Produkt: Keyboards 04/2019
Keyboards 04/2019
ANALOGUE WINTER +++ Moog Matriarch +++ Doug Carn +++ NOVATION SUMMIT – Hybrider Polysynth +++ METRONOMY – Frontmann Joe Mount +++ ERICA SYNTHS PICO SYSTEM III – Modulares Komplettpaket
Quadratisch, praktisch, gut

Mini-PA BOB 10A/4 von Omnitronic im Test

(Bild: Dieter Stork)

Bob! Was ist das eigentlich für ein Name für eine PA?! Klingt irgendwie halbwüchsig, pummelig und alles andere als für »echte Männer-Konzerte« gemacht. Der Clou ist: Das will sie auch gar nicht − im Gegenteil, die Bob will vielmehr als handliche PA für den Kneipen-Gig punkten, und das schafft sie gar nicht mal schlecht.

Kleine Mini-PAs sprießen derzeit wie Pilze aus dem Boden, könnte man meinen. Aller Vermutung nach liegt das an den Neodym-Magneten, die erst seit relativ kurzer Zeit im großkommerziellen Stil in Lautsprechern verbaut werden, um diese kleiner, leichter und leistungsfähiger zu machen. Zum anderen liegt es aber sicher auch an dem noch viel kommerzielleren Bluetooth, mit dem gefühlt einfach jedes neumodische elektronische Gerät ausgestattet sein muss, sofern die Konstrukteure beabsichtigen, es auch zu verkaufen. Folglich bleibt auch keine Mini-PA ohne − und natürlich auch die Bob nicht. Und Bluetooth hat ja auch definitiv Vorteile: Wie oft hat man schon vergessen, das Klinke-Cinch-Kabel einzupacken, und muss dann nach ellenlangem Suchen oder Organisieren − wenn man überhaupt eins bekommt − auf ein 30 Jahre altes Kabel mit fragwürdiger Ummantelung und einem 0,12-mm-Querschnitt zurückgreifen? Vertrauenswürdig ist was anderes.

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Nun gut. Bluetooth ist schon mal mit an Bord. Fairerweise muss man hier gleich dazu sagen, dass Omnitronic im Gegensatz zu vielen anderen Mitstreitern für die Bob (noch) keine App konzipiert hat und somit auch keinen virtuellen Mixer, Effekte EQ oder andere Hilfsmittel bereitstellt. Möglich ist also nur das schlichte Verbinden über Bluetooth und somit Play, Pause, Lauter, Leiser. Da bieten andere mehr.

Doch kommen wir erstmal zur Optik und Haptik. Dass die Bob trotzdem ernstgenommen werden will, merkt und sieht man sofort. Z. B. an dem im Hoch- und Querformat stapelbaren Bass. Zudem ist der Bass mit seinen überschaubaren Maßen von 47 x 30 x 43 cm zwar noch immer handlich, bietet aber mit 17 kg auch schon ein kleines amtliches Gewicht. Das wirkt. Auch die Lackierung macht den Eindruck, dass sie einiges einstecken kann, ohne dass bei einer Karambolage mit dem nächsten Flightcase gleich weiße Kratzer entstehen.

Die Hochtöner mit dem 4″-Lautsprecher sehen auf konventionellen Stativen etwas verloren aus. Alternativ kann man sich mit einer Distanzstange helfen, die sich direkt auf den Bass schrauben lässt, oder man nutzt einfach die Mikrofonstative, die sonst nutzlos im Proberaum in der Ecke stehen − an der Unterseite des Hochtöners gibt’s dafür ein passendes Gewinde, sehr schön. Und Kneipenbesitzer werden die Satelliten ohnehin gleich fliegen − die passenden Bügel werden mitgeliefert.

Außerdem ist zu erwähnen, dass die Bob mit entsprechend vielen Satelliten als 2.1-, 4.1- und sogar als 8.1-System genutzt werden kann.

Die Lautstärke wird für Bass, links und rechts separat geregelt, was ein Nachregeln manchmal fummelig macht. (Bild: Dieter Stork)

Was lässt sich anschließen?

Die Bob-PA bietet neben dem offenbar untötbaren Cinch lediglich zwei Kombibuchsen, also Klinke und XLR, als Line-Stereo-Input an. Auf Mikrofon- oder Instrumenten-Input muss man hier verzichten. Über den Line-Out lässt sich das Stereosignal zur nächsten Bob durchschleifen, oder er gibt das Signal an eine »richtige« PA weiter; so kann man die Bob z. B. auch als Sidefill nutzen. Für den Alleinunterhalter, das Duo oder Trio ist also in jedem Fall ein Pult in passender Größe Pflicht. Die beigelegten Lautsprecherkabel werden mit 3 m sicher nicht immer ausreichend lang sein. Hier besser noch eins mitordern.

Und wie klingt‘s?

Die Bob bietet einen weniger badewannenförmigen Sound als viele ihrer Kontrahenten, was mir persönlich gut gefällt. Aus ihr kommt also eher ein ehrlicher Sound, der weniger mit übermäßig viel Bass über fehlende Mitten hinwegtäuschen will. Schwächen werden erst bei lauteren Pegeln und dann in den Höhen deutlich. Bis zu einem mittleren Pegel bleibt aber noch alles im grünen Bereich. Wenn jemand doch etwas mehr Bass will, der kann entweder an seinem Pult entsprechend eingreifen, den Bass separat in der Lautstärke regeln, oder zu einem der vier zur Verfügung stehenden Grundsounds wechseln − im Angebot sind hier Speach, DJ, Live und Flat. Während sich Live und Flat nur marginal unterscheiden, bietet DJ mehr Bass und etwas weniger Mitten. Speach hingegen ist − wer ahnt es? − für reine Sprachübertragung ausgelegt und für Musik nicht geeignet, da hier fast der komplette Bass weggefiltert wird.

Fazit

Omnitronic bietet mit der Bob sowohl Alleinunterhaltern als auch kleineren und nicht allzu lauten Bands eine eher traditionelle, wenn auch komfortable Lösung, mit der Pflicht zum externen Pult. Die Bluetooth-Funktion ist rudimentär, aber für den zuverlässigeren Betrieb ist mir ein (nicht 30 Jahre altes) Kabel ohnehin lieber. Die Bob will über nichts hinwegtäuschen und hält, was sie verspricht. Der Klang ist gut, sie ist flexibel in der Erweiterung und im Aufbau, nicht zu schwer und mit 399 Euro nicht zu billig.


Hersteller/Vertrieb: Omnitronic / Steinigke
Internet: www.steinigke.de

Unsere Meinung:
+ robuste Verarbeitung
+ fairer Preis
+ gescheiter Klang

− kein virtuelles (Not-)Mischpult
− kein Instrumenten- oder Mikrofon-Eingang

Produkt: Keyboards 03/2019
Keyboards 03/2019
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