The Stage is Yours!

Korg Grandstage im Test

Korg Grandstage
(Bild: Dieter Stork)

Ein von Live-Musikern immer wieder geäußerter Kritikpunkt bei Stagepianos war in jüngerer Vergangenheit mitunter die Tatsache, dass die Bedienbarkeit von Bühneninstrumenten hinter der implementierten Fülle des technisch Möglichen meist eklatant zurückstand. Mittlerweile ist dies auch zu den Herstellern durchgesickert, und so präsentiert sich die neuste Generation von Stage-affinen Pianolösungen in praxisgerechter Schlichtheit − ohne dass dies auf die inneren Werte abfärben würde.

Das Abschneiden alter Zöpfe ist auch im Bereich Stagepianos ein heikles Thema. Vor allem die zweite Hälfte dieses Wortes steht seit Jahr und Tag für Tradition und unverrückbare Verhältnisse. Über die Jahre wurden die Stimmen vieler Profis allerdings lauter, die im Kontrast zum technischen Machbarkeitswettbewerb nach einem Bühnenwerkzeug verlangten, welches sich einer neuen puristischen Simplizität verschreibt. Ein Hersteller aus dem hohen Norden erhob diese Maxime für seine feurig-rote Flotte schon vor Jahren und sicherte sich so mit seinem Konzept einen dauerhaften Platz im Herzen vieler Live-Keyboarder sowie im ewigen Hardware-Olymp.

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Doch auch andere Hersteller haben ihr Ohr in jüngster Zeit verstärkt auf die Schienen des vor sich hin ratternden Zeitgeschehens gelegt. Auch wenn die Möglichkeiten eines Korg Kronos oder Yamaha Montage mit ihren unfassbar mächtigen Ausstattungen fast keine Wünsche mehr offen zu lassen scheinen, sind diese Maschinen doch exakt das Gegenteil eines intuitiven und puristischen Bühneninstruments.

So ließ bereits die Ankündigung des Herstellers Korg auf der diesjährigen NAMM Show im besonderen Maße aufhorchen, denn mit dem Grandstage stellte man dem Vintage-Sound-Spezialisten SV-1 einen universal ausgerichteten, aber dennoch schlicht gehaltenen Kollegen an die Seite.

Korg Grandstage
Das Grandstage wird mit einem robusten und standsicheren Stativ ausgeliefert. (Bild: Dieter Stork)

Korg Grandstage

Mit dem edel anmutenden Grandstage will Korg Livemusikern nicht weniger an die Hand geben als das Nonplusultra eines Stagepianos. Große Worte − aber was heißt das jetzt konkret für den Nutzer des Geräts? Im neuen Bühnenpiano-Konzept integrierten die Ingenieure insgesamt schon einmal sieben Syntheseformen, von denen fünf direkt aus dem etablierten Workstation-Flaggschiff des Unternehmens stammen. Im Einzelnen sind das die Akustik-Piano-Engine SGX-2, die E-Piano-Klangerzeugung EP-1, die Hammond-Simulation CX-3, die virtuelle Synth-Umgebung AL-1 sowie die für alles Übrige verantwortliche PCM-Engine HD-1. Mit Compact und Vox sind zudem noch eine Farfisa-Orgel sowie ein erster Ausblick auf die bereits angekündigte rote Vox-Continental-Reissue exklusiv integriert.

Dieses vollmundige Versprechen bleibt bei genauerer Betrachtung aber leider schon direkt hinter den geweckten Erwartungen zurück. Denn ungeachtet der Klangqualität steht dem User bis auf einen spartanischen EQ und eine Effektsektion keine Option für einen weiterreichenden Einfluss auf den Klang zur Verfügung, d. h., das Grandstage ist ein reiner ROMpler. Warum noch nicht einmal die Möglichkeit integriert wurde, Sounds per PC/Mac-Editor oder Tablet-basiert zu bearbeiten, ist mir bei einem Instrument dieser Preisklasse wirklich schleierhaft.

Klanglich kann das Grandstage vor allem mit seinen akustischen Pianos und E-Pianos überzeugen, von denen die meisten neben einer Stereo-Fassung auch in einer durchsetzungsfähigen Mono-Version vorliegen. Bei den für sich genommen wirklich hochwertigen Orgelsounds vermisst man allerdings schmerzlich eine Zugriegel- oder Register-Funktion, darüber kann auch ein per Pitch-Wheel aktivierbares virtuelles Leslie-Kabinett nicht hinwegtrösten.

Was die Bedienung anbelangt, werden die Erwartungen jedoch glücklicherweise mehr als erfüllt. Sehr schön gefallen mir die beiden, jeweils mit einem messerschaffen OLED-Display (Mono- und Minilogue lassen grüßen) ausgestatteten Sektionen Ensemble und Keyboards.

Bei der Soundauswahl bedient sich Korg eines weiteren beliebten Konzepts, das viele noch vom MicroKorg kennen dürften. Bei Auswahl der gewünschten von acht Rubriken lässt sich die Instrumenten-Kategorie mit einem zweiten, »Variation« genannten Poti nach dem individuellen Traumsound durchforsten. Die Auswahl ist mit 500 Presets ausreichend umfangreich, wobei der klangliche Schwerpunkt klar im Spielfeld der A- und E-Pianos und Orgeln liegt. Das Erzeugen von Layern ist durch simples dazu-aktivieren der Ensemble-Bank realisiert, wobei alternativ selbstverständlich auch das Setzen eines klassischen Split-Punkts möglich ist. Auch wenn das simple On/Off-Schalten einer Klangquelle besonders für Kenner skandinavischer Bühnenlösungen keine große Neuerung darstellen dürfte, setzt Korg mit diesem Konzept auf die exakt richtige Lösung.

Ebenfalls ein cleverer Schachzug ist die stufenlose Regelung der dynamischen Ansprache per Poti sowie die Integration eines Fader-EQs, der vielen gefallen dürfte. Warum dem gemeinen Pianisten allerdings nicht mehr als ein 3-Band-Equalizer zugemutet werden kann, bleibt im zur Gehäusefarbe passenden Dunklen verborgen. Ein weiterer klassischer Bedienkomfort-Ansatz, der seine Berechtigung noch lange verteidigen wird, ist die Möglichkeit im Falle des Grandstage, über eine traditionelle, zweireihige 8er-Button-Matrix bis zu 64 Favoriten abzuspeichern (die vorhandenen 32 Werks-Presets können natürlich überschrieben werden).

Nord Stage 3
(Bild: Dieter Stork)

Hier geht’s zum Testbericht vom Clavia Nord Stage 3

Yamaha MX88
(Bild: Dieter Stork)

Hier geht’s zum Testbericht vom Yamaha MX88

Bei der RH-3-Tastatur handelt es sich im Übrigen um einen alten Bekannten aus japanischer Fertigung, der sich bereits durch seinen Einsatz im Kronos 88 bewähren durfte. Auf eine Aftertouch-Funktionalität der graduierten Klaviatur wurde beim Grandstage jedoch verzichtet.

Als ein weiteres Vorzeige-Feature kristallisiert sich außerdem die allgemeine Beleuchtung des Instruments heraus. Damit meine ich in erster Linie nicht das hinterleuchtete Korg-Logo auf der Rückseite, welches in Weiß, Wechselfarben und als rudimentäre Lichtorgel betrieben werden kann, sondern vor allem die den elementaren Potis zugeordneten roten LED-Kränze, die sich auch noch in der dunkelsten Bühnenecke vorbildlich bedienen lassen. Ebenfalls für sinnvoll erachte ich die Möglichkeit, das komplette Panel per Panel-Lock-Taster vor ungewollten Änderungen zu schützen. So lassen sich unbeabsichtigte Setup-Modifikationen in der Pause zwischen Soundcheck und Show effektiv ausschließen.

Das Grandstage ist in einer 88er und in einer kompakteren 73er-Version ab rund 2.500,− Euro zu haben.

+++ Gute A- und E-Piano Sounds

+++ Sinnige Bedienung

++ stufenlose Regelung der dynamischen Ansprache per Poti

++ 500 Presets

– keine Zugregister für Orgelsound

– kein Aftertouch

– – Bietet zur Klangbearbeitung nur 3-Band EQ und Effektsektion, auch nicht per PC/Mac.

Korg Grandstage
Spielerei und geschicktes Bühnenmarketing: das Logo, dessen Beleuchtung auch dynamisch über das eigene Spiel gesteuert werden kann. (Bild: Dieter Stork)

 

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