Mid-West Connection

Blotter Trax – TB Arthur und Magda – im Interview

MID-WEST CONNECTION BLOTTER TRAX(Bild: Martin Mercer)

2018 scheint das Jahr von Blotter Trax zu werden. Mit ihrem Release Blotter Trax 2.0 auf dem Label (312) hat das Duo eine brutale Elektro-EP auf den Markt gebracht. Auf der diesjährigen Superbooth hat Andreas Schneider Blotter Trax direkt als Main-Act für den ersten Tag gebucht.

Hinter Blotter Trax stecken die beiden Musiker TB Arthur und Magda, beides wohlbekannte Namen aus der Techno-Welt vor und hinter den Kulissen. Magda gilt seit über 15 Jahren als eine der weltweit erfolgreichsten DJs, und TB Arthur ist durch seine Arbeit im Hard-Wax-Plattengeschäft eine wichtige Figur im Berliner Musik-Biotop geworden. Gemeinsam produzieren sie als Blotter Trax Elektro mit deutlichen Einflüssen aus dem Mittleren Westen der USA. Ich besuche die beiden in ihrem Studio in Berlin Wedding.

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Wie habt ihr euch kennengelernt, und wie kam dieses Projekt zustande?

Magda: Wir haben uns über unseren gemeinsamen Freund Brendan M. Gillen (BMG) von Ectomorph kennengelernt. Brendan ist einer meiner alten Freunde aus Detroit, und er zählte mir damals von TB Arthur. Ich kannte einige seiner Releases und hatte mich immer schon gefragt, wer dieser Typ denn sei. Totaler Zufall, dass Brendan ihn kannte und den Kontakt herstellte. Wir haben uns dann getroffen, direkt super verstanden und beschlossen, ein gemeinsames Projekt zu starten.

Aus Detroit … wie kommt’s dann, dass ihr euer Studio hier in Berlin habt? TB Arthur, woher kommst du? Im Netz finde ich kaum Infos zu dir. Chicago?

TB Arthur: Ich bin schon vor einer ganz schön langen Zeit nach Berlin gezogen, wo ich einige Jahre im Hard Wax Plattenladen als Verkäufer gearbeitet habe. Tja, und da ist auch die Sache mit Chicago draus entstanden: Zu der Zeit hatte ich gerade eine TB-Arthur-Platte rausgebracht, und da ich unter den Verkäufern keine komische Stimmung wegen der Veröffentlichung haben wollte, habe ich eine Story um die Figur des TB Arthur erfunden, um unter dem Radar zu fliegen. Ich mache mir eh nicht so viel aus Social Media, weshalb man nicht so viel über mich im Netz findet. Ich denke, die Musik sollte eigentlich alleine stehen.

Magda: Wir sind gemeinsam recht schnell ins Studio gegangen und waren sofort auf einer Wellenlänge, was bei mir nicht oft vorkommt. Aber mit uns beiden hat’s vom ersten Tag an funktioniert. Wir haben dann angefangen, verschiedene Synthies auszuprobieren, und viel mit Drum-Machines und Modulen experimentiert. Außerdem verbindet uns beide dieses »Mid-West-Ding«, weshalb natürlich die ganzen Roland Klassiker wie TR-808 und TB-303 nicht fehlen dürfen. Für die aktuelle Platte habe ich mich dann letztlich auf eine Simmons SDS9-Drum-Maschine und meinen Prophet-12 konzentriert. Die TR-808 haben wir dann hauptsächlich für das Triggering genutzt.

Wie seid ihr bei den Sessions vorgegangen?

Das ist das Besondere an diesem Projekt: Fast alle Tracks sind One-Takes gewesen. Wir haben uns im Vorfeld grob überlegt, in welche Richtung das Ganze gehen soll, und haben dann direkt auf Band aufgenommen. Wir hatten deshalb keine Chance, im Nachhinein etwas an der Mischung auszubessern, was die Produktion eben aber auch sehr spannend gemacht hat.

TB Arthur: Allerdings habe ich die Tapes immer direkt digitalisiert, und Magda hat dann zu Hause Edits von den Takes gemacht. Das war ein sehr wichtiger Schritt, denn wenn man sich einer Produktion aus der Sicht eines DJs nähert, hat man eine ganz andere Sicht auf die Struktur der Tracks. Hier im Studio ging es hauptsächlich darum, eine Live-Performance einzufangen. Magda hat dann sozusagen die Perlen gefunden und durch ihre Edits herausgearbeitet.

Spielst du die Tracks denn in deinen Sets, während sie noch nicht ganz fertig sind, um zu sehen, ob etwas funktioniert oder ob es hier und da noch »Probleme« gibt?

Magda: Ja absolut! Das ist eines der besten Tools, die mir zur Verfügung stehen. Ich kann die ganzen Tracks live am Publikum ausprobieren und auf verschiedenen Anlangen testen. Da hört man sofort, wenn was fehlen sollte oder die Längen einzelner Parts nicht stimmen etc.

Wenn ich mir hier euer Studio anschaue, sehe ich gar nicht so viele Akustik-Elemente, aber dafür tonnenweise Synthies und Equipment. Mal ganz forsch gefragt: Braucht Techno eine perfekte Akustik wie zum Beispiel in einer Hörfunk-Regie?

TB Arthur: Die Antwort darauf ist ganz klar nein, wenn du weißt, was du tust! Ich kann mich glücklich schätzen, denn ich hab das Arbeiten im Studio von der Pieke auf gelernt, und außerdem hat Techno/Elektro einfach auch schon immer eine gute Portion DIY-Spirit bedeutet − es muss nicht perfekt klingen. Dazu kommt, dass ich in meinen Jahren als Teenager schon in Studios als Tape-Operator gearbeitet habe und mittlerweile sehr gut abstrahieren kann, wie etwas außerhalb des Studios klingen wird.

Diese Studioregie klingt schon sehr gut, vor uns haben hier Künstler wie Jan Jelinek oder Efdemin den Raum für ihre Musik genutzt. Akustisch haben wir hier eigentlich nur mit schweren Vorhängen gearbeitet, um einige Flatterechos in den Griff zu bekommen, und ich denke, dass es sehr wichtig ist, mit einer vernünftigen Lautstärke abzuhören. Zusätzlich nutzen wir viel unsere NS-10-Lautsprecher, die einfach fies und mies klingen − es ist ein totales Klischee, aber wenn es auf denen gut klingt, klingt es überall gut!

Geht ihr mit dem Setup auch auf die Bühne, oder habt ihr für live ein anderes Konzept?

Magda: Auf der Bühne verwenden wir zwei Modularsysteme, die mit einander verbunden sind und kommunizieren. Zusätzlich nehmen wir noch die 808 und ein Echo mit. Auf der Bühne möchte ich es mir selbst nicht selber zu kompliziert gestalten, alle Module sind für sich alleine genommen schon sehr kompliziert. Ich möchte mich nicht mit all den Möglichkeiten überfordern, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich alle Module in- und auswendig kenne.

TB Arthur: Da kann ich Magda nur zustimmen! Man muss die Module lernen und Zeit mit ihnen verbringen. Klar, kann man sich einfach irgendein Modul schnappen und einen Blip aufnehmen, aber letztlich geht es doch hierbei darum, sich sein eigenes Instrument zu bauen. Mit jedem neuen Modul ändert sich auch ein kleines bisschen der eigene Workflow, und wie bei einem klassischen Instrument muss man Technik üben und sich damit auseinandersetzen − aber das braucht Zeit!

 

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