The Queen has finally arrived!

Native Instruments Komplete Kontrol S88 im Test

(Bild: Petia Chtarkova)

Alles fließt! Viele Musiker werden es kennen, dieses unbeschreibliche Gefühl, wenn man plötzlich vergisst, dass man ein Instrument in den Händen hält. Dies ist nur möglich, wenn mein Instrument meine Ideen perfekt in pure Musik verwandelt, mir ermöglicht, mich im wichtigsten Moment nicht mehr um technische Dinge kümmern zu müssen.

In mattschwarzem Finish, mit klaren Formen, einer Bedienoberfläche, die bereits auf den ersten Blick sehr aufgeräumt und strukturiert wirkt, zeigt sich die Komplete Kontrol S88 in zeitloser, geradliniger Eleganz. Die Oberfläche erscheint aufgeräumt. Das Auge wird sofort unbewusst gelenkt und schweift über die einzelnen, klar erkennbaren Bedienfelder mit ihren spezifisch angeordneten Steuerelementen. Intuitiv schreibt man den einzelnen Tastern, Reglern etc. bereits ihre möglichen Aufgaben zu. Der kreative Fluss des Musikmachens wird durch die Möglichkeit der Bedienung der Schnittstelle unterstützt.

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Linkerhand befindet sich der Bereich, der zur DAW-Steuerung einlädt. Die obligatorischen Play-, Stop- und Record-Buttons sowie Taster zur Steuerung von Tempo, Loop und Metronom-Einstellungen liegen hier in einer zweireihigen Anordnung. Gängige DAWs wie Maschine, Logic Pro X, Ableton Live, Cubase, Nuendo und GarageBand lassen sich so äußerst komfortabel fernsteuern. Ebenfalls vorhanden sind Solo-, Mute-, Arrange- und diverse Preset-Buttons zum Steuern der unterstützten Hostprogramme. Gerade Maschine, egal ob als Hardware oder auch Softwareversion, wird hier voll unterstützt.

Zwei gummierte Pitch- und Modulations-Wheels sowie ein programmierbarer, ultra-berührungsempfindlicher Touch-Strip für expressives Spiel. (Bild: Petia Chtarkova)

Gleich darüber liegt der Edit-Bereich. Hier werden die sogenannten Smart-Play-Features gesteuert − also Scales, Chords und Arpeggio-Sequenzen −, Undo und Quantisierungs-Funktionen editiert und voreingestellt. Ein nettes Feature: Im Chord-Mode werden einzeln gespielte Töne in Akkorde umgewandelt, die man über die Arpeggio-Funktion abermals in interessante Tonfolgen verwandeln kann. Auch Anfänger werden hier eine Menge Spaß haben und finden viele Spielhilfen wie beispielsweise den Easy-Mode, gerade wenn sie noch unerfahren im Umgang mit Skalen und Akkorden sind. Hier werden, egal in welcher Tonart man gerade spielt, nur die weißen Tasten aktiv geschaltet, es ist also unmöglich, unpassende Töne zu spielen. Auch alte Hasen finden gerade im Scales-Mode den einen oder anderen Tipp, wenn gerade mal ein kreativer Durchhänger droht. Die dazugehörigen Parameter und vorgenommenen Einstellungen lassen sich sofort auf den beiden großen hochwertigen Farbdisplays, die sich in der Mitte der Bedienoberfläche befinden, komfortabel ablesen und überwachen.

Die Juwelen der Queen

Die hier vorgenommenen Einstellungen werden zusätzlich auch über das oberhalb der Keyboardtastatur angebrachte, bereits bekannte, ausgeklügelte Light-Guidesystem in vielen verschiedenen Farben zur besseren visuellen Orientierung durch RGB-Lichter dargestellt. Hier lassen sich z. B. Keymapping-Einstellungen von geladenen Instrumenten und Samples durch den jeweilig angezeigten Farbcode sofort erkennen und entsprechend bespielen. Hat man eine Smart-Play-Einstellung wie z. B. die Chords oder eine der über 100 Scales-Funktionen ausgewählt, zeigen die leuchtenden RGBs genau, welche Tasten gerade aktiv sind. Abhängig von gerade verwendeten Tonleitern, Keymappings etc. bleiben inaktive Tasten unbeleuchtet.

Rund um die beiden Farbdisplays sind zum einen oben acht Buttons angeordnet, die dynamisch ihre jeweilige Zuordnung anpassen. Mit ihnen erreicht man die meisten wichtigen Funktionen samt Untermenüs. Sie sind beleuchtet und variieren je nach Status in Intensität und sogar Farbe. Alles wird gleichzeitig übersichtlich in dem Displaybereich darunter grafisch angezeigt. Unterhalb der beiden Displays sind acht Drehregler mit zusätzlicher berührungsempfindlicher Tap-Funktion angeordnet, die sich angenehm schwergängig und wertig anfühlen. Vorgemappt auf die wichtigsten Einstellungen der Komplete- und Native-Kontrol-Standard(NKS)-Instrumente, helfen sie bei der präzisen Bearbeitung der jeweiligen Sounds.

Auf der rechten Seite der Bedienoberfläche befindet sich der Bereich zur Steuerung von MIDI, Mixer, Setup und − ganz wichtig − der angewählten Plug-ins, in Form von sechs übersichtlich angeordneten Buttons. Gleich darunter liegt das auffällige multifunktionale Steuerelement, der 4-D-Encoder − eine gelungene Hybridsteuerung aus Joystick, Button und Endlos-Drehregler. Dieser hilft beim Navigieren durch sämtliche Menüs, stellt Parameter detailliert ein und leitet schnell durch sämtliche Browserfunktionen. Die im Farbdisplay angezeigten Bibliotheken aller KOMPLETE- und NKS-Plug-ins lassen sich mit ihm z. B. tagbasiert nach geeigneten Sounds durchforsten. Beim Browsen lassen sich die Presets so ganz unkompliziert vorhören, ganz ohne das gewünschte Plug-in erst komplett laden zu müssen. Es ist wirklich bemerkenswert, wie schnell man sich an diese innovative Steuerung gewöhnt und wie sicher man sich damit durch die Menüs bewegen kann.

Grandiose Aussichten: Zwei gut lesbare hochauflösende Farbdisplays zeigen jederzeit die wichtigsten Infos, Änderungen und Einstellungen an. Der Push-Encoder rechts ermöglicht so eine extrem intuitive Steuerung der wichtigsten Parameter. (Bild: Petia Chtarkova)

Der Knackpunkt vieler Keyboard-Controller ist oft das Keyboard selbst. Native Instruments hat hier eine sehr hochwertige Hammer-Action-Tastatur von Fatar mit 88 anschlagsdynamischen Tasten verbaut. Sie überträgt wirklich sehr nuanciert das, was gespielt wird. Ein tolles Klavier-ähnliches Spielgefühl und das Gefühl, alles genau steuern zu können (inkl. Aftertouch) sind die positive Folge. Laut Website des Herstellers sind die Smart-Spring-Technologie und eine Memory-Schaum-Dämpfung für dieses realistische Klavierspielgefühl verantwortlich. Wer es gewohnt ist, auf einer echten vollwertigen Klaviertastatur zu spielen, wird sich auf dem S88 sofort wohlfühlen.

Eine nicht zu unterschätzende Schnittstelle zur Unterstützung des Ausdrucks bei deinem Spiel stellen die Modulations-Controller dar. Das S88 verfügt über ergonomisch geformte, gummierte Pitch- und Modulations-Wheels sowie über einen berührungsempfindlichen Touch-Strip, um sich noch kreativer ausdrücken zu können. Dieser kann beispielsweise als Fader fungieren, um verschiedene Parameter in Echtzeit zu steuern – dabei behält er seine eingestellte Position auch nach dem Loslassen bei –, oder als Pitch-Wheel, in dieser Funktion eher einer Feder gleich, die beim Loslassen in die Ausgangsposition zurückspringt. All dies lässt sich natürlich detailliert in entsprechenden Menüs zuweisen und editieren. Gleich über der Wheel-Steuerungseinheit liegen noch drei nützliche Buttons: zwei, um die Tastatur jeweils um eine Oktave bzw. einen Halbtonschritt nach oben oder unten zu transponieren, und einer, um einen festen Velocity Wert von 127 einzustellen (sehr nützlich bei nicht anschlagsdynamischen Sounds bzw. dort, wo keine Anschlagsempfindlichkeit gewünscht ist).

Auf der Rückseite bietet der S88 alles, was man braucht, inkl. zweier Standard-Din-MIDI-Buchsen zum Anschluss von externem MIDI-Equipmen (Bild: Petia Chtarkova)

Auf der Rückseite befinden sich zwei Anschlüsse für Pedale: Pedal A und Pedal B. Diesen können sowohl Sustain-Pedalen als auch Schaltern/Tastern zugeordnet werden. Sie sind frei konfigurierbar und lassen sich sowohl als Sustain- wie auch als Expression-Pedal nutzen. Die USB-Buchse zur Kommunikation mit dem Rechner liegt gleich neben dem Anschluss für eine externe Stromversorgung in Form des mit – gelieferten Netzteils. Das S88 ist USB-Bus-powered, braucht also nicht unbedingt eine zusätzliche Stromzufuhr durch das Netzteil. Hier werden allerdings USB-Hubs ohne gesonderte Stromzufuhr nicht unterstützt. Also am besten schließt man das S88 direkt an einen USB-Anschluss (ab USB 2.0) des Rechners an. Zwei echte MIDI-Buchsen (die guten alten fünfpoligen) für MIDI-In und −Out gibt es zu meiner Freude ebenfalls.

Die Queen hält übrigens ihrerseits mit einer ganzen Gefolgschaft an treuen Helfern, in Form von Native Instruments Komplete 12 Select, Hof. 14 Top-Plug-ins, darunter Vintage Organs, Scarbee Mark1, Scarbee Rickenbaker Bass, Drumlab und Solid Bus Comp, bilden die Entourage der Queen − darunter auch der Monark-Synth, der »King of Analog«.

Fazit

Native Instrument hat mit dem Komplete Kontrol S88 ein echtes Instrument mit technisch hervorragend umgesetzten Controller-Funktionen geschaffen. Für unter 1.000 Euro ist die große Dame ihr Geld allemal wert. Eine klare Kaufempfehlung. Long live the Queen!


Hersteller/Vertrieb: Native Instruments GmbH
Internet: www.native-instruments.com/de
Preis: 999,− Euro
Unsere Meinung:

+ super bespielbare Fatar-Klaviatur mit 88 vollgewichteten Tasten mit Hammermechanik und Aftertouch
+ Steuerung komplexer technischer Vorgänge, ohne vom Musikmachen abzulenken
+ haptisch extrem ansprechend durch wertige Bauteile, zwei hochauflösende Farbdisplays
+ inkl. Native Instruments Komplete 12 Select zum Downloaden
+ sehr gutes Preis/Leistungs-Verhältnis

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hi!
    Welches Keybed (Marke/Type) ist hier eigentlich verbaut?

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    1. Hallo Martin,
      den kompletten Testbericht findest du in der Heftausgabe, darin steht auch welche Tastatur verbaut wurde. Den Link dazu findest du oben im Text.
      Lieben Gruß

      Auf diesen Kommentar antworten

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