Eine der Firmen, die als erste begann...

Groove-Sampler Roland SP-808 im Test

Roland gehört sicherlich zu den Firmen, die als erste begannen, Geräte für einen damals noch neuen Käuferkreis zu entwickeln: die DJs.

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Schon der Sampler DJ-70 überraschte mit bis dato unbekannten Features wie Scratch-Wheel und Beatloop-Funktion, doch wurde diese Innovationsfreude nicht durch entsprechende Verkaufzahlen belohnt. Von den „richtigen“ Musikern beargwöhnt und von der neu entdeckten Zielgruppe noch nicht so recht wahrgenommen, wurden auch die nachfolgenden DJ-Tools wie MS-1 (Test KB 10/95) und JS-30 nicht zu wahren Rennern. Umso erfreulicher, dass Roland die Hoffnung nicht aufgibt und uns mit dem SP-808 ein neues, innovatives Gerät dieser Gattung präsentiert. Auf den ersten Blick scheint Rolands neue Wunderkiste eine Mischung aus VS-840 und dem Boss Dr. Sample SP-202 zu sein. Ein Eindruck, der sich im weiteren Verlauf dieses Tests durchaus bestätigen wird.

Konzeptionelles

Wie eingangs angedeutet, beinhaltet der SP-808 zwei wohlbekannte Konzepte in einem Gerät: einen 4-Spur-Harddiskrecorder á la VS-840 mit integriertem Effektboard und einen Phrasesampler inklusive Resampling mit Effekten, der in Aussehen und Aufbau dem Boss SP-202 ähnelt. Als Datenspeicher dient das interne Zip-Laufwerk, wobei sich auf einem Zip-Medium bis zu 46 Minuten Samples und Audiospuren in Mono bei 44,1 kHz unterbringen lassen. Bei den Modulen stehen insgesamt nur 4 Mono- oder Stereostimmen (oder Spuren) zur Verfügung, was sich aus der Tatsache erklärt, dass der SP-808 nicht mit RAM-Speicher arbeitet wie andere Sampler, sondern auch Phrasesamples direkt von der Zip-Disk gelesen werden.

Nach Einbau des optionalen Erweiterungsboards kann an dessen SCSI-Schnittstelle maximal noch ein weiteres Zip-Laufwerk angeschlossen werden. Andere Speichermedien lassen sich in der derzeitigen Softwareversion 1.0 nicht verwalten. Der SP-808 arbeitet mit der seit dem VS-880 bekannten R-DAC-Datenreduktion, die sich hier im Gegensatz zu den anderen Modellen aus Rolands Digitalrecorder-Produktreihe nicht abschalten lässt. Als Zugabe wurde dem SP-808 noch der vom MC-505 bekannte D-Beam-Controller in doppelter Ausführung spendiert. Freudig überrascht ob solcher Vielfalt entdeckt man bei näherer Betrachtung, dass Roland sogar noch zwei weitere Gerätegattungen in diese doch recht kompakte Box integriert hat: Hinter der Bezeichnung Step Modulator verbirgt sich nichts weniger als ein 16-Step-„Analog“-Sequenzer, der dem Model 182 aus dem Roland System 100 nachempfunden ist. Unter Algorithmus 20 (auf Speicherplatz 99) der internen Effekte lässt sich doch tatsächlich auch noch der dazugehörige (und natürlich virtuelle) Analogsyntheziser finden. Ist es also vollbracht, hat Roland nun endlich die vielbeschworene „eierlegende Wollmilchsau“ erfunden (furchtbares Wort, aber in Ermangelung von Alternativen hier letztmalig benutzt)?

Haben wir jahrelang Unsummen in nunmehr hinfällige Gerätschaften investiert? Um die Suizid-Rate in der Leserschaft nicht unnötig zu erhöhen, möchte ich schon einmal vorwegnehmen, dass dieses sicherlich nicht der Fall ist. Wie wir im Verlauf des Tests sehen werden, sind alte Volksweisheiten der derzeitigen Technologieentwicklung immer noch einen kleinen Schritt voraus: „denn wo viel Licht ist…“.

Oberflächliches

Die Bedienoberfläche des SP-808 ist in verschiedene Blöcke aufgeteilt und macht einen sehr aufgeräumten Eindruck. Auf der linken Seite befindet sich der rein digitale Recorder/Mixer-Part mit den dazugehörigen Fadern und Select-Buttons für die Anwahl von Trackparametern und Effekten. Darüber angeordnet ist das grafikfähige und hintergrundbeleuchtete Display, bei dem man mit der Play-Taste sehr unkompliziert zwischen vier verschiedenen Darstellungsformen umschalten kann: Channel, AUX, Playlist und Big Time. Durch Verwendung der allseits beliebten Shift-Taste erreicht man noch eine weitere Menüseite, die allgemeine Informationen über den angewählten Song, die verwendete Pad-Bank, den Display-Kontrast und den verbleibenden Speicherplatz kundtut.

Außerdem lässt sich noch eine Mixer-View- Page aufrufen, die auf einen Blick sowohl Lautstärke- und Pan-Einstellungen als auch die Aux- und Effekt-Sends der vier (Stereo-) Harddiskspuren, der Stereoeingänge und der Pads des Phrasesamplers darstellt. Natürlich wurde auch auf einen Locator nicht verzichtet, bei dem die Punkte 1-4 direkt und 5-8 über die Shift-Taste angewählt werden können. Über dem Display angeordnet sind die drei Trimpotis für die Mic/Line-Eingänge und den Aux-Input, sowie der Regler für die Lautstärke des Kopfhörerausgangs. Den mittleren Bereich teilen sich der Edit-Part mit Zugriff auf alle relevanten Parameter zur Bearbeitung von Spuren, Samples oder Effekten, inklusive Quick-Edit-Funktionen für Sampler und Playlist, das traditionelle Endlosrad mit Cursor- und Enter/Yes-Exit/No-Tasten, und der Bandmaschinen-orientierte Steuerungsteil für Aufnahme und Wiedergabe der Harddisk-und Sequenzerspuren.

Auf dem unteren rechten Teil der Geräteoberfläche befindet sich die sogenannte Sample Plate, mit den 16 spielbaren (nicht anschlagdynamischen) Pads, die aus maximal 64 Pad Banks ausgewählt werden können. Darüber hinaus gibt es ein Clipboard-Pad in dem sich Samples zur weiteren Bearbeitung zwischenlagern lassen; ein Feature das auch zur Reorganisation der Pad Banks unverzichtbar ist, da sich Sounds aus verschiedenen Bänken nicht gleichzeitig verwenden lassen. Neben der obligatorischen Taste zur Aktivierung des Samplingvorgangs findet sich hier auch eine Hold-Funktion, mit der Samples im Livebetrieb ohne Verwendung des Sequenzers im (hoffentlich korrekt eingestellten) Loop abgespielt werden können. Durch Betätigung des Shift-Tasters dient dieses Pad auch als Tap-Taste zur Tempoermittlung z. B. eines Loopsamples.

Oberhalb der „Sample Palette“ liegen die Realtime Effects, die einen Grossteil des kreativen Potentials des SP-808 ausmachen. Aufgeteilt in die Bereiche a.) für die 20 verschiedenen Effektalgorithmen, und b.) für die resonanzfähigen Filter mit Low Boost und den von DJ-Mixern bekannten, dreibandigen Frequenz-Isolator, lassen sich je drei Parameter gleichzeitig mit den großzügig dimensionierten und äußerst stabilen Potis steuern. Der Taster zur Programmierung des „Step Modulators“ befindet sich ebenfalls im Bereich der „Realtime Effects“. Den rechten oberen Teil des Pultgehäuses krönt der „Double D-Beam-Controller“, mit denen sich nach dem „Distance to MIDI“- Prinzip (EMS rules) durch simples Handauflegen oder wüstes Armrudern wundersame Effekte erzielen lassen. Ein wahres Eldorado für Meister der Luftgitarre, aber auch als ernsthafter MIDI-Controller durchaus von Wert. So lassen sich hiermit nicht nur die internen Effekt- und Filter-Parameter steuern, sondern auch Samplepads triggern oder Scratch-Effekte erzeugen. Der „D-Beam-Controller“ sendet die Controllernummern 80 und 81 und lässt sich somit problemlos auch als Controller für externe Geräte einsetzen (nähere Informationen zum D-Beam-Controller entnehmen sie bitte dem MC-505 Test in Ausgabe 4/98).

Die Geräterückseite präsentiert sich in der Basisversion recht schlicht: neben der Kaltgerätebuchse und dem Netzschalter befindet sich ein MIDI-Pärchen, bei dem der Output wahlweise auch als MIDI-Thru geschaltet werden kann. Ein Footswitch-Anschluss ist ebenfalls vorhanden, über den sich verschiedene Funktionen des Gerätes per optionalem Fussschalter fernsteuern lassen. An analogen Eingängen stehen ein monophoner Microphoneingang und je ein paar Line- und Aux-Eingänge zur Verfügung. Ausgangsseitig ist der SP-808 neben den Masterausgängen mit einem variablen Ausgangspaar bestückt, an dem wahlweise Aux-Send, Cue oder die Spur D anliegen können. (Das optionale Erweiterungsboard mit SCSI, digitalen Ein- und Ausgängen und 3 weiteren analogen Ausgangspaaren war zum Zeitpunkt des Tests noch nicht lieferbar.) Der Kopfhörerausgang liegt wie bei den meisten Geräten heutzutage ebenfalls auf der Rückseite, aber darüber regt sich ja schon lange niemand mehr auf, oder?

Der Phrasesampler

Nach Betätigung des Netzschalters lädt das Display erst einmal zu einer kurzen Wartepause ein, um den zuletzt bearbeiteten Song oder im Fall der mitgelieferten Demo-Zip einen der Demo-Songs mit der dazugehörigen Pad-Bank zu laden. Von der Vielfalt der mitgelieferten Songs und Samples mehr oder weniger beeindruckt, entsteht hoffentlich bald das Bedürfnis nach eigener Kreativität. Also im Edit-Menü SONG/TRACK unter Punkt 9 die Frage „create new song?“ ersteinmal bejahen und, wenn vorhanden, den neuen Songtitel eingeben. Falls das Songtempo schon feststeht, kann dies in der Tempo-Map festgelegt werden. Danach wird forsch die Samplingtaste gedrückt und ein Pad als Samplingziel ausgewählt, was der SP-808 im Falle eines belegten Pads mit der Frage „Overwrite?“ quittiert.

Ist man sich nicht sicher, ob man das alte Sample nicht doch behalten möchte, sollte man auf ein freies Pad ausweichen. Die Beleuchtung der Pads erleichtert dabei das Auffinden freier Sampleplätze erheblich: Licht an – Pad belegt, Licht aus – Pad frei. Ist nun der Sampleplatz ausgewählt, erscheint im Display ein Menü mit umfangreichen Samplingoptionen, die man mit den Cursortasten durchwandert. Nachdem man sich für Mono- oder Stereosampling entschieden hat, bieten sich verschiedene Möglichkeiten an, den Samplingvorgang auszulösen. Für das Sampeln von externen Quellen bieten sich die bekannten „Manual“- oder „Threshold-Level“- Funktionen an, wobei letzteres in 8 Stufen eingestellt werden kann. Beabsichtigt man Audiospuren oder Pads zu resampeln (jeweils maximal 3 gemeinsam), können wahlweise die Play-Taste der „Bandsteuerung“ oder eben die zu resampelnden Pads den Samplingvorgang auslösen. Die Einstellung des pre- Triggers kann in fünf Stufen zwischen 20 und 320 ms erfolgen.

Danach erfolgt die Auswahl aus 15 (!) verschiedenen Samplingquellen. So lassen sich nicht nur die Analogeingänge, die Pads oder die vier Harddiskspuren A-D jeweils pre- oder post-EQ anwählen, sondern auch noch verschiedene Arten der Effektplazierung (Send/Return oder Insert). Der Option FX Patch kommt dabei noch eine Sonderstellung zu; hier kann nämlich das Signal des über den „Step Modulator“ oder einen externen MIDI-Sequenzer gesteuerten Analogsynth- Algorithmus intern gesampelt werden. Allerdings ist das korrekte Routing der Signale auch abhängig von der globalen Einstellung im Mix Common-Menü in der Recorder/ Mixer-Sektion. Dazu muss das Samplingmenü natürlich wieder verlassen und danach neu aufgerufen werden, was aber recht schnell von der Hand geht.


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KEYBOARDS 4/2016

Das sind die Themen dieser Ausgabe:

  • Sampletalk mit And.Ypsilon (Die fantastischen Vier)
  • Tobias Enhus spricht über sein Synclavier
  • Die Groove-Mutter: Yamaha RS7000
  • Real Samples – Historische Tasteninstrumente digitalisiert
  • Software-Sampler am Rande der Wahrnehmung
  • Korg DSS-1 als Hardware-Plug-in
  • Cinematique Instruments – Filmreife Sample-Instrumente
  • Groovesampler in der Praxis
  • Die Mellotron-Story
  • Vintage Park: Fairlight CMI
  • Transkription – Ten Sharp

 

Mithilfe des Cursors gelangt man nun auf die zweite Sampling-Page, in der man als erstes die Abspielart des Pads festlegt. Es stehen drei Möglichkeiten zur Auswahl: GATE spielt das Sample solange ab, wie das Pad gedrückt bleibt, bei Trigger fungiert das Pad als Ein/Aus-Schalter und DRUM spielt das Sample einmal bis zum Ende ab. Auch die Loop-Einstellungen können schon vor dem Samplingvorgang festgelegt werden, wobei hier neben der Möglichkeit das Sample von Anfang bis Ende abzuspielen, auch ein zusätzlicher Loopstart-Punkt zur Verfügung steht. Sample-Ende ist dabei aber immer auch Loop-Ende. Die als Auto Trim bezeichnete Funktion schneidet Leerstellen an Anfang und Ende des Samples ab und ist heute bei den meisten Samplern Standard. Auffälliger dagegen ist die Auto Divide-Funktion, mit der sich Samples, die an einer oder mehreren Stellen Stille enthalten, sektionsweise auf verschiedene freie Pads legen lassen.

Die Mindestdauer der Stillephasen, ab der die Samples „divided“ werden, lässt sich in Halbsekundenschritten zwischen 0.5 und 2 Sekunden einstellen. Wer nun allerdings erwartet, Steinbergs „Recycle“ werde hier gleich frei Haus mitgeliefert, den muss ich doch ein wenig enttäuschen; da sich kein Schwellwert für den Einsatz der „Auto Divide“-Funktion eingeben lässt und Hallfahnen oder ähnliches Geraschel logischerweise nicht als Stille interpretiert werden, können 0.5 Sekunden als kleinste Einheit entschieden zu lang sein, um z. B. Drumloops zu „zerteilen“. Dies heisst natürlich nicht, dass die Divide-Funktion nicht sinnvoll einzusetzen wäre: Beim Sampeln von einer Sampling-CD z. B. gleicht das Verteilen der Samples auf die Pads dem des Kartenlegens – praktisch. Sinnvoll einsetzen lässt sich diese Funktion z. B. auch bei Gesangs-Takes, die dann automatisch fertig geschnitten, Wort- oder Satzweise auf die Pads verteilt werden, was durchaus eine Arbeitserleichterung bedeuten kann und der Konzeption des SP-808 als „Remix-Tool“ entgegenkommt.

Nachdem man sich auf eine der o. g. Weisen ein Arsenal an mehr oder weniger miteinander harmonierenden (Loop-) Samples erstellt hat, stehen nun diverse Nachbearbeitungsmöglichkeiten zur Verfügung. Über die „Quick-Edit“-Funktionen erreicht man sehr schnell die verschiedenen Pages des Sampleparameter-Menüs, die neben den, mit der Voreinstellung identischen Parametern, noch die Lautstärke der Pads (ein Feature, das SP-202-Besitzer schmerzlich vermissen) und eine von 7 Mutegroups wählen lassen. Samples mit der gleichen „Mutegroup“-Zuordnung können nicht gemeinsam abgespielt werden, sondern schneiden sich gegenseitig ab. Dies hat – wie die berühmte HiHat-Funktion bei Sequenzern – das alles Samples einer Gruppe sich nahtlos aneinanderhängen, ohne Löcher oder Überlappungen. Darüberhinaus gibt es noch die bekannte Beatloop-Funktion, bei der sich nach Einstellung von BPM-Basenote und Taktlänge die Loop-Punkte im gewünschten Tempo justieren lassen. Das funktioniert natürlich nur, wenn das Loop-Sample auch im korrekten Tempo gesampelt wurde. Ist dies nicht der Fall, muss man auch hier nicht verzweifeln. Unter Zuhilfenahme der „Shift“-Taste gelangt man in der Quick-Edit-Sektion zügig auf die Pitchchange- und Time-Stretching-Pages.

Während sich der Pitch-Change-Algorithmus auf die Wahl der neuen Stimmung und den in 5 Stufen einstellbaren Qualitätsgrad beschränkt, bietet der Time-Stretching-Algorithmus doch einiges an Komfort. Neben den bekannten Möglichkeiten, das neue Sample- Tempo über Ratio oder New bpm festzulegen, lässt sich auch noch ein „Vorbildsample“ definieren, das aus einer beliebigen Samplebank ausgewählt werden kann.

Vorausgesetzt dass die Beatloop-Parameter für dieses Vorbildsample korrekt justiert sind, gleicht der SP-808 das zu bearbeitende Sample wahlweise in Tempo oder Länge an. Das Funktioniert recht gut und der Zeitaufwand, den der Prozessor für die Rechenarbeit benötigt, kann dabei als angenehm kurz bezeichnet werden. Allerdings sollte man die Warnung des Manuals über den Verlust der Klangqualität bei solchen Operationen durchaus ernst nehmen, denn die Ergebnisse besitzen zuweilen doch starken Lo-Fi-Charakter und können nicht mit denen von „reinen“ Samplern oder Softwarelösungen konkurrieren. An dieser Stelle sollte auch ein weiterer Kritikpunkt nicht unerwähnt bleiben, der die Freude an der Arbeit mit der SP-808 ganz erheblich trübt: Das Fehlen einer Funktion zum automatischen Auffinden von Nulldurchgängen und wie auch immer gearteter Hüllkurven macht es unmöglich, z. B. bei Loop- Samples mit legato gespieltem Material knackfreie Loops zu erstellen. Dieses Manko begleitet die Roland-Phrasesampler schon seit den Zeiten von MS-1 und JS-30 und kann heutzutage bei einem Gerät zum Preis von ca. DM 3.000,– einfach nicht hingenommen werden. Hier könnte ein wenig Konkurrenzbeobachtung in Richtung Yamahas SU10 oder Akais MPC-Reihe durchaus nicht schaden.

Der Sequenzer

Hat man nach erfolgreicher Samplebearbeitung den Wunsch, die einzelnen Elemente zu einem Ganzen zusammenzufügen, sprich: „jetzt mal einen duften Track zu machen“, bieten sich zwei Möglichkeiten. Timing-feste Kandidaten können sich direkt der Audio- Aufnahme ihrer Loopsamples auf eine der vier Harddiskspuren zuwenden, alle anderen werden wohl zuerst den internen Sequenzer im Step- oder Realtimerecording-Modus bemühen. Alle Recording-Menüs befinden sich im Bereich der Bandmaschinensteuerung und können unter erneuter Zuhilfenahme der Shift- Taste aufgerufen werden. Im Realtime-Modus kann eine Quantisierung zwischen ganzen und Sechzehntelnoten inkl. Triolen gewählt werden, eine Auflösung, die für Phrasesampler gerade noch ausreicht. Daneben gibt es noch eine Autopunch-Funktion, deren Einsatz über die Locatorpunkte gesteuert wird. Ein Metronom wurde natürlich auch nicht vergessen. Gestartet werden kann die Aufnahme wahlweise über die Starttaste (mit 1 bis 2-taktigem Anzähler), oder direkt bei Betätigung der Pads. Falls noch kein Track zur Aufnahme der Sequenzerspur angewählt wurde, fordert der SP-808 nun freundlich dazu auf. Hat man allerdings mehr als zwei Tracks mit Sequenzen belegt, bekommt man die Grenzen der Datenübertragungsrate des Zip-Lauwerks deutlich zu spüren. Das Display teilt mit, dass das „Drive Too Busy“ ist, und einzelne Spuren verweigern ihren Dienst. Dieses kann man nur umgehen, indem man die Sequenzerspuren auf Audio-Tracks „bounced“ (dazu später mehr), oder gleich im Step-Recording-Modus aufnimmt. Nach Aufrufen desselben erscheint zuerst die Aufforderung einen Zieltrack und die Art der Aufnahme zu bestimmen. Bei der Option Multi besteht die Aufnahme wie im Realtime-Modus aus einzelnen (Loop-) Phrasen mit den gleichen Datendurchsatzproblemen, während Single die Phrasen in eine einzige Harddiskspur umrechnet, was die Beanspruchung des Zip-Laufwerkes erheblich verringert und die Wiedergabe auf allen vier Tracks zulässt.

Die Default-Einstellung Auto schaltet automatisch zwischen den beiden vorigen Optionen um. Die Kriterien nach denen dieses erfolgt, erschlossen sich mir jedoch weder durch das Studium der – einmal mehr – suboptimalen Bedienungsanleitung, noch durch die Arbeit am Gerät selbst. Als nächstes lässt sich die Dauer der Steps definieren. Hierbei stehen neben den Notenwerten zwischen ganzen und 32stel Noten auch die Gesamtlänge des Samples zur Verfügung. Zusätzlich kann die Step-Länge noch in Prozent eingegeben werden. Die grafische Darstellung erfolgt als Endlosband und lässt sich über die Cursortasten ein- und auszoomen. Im Step-Modus sind die Transporttasten mit Halte- und Pausenfunktionen belegt. Diese Informationen lassen sich auf einer weiteren Page – ebenfalls über die Cursortasten – abrufen.

Recorder/Mixer-Sektion

Die Recorder/Mixer-Sektion bietet den weitgehend bekannten Funktionsumfang, den ich aus Platzgründen hier nur in aller Kürze vorstellen werde. Für weitergehende Informationen sei dem interessierten Leser deshalb die Lektüre des VS-880-Tests in KB 8/97 ans Herz gelegt. Im Mixerbereich befinden sich neben den Lautstärkefadern für die vier Harddisk-Spuren und den Master, noch ein Kombi-Fader zur Regelung des Mic-/Line-Inputs sowie der Gesamtlautstärke der Pads. Darüber liegen die Taster zur Anwahl von Spuren und Effekten. Ausserdem stehen für Track- und Padfader je ein 3bandiger Equalizer mit Mittenparametrik zur Verfügung. Spätestens nachdem man nun daran gehen möchte sein Werk zu arrangieren, bemerkt man, dass die maximale Spur- und Stimmenzahl von 4 Stereo-Spuren (die sich auch bei Verwendung von Monosamples nicht erhöhen lässt), mehr als knapp bemessen ist. Hier bleibt nur die Möglichkeit, mehrere Spuren per Resampling oder Track-Bouncing zusammenzufassen; auf Wunsch mit Effekten und EQ-Einstellungen. Eine ziemlich endgültige Angelegenheit, da im Gegensatz zu den anderen Roland-Harddiskrecordern beim SP-808 keine virtuellen Tracks zur Verfügung stehen und einmal gelöschte Spuren auf immer verloren sind, sobald der bearbeitete Song von einer aktuelleren Version überschrieben wird. Dass man zum Preis der SP-808 auch einen kompletten VS-880 erstehen kann, relativiert meine Kritik selbstredend dahingehend, Roland hier keinen Vorwurf machen zu können.

Das eigentliche Arrangieren der Tracks auf der Playlist-Page gestaltet sich mit den Quick- Edit-Funktionen so ungemein schnell und einfach, dass selbst stolze VS-1680-Besitzer hier einen Anflug von Neid verspüren. Nach Anwahl der gewünschten Spuren und Betätigen des Region-In/Out-Tasters werden mit dem Endlosrad die Segmente selektiert die bearbeitet werden sollen. Daraufhin die Region- In/Out-Taste erneut gedrückt und die Zielposition per Endlosrad angefahren – schon können die erforderlichen Cut/Erase/Paste/ Insert-Arbeiten getätigt werden. Will man einzelne Phrasen kopieren oder löschen, erfolgt dieses auf die gleiche Weise durch Aktivierung der Mark-on-Taste.

Realtime-Effects und Step-Modulator

Der Realtime-Effekt-Bereich ist in zwei Sektionen (A und B) unterteilt und präsentiert eine Mischung aus den von SP-202, VS-880 und MC-505 gebotenen Möglichkeiten, ist in der Bedienung allerdings deutlich komfortabler. Sektion A ist dabei den 20 internen Effektalgorithmen gewidmet, die neben Hall/Delay/ Chorus/Pitch Shifter/Phaser/Flanger/Autowah/ Distortion und Compressor/Limiter verschiedene von o. g. Modellen bekannte Hi- und Lo-Fi-Effekte wie das 3 dimensionale RSS-Delay, Phonograph (das beliebte Vinylknistern), Radio Tuning (weckt den CB-Funker in Dir), Center Canceller (löscht mittig positionierte Signale aus Stereosamples, z.B. Gesang) und einen dezidierten Lo-Fi-Processor (reduziert Sample-Rate und/oder Bit-Auflösung) in durchweg guter bis gut-schrecklicher Audioqualität. Aus diesen 20 Algorithmen zaubern die Roland-Programmierer auf den 79 User-Plätzen gleich noch eine Vielzahl weiterer – ebenfalls aus o. g. Geräten bekannter – Effektvariationen, die mit Eigenkreationen überschrieben werden können.

Die den drei Potis zugeordneten Parameter sind ebenfalls in zwei Reihen organisiert und werden über den Select-Row-Taster angewählt. Nach Betätigen von FX-Info gibt das Display Auskunft über Position und Parameterzuordnung der Potis. Insgesamt eine sehr bequeme und übersichtliche Angelegenheit, die ihresgleichen sucht. Natürlich können die Effekte nicht nur über die Realtime-Potis gesteuert werden, sondern sind auch auf der FX-Edit-Page in allen wichtigen Parametern veränderbar. In Sektion B werden die Potis entweder mit dem 3bandigen Frequenzisolator belegt, der Bässe, Mitten und Höhen boostet oder killt wie es von den VS-Effektboards und einigen DJ-Mixern bekannt ist, oder mit dem in Low Boost, Frequency und Resonance regelbaren Filter. Auch hier werden die Potipositionen im Display grafisch dargestellt. Die Filter klingen rolandgemäss deftig und setzen einiges Fingerspitzengefühl voraus. Insbesondere bei Verwendung des D-Beam-Controllers können Überraschungen nicht ausgeschlossen werden.roland-sp-808-2

Bei Einsatz der Low-Boost-Funktion ist darüberhinaus Vorsicht geboten: Wer mit dem SP- 808 komplette Tracks mit Schlagzeug und Bass abzuspielen gedenkt (wozu das Gerät vermutlich gedacht ist), sollte tunlichst vermeiden mit dem solcherart belegten Poti in Berührung zu kommen, da unerträgliches Bassgewummer inklusive Verzerrungen leicht die Folge sein könnten. (Bei dem Testgerät war der Low Boost ausserdem auf dem linken Ausgang erheblich lauter als auf dem rechten, was hoffentlich auf einen Defekt dieses einen Gerätes zurückzuführen ist.) Beide Effekte der Sektion B wirken sich auf alle (!) verwendeten Tracks und Phrasesamples gleichermassen aus, so dass z. B. unterschiedliche Filtereinstellungen bei verschiedenen Samples nur durch Resampling erreicht werden können. Trotz der erwähnten Kritikpunkte können Filter und Effekte viel zum ausdrucksvollen Spiel mit dem SP-808 beitragen und Spass bereiten sie allemal.

Ebenfalls in der Effektsektion befindet sich ein Algorithmus, der besondere Aufmerksamkeit verdient. Der eingangs erwähnte monophone Analogsyntheziser beinhaltet 2 Oszillatoren mit den Wellenformen Dreieck, Sägezahn und Puls (mit Pulsbreiten- und Crossmodulation), Noisegenerator und Ringmodulator, VCA und VCF, einen synchronisierbaren LFO und eine eigene kleine Effektsektion mit Chorus/Flanger und Delay. Die Ausstattung kann sich durchaus mit der anderer Analogsynths messen, so lässt sich z. B. beim virtuellen VCF zwischen 4 verschiedenen Filtertypen (Lowpass, Highpass, Bandpass und Notchfilter) und 12- oder 24- dB-Charakteristik wählen. Über den Inputmixer können die beiden Oszillatoren, Noisegenerator, Ringmodulator und ein externes Signal dem VCF in unterschiedlichen Anteilen zugeführt werden. Der Synthesizer kann entweder über einen externen Sequen zer (nur auf Kanal 11), oder den nicht minder interessanten Step Modulator angesteuert werden und klingt überzeugend. Wie weiter oben beschrieben, handelt es sich bei dem Step Modulator um einen virtuellen Analogsequenzer mit bis zu 16 Steps und einer wählbaren Auflösung zwischen ganzen und 32stel Noten, der sowohl den Analogsynth- Algorithmus, als auch verschiedene Parameter der anderen Effekte steuern kann. Das Tempo kann zwischen 20 und 500 BPM eingestellt, oder zum Song synchronisiert werden. Der Step Modulator bietet gleich 5 verschiedene Triggeroptionen:

– 1 STEP – jeder Step wird durch manuelle Betätigung der Step-Mod-Taste aktiviert;

– SINGLE – nach Betätigen selbiger Taste wird die Sequenz einmal abgespielt;

– REPEAT – wiederholt die Sequenz solange, bis die Step-Mod-Taste erneut gedrückt wird;

– MEASURE startet die Sequenz unabhängig von der Anzahl der Steps immer auf der 1 eines jeden Taktes;

– SONG PLAY loopt die Sequenz nach dem letzten Step und ermöglicht so auch ungerade Taktzeiten.

Neben den Notenwerten können den Steps auch eine Vielzahl von Steuerfunktionen zugewiesen werden, die sich auf den „CTL“- Pages der einzelnen Effekte auswählen lassen. Ganz dem Vorbild aus dem System 100 entsprechend, arbeitet der Modulator wahlweise parallel (bei Verwendung von maximal 8 Steps), oder seriell (zwischen 9 und 16 Steps). In der parallelen Betriebsart können beide Reihen mit unterschiedlichen Steuerfunktionen belegt werden. Die Gatetime der als Balken dargestellten Steps ist natürlich ebenfalls einstellbar und Sequenzdaten aus den verschiedenen Songs lassen sich kopieren. Insgesamt ist der Step Modulator (nicht nur in Kombination mit dem Synthesizer) die eigentliche Sensation innerhalb des SP-808- Konzeptes. Würde Roland die Effektsektion mit dem Modulator als Stand-Alone-Unit zu einem moderaten Preis auf den Markt bringen, stelle ich ungefragterweise enorme Verkaufserfolge und jede Menge glückliche Gesichter in Aussicht.

Fazit

Der grossen Freude über all die innovativen Features stehen dem insgesamt guten Konzept des SP-808 einige Einschränkungen gegenüber. Zu nennen ist hier vor allem der Verzicht auf RAM-Speicher und die Wahl der Zip-Disk als einziges, zwar praktisches, aber in der Zugriffszeit doch stark begrenztes Speichermedium. Der unbefriedigenden Loop-Funktion sowie die Timestretching-/Pitch-Change-Resultate genügen zwar keinem professionellen Anspruch, bieten jedoch einen guten Kompromiss, der angesichts der gebotenen Vielfalt vom Hersteller einzugehen war.

Als Live-Tool kann der Groovesampler besonders in Verbindung mit klassischem DJ-Equipment überzeugen. Als Einzellösung schränken die Eingriffsmöglichkeiten, die beim SP-808 leider sehr globaler Natur sind und häufig auf alle verwendeten Sounds gleichermassen einwirken, den User leider ein. Die Sample-Pads lassen sich z. B. weder im Stereopanorama verteilen, noch auf die (optionalen) Einzelausgänge legen und sind in der Mixersektion einem einzigen Lautstärke-Fader zugeordnet, der zudem noch die Lautstärke des externen Stereoeingangs regelt. Eine Kaufempfehlung für den SP-808 kann man getrost denjenigen aussprechen, die mit den hier genannten Einschränkungen leben können. Angesichts der konkurrenzlosen Position und der gebotenen Features geht auch der Preis von DM 3.100,– in Ordnung.


+ Konzept

+ Stepmodulator

+ Double-D-Beam-Controller

+ eingebautes Zip-Laufwerk

+ Sample-Divide-Funktion

+ gute Klangqualität

-kein RAM-Speicher

-akzeptiert nur Zip-Laufwerke

-unbefriedigende Loop-Funktionen

-keine virtuellen Spuren in der HD-Recording-Sektion

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