Im Zeichen des Wandels

Die Synthesizer von Depeche Mode

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Depeche Mode haben den Synthie-Pop zwar nicht erfunden, ihn aber doch in die Welt der Mehrzweckhallen und Fußballstadien geführt. Und das mit einer Mischung aus Ausdauer und Wandlungsfähigkeit, die ihresgleichen sucht. Depeche Mode sind ein musikalisches Phänomen, das sich in den letzten 35 Jahren immer wieder verändert hat – und trotzdem über eine treue Fan-Base und riesiges Hit-Potential verfügt. 

Eines der ersten Bilder von Depeche Mode, 1981
(Bild: Peter Anderson)

Die Geschichte von Depeche Mode ist untrennbar mit der Geschichte der Synthesizer in den 80er-Jahren verknüpft. Die Band hatte immer den Anspruch, eine vorwärts gerichtete innovative Popmusik zu machen, und ihre Mitglieder waren sehr an neuen technischen Entwicklungen interessiert.

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Ein Großteil der namhaften Synthesizer ist durch ihre Hände gegangen und wurde bei der Produktion oder auf der Bühne verwendet. Die Band verfügte mit der Zeit über einen imposanten Gerätepark. Schon 1979, als Vince Clarke, Martin Gore und Andy Fletcher in einer Prä-Depeche-Mode-Formation namens „Composition Of Sound“ zusammenspielten, setzten sie einen Moog Prodigy und einen Yamaha CS-5 ein. Auf der allerersten Depeche-Mode-Release, dem Song „Photographic“, der auf einer Compilation des Labels Some Bizarre veröffentlicht wurde, hört man allerdings einen Arp 2600, eine Boss DR-55 Rhythmusmaschine und einen Kawai 100F Synthesizer.

Synthie Set-up

Der Prodigy und der CS-5 sowie ein Roland Jupiter 4 von Vince Clarke wurden dann beim ersten Depeche-Mode-Album (übrigens in den Londoner Blackwing Studios aufgenommen) „Speak & Spell“ (1981) eingesetzt. Bei der Produktion der Rhythmus-Tracks stammt der Groß- teil der Snare- und Hi-Hat-Sounds aus der Drumbox Korg KPR-55. Andere Kick- und Percussion-Sounds wurden u. a. mit einem Arp 2600 und einem Mini-Korg 700s erzeugt.

Es begann die Digital-Synthesizer- Ära, und Martin Gore kaufte sich einen PPG Wave 2, der beim nächsten Album „A Broken Frame“ (1982) ebenso zum Einsatz kam wie Andy Fletchers neuer Moog Source (z. B. beim Song „The Meaning Of Love“ ). Der neue Keyboarder Alan Wilder, der nach Clarkes Ausscheiden zur Band stieß, steuerte einen Roland Promars bei. Außerdem ist auf der Platte auch ein Roland Jupiter 8 (s. Love The Machines, KB 03/05) am Start (zu hören z. B. als Lead-Sound im Song „Leave In Silence“). Außerdem wurde ein Oberheim OB-8 angeschafft.

Synthie Set-up

Bald begann die Band, Samplingorientierter zu arbeiten. Für Recording-Sessions zum nächsten Album („Construction Time Again“ / 1983), das in den The Garden Studios bei John Foxx mit Produzent Gareth Jones (siehe auch das Interview mit ihm in KB 08/01) aufgenommen wurde, schaffte Mute-Chef Daniel Miller das New England Digital Synclavier II, an. Es kommt ebenso wie der Sampler E-Mu Emulator II auch beim folgenden Album („Some Great Reward“ – mit den Hits „People Are People“ und „Master And Servant“) zum Einsatz. Auch bei „Black Celebration“, dem Longplayer von 1986, gibt es wilde Sample-Orgien; so hat die Band für den Song „Engine Ignition“ Martin Gores startenden Porsche 911 gesampelt.

Aber auch analoge Sounds spielen nach wie vor eine Rolle, und der Arp 2600 ist immer wieder zu hören (z. B auf „Black Celebration“ vom gleichnamigen Album und im Über-Hit „Enjoy The Silence“ vom 90er-Album „Violator“). Ab Beginn der 90er ist auch ein Studio Electronics SE-1 MIDI-Moog RackSynthesizer für analoges Flair zuständig. Der PPG Wave 2.3 hat übrigens noch lange nicht ausgedient und entfaltet seinen rauen Digital-Charme z. B. bei „Strangelove“ (vom 87er Album „Music For The Masses“ und der Basslinie von „Barrel Of A Gun“ vom 97er Album „Ultra“). Während der Aufnahmen zum „Ultra“-Album wird außerdem mit einem Korg Trinity, M1, einem Roland JD-800 und einem Oberheim Four Voice gearbeitet.

Bei der Produktion des „Exiter“- Albums bedient man sich eines bunten Arsenals an Synthesizern, das von Analog-Legenden wie dem EMS Synthi AKS (z. B. beim Song „The Dead Of Night“; s. Love The Machines, KB 04/05), dem Quasimidi Rave-O-Lution 309 („When The Body Speaks“) bis zu virtuellanalogen Synthesizern wie dem Clavia Nord Lead 2 reicht. Auch Software-Synthesizer wie Native Instruments Reaktor und Absynth, der Waldorf PPG Wave 2.V und der TC Works Mercury-1 wurden nicht verschmäht („I Feel Loved“).

Synthie Set-up

Hier eine Auflistung weiterer Synthesizer aus Martin Gores Gerätepark, die auch auf dem von Gareth Jones und Mark Bell von LFO produzierten „Exiter“- Album verwendet wurden: diverse AKAI S 3200 Sampler, ein E-mu E IVX Turbo, zwei Minimoog als Rack-Module, ein Clavia Nord Modular, ein Korg MS 2000, ein Acess Virus, ein Roland JD-800, JP-8000 und JV-2080, ein Wasp Stinger, ein Moog Series III, drei ARP 2600, ein Yamaha DX-11, eine Akai MPC 2000 XL und ein JoMox Air Base Drum-Modul.

Live ließ sich die Band ebenfalls nicht lumpen; auf der 84er-Tour zu „Construction Time Again“ sah man auf der Bühne u. a. einen Yamaha DX7, einen Emulator II, den Roland Jupiter 8 und den Oberheim OB 8. Später dominierten Sampler-Arsenale das Bild: Vieles kam dabei auch vom Band. Auf der Tour im Jahre 1998 benutzt die Band ca. 10 Akai S-3000XL-Sampler, die von Emax-2-Keyboards angesteuert werden. Außerdem waren noch ein Roland JP-8000, ein E-mu Vintage Keys und ein Roland JV 1080 dabei. Die Sequenzen wurden von MIDI-Playern gesteuert. Alle, die noch tiefer in die Welt von Depeche Mode und ihrer Produktionsgeschichte eintauchen möchten, sei das lesenswerte Buch von Steve Malin empfohlen: Steve Malins deutsche Ausgabe: „Depeche Mode – Die Biographie“, Hannibal 2000.

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