Produkt: Keyboards 02/2019
Keyboards 02/2019
DIGITAL SUMMER+++DON AIREY: An den Tasten von Deep Purple+++GEWA MUSIC: Ein Blick in die Produktion+++SAMPLING VS. PHYSICAL MODELING: Die Unterschiede zwischen Konserve und Original
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Roland D-50 (*1987) Synthesizer

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(Bild: Dieter Stork)

Was haben der Drum’n’Bass-Neuerer LTJ Bukem und die Weichklang-Queen Enya gemeinsam? Beide nutzten bei ihren Produktionen einen der großen DigitalsynthKlassiker der Achtzigerjahre: den D-50 von Roland.

Während Enya mit ihrem größten Erfolg Orinoco Flow das „Pizzagogo“-Preset des D-50 unsterblich machte, setzte LTJ Bukem ihn in den Neunzigerjahren für seine damals revolutionäre Soundästhetik ein, welche die Drum’n’BassGrooves mit jazzigen, elegischen Flächensynths kombinierte. Nachdem Yamaha 1985 mit dem DX7 ein durchschlagender Erfolg gelang, musste Roland reagieren und einen ebenso innovativen Synthesizer an den Start bringen.

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Die Roland-Ingenieure unter der Führung von Toshio Yamabata waren fleißig: Man entwickelte eine neue Klangsynthese (L.A.), stattete den Synth groß- zügig mit Effekten aus und verpackte das Ganze in ein ansprechendes Gehäuse mit einer attraktiven Bedienoberfläche sowie Features wie Joystick und hintergrund-beleuchtetes großes Display. Die Rechnung ging auf: Der D-50 gehört zu den erfolgreichsten Synths der Dekade. Er kam 1987 auf den Markt, kostete 4.000 Mark und wurde bis 1990 gefertigt.

In der großen Schar der prominenten Nutzer sind alle Stilrichtungen vertreten. Sowohl 70erKeyboard-Großmogule wie Rick Wakeman als auch die ganze Riege der Synthpop-Vertreter wie Vince Clarke, Gary Numan und Duran Duran bis zu Elektronik-Acts wie 808 State, Apollo 440 oder Eat Static bedienten sich der ätherischen Klänge des D-50. Natürlich darf hier auch Jean Michel Jarre nicht fehlen, der den Digitalboliden auf einem Großteil seines RevolutionsAlbums einsetzte.

Äußeres

Das stabile Gehäuse (974 × 94 × 332 mm, ca. 10,5 kg) ist mit einer 61er-Tastatur ausgestattet, die Aftertouch liefert und sich angenehm spielen lässt. Vor dem Kauf eines gebrauchten D-50 sollte man allerdings das Keyboard sorgfältig checken, denn mit der Zeit können die Tasten gerne mal Kontaktprobleme bekommen. Neben dem großen zweizeiligen Display, das mit zugeordneten Funktionstasten ausgestattet ist, befindet sich ein Joystick, der zur Modulation und auch zur Dateneingabe genutzt werden kann.

Als Spielhilfe steht der Roland-typische Stick zur Verfügung. Außer der Lautstärke lässt sich auch die Aftertouch-Intensität mit einem Fader regeln; alle anderen Dateneingaben werden meist mit den Plus/Minus-Tastern, dem Zahlenfeld oder dem Joystick vorgenommen. Viele Funktionen kann man bequem über eigene Taster direkt erreichen. Wer es noch luxuriöser will, sollte sich den (auf dem Gebrauchtmarkt allerdings selten und meist relativ teuer angebotenen) Programmer PG-1000 zulegen, der mit 56 Fadern einen intuitiven Zugang auf die wichtigen D-50-Parameter ermöglicht.

Auch mit dem Computer lässt sich der D-50 editieren; einen Editor findet man z. B. hier: www.d50ve.w3.to. Patches und ein Manual kann man hier herunterladen: www.vintagesynth.com/index2.html und ftp://ftp.roland.co.uk/productsupport/Manuals sowie www.stoffelshome.de/d50_tips.html Rückseitig findet man einen Stereoausgang, einen Kopfhöreranschluss, ein MIDI-Trio sowie Anschlüsse für einen Fußschalter, ein ExpressionPedal, einen programmierbaren Schweller und für das Roland-spezifische zweipolige Netzkabel. Außerdem gibt es hinten einen Card-Slot für die Soundcards, die den Speicher des Synth um weitere 64 Sounds verdoppelt. Die M-256DSpeicherkarten kosteten damals ca. 250 Mark. Die Expanderversion des D-50 hört auf den Namen D-550 und ist in einen 19″-Gehäuse mit zwei Höheneinheiten untergebracht.

Klangerzeugung

Die von Roland entwickelte digitale L.A.-Synthese (L.A. steht für „Linear Arithmetic“) beruht auf der Erkenntnis, dass der Charakter eines Klanges zum großen Teil durch seine Einschwingphase bestimmt wird. So verwendeten die Entwickler kurze 8-Bit-Samples aus allen Bereichen, vom Piano bis zur exotischen Flöte und generierten den weiteren Klangverlauf mit Standard-Synthesizer-Wellenformen. Ein genialer Schachzug in einer Zeit, als Speicherplatz unfassbar teuer war: Das Sample-ROM des D-50, das hauptsächlich aus Attack-Samples besteht, umfasst tatsächlich nur ein halbes Megabyte. Ein Klangprogramm, PATCH genannt, kann aus bis zu vier TONES zusammengesetzt sein; ein Tone wiederum besteht aus zwei PARTIALS.

Die Partials lassen sich auch gegenseitig auf unterschiedliche Weise verschalten und ringmodulieren. Ein Partial beruht entweder auf einer PCModer Standard-Wellenform (Sägezahn oder modulierbare Pulswelle), die ein digitales resonanzfähiges Filter durchläuft. Ein wenig schade ist es, dass die Samples nicht durch das Filter geschickt werden können – bei späteren Modellen mit L.A.-Synthese ist dies möglich. Der D-50 bietet programmierbare Hüllkurven für Lautstärke (für jedes Partial individuell), die Cutoff-Frequenz des Filters und eine Pitch-Hüllkurve (für beide Partials gemeinsam). Drei LFOs mit den Wellenformen Triangel, Rechteck, Sägezahn und Random lassen sich auf Modulationsziele wie Level, Cutoff, Pitch oder Pulsweite routen. Mit dem sogenannten CHASE-PLAY hat der D-50 noch eine nicht alltägliche Funktion an Bord: Es ist eine Art Echo-Effekt zum wiederholten Triggern der gespielten Noten, der sich programmieren lässt. Er klingt bei manchen Sounds wirklich interessant, kostet aber auch Stimmen.

Zur On-Board-Nachbearbeitung der Sounds stehen ein einfacher, ein wenig trashig klingender Equalizer sowie eine Effektsektion mit Reverb, Chorus und Delay in durchschnittlicher Qualität zur Verfügung. Die Effekte bieten nur wenige Parameter, sind aber bei 90% der Sounds ein unverzichtbarer Baustein, um den Klang schön breit und fett zu machen; trocken wirken die Sounds in der Regel etwas dünn. Der Synth ist 16-fach polyfon, wobei sich die Polyfonie halbiert, wenn man zwei Sounds layert oder splittet. Die L.A.-Synthese kam noch bei einer Reihe weiterer Roland-Synths zum Einsatz, wie bei den ein Jahr später erschienenen günstigeren Modellen D-10 und D-20, die zwar etwas eingeschränkte Synthesemöglichkeiten bieten, aber dafür Drumsounds an Bord haben, oder beim D-70 von 1990.

Sound

Die sorgfältig programmierten Factory-Sounds des D-50 haben nicht unwesentlich zum Erfolg beigetragen. Viele Factory-Sounds wie „Fantasia“ sind berühmt; allerdings hat man sich manche auch wegen ihrer häufigen Verwendung ziemlich leidgehört. Der D-50 ist ein Spezialist für schöne, breite, spacige Flächensounds und strahlende Leads aller Art. Da wird geröchelt und gehaucht, was das Zeug hält, und die Bimmelbahn ist auch vielerorts unterwegs. Was auf modernen Synths unbearbeitet häufig kalt und höhenlastig ist, wirkt hier dank deutlicher Aliasing-Geräusche der 20-Bit-Wandler organisch und lebendig. Beim Durchhören der Sounds ist man überrascht, wie warm der D-50 klingt.

Das digitale Lowpassfilter ist (für ein Digitalfilter der Achtzigerjahre) auch gar nicht so übel, die überzeugenden Sweep-Sounds beweisen es. Die Wellenform-Modulation gehört zu den Stärken der Klangerzeugung und klingt toll, was bei einem Digitalsynth keineswegs selbstverständlich ist. Der D-50 ist aber kein Allrounder: Während die Pad-Sounds klasse sind, wirkt das akustische Piano gruselig, die E-Pianos sind unterdurchnittlich und als Basslieferant taugt er auch nicht wirklich. Für konkrete, perkussive Sounds reagiert die Klangerzeugung – insbesondere bei polyfonem Spiel – zuweilen unpräzise und träge. Dafür kann er aber auch gute Orgelsounds generieren, Besitzer der „Keith-Emerson“-Soundcard werden dies bestätigen. Als virtuelles Instrument gibt es den D-50 bislang nicht; der Roland V-Synth kann aber mit der VC-1-Karte den D-50 emulieren (in der XTExpanderversion ist diese bereits eingebaut).

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Danke Bernhard Lösener.
    Aus eigener Erfahrung möchte ich zum D-550 humorig anmerken, dass 19″ und 2 HE nicht alles sind: Das Gerät hat eine so extreme Tiefe, dass ich damals gezwungen war, alle hinteren Anschlüsse nach unten zu verlegen. Nur so konnte ich es gerade noch in mein Rack einbauen, ohne dass es hervor stand. Dass das ging, liegt an genügend Platz – warum wohl hat Roland kein weniger tiefes Gehäuse gewählt?
    Den D-550 in Besitz zu nehmen, war dennoch sehr befriedigend :o)
    Beste Grüsse
    Axel

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