Die Mini-Synthesizerburg

Mini-Synthesizer: Von Korg Mini bis Yamaha Reface

Von einigen Synthesizer-Liebhabern werden die Minis vielleicht noch immer als Spielzeug belächelt. Aber was mit dem MicroKorg begann, ist zu einem regelrechten Trend geworden. Und es ist erstaunlich, was die Synthi-Retrowelle inzwischen ausgelöst hat. Eine riesige Tastenburg lässt sich damit bauen − was für ein Spaß!

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Dieter Stork

Den Spaß hatten wir auf jeden Fall, denn wann hat man schon all die tollen Geräte zusammen? Als unsere kleine Keyboard-Burg wuchs, konnten wir schon mal so viel festhalten, dass trotz der großen Anzahl der Geräte diese Synthi-Burg sich immer noch als absolut transportabel bezeichnen lässt.

Mal ehrlich − wenn man sich Fotos aus Zeiten der Synthesizer-Pioniere wie Klaus Schulze, Tangerine Dream, Popul Vuuh, Kraftwerk, Keith Emerson und nicht zuletzt Wendy Carlos anschaut, wer gerät da nicht ins Schwärmen? Einmal in so einer Burg im Schneidersitz vor all den Knöpfen, Kabeln und Tasten, und dann seinen Ideen freien Lauf lassen. Mit Step-Sequenzern, Drum-Computern Grooves und Sequenzen bauen, Module patchen und dazu spielen.

Im Gegensatz zu einem All-in-one-Gerät, das sich immer gleich anfühlt, egal ob man einen Moog-Bass oder einen FM-Sound spielt, hat jeder kleine Synthi seine ganz eigene Charakteristik mit einem eigenen Sound: intuitiv Klänge schrauben − keine Menüs, keine versteckten Funktionen, die einen aus dem musikalischen Fluss bringen könnten. Sensationell!

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Dieter Stork
Kleiner Synth − großer, analoger Sound: Arturia MicroBrute

Das Tolle ist: Waren früher Beträge in Höhe eines Einfamilienhauses zu veranschlagen, kann man sich den Spaß heutzutage durchaus leisten. Man muss ja nicht gleich alles Mögliche an Geräten anhäufen, denn eine kleine, aber feine Auswahl tut’s ja unter Umständen auch schon. Für den Anfang sowieso. Den Aufbau eines neuen Setups sollte man ohnehin langsam angehen und sich immer dann etwas Neues zulegen, wenn man feststellt, dass einem tatsächlich etwas fehlt, um weiterzukommen − ein Rat, den vor allem Anfänger bei Modularsystemen beherzigen sollten. Am Ende verstrickt man sich nur, und das geht unnötig ins Geld und bringt einen musikalisch schon gar nicht weiter.

Im Land der Wellenformen. Nochmal zurück zum Vorurteil, Mini-Synthis wären eh nur Spielzeug. Ein Moog Mother-32 oder der MicroBrute sind sehr gute Beispiele dafür, dass man auf eines ganz sicher nicht verzichten muss: gute Soundeigenschaften! Die Geräte sind komplett analog aufgebaut und lassen sich hervorragend mit Eurorack-Modulen verknüpfen. Beide Synthesizer können ein Grundstein für ein großes Modular-System sein, und man wird lange Freude daran haben. Und wer sich mit den Geräten erst einmal auseinandersetzt, wird feststellen, welche tollen Möglichkeiten in ihnen schlummern − und welche analoge Power selbst ein Korg monotron entfachen kann, hat schon so manchen Skeptiker eines Besseren belehrt.

Retro, analog, digital, egal. Qualität wird z. B. auch bei den Yamaha Reface geboten, schon bei der Verarbeitung. Und was sich an FM-Sounds aus dem Reface DX herausholen lässt − Spielzeug fühlt und hört sich anders an. Retro hin oder her − eine positive Sache fällt auf, wenn man den Blick mal in die Runde schweifen lässt: Dank der unterschiedlichen Synthesekonzepte und Klangeigenschaften liegt die Kombination verschiedener Synthesizer auf der Hand. Damit verhält es sich ganz wie in den 60er- und 70er-Jahren: Ein Moog klingt anders als ein ARP, anders als ein Roland, anders als ein Korg. Ob puristisch analog von Korg bis Arturia, digitale Yamahas oder als Hybrid den Roland JD-Xi − man kann das Beste aus beiden Welten kombinieren, um seinen ganz individuellen Sound zu kreieren.

Pure analogue. Jüngster Spross dieser Familie ist der ARP Odyssee. Er versprüht Nostalgie mit allem, was dazu gehört. Das wirkt für die junge Generation vielleicht zunächst »antik«, ein paar Fader-Bewegungen später sieht die Sache aber schon anders aus. Letztendlich aber ein Instrument für Spezialisten und Liebhaber, denn er ist insgesamt wenig handlich und nicht gerade günstig.

Etwas preiswerter ist der Korg MS-20 mini: stecken, schrauben und das auf kleinstem Raum. Das sieht nach einer Menge Spaß aus. Gerade für jüngere Musiker oder Neueinsteiger könnte der MS-20 mini als analoger ein treuer Begleiter sein.

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Dieter Stork
Die muss man einfach lieb haben: Roland Boutique JU-06 (vorne), JX-03 (links) und JP-08 (ganz hinten).
Der Korg Minilogue ist ein Synthi, der genau in die Zeit passt: modernes Design, super einfache Bedienung, jede Menge Features, und als voll analoger Synth liegt das Teil mit vierstimmiger Polyfonie voll im Trend. Sehr brauchbar für Live-Gigs.

Arturia MicroBrute: Gute Güte! Das kommt dabei heraus, wenn alles, was das Herz begehrt, in einem Gehäuse steckt. Viel kann es nicht sein, wenn man zum ersten Mal die kompakten Maße unter dem Finger hat … könnte man meinen. Nach ersten Gehversuchen kommt da aber ein Sound aus der Kiste, der es in sich hat.

Digitale Remakes. Hier hat man Geräte vor sich, die von Anfang an klar machen, worauf es eben ankommt: auf den Spaß am Jammen. Batteriebetrieb und eingebaute Lautsprecher laden dazu ein, im Sommer auf einer Wiese einfach Spaß zu haben. Ob im Studio oder für die nächste unkomplizierte Bandprobe − mit den Yamaha Reface-Synthis liegt man immer richtig. Dabei sind unsere Favoriten der FM-Synthesizer Reface DX und die Orgel Reface YC.


№2/3 2017

  • Editorial
  • Facts & Storys
  • Modular Kolumne
  • Mit Mark Forster auf Tour
  • MANDO DIAO IM INTERVIEW
  • Amy Lives: Xanthoné Blacq
  • Ströme− Eurorack Clubbing
  • MARIO HAMMER & THE LONELY ROBOT
  • Peter Pichler: Bewahrer des Trautoniums
  • NONLINEAR LABS C15
  • AKAI MPC LIVE
  • GIPFELSTÜRMER: NOVATION PEAK
  • Auf Lichtung gesichtet: Bigfoot
  • Gute Vibes im Museum
  • DIE HOHNER-STORY
  • Transkription − Chuck Leavell: Song For Amy
  • Impressum
  • Inserenten, Händler
  • Das Letzte − Kolumne

Als Piano bietet das Reface CP vielleicht zu wenige Tasten, dennoch kann man damit kleine Gigs bestreiten − und über eine größere MIDI-Tastatur gespielt merkt man erst, wie gut diese Sounds sind. Beim Analog-Modeling-Synth Reface CS könnte man sich Speicherplätze wünschen, aber für straighte polyfone Analog-Sounds macht er einen guten Job.

Retro-Fans dürften bei den drei Synthis aus Rolands neuer Boutique-Serie in größte Verzückung geraten. Sie sind drei berühmten und stilprägenden Polysynths liebevoll nachempfunden, wie man aus den Typenbezeichnungen unschwer ablesen kann: Juno-06 (Juno- 106, siehe Vintage Park in dieser Ausgabe ab Seite 84), JP-08 (Jupiter-8) und JX-03 (JX-3P).

Pure digital. So ganz unvoreingenommen kann man sich den OP-1 von Teenage Engineering ja nicht anschauen, denn er sieht erst einmal tatsächlich nach Spielzeug aus − aber dann! So viel Minimalismus mit gleichzeitig unendlich vielen Möglichkeiten findet man selten. Dazu passt der OP-1 quasi in jede Tasche und ist immer mit dabei. Schade, dass der Preis relativ hoch ist.

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