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Yamaha CS-30 (*1979)

CS-30

Es gibt Synthesizer, die auch erfahrenen Synthesizer-Fachleuten beim Erstkontakt ein verdutztes „Hääh?“ entlocken, wenn diese (womöglich noch vor staunendem Publikum) versuchen, am Gerät zielgerichtet einen Klang einzustellen. Zu dieser Gattung gehört mit Sicherheit auch Yamahas legendärer CS-30.

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Dieses Instrument war (und ist) Yamahas Alphatier in der Riege der monofonen, analogen CS-Synths, zu denen auch CS-01, CS-5, CS-10 und CS-15 gehören. Er wurde von 1977 bis 1980 produziert und kostete in Deutschland im Jahr 1981 2.390 Mark. Der Synth bietet zwei Oszillatoren und hat einen wunderbaren Stepsequenzer an Bord. Mit dem CS-30 L brachte Yamaha auch eine Variante auf den Markt, die ohne Stepsequenzer auskommen muss, aber dafür ein integriertes Flightcase mit Ständerwerk und einen Eingang zur externen Steuerung der Filtereckfrequenz besitzt.

Jeder der beiden Oszillatorstränge des CS- 30 kann individuell angesteuert werden und ist (neben einem Ausgang für beide VCOs) auch ausgangsseitig einzeln verfügbar. Ein Eingang für externe Audiosignale ist mit umschaltbarer Empfindlichkeit ausgestattet. Da sich ein Envelope-Follower aktivieren lässt, kann das Gerät beispielsweise wunderbar zum Verformen von Drumloops eingesetzt werden. Das CV/Gate-Interface arbeitet – wie bei vielen Yamaha-Synths üblich – mit Herz/ Oktave-Charakteristik. Klasse, dass auch die Steuerspannungs- und Gate-Signale des Stepsequenzers ausgegeben werden. Ein Anschluss für ein Volume-Pedal ist ebenfalls vorhanden.

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Bei Yamaha ist man nicht nur bei der Ausstattung und beim Sound eigene Wege gegangen, auch die ziemlich unkonventionelle Bedienphilosophie des CS-30 lässt selbst Synthesizer-Veteranen ins Schwitzen kommen, obwohl die einzelnen Sektionen auf dem Panel säuberlich unterteilt sind. Die Yamaha-Ingenieure erstellten das Bedienkonzept gemäß dem Grundsatz, dass ein Klangparameter nicht an der Quelle, sondern am Ziel des Signalpfads eingestellt wird. Das bedeutet z. B., dass die Oszillator-Wellenform nicht etwa im Oszillator-Bereich, sondern in der Filter-Abteilung ausgewählt wird und man die Filtercharakteristik im VCA-Bereich, und nicht wie üblich in der Filter-Sektion, bestimmt.

Diese eigenwillige Gesetzmäßigkeit ist gewöhnungsbedürftig und entlockt einem anfangs schon mal den einen oder anderen unschönen Kraftausdruck. Die CS-30-Besitzer Human League kommentierten das Instrument in einem Interview mit folgenden Worten: „We never learned how to use it.” Der CS-30 ist ganz klar ein Studiosynth und kein Bühneninstrument.

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Oszillatoren

Der CS-30 bietet zwei spannungsgesteuerte Oszillatoren mit den Wellenformen Sägezahn und Pulse. Ein Rauschgenerator steht ebenfalls zur Verfügung. Ungewöhnlich ist der große Bereich der VCO-Fußlagen: Sie reichen von 2′ bis 128′! Jeder der VCOs kann entweder vom Keyboard oder vom Stepsequenzer gesteuert werden.

Der Oszillator-Pitch lässt sich mit dem LFO modulieren; sogar ein externes Audiosignal kann als Modulationsquelle dienen. Ungewöhnlich ist die Möglichkeit, die LFO-Ge- schwindigkeit mit einer Hüllkurve zu modulieren, ein solches Feature bieten normalerweise nur Modularsysteme. Der VCO-Pitch lässt sich darüber hinaus auch mit einer Hüllkurve steuern, etwa für das Programmieren Simmons-artiger Disco-Snares („Piuuuu”); will man den Sound noch böser verformen, lassen sich die Oszillatoren auch cross-modulieren. Für die Pulsbreitenmodulation steht allerdings nur eine Sinus-Wellenform zur Verfügung. 

Filter

Es gibt zwei Filterblöcke mit Resonanz, Key- Follow-Funktion und diversen Modulationsmöglichkeiten. Die Filter arbeiten als Hoch-, Tief- oder Bandpass-Filter mit 12 dB Absenkung pro Oktave (Bandpass 6 dB). Die Resonanz lässt sich sehr gut zur Klanggestaltung einsetzen, reicht aber nicht bis zur Eigenschwingung. VCF 1 bietet zwei (!) unabhängige, mit Abschwächern versehene Eingänge, an denen VCO-Wellenformen, der Noise- Generator und die externen Wellenformen anliegen. VCF 2 ist nur mit einem Eingang ausgestattet, wobei eines der Signale der Ausgang des Hipass-Filters von VCF-Block 1 ist. Die Cutoff-Frequenz jedes der beiden Filter lässt sich von den LFO-Wellenformen (s. o.) und sogar von externem Audiomaterial modulieren. 

VCA und Hüllkurven

Auch beim VCA-Design ist man eigene Wege gegangen: Dank zweier VCAs kann der CS- 30 duofon betrieben werden. Als Eingangssignal lässt sich der Ausgang eines der Filter wählen; außerdem bietet VCA noch einen (ungefilterten) Sinus-Subbass, um das Signal in den Bässen anzudicken. VCA 2 kann dafür mit einem Ringmodulator punkten, sodass in Sachen kaputter Sounds kaum Wünsche offenbleiben.

Die Hüllkurven (2 x ADSR, 1 x ADR mit Initial-Level) sind erfreulich schnell, sodass perkussive Sounds oder tighte Sequenzen kein Problem für den Boliden darstellen. Es gibt drei Hüllkurven, von denen zwei zusätzlich auch eine negative Polarität zur Verfügung stellen. 

Sound

Der Yamaha CS-30 verfügt über einen wundervollen, lebendigen Grundklang, der dank des CS-Filters manchmal einen leicht nasalen Charakter hat (was jedoch keineswegs abwertend gemeint ist!) Das CS-Zweipol-Filter erzeugt einen weniger brachialen, als vielmehr delikaten Klang, mit dem sich Details des Sounds sehr schön herausarbeiten lassen. Es lassen sich sowohl kraftvolle Leads als auch drückende Sequenzersounds erzeugen, und auch im Tieffrequenzbereich zeigt der CS-30 dank Sinus-Subbass Präsenz, wobei schmatzende Moog-artige Filter-Bässe nicht unbedingt zum Repertoire des Instruments gehören. Großartig sind die Möglichkeiten, exotische und ungewöhnliche Sounds zu erzeugen; hier punktet der Synth mit vielen Modulations- und Routing-Möglichkeiten, die man eher einem Modularsystem zugetraut hätte.

Das Gerät wurde uns freundlicherweise von Ingo Rippstein (www.synthmaster.de) zur Verfügung gestellt.

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Inwieweit der Nachfahre reface CS von Yamaha diesem Erbe gerecht werden kann, erfährst du hier. 

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