Produkt: Keyboards Digital 02/2019
Keyboards Digital 02/2019
DIGITAL SUMMER+++DON AIREY: An den Tasten von Deep Purple+++GEWA MUSIC: Ein Blick in die Produktion+++SAMPLING VS. PHYSICAL MODELING: Die Unterschiede zwischen Konserve und Original
Kalorienbombe

Waldorf Streichfett – String-Synthesizer

Das String-Machines-Revival läuft schon seit vielen Jahren auf vollen Touren: Bands wie Air oder die skandinavischen Post-Rocker Sigur Ros haben den deepen Sound dieser Instrumente wieder in den Vordergrund gerückt. Waldorf revitalisiert diese Synthesizer-Gattung jetzt mit einem Neugerät und bringt mit dem Streichfett einen interessanten Synth Expander auf den Markt.

Waldorf Streichfett Aufmacher
(Bild: Dieter Stork)

String-Machines wurden früher von manchen als Softporno-Soundtrack-Lieferanten geschmäht; damit widerfuhr dieser Instrumentengattung aber bitteres Unrecht, denn unzählige essenzielle Produktionen der Popmusik sind ohne den Einsatz der legendären Tasten-Instrumente von Solina, Logan, Crumar, Elka, Korg und vielen anderen, oft italienischen Firmen nicht denkbar.

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Die große Zeit der String-Synths reicht von Anfang der 70er- bis in die frühen 80er Jahre, die stilistische Bandbreite des Einsatzbereichs reicht von Prog- und Krautrock über Pop bis zu Disco. In dieser Zeit waren polyfone Synths sehr teuer und viele Produzenten froh, flächige String-Arrangements ohne großen Aufwand realisieren zu können.

Auch heute noch kann man viele interessante Vintage-String-Machines und Multi-Keyboards mit tollen Klangeigenschaften auf dem Gebrauchtmarkt bekommen, aber es gibt zwei große Nachteile: Meist sind die Geräte schwer und unhandlich, und man muss auf MIDI verzichten, da eine Nachrüstung unverhältnismäßig teuer ist. Da kommt der pfiffige Kompakt-Expander von Waldorf gerade recht. Dank der digitalen Klangerzeugung ist der Preis übrigens sehr günstig.

Waldorf Streichfett: Quadratisch, praktisch, gut…

Optisch präsentiert sich der mutig „Streichfett“ benannte Synth als Bruder des monofonen Anlog-Expanders Rocket von Waldorf: Er haust in einem kompakten, quadratischen Plastikgehäuse mit Bedienpanel aus Metall. Auf diesem findet man (wie bei den Vorbildern) eine begrenzte Anzahl von Bedienelementen, die allerdings sehr effektiv sind. Das Ganze macht einen stabilen Eindruck und sieht klasse aus; kein Wunder, war einer der Design-Väter des Gerätes doch KultDesigner Axel Hartmann.

String Ensemble
Ein absoluter String Machine-Klassiker, der auf unzähligen Produktionen zu hören ist: das 1974 vorgestellte Solina String Ensemble

String-Abteilung

Das Bedienpanel bietet Zugriff auf die String- und Solo-Sektion – zwei unabhängige Klangerzeugungsbereiche, die übrigens auch mit einem individuellen MIDI-Kanal angesprochen werden können. Das Lautstärke – verhältnis beider Sektionen wird mit einem Balance-Poti geregelt. Während bei klassischen String-Machines die unterschiedlichen Sounds mit je eigenen Fadern zusammen – gemischt werden, geschieht das hier sehr platzsparend mit einem einzigen großen Registration-Poti, mit dem sich unterschiedliche Kombinationen der sechs Soundquellen (Violin, Viola, Cello, Brass, Organ und Choir) nahtlos einstellen lassen. Der Vorteil liegt hier darin, dass so intuitiv mit einer Hand verschiedene Klänge gemorpht werden können. Außer den drei Oktavlagen lassen sich auch das (bei extremen Einstellungen sehr langsame) Einschwingen der Sounds und die Release-Phase verändern. Angedickt wird der Sound durch die Aktivierung eines EnsembleEffekts mit drei Einstellungen (String, Chorus und eine Kombination von beiden).

Solo-Sektion

OLO-SEKTION Viele String-Machines fungieren auch als Multikeyboards und haben z. B. noch eine rudimentäre Synth-Sektion oder (meist jämmerlich klingende) Piano- oder Harpsichord-Simulationen an Bord. Hier lässt sich auch der Streichfett nicht lumpen: Neben zwei Synth-Sounds (einer davon orientiert sich ein wenig an der Roland-Juno-Ästhetik) werden noch ein synthetischer Rechteck-Bass und zwei Tasten-instrumente (Piano und Clavinet) geboten. Letztere haben wie bei den VintageGeräten einen schön künstlichen, obskuren Klangcharakter. Die Sounds der achtstimmigen Solo-Sektion werden ebenfalls stufenlos mit einem Poti überblendet und lassen sich mit den Strings layern; man kann sie auch rechts oder links von einem definierbaren Split-Punkt auf die Tastatur legen. Als veränderbare Parameter stehen Attack und Decay (Letzterer auch als Release umschaltbar) und ein Tremolo-Effekt zur Verfügung.

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