Aber nicht das Haus damit einreißen!

Mackie SRM550 Aktives PA-System im Test

Die Headline war ein augenzwinkernder Sidekick meines UPS-Fahrers, als er mir diese zwei 1.600 Watt starken Mackie PA-Allzweckwaffen vor die Tür stellte. Dabei sind die SRM550 doch schon die kleinsten Modelle, die der Hersteller aus Woodinville in seiner aktiven PA-Reihe im Angebot hat …

(Bild: Dieter Stork)

Mit der aktuellen SRM-Reihe (SRM550, -650 und -1850) steht nun die neuste PA-Generation des Herstellers Mackie ins Haus. Neben deutlich aufgebohrter Leistung liefert das Re-Design aber auch ein paar technische Finessen, die das musikalische Live-Geschehen zusätzlich erleichtern sollen. Dann wollen wir mal sehen, wie sich das neue Gig-Kraftpaket SRM550 in der Praxis anstellt.

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Bye-bye Kunststoff

Was waren wir glücklich mit den schönen leichten PA-Gehäusen aus Polypropylen! Mal im Ernst: Waren wir das wirklich? Mackie findet zumindest mit seinem aktuellen PA-Lineup wieder zurück zum Baustoff Holz. Neben einer robusten und „quietschfreien“ Konstruktion bietet der verwendete 15 mm starke Pappelkorpus aber auch klangliche Vorzüge. Zum Schutz vor Macken ist das Äußere im Fall der SRM 550 überdies mit einer extra harten Strukturlack-Oberfläche versehen.

Auch sonst erweckt die Box den Anschein, als dürfte man sie durchaus auch mal ein wenig härter anpacken. Mit knapp 17 kg Lebendgewicht ist Mackies Kleinste im Übrigen trotz Kunststoffverzicht sogar um lockere 6 Kilo leichter als der Vorgänger SRM450, und das bei quasi verdoppelter RMS Leistung. Respekt!

Drum und dran

Das im Spitzenwert mit 1.600 Watt dotierte Fullrange-System schöpft seine Kraft aus zwei integrierten Class-D-Verstärkereinheiten, welche dank Konvektionskühlung komplett ohne Lüfter und die meist damit verbundenen Nebengeräusche auskommen. Jeweils 400 Watt RMS-Leistung (800 Peak) verteilen sich auf einen 1,4″ Titan-Tweeter und den zugehörigen 12″ Tiefton-Antagonisten mit Ferritmagnet. Die SRM550 agiert in einem Frequenzspektrum von 49 Hz – 20 kHz bei einem respektablen Maximalschalldruckpegel von 132 dB.

Auf der Rückseite wartet das System neben einem zweikanaligen Mischer, der sich über den Anschluss von Mikrofonen oder Line-Signalen (dank Hi- bzw. Wide-Z sind auch hochohmige Gitarrensignale willkommen) freut, noch mit einer Handvoll Besonderheiten auf. So lässt sich der obligatorische Thru-Ausgang wahlweise mit dem Gesamtmix oder lediglich dem an der Combo-Buchse von Kanal 1 anliegenden Signal beschicken, was eine vielfache Verwendung im Verbund mit Mixern oder weitern PA-Systemen ermöglicht. Darüber hinaus verfügt die SRM550 über vier wählbare, DSP-gesteuerte Speaker-Modi (je nach Verwendungszweck), einem automatischen Feedback-Destroyer und „last but not least“ einer abschaltbaren Beleuchtung des kleinen, grünen, rennenden Männleins auf der Frontseite.

Wer spielt mit?

Mackies SRM550-System lässt sich je nach Einsatzauftrag hängend via dreier M10- Flugpunkte (zwei oben einer hinten), liegend (als Stagemonitor) oder klassisch geflanscht auf einem handelsüblichen Boxenstativ installieren. Als etwas gewöhnungsbedürftig entpuppen sich beim Aufbau die rechts und links eingelassenen Griffe, die einen komfortablen Transport eigentlich nur in der Waagerechten erlauben. Hier hätte ich mir wirklich zumindest noch einen zusätzlichen Top-Griff gewünscht.

Im werksseitig voreingestellten PA-Modus liefert die SRM550 einen druckvollen und in Richtung linear tendierenden Sound mit einem Spritzer Hi-Fi-Flair. Im Tieftonbereich zeichnet die Box klar definierte und stramme Bässe ohne undurchsichtige Matschpfützen, während das ausgewogene Frequenzmittelfeld durch ein brillantes und klar abbildendes Top-End ergänzt wird. Der alternativ auswählbare DJ-Modus zaubert der SRM550 per EQ-Preset mit Bass- und Höhenanhebung ein partytaugliches, breites Lächeln ins Gesicht.

Eine rein zweckmäßig eingerichtete Einstellung stellt der sich anreihende Monitor-Mode dar. Wird dieser aktiviert, führt das zu einer augenblicklichen Absenkung aller in puncto Feedback brenzligen Frequenzbereiche. Das bedeutet im Einzelnen eine sorgfältig gewählte Kombi aus deutlichem Low-Cut und einer Absenkung im Bereich um 2 kHz, um im Monitorbetrieb einen höchst möglichen Pegel ohne lästiges Pfeifen zu gewährleisten.

Modus Nummer 4 führt zu einer speziellen, stimmoptimierten EQ-Anpassung für Singer, Songwriter und Solokünstler. Neben einem Low-Cut gegen Trittschall bietet der Solo-Mode nämlich vor allem eine gelungene Anhebung der stimmrelevanten Mitten und Höhenanteile, welches sich in der Praxis durch jede Menge schönfärbenden „Sparkle & Shine“- Effekt auswirkt.

Als wirklich praktisch erweist sich im Übrigen auch der integrierte Feedback-Destroyer, der sich auf Knopfdruck sofort auf die Suche nach unschönen Frequenzen begibt und diese entschärft. Aller Skepsis, die man One-Button-Lösungen entgegen bringen mag, zum Trotz arbeitet das automatische Anti-Feedbacksystem ausgesprochen verlässlich. Daumen hoch!

Abschließendes

Die Mackie SRM550 steht als waschechtes Arbeitstier mit einem klaren Fokus auf Klang- und Verarbeitungsqualität evolutionär ganz klar in der Tradition der vielgelobten Vorgängerserien. Auch wenn es im oberflächlichen Vergleich heutzutage sicherlich günstigere PA-Systeme gibt, stechen die Mackie-Lautsprecher in Sachen Qualität und Funktionsumfang doch weiterhin deutlich aus der Masse der Mitbewerber heraus. Und rechnet man den aktuellen Straßenpreis einmal gegen die Leistung auf, kommt man noch nicht mal auf 50 Cent pro Watt – wenn das mal kein gutes Preis/Leistungs-Verhältnis ist.


Hersteller/Vertrieb: Loud Technologies/ Comline

Internet: www.mackie.com / www.comline-audio.de

UvP/Straßenpreis: 831,— / ca. 690,—

+ gute Verarbeitung

+ Sound

+ Funktionalität

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