Micah Frank im Interview

Ableton-Sounddesigner Micah Frank

Es ist immer wieder spannend für uns, mit echten Sound-Enthusiasten zu sprechen, die für ihre Arbeit leben. Micah Frank ist so ein Sounddesigner, der uns im Interview spannendes über seine Herangehensweise, sein Equipment und seine Liebe zur Natur verrät. Also keine großen Worte verlieren – legen wir los!

Micah Frank ist Ableton-Sounddesigner

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Wie du auf deiner Website schreibst, hast du 2006 mit deinem Projekt begonnen – hat sich deine Arbeitsweise seitdem oft geändert? Oder bleibst du beim Motto „never change a running System“?

Puremagnetik habe ich im Jahr 2006 gegründet, um meine Inhalte für andere bereit zu stellen. Ich hatte einige Sounds aus meinen verschiedenen Projekten, die es nie in ein finales Produkt geschafft haben. Ein Freund war damals in meiner Wohnung in Brooklyn und sage, dass er gerade an einem Webshop arbeitet – diese Idee hatte ich lange Zeit im Kopf, war aber damals noch nicht so einfach umzusetzen. Also habe ich mich eingearbeitet und es letztendlich geschafft. Seitdem läuft es. Natürlich mache ich aber auch noch andere Projekte. Zuletzt habe ich Sounds für einen Hollywoodfilm designt, der nächsten Sommer in die Kinos kommt!

Hat deine Arbeit deine Sicht auf deine Umwelt im Alltag verändert? Hörst du die Berliner U-Bahn und denkst gleich an dein nächstes Sample?

Das hat es wirklich! Das Stadtleben wirkt inzwischen viel geräuschvoller auf mich. Du kannst menschengemachten Geräuschen einfach nicht mehr entkommen. Dafür ist die Natur für mich viel ruhiger geworden. Dennoch – wenn du hinaus in die Natur gehst, nimmst du zwar nur den Wind und die Vögel, vielleicht noch etwas Wasser wahr. Aber mit einem Mikrofon ausgerüstet hörst du durch die Kopfhörer etwas komplett anderes. Da sind auf einmal Flugzeuge, Hunde, der Straßenverkehr und die Industrie. Man kann sich nur vorstellen, wie andere Organismen durch diese Entwicklung beeinflusst werden.

Wie bist du zu Ableton gekommen? Nutzt du Live auch selbst zum Musikmachen?

Die Software benutze ich etwa seit 2003. Etwas später wurde ich gefragt, ob ich Presets für Abletons ersten Synthie machen wollte – den Operator. Seit damals habe ich mit Ableton eine Partnerschaft und stelle Sounds her. Zum Musikmachen verwende ich Live nicht, was daran liegt, dass ich es schwierig finde, Musik mit dem Computer zu machen. Früher habe ich das zwar trotzdem gemacht – jetzt lenkt mich das eher ab. Lieber nutze ich geschlossene Systeme wie den Octatrack oder einen Nintendo 3ds.

Auf deiner Website bietest du Soundpacks extra optimiert für Ableton Live an – was kann die DAW (in Bezug auf deine Arbeit), was andere nicht können?

Ableton Live hatte schon immer diesen tollen Ansatz mit der Rack-Funktion. Ich habe seit Anfang an Sounds dafür designt – alles sehr innovativ damals! Ich konnte ein sehr logisches und realistisches TB-303 Rack, aber auch andere Synthesizernachbildungen damit programmieren. Aus Sicht eines Sounddesigner ist es genau das, worin Live wirklich brilliert!

Du samplest so spannende Dinge wie einen Tannenzapfen oder einen Kaktus – wie kommst du auf solche Ideen?

Das sind nicht wirklich meine eigene Ideen – manchmal probiere ich etwas herum, und versuche diese Ergebnisse dann zu verbessern. Zum Beispiel habe ich John Cage auf einem Kaktus spielen sehen, und dann versucht etwas modernes aus diesem Konzept zu machen. Einfach alles kann ein Percussion-Instrument sein – manche Gegenstände geben nur etwas mehr Soundvielfalt her. Wenn ich gerade so auf meinen Schreibtisch schaue, sehe ich so einiges, das wirklich Potential hat: ein Notebook, ein Kaffeebecher, eine Lampe… aber ich denke, aus meiner Tastatur könnte ich gerade das beste herausholen…

Mit Acoustic Ecologies hast du gerade ein echt spannendes Projekt am Start. Wie bist du darauf gekommen, und welche Techniken und Ausrüstung benutzt du, um deinen Sound aufzunehmen?

Ich habe einfach eine Weile lang probiert, etwas vom Computer und der elektronischen Sonderzeugung weg zu kommen. Nicht das ich Synthesizer und deren Klang nicht lieben würde, aber ich habe so viele Jahre damit gearbeitet, dass ich einfach eine Pause brauchte. Leute wie Chris Watson und Bernie Krause haben mich sehr inspiriert, und so wollte ich etwas ähnliches machen. Gerade sammle ich einfach nur sehr viel. Ich habe schon mehrere Gigabyte an Aufnahmen aus der Wildnis und ich hoffe, dass ich Ende des Sommers damit fertig bin. Ich habe zwar eine Idee für das Endergebnis – darüber kann ich jetzt aber noch nicht sprechen.

Wenn ich raus in die Wildnis gehe nehme ich so einiges an Equipment mit. Da wären an einem typischen Trip der Sound Devices 664 Mixer, ein CMC MK4 und Mk8 von Schoeps, ein Trance Audio Amulett System, ein JRF Hydrophon und Stereo-Mikrofone von Stuntman. Außerdem natürlich Wasser, Stative und etwas zu essen. Das kann manchmal wirklich schwer werden! Hier könnt ihr euch das ganze einmal ansehen:

Gibt es schon Pläne für die Zukunft? Arbeitest du an etwas “großem”?

Ich habe da so einige Ideen aber nur ein paar davon haben das Potential, wirklich umgesetzt zu werden. Ich habe immer schon an vielen Dingen gleichzeitig gearbeitet – so manches Projekt fällt dann einfach unter den Tisch. Aber die besten schaffen es immer bis zum Ende – genau das liebe ich an dem, was ich tue!

Mehr zum Thema Field-Recording erfährst du auch am Samstag, den 4.7. im Podcast mit Marcel Gnauk um 11 Uhr live. Alle Infos hier:

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