Modular Elements – Part 1

Modular Elements: MIDI-zu-CV: Mutable Instruments Yarns

(Bild: Foto: Mutable Instruments)

Wenn man in die Welt der Modular Synthesizer eintaucht, möchte man sein System früher oder später sicherlich auch in seine restliche Studioumgebung einbinden, mit seiner DAW synchronisieren, über ein MIDI Keyboard anspielen oder sonst mit der Aussenwelt kommunizieren lassen.

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Da sich mein MIDI to CV Wandler vor Kurzem verabschiedet hatte, war ich gezwungenermaßen selbst wieder auf der Suche nach einer Alternative und informierte mich zunächst im Netz, welche Module mit MIDI-Schnittstelle es aktuell auf dem Markt gibt. Unter all den Anbietern wie Doepfer, Vermona, Befaco, Synthrotek und Analogue Systems stach mir das Yarns Modul von Mutable Instruments aus Frankreich ins Auge, ein bis zu vierfach polyfones MIDI Interface mit spannenden Zusatzfunktionen.

Im Detail

Analog zu anderen Modul-Modellen von Mutable Instruments präsentiert sich auch das Yarns stilsicher mit silberner Frontplatte und türkis, pink, weiß und schwarzen Reglern und Beschriftungen.

Die Bedienoberfläche ist simpel und selbsterklärend strukturiert. Die MIDI-In- und -Out-Buchsen befinden sich im linken unteren Eck des Moduls, dort wo sie einem auch selten in die Quere kommen. Rechts daneben lassen sich in zwei Reihen acht Buchsen finden, von denen die ersten vier Steuerspannungen (CVs) ausgeben, darunter allen voran Note CVs, Velocity CVs, Modulation CVs sowie selbst zuweisbare CVs.

Die zweite Reihe ist mit Gate/Trig betitelt und gibt dementsprechend Gate-, Trigger- als auch MIDI Clock- und MIDI Start-Signale aus. Wie genau die Buchsen belegt sind hängt vom ausgewählten Layout ab.

(Bild: Foto: Mutable Instruments)

Die Layouts des Yarns – von monofon zu polyfon und darüber hinaus

Wie auch bei anderen Modulen von Mutable Instruments befindet sich oben auf der Frontplatte ein Display samt zugehörigem Drehregler, mit dem man eine ganze Reihe an Zusatzfeatures aktivieren und deaktivieren, editieren und seine Settings anschließend auch abspeichern und wieder aufrufen kann.

So auch das gewünschte Layout, der erste Menüpunkt im oben erwähnten Display. Hier kann man zwischen diversen Operationsmodi des Yarns Modul umschalten, darunter zum Beispiel 1M, das für einfach monofon oder einstimmig steht. Das Yarns Modul stellt sich also auf eine monofone MIDI Quelle ein und gibt an den acht Buchsen folgende Signale aus: 1V/Oct Note CV, Velocity CV, Modulation CV und Aftertouch sowie Gate-, Trigger-, MIDI Clock- und MIDI Start-Signale.

Bei den zweifach und vierfach monofonen Layouts 2M und 4M kann man Yarns entsprechend über zwei oder vier MIDI Kanäle anspielen und diese einzelnen Stimmen, die innerhalb Yarns in sogenannte Parts gepackt werden, anschließend unabhängig voneinander editieren.

Ein Beispiel: man spielt Yarns über die zwei MIDI Kanäle 3 und 4 an und wählt hierfür das Layout 2M im Menü aus. Die Belegung der Buchsen sieht nun wie folgt aus: Note CV 1, Note CV 2 mit jeweils dazugehörigem Gate 1 und Gate 2, einer Modulation CV, einer zuweisbaren CV sowie einer Buchse, die MIDI Clock- und einer die MIDI Start-Signale ausgibt. Im nächsten Schritt kann man nun beide Parts im Menü einzeln anwählen und bearbeiten. Bei Part 1, der in diesem Beispiel über MIDI Kanal 3 ankommt, wird der interne Arpeggiator aktiviert, während er bei Part 2, der über MIDI Kanal 4 ankommt, deaktiviert bleibt. Oder alternativ ein anderes Arpeggiator Pattern verpasst bekommt. Die CVs und Gate Signale von Part 1 können des Weiteren von einem anderen externen Modul wie zum Beispiel dem Telharmonic in ein Audiosignal umgewandelt werden, während Part 2 vom internen Oszillator des Yarns ausgegeben werden kann. Eine flexible und praktische Struktur, die leicht zu bedienen ist, wenn man sich die Bezeichnungen wie Layout und Part innerhalb des Moduls zu eigen gemacht hat.

(Bild: Grafik: Mutable Instruments)

In den polyfonen Layouts 2P und 4P kommen nun alle Stimmen über denselben MIDI Kanal an, werden anschließend alle in einen „Part“ gepackt und sind somit nicht einzeln editierbar. Wenn man den Arpeggiator aktiviert, dann wirkt er auf das Gesamtsignal beziehungsweise Part ein. In diesen Layouts kann man beispielsweise Akkorde schön umsetzen, da man für die einzelnen Noten normalerweise keine separaten Einstellungsmöglichkeiten braucht, sondern den Klang im Gesamten bearbeiten möchte.

Und auch hier ändert sich dementsprechend wieder die Belegung der Buchsen: beim Layout 4P zum Beispiel gibt die erste Reihe Tonhöhen CVs 1-4 aus und die zweite Reihe die entsprechenden Gates 1-4.

Weitere Layouts, die sich im Menü finden lassen, sind der Quad Trigger oder kurz 4T Modus, der vier Trigger Signale für perkussive und Drum-lastige Patches ausgibt, und die Polychaining Modi 2>, 4> und 8>. Bei diesen duo-, quadro- und octofonen Layouts wird allerdings nur die erste Hälfte der Stimmen von Yarns verarbeitet und an den entsprechenden Buchsen ausgegeben, während die andere Hälfte an der MIDI Out Buchse als MIDI Note On / Off Messages anliegt, um sie an weitere MIDI-fähige Instrumente im Setup weiterzuleiten.

All die verschiedenen Layouts mögen auf den ersten Blick verwirrend wirken, sind im praktischen Gebrauch aber schnell verinnerlicht und machen das Yarns Modul zu einem flexibel einsetzbaren Übersetzer zwischen MIDI und modularer Welt.

(Bild: Foto: Mutable Instruments)

In den Tiefen des Yarns – die Zusatzfunktionen

Im Menü des Yarns lassen sich noch viele weitere nützliche Features finden, die in aller Ausführlichkeit im Online Manual aufgelistet sind. Erwähnt seien hier noch die verschiedenen Stimmverteilungsmethoden, die bei den polyfonen Layouts Anwendung finden, diverse Einstellungsmöglichkeiten zur Notenpriorisierung, Portamento, Transponierung, Microtunings, Vibrato, verschiedene MIDI Output Modi, Pitchbend und die Möglichkeit alle Settings auf bis zu acht Memory Slots abspeichern und wieder aufrufen zu können.

Spannend ist darüber hinaus der interne Arpeggiator, den man in jedem Rack gut gebrauchen kann, und der mit diversen Presetpattern und sonstigen Einstellungsmöglichkeiten wie beispielsweise zur Gatelänge versehen ist. Darüber hinaus hat Entwickler Olivier Gillet dem Yarns Modul noch einen euklidischen Pattern Generator sowie einen 64 Noten Step-Sequenzer im SH-101 Stil spendiert, der, wie auch alle anderen Features, auf jeden Part einzeln angewendet werden kann. Die drei Taster Rec, Start/Stop und Tap unter dem Display dienen der Programmierung des Sequenzers. Man kann Melodien mit einem externen Keyboard einspielen oder die einzelnen Töne step-weise im Menü eingeben. Möglich sind hier natürlich auch die Optionen Tie und Rest, also den letzten Ton auf zwei oder mehr Steps zu verlängern oder eine Pause einzufügen.

Nicht zuletzt beherbergt Yarns noch einen Audio Output Modus, in dem man bis zu vier CV Ausgänge in Oszillatoren umwandeln und sich zwischen den Wellenformen Sinus, Rechteck, Nadelimpuls, Dreieck, Sägezahn und Rauschen entscheiden kann. Somit wird das Modul zu einem Allrounder, der einem viele praktische und nützliche Features bietet, die in einem intuitiv bedienbaren Interface verpackt sind.

Fazit

Das Yarns Modul von Mutable Instruments kann deutlich mehr als es zunächst den Anschein macht. Es ist übersichtlich und eingängig strukturiert, die Bedienung geht leicht von der Hand, man weiß relativ schnell wo was hingehört. Ein großer Vorteil ist die flexible Struktur des Moduls, die es einem erlaubt je nach Anwendung die Ausgangs-Buchsen unterschiedlich zu belegen. Sei es für den monofonen Betrieb über ein, zwei oder vier MIDI Kanäle mit Einstellungsmöglichkeiten für jeden einzelnen Part oder im polyfonen Modus über einen Kanal für ein einheitlicheres Klangbild. Oder auch für Anwendungen die vorrangig Trigger benötigen, also perkussive, rhythmisch betonte Patches oder alternativ Situationen und Setups, in denen man manche Signale über den MIDI Out Port an weitere MIDI-fähige Instrumente schicken möchte. Hierfür muss man sich zunächst mit den Begrifflichkeiten der Yarns Architektur auseinandersetzen, um es sinnvoll bedienen zu können. Aber die Mühe lohnt.

(Bild: Foto: Martha Plachetka)

Ein weiterer Vorteil des Yarns Moduls im Vergleich zu anderen Geräten ist der integrierte Step-Sequenzer, euklidische Pattern Generator und Arpeggiator, die sich einfach bedienen und editieren lassen, ebenso wie der Audio Output Modus, der einem bis zu vier Oszillatoren zur Verfügung stellt.

Zudem ist das Modul, wie auch alle anderen Geräte von Mutable Instruments, Open Source und ließe sich dementsprechend erweitern, umprogrammieren oder auch nachbauen.

Für welches Modul man sich letztendlich entscheidet, hängt sicherlich von den persönlichen Vorlieben, dem gewünschten Workflow und auch davon ab, welche Funktionen man in seinem Eurorack noch gerne integrieren möchte.

Alles in allem ist das knapp 300 Euro teure Yarns jedoch ein gut durchdachtes Modul, das ich sowohl Anfängern als auch erfahrenen Usern guten Gewissens empfehlen kann.

PS: Wer sich noch weiter umsehen möchte seien folgende Alternativen empfohlen: Quad MIDI Interface von Vermona, A-190-4 von Doepfer, Duophonic MIDI/CV Interface von Erica Synths, Alpha von Dreadbox und nicht zuletzt der beliebte, aber externe Beatstep Pro von Arturia.

 

Zu zweiten Teil der Modular Elements Reihe geht’s hier entlang: Modular Elements: Amplitude & Tone Controller – Verbos Electronics

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hi, super du hast das Teil verstanden 🙂 …ich lese diesen Bericht weil ich seit Monaten es nicht kapiere …also was R1,R2,R3,R4 bedeutet konnte ich nicht herausfinden…aber schlimmer ist das ich den euklidischen Sequenzer nicht auf die 4 Gate Ausgänge bekomme… ich blicke das teil einfach nicht …auch mit Bedienungsanleitung und Videos …oh man … stelle ich 4 M ein müsste ich doch mit PA den Part aussuchen können und dann da verschiedene Rhythmen abspielen können… eigentlich schaffe ich es nur ne Midi Sequenz bei 1M anzulegen und die abzuspielen… peinlich … lg tom

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    1. Hi Thomas,
      das Modul ist aber auch etwas kompliziert, wenn man ein paar mehr Funktionen benutzen möchte.. cool, das du ein wenig tiefer einsteigen möchtest 😉
      Die Sequenzen R1 bis R4 (vom internen Step Sequenzer) entsprechen den jeweiligen Parts im ausgewählten Layout. Wenn du das Layout 4M ausgesucht hast, gibt es für jeden der 4 Parts auch genau eine Sequenz (=R bzw. Rec), die du aufnehmen oder einprogrammieren kannst. 2M hat dementsprechend zB auch nur 2 Sequenzen zur Verfügung.
      Und zum euklidischen Sequenzer: der ist an den Arpeggiator gekoppelt. Du musst also den Arpeggiator erstmal aktivieren (von 0 auf 1 stellen). Dann kannst du mit den Funktionen Euclidian Lenght / Euclidian Fill / Euclidian Rotate deine Rhythmen so einstellen, wie du sie haben möchtest. Das musst du dann allerdings für alle 4 Parts im 4M Layout separat einstellen. Um das Ganze dann zum Laufen zu bringen braucht Yarns entweder eine eingehende MIDI Note (über den MIDI In Port) oder du drückst die Start / Stop Taste unter dem Display, um die interne Clock von Yarns zu aktivieren.
      Ich hoffe ich konnte dir damit weiterhelfen, sag gern Bescheid falls du noch Fragen hast.
      Oszillierende Grüsse, Martha

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