Steampunk Maschine

Eko ComputeRhythm

Er gehört zu den seltensten und seltsamsten Rhythmusmaschinen der Welt: der sagenumwobene Eko ComputeRhythm. Seinen Platz in der Musikgeschichte hat sich das Gerät, welches mit extrem innovativen Features glänzt, allein schon durch seinen Einsatz auf legendären Alben von Jean-Michel Jarre und Ash Ra Tempel gesichert.

Der ComputeRhythm erblickte 1972 als Produkt der italienischen Firma Eko das Licht der Welt. Eko wurde 1959 in Recanati, Italien gegründet und erlangte u. a. durch eine Reihe von E-Gitarren wie et – wa die Fender Jaguar-Kopie Eko 500, kleinen Combo-Orgeln wie Tiger und Mickey oder dem Fußpedal-Synth K1 einen größeren Bekanntheitsgrad. Für Vox baute man in den 60er-Jahren Gitarren, u. a. die Modelle Vox Phantom, Mark III oder Ultrasonic. Zu den kultigen Eko-Produkten gehört auch der String-Synthesizer Stradivari, den Vangelis auf seinen frühen Produktionen eingesetzt hat. Das begehrteste Objekt der Sammlerbegierde ist aber der ComputeRhythm, ein extrem rarer Drumcomputer, von dem wohl keine 30 Stück gebaut wurden. Er wird zwischen 3,− und 10.000,− Euro gehandelt.

Den steampunkigen ComputeRhythm gab es in drei Variationen. Die erste Version von 1972 hat ein weißes Holzgehäuse. Das schwarzweiße Nachfolgemodell erschien ein Jahr später und ist mit einem Lochkartenleser ausgestattet. Moment … ein Lochkartenleser??? Ja, wir befinden uns nicht in einem Steampunk-Parallel-Universum (wie es etwa von William Gibsons Roman »Differenzmaschine«, in dem Lochkarten eine zentrale Rolle spielen, beschrieben wird), sondern in den 70er-Jahren, in denen italienische Ingenieure oft faszinierende Instrumente entwickelten und einen ganz eigenen Weg einschlugen. Bei unserem Testgerät handelt es sich um die dritte Version des ComputeRhythm; sie bietet kleine Schaltungsverbesserungen, wurde bis 1977 gebaut und arbeitet ebenfalls mit Lochkartenleser.

Zu den bekanntesten Bands, die den ComputeRhythm einsetzten, gehört Ash Ra Tempel, die der Berliner Schule zugerechnet werden. Die legendäre Krautrock-Formation wurde 1970 von Manuel Göttsching, Klaus Schulze und Harald Enke gegründet. Neben dem ComputeRhythm gehörten auch Keyboards wie der EMS Synthi A, die Farfisa Compact-Orgel und das Farfisa Synthorchestra zum Instrumentarium der Band. Unsterblichkeit erlangte der Eko-Drumcomputer durch den Einsatz auf Oxygene und Equinoxe, den beiden berühmtesten Alben von Jean-Michel Jarre. Der französische Synth-Wizard nahm das Gerät übrigens auch mit auf die Bühne.

Das avantgardistische Gerät besitzt ein stabiles Holzgehäuse mit einem fast horizontalen Bedienpanel aus Metall, das mit sechs (!) 16-schrittigen Lauflichtreihen ausgestattet ist. Yo, die Eko-Maschine bot schon acht Jahre vor Rolands TR-808 eine luxuriöse Programmiermethode, die sogar für sechs Drum-Kanäle zur Verfügung steht. Jeder der sechs Kanäle ist zudem mit einem Volume-Fader und einem Mute-Taster ausgestattet.

Punch the Card! Der Schacht auf der rechten Seite sieht aus, als würden da jeden Moment eine Colaflasche oder ein Schokoriegel rausfallen, wenn man oben Münzen einwirft. Tatsächlich aber kommen hier die Lochkarten raus, die von oben eingeschoben werden; mithilfe des Lochkartenlesers lädt das fortschrittliche Gerät Preset-Patterns. Natürlich kann man Punchcards (englisch für Lochkarten) auch selbst lochen und so eigene Grooves erstellen.

Ekos ComputeRhythm gehört dank Features wie Lauflichtprogrammierung und Lochkartenleser zu den innovativsten Rhythmusmaschinen überhaupt, aber ist sie wirklich ein Computer? Nein, nicht wirklich, der Sequenzer basiert auf einem einfachen TTL-Generator, einem Binär-Zähler und einem Clock-Generator.

Die analoge Klangerzeugung des ComputeRhythm generiert über 12 Sounds (Bassdrum, Rollingdrum, 2 x Cymbal, Snare, 2 x Timbales, Hi-Hat, Triangle, Clave, 2 x Woodblock). Je zwei Sounds teilen sich eine Lauflicht-Spur, auf der sie entweder allein oder zusammen erklingen. Die Sounds haben einen typischen 70er-Jahre-Charakter und klingen warm, dabei durchsetzungsfähig und (bis auf die auffällige Snare) eher zurückhaltend als aggressiv. Manches wirkt wie ein kleiner Vorgeschmack auf spätere Roland-Maschinen der CR-Serie. Das Gerät wurde uns freundlicherweise von Ingo Rippstein (www.synthmaster.de) zur Verfügung gestellt, dem wir auch für zusätzliche technische Informationen zum Gerät danken.

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