Produkt: Keyboards 02/2019
Keyboards 02/2019
DIGITAL SUMMER+++DON AIREY: An den Tasten von Deep Purple+++GEWA MUSIC: Ein Blick in die Produktion+++SAMPLING VS. PHYSICAL MODELING: Die Unterschiede zwischen Konserve und Original
#02 - Sound&Reocrding-Podcast

Die Superbooth19 im Rückblick

(Bild: Marc Bohn)

Auf der Superbooth werden nicht nur Module gepatcht, sondern auch die Besucher miteinander verknüpft – durch die Leidenschaft Modular-Synthesizer. Auf keiner anderen Plattform kommen Künstler, Hersteller und Besucher so eng zum direkten Austausch zusammen. Man hat das Gefühl, die Superbooth ist das Zentrum des modularen Universums. Ich treffe vor Ort alte Weggefährten, Freunde, Künstler und Hersteller und spreche mit ihnen über den anhaltenden Modular-Trend, Messe-Highlights und ihre Musik.

Noch im Eingangsbereich treffe ich Freund, Mentor und langjährigen Chefredakteur von KEYBOARDS und SOUND&RECORDING Jörg Sunderkötter. Völlig überrascht frage ich ihn:

Anzeige

Jörg, was treibt dich zur Superbooth?

Die alte Liebe zu analogen und modularen Synthesizern. Außerdem kann man hier auch sehr gut alte Freunde und Kollegen aus der Branche treffen.

Was sind für dich die Highlights?

Mein persönliches Highlight ist die anstehende Version von Bitwig Studio 3.0 und der modularen Erweiterung The Grid. Das ist ein Modular-Synthesizer in der DAW. Ich durfte schon einen Blick darauf werfen und ich bin wirklich begeistert.

Was glaubst du, wo die Modular-Szene in fünf Jahren steht? Glaubst du, dass der Hype ins Stagnieren kommt, oder ist da sogar noch mehr Potenzial?

Das ist schwierig zu sagen. Das Wichtigste ist, dass die Leute schrauben, mit Sounds experimentieren, mal aus der Box rauskommen, irgendwas zusammenstöpseln und Spaß damit haben. Man muss ja nicht unbedingt professionell Musik damit machen.

Der Sound&Recording-Podcast

Zwei Meter weiter treffe ich Modular-Künstler und den früheren KEYBOARDS-Autoren Anatol Locker.

Blöde Frage: Was machst du denn hier?

Ich habe während der Superbooth in einem Club einen kleinen Gig zusammen mit Florian Anwander, da spielen wir als ambioSonics rein elektronische Musik. Außerdem spiele ich noch mit meiner lieben Kollegin Martha Bahr als Lucid Grain hier auf der Seebühne.

Ihr habt auch gerade ein gemeinsames Album rausgebracht …

Es gab jetzt ein Re-Release von unserem alten Album mit zwei neuen Tracks. Das kommt jetzt als Japan-Version bei unserem Label Modularfield heraus. Die zweite gemeinsame Platte erscheint im Herbst.

Welche Rolle spielten Modular-Synthesizer bei der Produktion?

Eine absolut zentrale Rolle. Wir machen es immer so, dass wir uns gegenseitig kleine Schnipsel zuwerfen, damit wir ungefähr wissen, was uns musikalisch erwartet. Dann jammen wir eine halbe bis dreiviertel Stunde mit unseren Kisten darüber, nehmen das als Live-Set auf und suchen uns dann die schönsten Passagen heraus. Die Auswahl wird dann noch ein kleines bisschen bearbeitet, ohne neue Sachen dazu aufzunehmen, und dann veröffentlicht.

Gibt es Sachen, die du dir hier unbedingt anschauen musst?

Absolut! Ich arbeite sehr gerne mit den Geräten von Elektron, die ich auch ganz früh für das Magazin getestet habe. Mich interessiert deshalb, was sie mit der neuen Digitone gemacht haben. Es gibt außerdem eine ganze Menge an Modulen, die ich mir anschauen möchte, zum Beispiel die neue Slim Line von Doepfer. Das ist hier ein bisschen wie Pokemon sammeln nur mit echtem Geld. (lacht)

Modul 1: Das re-designte USB-Analog-Interface mit acht Ein- und Ausgängen von Manikin Electronic (Bild: Marc Bohn)

Nach der Empfehlung von Anatol dachte ich, schaue ich doch mal beim Vater des Eurorack-Systems Dieter Doepfer vorbei.

Dieter, ich habe gehört, du hast eine neue Kollektion, die Slim Line?

Wenn man so will, ja! (lacht) Im Endeffekt ist es nicht wirklich was Neues, sondern es gab alles schon vorher, jetzt aber in einem wesentlich kleineren Formfaktor. Wir haben vorwiegend Module mit 4 TE Breite, die vorher 8, 10 TE oder noch breiter waren. Dazu zählen Mixer, Filter, Hüllkurve, LFOs und alles mit 4 TE Breite. Das war ein Wunsch der User, die live auf der Bühne mehr Platz in ihrem Rack brauchen.

Wo liegen wir da preislich?

Das ist unterschiedlich. Ein paar Module liegen bei ca. 80 Euro, der Mixer liegt beispielsweise bei 50 Euro. Wir haben auch noch ein Modul mit einer 10-TE-Front und einem kompletten kleinen Synthesizer inkl. VCO, VCF und VCA, einem Hüllkurven-Generator, Suboktave und vielem mehr. Der wird um die 160 Euro kosten.

Was sagst du dazu, dass Behringer in den Synth-Markt eingestiegen ist und vielleicht auch Module herstellt?

Ich glaube, dass der Markt groß genug ist. Es wird sicher so sein, dass Einsteiger auf Behringer zurückgreifen. Wenn man sich allerdings auf dem Eurorack-Markt umschaut, gibt es da mittlerweile tausende verschiedene Module. Behringer wird da sicher bei den Basics mitmischen. Es gibt aber auch so viele Exoten, wo Behringer sich aufgrund der geringen Stückzahlen bestimmt nicht einmischen wird.

Du giltst ja als Vater des Eurorack-Systems. Ist das eine Bezeichnung, die dich manchmal nervt, oder bist du da einfach nur stolz drauf?

Da bin ich in erster Linie stolz drauf! Es ist für uns einfach gut gelaufen, das war reiner Zufall. Es war auch nicht geplant, dass es sich so entwickelt. Es ist nicht mein Verdienst, sondern der der Anwender. Ich danke ihnen, dass sie es zu dem gemacht haben, was es jetzt ist.

Auch 5U-Module kamen nicht zu kurz: Das Synth-Werk SW Model 15 – eine Replik des legendären System 15 von Moog.
Die 5U-Synth-Wand von Moon Modular

Panic Patch! Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen, auf der Superbooth unsere Autorin Martha Bahr zu treffen, die viele vielleicht unter ihrem Künstlernamen Panic Girl kennen.

Was musst du dir hier unbedingt anschauen?

Was mich auf jeden Fall interessiert, sind die Endorphines-Sachen, die haben zum Beispiel einen neuen Sequenzer, den ich mir unbedingt anschauen muss. VPM hat ein neues Drum-Modul, Novation den Summit, es gibt noch was Neues von Elektron; ich habe da jede Menge vor. (lacht)

Das Elektro-Duo Lucid Grain: Anatol Locker & Martha Bahr aka. Panic Girl (Bild: René Marx)

Jedes Jahr sitzen wir hier, sind von dem Event, dem Besucheraufkommen, den Acts und der Ausstellerliste begeistert und fragen uns: Wie viel Potenzial steckt noch in der Modular-Szene?

Als ich vor ein paar Jahren den Stand von Schneidersladen auf der Musikmesse gesehen hatte, haben sich auch schon alle gefragt: Kann es sich überhaupt noch steigern? Ist das vielleicht schon das Maximum? Und jetzt gibt so eine Vielzahl an Modulen. Früher konnte ich mir jedes Modul, das auf den Markt kam, genau anschauen. Inzwischen geht das gar nicht mehr, und ich muss da selektieren. Wenn man sich auch die Superbooth anschaut, das ist Party, Festival mit vielen namhaften Acts, es gibt Education-Angebote mit vielen Präsentationen und Workshops, die Ausstellerliste ist lang, und es gibt sogar extra was für Kinder zur Nachwuchsförderung. Daran sieht man ja, dass es trotzdem immer weitergeht. Da müssen wir uns wohl einfach überraschen lassen.

Von den Möglichkeiten der Module her ist man noch lange nicht am Ende. Da hat das Erfindertum noch Potenzial nach oben. Im Zusammenschluss mit dem Computer, Wireless-Systemen, Controllern oder auch im Sequenzer-Bereich gibt es meiner Meinung nach noch Bedarf.

Neben Volca Nubass, dem bereits vorgestellten Volca Modular und dem Minilogue xd zeigte Korg auch dieses kleine Teil: Korg Nu:Tekt – ein digitaler DIY-Synthesizer zum Selbst-Zusammenschrauben. Ein Schraubenzieher ist im Lieferumfang enthalten. (Bild: Marc Bohn)

Die Module sind ja nicht ganz günstig. Wenn man sich direkt ein ganzes Rack zusammenstellt, muss man schon tief in die Tasche greifen. Was empfiehlst du einem Anfänger zum Start in die Modular-Welt?

Der Preis hängt natürlich vom Hersteller ab. Gebrauchtkauf ist allerdings eine super Sache, das mache ich auch oft. Modular ist ja auch ein bisschen wie ein Lego-Sammler-Prinzip, wo man sich immer wieder neue Module kauft und auch wieder verkauft. Gebrauchte Module findet man auf der Website von Modulargrid, in Facebook-Gruppen oder auch mal bei eBay.

Viele Hersteller bieten inzwischen auch Komplettsysteme mit Sequenzer, Effekten, Oszillatoren usw. an. Für alle, die noch nicht so tief in der Materie drin sind oder auch direkt einen Sound haben möchten, gibt es auch Module mit einer fertigen Synthesizer-Stimme. Moog hat da zum Beispiel was im Angebot.

Man kann sich aber auch einfach in einem lokalen Laden beraten lassen, oder bei Schneidersladen anrufen, die beraten immer gerne.

(Bild: Marc Bohn)

First Impatches! Zum Schluss spreche ich mit meinem Kollegen Lukas Bilz aus der Redaktion von Gitarre&Bass, der zum ersten Mal die Superbooth besucht hat.

Lukas, drei Tage Superbooth sind vorbei. Was ist dein Eindruck?

Es war super, aber auf jeden Fall krasser als gedacht. Das waren so viele Eindrücke durch die vielen Musiker, die vielen Aussteller und der riesigen Fläche. Ich glaube, ich muss das erst einmal verarbeiten. (lacht)

Das beginnt ja schon mit der Location. Das FEZ ist ein Freizeitzentrum, im Foyer steht eine riesige Kletterburg mit Bällebad und Rutsche. Ein Teil der Aussteller ist in einer Turnhalle untergebracht, wo man auf dem Weg hin an einer Schwimmhalle vorbeikommt und Leute auf dem Flur stehen und sich die Haare föhnen.

Ich war davon im ersten Moment etwas irritiert. Am letzten Tag liefen dann Erwachsene und Kinder im Anzug oder schicken Kleidern rum, weil dort wohl irgendwie eine Konfirmation war. Die Location ist total verwinkelt und weitläufig. Deshalb hab ich am zweiten Tag noch Sachen entdeckt, die ich vorher noch nicht gesehen hatte.

Konntest du auf der Seebühne oder in den Gesprächskonzerten irgendwelche spannende Acts sehen?

Ich habe einige Acts gesehen, bei denen ich zufällig vorbeigekommen bin. Deshalb kann ich jetzt gar nicht sagen, welche das waren. Mario Hammer und Richard Devine hätte ich gerne noch gesehen, aber da waren wir leider schon weg. Daniel Miller konnte ich allerdings noch sehen. Für Programm war also definitiv gesorgt.

Es liefen viele Artists einfach auf dem Flur rum. T.Raumschmiere hat man ständig gesehen und sogar Jean-Michel Jarre. Das war für mich wirklich ein Highlight, ihn dort als Besucher zu sehen. Was sagst du generell zum Besucheraufkommen und den Modular-Nerds?

Die Aussteller können definitiv zufrieden sein. Es war teilweise schon echt richtig voll. Ich habe viele YouTuber gesehen, die man kennt, wenn man sich mit der Materie beschäftigt.

Zu den Nerds würde ich mich auch zählen. (lacht) Aber klar, es liefen viele bunte Vögel herum, was aber zur Superbooth gehört und die Veranstaltung ausmacht. Und generell war die Stimmung schon sehr locker.

Bist du nächstes Jahr wieder dabei?

Auf jeden Fall!

Ich auch!

www.superbooth.com

UDO Synthesizer Super 6

Gamechanger Audio: Motor Synth und Plasma Rack

Behringer: RD-909

Bastl: Modular-Synth

Pioneer Toraiz Squid

Das Resümee seitens der Superbooth-Macher:

Von Donnerstag bis Samstag kamen mehr als 7500 Besucher ins FEZ Berlin, um gemeinsam elektronische Musikinstrumente und so ziemlich alles, was man damit anstellen kann, zu zelebrieren. SUPERBOOTH19 übertraf damit den bisherigen Rekord aus dem Vorjahr. Auch wenn niemand die neu vorgestellten Produkte gezählt hat, scheint auch diese Zahl rekordverdächtig.

Veranstalter Andreas Schneider freut sich über die gelungene Veranstaltung und „ganz besonders darüber, dass wieder so viele langjährige Weggefährten dabei waren – Daniel Miller, Mark Ernestus, Dieter Doepfer, Dave Smith, Richie Hawtin. Auch Mark Reeder, Matt Johnson von The The, sowie Ian Tregoning waren da.“ Weit über 100 Konzerte und Performances an drei Tagen, unzählige Vorführungen der etwa 250 Aussteller und zahlreiche Workshops sorgten für eine einzigartige Stimmung im FEZ Berlin und dem dazugehörigen Außenbereich.

Das Wetter zeigte sich weniger sonnig als im letzten Jahr, dennoch waren Außengelände und Ausstellungsfläche von den Besuchern stark frequentiert. Nach dem ersten Konzert auf der Seebühne am Donnerstag war der stärkste Regenguss auch schon überstanden und es wurde ausgiebig gefeiert, geredet und musiziert.

Nicht nur auf der Veranstaltung selbst ging es musikalisch zu, auch auf einigen der Bootshuttles, die zwischen Berlin Mitte und FEZ pendelten wurde musikalisches geboten – u.a. von Mark Reeder und Daniel Miller. Auch das Tanzbein wurde auf der Spree geschwungen – nicht zuletzt bei den Sets von Dr. Motte und CYRK.

Jean-Michel Jarre meinte zu seinen ersten Besuch bei Superbooth Berlin, jeder der etwas mit Synthesizern zu tun habe, solle zur Superbooth kommen. Es sei „absolut großartig. SUPERBOOTH19 ist nicht einfach eine weitere Messe – es ist ein Erlebnis! Ein menschliches Erlebnis, ein musikalisches Erlebnis, es ist beeindruckend.“

Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen, außer: Die Veranstalter und das Team danken allen Ausstellern, Künstlern und Gästen, die SUPERBOOTH19 erst zu dem machen, was es ist. Alle, die dem Rat von Jean-Michel Jarre folgen wollen, sollten sich schon jetzt drei Tage im April 2020 im Kalender markieren – SUPERBOOTH20 findet vom 23-25. April 2020 wieder im FEZ Berlin statt. Und wer die Chance verpasst hat, auf der Messe ein T-Shirt zu erstehen, kann dies ab nächster Woche bei SchneidersLaden tun.

www.superbooth.com

Produkt: Keyboards 02/2019
Keyboards 02/2019
DIGITAL SUMMER+++DON AIREY: An den Tasten von Deep Purple+++GEWA MUSIC: Ein Blick in die Produktion+++SAMPLING VS. PHYSICAL MODELING: Die Unterschiede zwischen Konserve und Original

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Dieser Artikel war sehr informativ,
    vieleicht fahre ich im nächsten jahr auch nach Berlin
    gruß Siggi

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: