Ein Plugin, das die Welt bedeutet?

Test: Synthesizerplugin Terra für Ableton Live

Der blaue Planet auf dem wir leben: vielfältig, groß und schön – aber manchmal auch rauh und wild. Terra, ein Max-for-Live Synthesizerplugin für Abletons DAW, hat sich so einiges vorgenommen, wenn es ersten Assoziationen gerecht werden will. Wir haben uns das schicke Plugin einmal genauer angesehen.

Die Einrichtung läuft – Ableton Live und Max-for-Live (M4L) vorausgesetzt – gewohnt einfach: ihr zieht die Installationsdatei einfach in eure DAW, schon könnt ihr Terra benutzen.

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Ansicht_Terra_Standart
Ansicht von Terra ohne Presetwahl oder Parametereinstellungen. Quasi die “Standartansicht”.

 

Los geht’s

Wer Terra in seinem Arrangement benutzen möchte, nimmt beim Aufrufen eine gewisse Ladezeit wahr, die es gewöhnlicherweise braucht, um ein M4L-Plugin zu starten. Zunächst fällt das aufgeräumte Design auf, das nahezu ohne (Auswahl-)Menü auskommt. Das ist natürlich gerade für Einsteiger oder in unübersichtlichen Bühnen-Situationen Gold wert. Die wichtigsten Elemente sind beschriftet, weitere Informationen gibt es über die Info-Ansicht, die aber insgesamt deutlich mehr erklären könnte, um den Einstieg für Anfänger zu erleichtern.

 

 

143 Presets, vorrangig aus der – im positiven Sinne – Space-Ecke sorgen für einen guten Start, um das Plugin kennen zu lernen. Die Sounderzeugung funktioniert im Kern über drei Wavetable-Oszillatoren, die Sinus, Dreieck, Puls und Sägezahn und Pulsar beherrschen. Jeder dieser Oszillatoren kann einzeln editiert und moduliert werden. Das Signal lässt sich anschließend über Filter, Chorus, Flanger, Overdrive und weiteren jeweils noch einmal bearbeiten. Sogar Routings der Effektwege lassen sich zu diesem Zweck per Knopfdruck auswählen und ändern.

Im Anschluss gibt es je eine Sektion für weitere Modulationen und weitreichende Möglichkeiten in den Pitch einzugreifen. Diese beiden Bereiche haben es in sich! Mit insgesamt vier Modulatoren lassen sich je zwei Quellen beeinflussen. Insgesamt stehen so also acht Parameter wie Envelope und Oszillator-Amp zur Verfügung, die noch einmal richtig Dynamik in den Sound bringen. Kurz gesagt: hier steckt eine Menge Power drin.

Modulationsmenü - hier können weitere Eingriffe in den Sound vorgenommen werden. Bis zu zwei Quellen können von einem der vier Modulatoren angesprochen werden.
Über das "Unison"-Menü können Pitch-Ration und deren Amplitude verändert werden.
Jede Spalte steht für einen der drei Oszillatoren. rechts im Bild sind die Möglichkeiten zum Effekt-Routing zu sehen.
Info-Ansicht von Live, die bestimmte Elemente des Plugins erklärt.

Detune-Freunde aufgehorcht: Über die Pitch/Unison-Abteilung kann der Pitch jeder einzelnen Stimme schlussendlich noch einmal angepasst werden, was dann gerne herrlich verstimmt klingt.

 

Sound

Die Sounds, die da aus den Lautsprechern herauskommen, klingen im Allgemeinen sehr organisch und weitläufig. Doch neben quäkenden Pads und mal drohnigen, mal schneidend-dreckigen Leads gibt es auch atonale Texturen, die an Raumschiff-Cockpit oder fremde Galaxien erinnern. Die einzelnen Sounds sind dabei gleichzeitig druckvoll und nehmen viel Raum ein – so manch volles Preset musste etwa beim Einbinden in ein Arrangement während des Test erst einmal via EQ gezähmt werden. Terra beherrscht aber nahezu jede Kategorie, über einen Grain-Effekt lassen sich sogar Geräusche erstellen, die man sonst nur aus der Granularsynthese kennt.

Einen sehr guten Eindruck bekommt ihr via offiziellen Soundbeispielen von den Entwicklern via Soundcloud:

 

Praxis

Die CPU-Auslastung auf einem Macbook Pro liegt selbst bei komplexeren Sounds etwa zwischen 20% und 30% – das geht angesichts der Fülle an Parametern, die berechnet werden müssen aber klar. Gerade in Verbindung mit anderen Plugins sollte man live aber ein Auge darauf haben.
Auf der Bühne oder auch in dunkleren Studios sind die Bedienelemente aufgrund des dunklen Designs gut ablesbar – lediglich die schwarze Schrift auf dunkelgrauem Grund kann durchaus eine Herausforderung sein. Hier währe ein weiteres Layoutsetting wünschenswert, auf das je nach Bedarf gewechselt werden kann.

 

Fazit

Die Eingangsfrage beantwortet: Terra hat tatsächlich einiges zu bieten und bringt eine Vielzahl von Sounds hervor, die die Bezeichnung galaktisch nicht nur aufgrund ihres weitläufigen Klangs verdient haben – das wabert und flimmert alles wunderbar und klingt lebendig, organisch. Auf der Contra-Seite stehen ein vergleichsweise hoher Leistungsverbrauch und eine zwar sehr übersichtliche aber nicht problemfreie Oberfläche in unübersichtlichem Livebetrieb oder im dunklen Studio.

Auch Anfänger finden sich nach einer Eingewöhnungsphase zurecht und bekommen eine gutes Tool an die Hand, das professionellen Ansprüchen genügt. Also: Midicontroller angeschlossen und los geht’s!

 


M4L Plugin / 22 MB / 49€ / v.1.0 / Stand: 2.September.2016

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