Produkt: Keyboards 02/2019
Keyboards 02/2019
DIGITAL SUMMER+++DON AIREY: An den Tasten von Deep Purple+++GEWA MUSIC: Ein Blick in die Produktion+++SAMPLING VS. PHYSICAL MODELING: Die Unterschiede zwischen Konserve und Original
80er Synth-Kult - Analog Modeling Synthesizer Expander

Roland Boutique JU-06, JX-03, JP-08

Aktuell im Heft: Die TR-09 von Roland, die im selben handlichen Format daherkommt wie die hier vorgestellten Boutique Synthis von Roland.

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(Bild: Dieter Stork)

Die Roland Synthesizer Jupiter-8, JX-3P und Juno-106 gehören zu den absolut gefragten Vintage-Synthesizern. Ihre Sounds – vor allem die von Jupiter und Juno spielten in der Pop-Musik der 80er bzw. in der Techno-Ära der 90er eine wichtige Rolle. Durch unzählige Produktionen haben diese Synthesizer ihren Signature-Sound bekommen.

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Eins muss man den Roland-Designern lassen – selbst wenn man die Synthesizer früher einmal gespielt hat oder auch heute noch besitzt, bekommt man beim Anblick der drei Bonsai-Synthis feuchte Augen. Die Dinger sind wirklich mini und überaus liebevoll den originalen Bedienpanels entsprechend nachgebildet – der Kultfaktor der drei Boutiques ist einfach maximal. Dabei freut man sich auch über die tolle Verarbeitung der robusten Stahlblechgehäuse – der Unterbau mit Batteriefach und kleinem Lautsprecher ist zwar aus Kunststoff, aber die Boutiques sind alles andere als billige Plastikkisten.

Das Panel des JX-03 orientiert sich übrigens nicht so nah am originalen JX-3P, bot dieser doch nur mit dem optional erhältlichen Programmer die Möglichkeit, an den Sounds über Potis zu schrauben. Am Gerät selber musste man den kryptischen Weg der Parameter-Eingabe über einen Data-Entry-Regler machen. Das war seinerzeit sehr modern – heute wissen wir, dass es eine Sackgasse in der Synthesizer-Entwicklung war. So freuen wir uns über Knöpfe, Fader & Buttons, die jetzt den direkten Zugriff zum Sound erlauben.

Das bieten die Boutiques allesamt, wobei die Drehpotis vielleicht doch ein wenig klein geraten sind. Dafür umso komfortabler sind die Schieberegler ausgefallen, die sogar mit jeweils einer LED versehen sind, sodass die Positionen immer gut abzulesen sind –bei dunklem Bühnenlicht ein Augenschmaus.


 

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Allen Boutique Synthis gemeinsam ist die 4-fache Polyfonie, was zum achtstimmigen Jupiter-8 und den jeweils 6-fach polyfonen JX-3P und Juno-106 schon ein Unterschied ist. Die Geräte bieten aber einen Chain-Mode, über welchen sich zwei Units kaskadieren lassen, mit dem Effekt, dass sich die Poyfonie um vier Stimmen erweitert. Für meinen Geschmack sind auch vier Stimmen völlig okay – Lediglich beim JP-08 wird es dann tatsächlich etwas knapp, vor allem wenn man von der DUAL-Funktion Gebrauch machen will, bei welcher zwei unterschiedliche Sounds gleichzeitig zu hören sind. Unterschiede zu den Originalen sind außerdem der Verzicht auf den Arpeggiator, dafür gibt es aber einen wirklich schönen 16-Step-Sequenzer. Außerdem ist der typische Pitchbend/Modulations-Hebel zwei Ribbon-Controllern gewichen, die besonders in Verbindung mit dem Step-Sequenzer zur Eingabe von Tonhöhe und Gate-Time genutzt werden und außerdem das Spielen ohne Keyboard erlauben – super Sache.

JU-06 – Techno-Kult im Kleinformat. Sein direkter Vorfahre Juno-106 war ein riesiger Verkaufserfolg. Sechsfache Polyfonie, ein Oszillator pro Stimme und ein eingebauter Chorus-Effekt reichten aus, um den Sound dieses damals preiswerten Synthesizers auf unzähligen Techno-Produktionen zu verewigen. Wer den Sound heute für noch viel weniger Geld in sein Setup holen möchte, sollte sich den Boutique JU-06 anschauen, denn er klingt wirklich gut. Man kann sich nun über Nuancen streiten, und wer den echten Sound haben will, der muss eben auf dem Gebrauchtmarkt schauen, was er kriegen kann. Die Charakteristik des Originals liefert der JU-06 aber erstaunlich gut – auch mit vier Stimmen! Die Wellenformen des Oszillators – charakteristisch die Pulsweitenmodulation (!) – und das Lowpass-Filter erwecken den warmen Sound des 106 zu neuem Leben. Und beim Chorus hat man dem JU-06 sogar so viel Detailliebe angedeihen lassen, dass der Chorus gut hörbar rauscht, wenn man ihn einschaltet. Aber der Sound: Er macht ganz typisch diesen leicht saturierten Hub von Bass und oberen Mitten, die die Bässe richtig fett und Pads schön hauchig und breit machen. Wow! Und wer das Rauschen nicht haben will, schaltet es per Shortcut aus. Unsere Meinung: Es fehlt dann etwas 😉

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(Bild: Dieter Stork)

Mit nur einem Oszillator pro Stimme sind die klanglichen Möglichkeiten schon etwas begrenzt, aber man muss dank PWM und Chorus nicht auf modulierende Sounds verzichten. Der JU-06 bietet einen schnell zupackenden Envelope-Generator und kann schön konturierte Bass- und Sequenzer-Sounds ebenso gut wie fluffig weiche Pads – ganz typisch Juno-106.

Mehr Möglichkeiten: JX-03. Nach dem Juno-106 kam der JX-3P heraus, der bereits zwei Oszillatoren pro Stimme bietet und auch Modulationen der Oszillatoren erlaubt: Metallische Sounds und chaotische Krachmacher sind dank Cross- und Ringmodulation möglich, und Oszillator-Sync für beißende Lead-Sounds kann der JX-03 auch. Erstaunlich wie unterschiedlich der JX-03 im Vergleich zum JU-06 klingt. Der JX-03 ist zwar vielseitiger, hat aber nicht diesen bauchigen, warmen Ton des JU-06. Das liegt auch daran, dass der JX-03 keine Pulsweitenmodulation beherrscht. Um Schwebungen dieser Art zu bekommen, muss man wie früher auch den „PWM-Fake“-Trick anwenden: Das geht mittels Sync, wenn man bei beiden DCOs bei gleicher Tonhöhe als Wellenform das Rechteck nimmt. Bewegt man nun den Tune-Regler, variiert man die Pulsweite, was sich mit leichter LFO-Modulation auch automatisieren lässt. Was jetzt noch zum fetten Sound fehlt, ist aber der Chorus des JU-06.

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(Bild: Dieter Stork)

Legendär sind die originalen Presets des JX-3P, die allesamt einen cheesy Charakter haben. Auch wenn der JX-03 nicht unbedingt das Teil für fluffige Pads ist, er kann tolle Synth-Bässe und Sequenzer-Sounds und dank der beiden Oszialltoren lassen sich auch Orgel-Klänge und metallische Sounds erzeugen. Im Soundcharakter ergänzen sich JX-03 und JU-06 wirklich gut und sind – ganz wie damals – ein gutes Gespann.

 

Roland JX-3P Synthesizer Stork
(Bild: Dieter Stork)

 

 

Der JP-08 ist dann die Königsklasse. Der Sound ist ganz klar typisch Roland, er klingt wiederum sehr anders als die beiden anderen Boutiques. Auch hier wird der Klangcharakter des Originals gut getroffen, den man als klar konturiert und kräftig bezeichnen darf. Die Klangerzeugung des JP-08 ist dann auch die komplexeste und flexibelste aller Boutique-Synthis: zwei Oszillatoren mit Sinus, Dreieck, Sägezahn, Rechteck und variablem Puls, welche sich manuell, per Envelope oder LFO modulieren lassen. Oszillator zwei kann auch als LFO genutzt werden, z.B. um mit dem Pulse lustige Filterresonanz-Pings zu spielen. Effekt-Sounds, fette Bässe, perkussive Sequenzer, saftige Polypads, Brass-Stabs bis hin zu ausdrucksstarken Lead-Sounds mit Oszillator-Sync. Die Vielseitigkeit des originalen Jupiter-8 kommt hier wirklich gut zur Geltung.

Roland Jupiter 8
Roland Jupiter 8

>>>> Der Jupiter-8 wurde in unzähligen Produktionen der 80er eingesetzt, so auch bei Harold Faltermeyers Synth-Klassiker Axel Foley, dem Beverly-Hills-Cop Theme <<<<<

Mit dem 16-Step-Sequenzer schließlich haben alle drei Boutique-Synthis alles an Bord, was man für elektronische Musik braucht. Die Handhabung ist extrem einfach, außerdem lassen sich mehrere Patterns speichern, sodass man mit den kleinen Synthis sehr gut auch live spielen kann. Die Eingabe erfolgt über die beiden Ribbons, wobei links die Tonhöhe und rechts die Tonlänge (Gate-Time) eingestellt wird. Damit lassen sich tolle Grooves machen. Einzig stört mich ein wenig, dass die Eingabe der Tonhöhe nicht „stumm“ geschehen kann: immer wenn man den Ribbon berührt, wir der Sound ausgelöst – egal auf welchem Step sich die Sequenz gerade befindet.

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(Bild: Dieter Stork)

Tasten für die Boutiques. Die Boutique-Synthis sind erst mal natürlich als Expander konzipiert, die sich per MIDI oder USB steuern lassen. Roland bietet für knapp 100,– Euro aber noch eine kleine anschlagdynamische Tastatur namens K25m an. Die 25 Minitasten spielen sich okay, aber es gibt bessere Minikeyboards. Was mir gefällt: Der Expander lässt sich darin fest einklinken, sodass er sich als Bedienfeld einfügt und sogar Minimoog-like hochgestellt werden kann. Das sieht dann echt schnuckelig aus.

Fazit

Großartig! Die legendären Kultsynthesizer als kleine vierstimmige Remakes zum Plug-in-Preis. Dazu guter Sound und tolle Verarbeitungsqualität – da muss man einfach zugreifen. Die kleinen Synthis sind mit integriertem Step-Sequenzer auch sehr gute Live-Tools und passen sehr gut zu Drumcomputer und Sequenzer-Setup. Es ist erstaunlich wie gut die unterschiedlichen Charaktere der Originale nachempfunden sind. Mein Favorit ist der JU-06, dicht gefolgt vom JP-08.

 


 

Hersteller/Vertrieb: Roland

Internet: www.rolandmusik.de


 

Unsere Meinung

+  authentische Nachbildungen der legendären 80er-Synthis

+  hoher Kultfaktor

+  gute Verarbeitung

+  guter Sound

+  integr. Step-Sequenzer

+  günstiger Preis

 

Produkt: Keyboards 02/2019
Keyboards 02/2019
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