Gutes auf die Ohren

Kopfhörer für Digitalpianos

Spielen und üben zu jeder Tages- und Nachtzeit, ohne Mitbewohner und Nachbarn zu stören … einer der großen Vorteile von Digitalpianos ist ohne Zweifel die Möglichkeit, über Kopfhörer zu spielen. Außerdem ist es natürlich ein Genuss, denn selbst die preiswerten Digitalpianos lassen im Kopfhörer die Simulation des Konzertflügels deutlich plastischer klingen als über die eingebauten Lautsprecher.

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(Bild: Dieter Stork, Archiv)

Im krassen Gegensatz zum gewünschten Klangideal steht oft die Wahl des Kopfhörers, denn vielen scheint irgendein Kopfhörer völlig auszureichen. Sogar Billigware findet man immer wieder auf den Instrumenten vor. Dabei macht die Wahl der richtigen Headphones sehr viel aus, und dabei geht es gar nicht mal nur um klangliche Aspekte. Wie man den richtigen Kopfhörer für sein Digitalpiano findet und auf welche Kriterien es ankommt, zeigt unser kleiner Headphone-Guide …

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Guter Sound kostet eben.

Stimmt, aber man muss ja nicht gleich die teuersten Geräte kaufen. Überhaupt sollte der Kopfhörer natürlich auch zum Instrument passen. So manche High-End-Kopfhörer kosten unter Umständen ein Vielfaches vom Preis eines Einsteigerinstruments. Empfehlenswert sind trotzdem Studiokopfhörer der gehobenen Qualität − ca. 60 Euro sollte man auf jeden Fall anlegen, gerne auch mehr, denn schließlich soll das Spielen Spaß machen: Wir wollen eine brillante Höhenwiedergabe und satte Bässe sowie klare, aber nicht überpräsente Mitten. Damit man beherzt auch mal in die Tasten hauen kann, sollte der Kopfhörer nicht gleich schlapp machen oder gar zerren.

Am besten probiert man beim Händler eine kleine Auswahl direkt an einem guten Digitalpiano aus. Wer seinen eigenen Kopfhörer mitbringt, kann so den direkten Vergleich machen und wird unter Umständen aus allen Wolken fallen. Denn wer mal über richtig gute Kopfhörer spielt, wird den Qualitätssprung sofort feststellen.

Tragekomfort ist wichtig! Bereits ohne auch nur einen Sound gehört zu haben, kann man die Qualität guter Kopfhörer sofort spüren. Wer viel mit Kopfhörer spielen möchte oder muss, sollte das Qualitätsmerkmal »Tragekomfort« nicht unterschätzen, denn je besser der Kopfhörer sich anfühlt, desto länger mag man ihn tragen. Darum ist es so wichtig, den Kopfhörer auf optimalen Sitz hin zu checken: Schmiegen sich die Ohrmuscheln sanft der Kopfform an, oder drücken die Polster auf dem Ohr? Ist die Spannung des Tragebügels zu hoch, und lässt sich dies anpassen? Liegen die Ohrmuscheln sicher auf, oder verrutschen sie eher bei jeder Kopfbewegung? Der Kopfhörer soll gut aufliegen und sich dabei vor allem leicht anfühlen.

Guter Sitz ist auch wichtig, damit der Kopfhörer seinen Klang optimal entfalten kann. Generell unterscheidet man zwischen ohraufliegenden (»supra-aural«) und ohrumschließenden Kopfhörern (»circum-aural«). Tendenziell bevorzugen die meisten Anwender Kopfhörer, die nicht auf den Ohren aufliegen, sondern diese mit einem gepolsterten Ring umschließen, weil so kein Druck auf die Lauscher ausgeübt wird. Ohraufliegende Modelle bieten Vorteile, wenn Portabilität eine Rolle spielt, denn sie sind meist deutlich kompakter; manche Modelle wie der beliebte Sony MDR- 7506 lassen sich sogar zusammenfalten.

Ohrhörer (»ear buds«), die man ins Ohr steckt (»intra-aural«), sind gut fürs Musikhören unterwegs, aber beim längeren Üben nicht unbedingt die erste Wahl; es sei denn, man gibt viel Geld für hochwertige Modelle (ab ca. 100 Euro) aus, denn sowohl klanglich als auch im Tragekomfort sind die preiswerten »Stöpsel« weniger gut − irgendwann schmerzt es dann schon in den Gehörgängen. Generell ein Problem sind bei In-Ears die etwas fummeligen Kabel − sie sind eben für den mobilen Gebrauch konzipiert: Meistens befinden sich Fernbedienungen und Klammern zur Befestigung an der Kleidung am Kabel, diese Dinge stören eher beim Klavierspielen. Eine passende Kabelverlängerung ist dann eine Lösung. In-Ears mit Multitreibertechnik bringen keine Vorteile, denn die Technik wird von Digitalpianos in der Regel nicht unterstützt.

Geschlossen, halboffen, offen.

Auch auf das Konzept der Kopfhörer sollte man durchaus einen Blick werfen. Sehr angenehm sind offene Systeme, denn sie bieten den besten Tragekomfort und liefern auch das natürlichste Klangbild. Offene Modelle sind daher erste Wahl für alle, die über längere Strecken mit Kopfhörer arbeiten müssen. Ein Nachteil kann hier sein, dass offene Modelle so viel Schall nach außen abgeben, dass man mit seinen Etüden doch jemandem auf die Nerven geht. Ebenso ist die Schalleinwirkung von außen relativ groß. Wer beim Üben mehr »Privatsphäre« wünscht, sollte sich nach einem geschlossenen oder halboffenen System umschauen. Ein für die meisten Anwendungen zufriedenstellender Kompromiss sind halboffene Kopfhörer. Sie bieten ordentlichen Tragekomfort, und die Isolation genügt.

Wie laut?

Die Hörlautstärke ist natürlich eine individuelle Sache, aber man soll grundsätzlich nie mit zu hohem Pegel hören. Vor allem, wenn man mal länger spielt, unterschätzt man die Lautstärke, da das Gehör mit der Zeit ermüdet. Absolut weniger schön ist es, wenn man das Gefühl hat, die Lautsprecher würden einem ins Ohr brüllen. Daher sollte man neben dem Lautstärkeregler ruhig mal einen Blick auf die Impedanz werfen. Liegt diese unterhalb von 50 Ohm, wird der Kopfhörer am Digitalpiano recht laut wirken. Bei professionellen Studiokopfhörern liegt die Impedanz deutlich höher, daher kommen sie auch nicht auf große Lautstärken − zum Pianospielen aber reicht das allemal und ist mit dem im Aufmacherbild gezeigten Beyerdynamic DT-990 Pro ein echter Genuss. Grundsätzlich gilt: unbedingt auch in Kombination mit dem eigenen Instrument ausprobieren!

Und das Design?

Kopfhörer sind Lifestyle, und einige Hersteller bieten daher ihre Modelle in vielen verschiedenen Farben und schicken Designs an. Wer den Schwerpunkt auf Klangqualität und Tragekomfort setzt, liegt auf jeden Fall richtig. Wenn dann auch noch das Design gefällt − na fein.

Kopfhörer richtig verstauen.

Gute Kopfhörer können durchaus schon mal um die 300,− Euro kosten − so etwas quetscht man nicht zusammen mit den Notenbüchern in die Klavierbank. Einige Modelle werden mit einem Etui geliefert, in dem sich die Kopfhörer bestens verstauen lassen. Am Digitalpiano scheint das Notenpult der perfekte Aufbewahrungsort für die Kopfhörer zu sein: Dabei liegen u. U. die Kabel ungünstig auf und werden unnötig durch Knicken strapaziert. Viele Digitalpianos bieten zum Verstauen auch Halterungen unterhalb der Tastatur − meistens in Nähe der Anschlussbuchsen. Und sollte solch ein Bügel nicht vorhanden sein, tut’s auch eine Beethovenbüste − vielleicht ein wenig kitschig, aber es funktioniert als Kopfhörerhalter!


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