Synthesizer von Gestern

Roland TR-808 und TR-909

Jede TR-808 ist einzigartig, da jedes Gerät ein klein wenig anders klingt. Die Maschine ist aber nicht nur wegen ihres Sounds berühmt, denn der groovende Sequenzer macht die TR-808 zur Geheimwaffe.

Die beiden Drummaschinen TR-808 und TR-909 gehören neben der Bassline TB-303 zu den legendären Produkten aus dem Hause Roland.

Als die TR-808 im Juni 1981 zum Preis von DM 2200,– auf den Markt kam, überzeugte sie sofort aufgrund ihres patternorientierten Aufbaus und einer ausgesprochen anwenderfreundlichen Bedienung. Nicht zuletzt fanden ihre sehr „musikalischen“ Sounds große Zustimmung, die nach den damaligen Maß- stäben doch recht natürlich klangen. Das Besondere an der TR-808 ist, dass sich die meisten Sounds vom Anwender editieren lassen. So können Toms und Congas gestimmt, die Bassdrum in Frequenzgang und Ausklingzeit (Decay) justiert werden. Man kann auf den Klang der Snare Einfluß nehmen und sogar den Anteil des Snareteppichs (Snappy) stufenlos hinzumischen. Außerdem können Klangfarbe und Ausklingzeit des Beckens sowie das Decay der Open HiHat geregelt werden. Insgesamt sind mit Bass Drum, Snare Drum, Low-, Mid- und High-Tom sowie Low-, Mid- und High-Conga, Claves, Rimshot, Maracas, Handclap, Cowbell, Cymbal, Open HiHat und Closed HiHat 16 verschiedene Instrumente im Angebot, die allesamt einen außerordentlich hohen Wiedererkennungswert haben. Kaum eine Drummaschine lässt sich so gut identifizieren wie die TR-808. Und darin dürfte letztendlich auch das Geheimnis ihres großen Erfolges zu suchen sein. Die Titel, denen die TR-808 im Laufe der letzten 15 Jahre durch ihren unverwechselbaren Sound einen ganz speziellen Charakter verlieh, sind Legion. Zu den bekanntesten und prägnantesten Beispielen aus dem Pop-Bereich zählen die Balladen von Phil Collins.

Neben dem speziellen Sound ist es aber auch die einfache und intuitive Programmierung, die die TR-808 zu einem so oft eingesetzten Werkzeug hat werden lassen. Das Pattern/ Song-Prinzip, welches uns heute so selbstverständlich erscheint und sich schon längst als Quasi-Standard für die Drumcomputer-Programmierung etabliert hat, kam bei der TR-808 erstmalig zum Einsatz. Die Programmierung erfolgt über 16 Step-Taster, und es lassen sich 32 Pattern mit jeweils bis zu 32 Steps speichern. Der Songspeicher bietet 12 Spuren mit je 64 Takten, woraus sich eine maximale Gesamtspeicherkapazität von 768 Takten ergibt. Das Instrument bietet drei programmierbare Trigger-Ausgänge (z.B. zur Ansteuerung externer Synthesizer), einen mono ausgelegten Master-Output, sowie 11 Einzelausgänge. Synchronisieren lässt sich die TR-808 allerdings nur über den Roland-typischen DIN-Sync-Anschluss. Für die Synchronisation per MIDI ist ein Korg KMS-30 oder ein Doepfer MSY-1 nötig. Ferner bietet der Berliner Hardware-Spezialist X-Tended verschiedene MIDI-to-DIN-Sync-Interfaces an. Ebenfalls sind für die TR-808 MIDI-Interfaces erhältlich, mit deren Hilfe sich auch die einzelnen Sounds per MIDI ansprechen lassen. In diesem Zusammenhang wären die – mittlerweile leider in Konkurs gegangene – britische Firma Groove Electronics sowie EES – Technik für Musik zu erwähnen.


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Roland TR-909

Die TR-909 hat der TR-808 im Bereich der populären Musik im Laufe der letzten Jahre eindeutig den Rang abgelaufen und ist mittlerweile die ultimative Kult-Drummaschine schlechthin. Dies spiegelt sich auch deutlich in ihrem Preis auf dem Gebrauchtmarkt wieder, der mit durchschnittlich DM 2700,– immerhin weit mehr als doppelt so hoch ist wie der der TR-808. Als das Gerät 1984 zu einem Preis von DM 1995,– auf den Markt kam, wurde seitens des Herstellers die Hauptbetonung darauf gelegt, daß die Maschine im Gegensatz zum Vorgänger nun auch digital gesampelte Sounds enthielt, und zwar in Form von HiHat und Becken. Die restlichen Sounds werden auch bei der TR-909 noch analog erzeugt. Allerdings sind einige Instrumente der TR-808 auf der Strecke geblieben – Congas, Claves, Maracas und Cowbell sucht man vergeblich. Dafür lassen sich die hier zur Verfügung stehenden Instrumente detaillierter editieren als bei der TR-808: Für die Bass Drum stehen Regler für Tune, Attack, Decay und Level zur Verfügung, die Eingriffsmöglichkeiten der Snare sind Tune, Tone, Snappy (Snareteppich) und Level. Die drei Toms sind jeweils in Tune, Decay und Level editierbar, bei Rimshot und Handclap lässt sich nur der Pegel justieren. Die Open- und Closed-HiHats sind in Lautstärke gemeinsam sowie in Decay separat regelbar. Last not least stehen für die Cymbals die Parameter Crash Time, Ride Time und Level zur Verfügung.

Die von Roland entwickelte patternorientierte Programmierung ist erfreulicherweise auch bei der TR-909 erhalten geblieben, jedoch wurde die Speicherkapazität gegenüber dem Vorgängermodell deutlich erhöht. Es gibt zwei Bänke mit je drei Pattern-Groups. Letztere beinhalten jeweils 16 Pattern, so daß sich eine Gesamtzahl von 96 Pattern ergibt. Pro Bank stehen vier (Song-)Spuren mit insgesamt bis zu 896 Takten zur Verfügung.

Wie bei der TR-808 sind auch die Preise für die TR-909 auf dem Gebrauchtmarkt in die Höhe geschossen. Den Sequenzer der TR-909 schätzen viele Produzenten wie etwa Christian Vogel wegen seines groovigen Shuffle Modus’.

Die Daten der TR-909 können auch extern gesichert werden, was nicht nur per Cassetteninterface, sondern auch – weitaus komfortabler – per RAM-Cartridge geschehen kann. Weitere Verbesserungen gegenüber dem Vorgängermodell sind die Flam- und Shuffle-Funktionen sowie die Kopier-, Einfüge- und Löschoptionen, die die Programmierung deutlich bequemer gestalten. Die Hauptgründe dafür, dass sich die TR-909 mittlerweile weitaus größerer Beliebtheit erfreut als die TR-808, dürften zum einen ihre wesentlich druckvolleren Bass-Drum-, Snare- und HiHat-Sounds und zum anderen das bereits serienmäßig integrierte MIDI-Interface sein, über welches die Sounds anschlagdynamisch spielbar sind.

Doch auch wenn die TR-909 deutlich komfortabler in ein MIDI-System einzubinden ist und durchaus Pluspunkte in Sachen Bedienung bietet, so kommt sie meiner Meinung nach nicht an den unverwechselbaren Charme der TR-808 heran. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten, und so gibt es mit Sicherheit auch viele, denen Bass Drum, Snare, Toms, HiHat und Becken der TR 909 besser gefallen.

Wer nicht unbedingt gewillt ist, für eine der beiden Originalmaschinen ein kleines Vermögen auszugeben (durchschnittliche Gebrauchtmarktpreise derzeit: TR-808: DM 1100,–, TR-909: DM 2700,–), der sollte sich unbedingt einmal die DrumStation von Novation (Test in dieser Ausgabe) anhören, die die Sounds beider Maschinen in sich vereint.

Bedanken möchten wir uns diesmal bei Mike Ink, Köln, der uns die TR-909 zur Verfügung gestellt hat, sowie bei Cord Brandes, Produktmanager bei Roland in Norderstedt, der für uns die Statements der beiden Entwickler in Japan eingeholt hat.

 

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