspiel vom Orgelspiel … oder andersherum?

Auf jeden Fall! Zuallererst profitiert das Klavierspielen vom Orgelspielen, was die Rhythmik angeht. Die Orgel ist ein unglaublich direktes Instrument, weil es ja quasi keine Anschlagsdynamik gibt – der Ton ist da, sobald der Finger da ist. Ein Klavier verzeiht einem da etwas mehr, die Orgel ist erbarmungslos.

Und andersherum profitiert das Orgelspielen vom Klavierspielen, was Harmonien angeht. Zumindest ging es mir so. Als ich angefangen habe, war ich erstmal etwas in diesem Blues-Orgel-Ding gefangen: Links oder mit den Füßen hatte man dann Bass gespielt, rechts das Solo und das oft noch mit dem gleichen Blues-typischen Sound. Wenn man dann auf dem Klavier schöne Balladen mit einem interessanten Voice-Leading spielt und das auf die Orgel überträgt, kann man da ausbrechen. Von der Dynamik muss man das natürlich ganz anders umsetzten, aber man kommt harmonisch schon auf ganz andere Ideen.

Das komplette Interview findest du in der Sound&Recording+Keyboards-Ausgabe 03/2020. Hier versandkostenfrei bestellen oder als PDF kostengünstig herunterladen. 

Die Nord C2 hat Simon sich mühsam erspart, und sie kommt heute noch immer regelmäßig zum Einsatz.
Das Leslie ist für Simon wichtiger als die Orgel selbst.
"...ich bin eben auch Pianist"

Simon Oslender – About Time

About Time ist nun also sein Solo-Debüt, und dafür konnte er gleich einige top Musiker der Jazz-Szene gewinnen (siehe Text). Frisch, fröhlich, frei – seine Kompositionen befreien sich vom Staub einiger alter Jazz-Gepflogenheiten, sind nahbar und nicht sperrig. Die Musik groovt, funkt und soult … und jazzt natürlich. Aber auch seine klassischen Wurzeln tragen hier einige Früchte. Der Musikliebhaber wird hier lange viel Spaß haben an den vielen Melodien und den rhythmischen Raffinessen, die sich hier und da verstecken und manchmal erst nach mehrfachem Hören auffallen – das nennt man Liebe zum Detail. Aber die wesentlichen Themen bleiben auch schon beim ersten Hören gut im Ohr, und der Kopf nickt zum Beat. Oslender und seine Mitstreiter spielen ganz exzellent mit viel Hingabe.

Produkt: Keyboards 04/2019
Keyboards 04/2019
ANALOGUE WINTER +++ Moog Matriarch +++ Doug Carn +++ NOVATION SUMMIT – Hybrider Polysynth +++ METRONOMY – Frontmann Joe Mount +++ ERICA SYNTHS PICO SYSTEM III – Modulares Komplettpaket

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Für mich schon jetzt die Jazz-Platte des Jahres!

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren