Was ein Brett!

Expressive E Touché – USB/MIDI-Controller

(Bild: Dieter Stork)

Bei »Holzbrett, Paris und Musik« denkt man wahrscheinlich zuerst an synchron tanzende Mädels mit fliegenden Röcken aus der Kneipe »Zur Roten Windmühle«. Tatsächlich handelt es sich hierbei aber um die Eckdaten des Touché MIDI-Controllers der noch jungen Firma Expressive E aus der Stadt an der Seine.

Mit seinem Debüt versucht das französische Jungunternehmen, durch die Kombination von natürlicher Holzoberfläche und High-Tech Mensch und Maschine auf organische Weise ein bisschen enger zusammenzubringen. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich beim Touché um einen Controller, der berührt, angefasst, geschlagen und/oder gestreichelt werden will. Dabei ist »funktionell schlicht designt, kombiniert mit einem typischen Französisch-Chique« in meinen Augen eine der treffendsten Umschreibungen für das spartanische Stück Technik mit Holzdeckel.

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Das besagte, auf dem Sockel des Gehäuses aufliegende Stück Wald lässt sich in alle vier Himmelsrichtungen wippen und versendet dabei durch Druck erzeugte Controller-Daten im klassischen MIDI-Protokoll-Format oder als Steuerspannung. Auf der Frontseite gibt es dazu noch einen klickbaren Dreh-Encoder sowie zwei Taster, über welche sich Empfindlichkeit einstellen sowie 24 speicherbare Presets abrufen lassen. Die Kopfseite besitzt Anschlüsse in Form von vier CV-Outs, zwei 1/8″-Miniklinken-MIDI-Buchsen, einem USB-Port sowie dem Steckplatz für die externe Stromzufuhr. Letzterer ist allerdings erst notwendig, wenn das Gerät ohne zusätzlichen Computer im Standalone-Modus betrieben werden soll.

Damit wären Hardwareseitig schon alle Features aufgezählt, und auch die mitgelieferte Software Lié verfolgt den Ansatz, schlicht, aber effektiv zu sein. Über das Programm, welches es in den Geschmacksrichtungen VST und AU gibt, lassen sich die vier Zonen (vorne, hinten, links und rechts) des Controllers konfigurieren. Nachdem das Plug-in nach kurzem AU/VST-Scan in der DAW registriert ist, lassen sich die Zonen auch schon mit wenigen Handgriffen zuweisen und in ihrer Range editieren.

Sehr schön ist, dass Expressive E eine Library mit über 30 bereits gemappten Presets für aktuell gängige Soft- und Hardware-Synths, wie z. B. NI Massive oder den Moog Minitaur, direkt mitliefert und dem User somit das eigenhändige Mappen erspart. Wie stark die einzelnen Zonen (»Shiftings« genannt) auf den Fingerdruck reagieren, lässt sich mit dem Range-Slider und einem entsprechenden Kurven-Editor einstellen, bei dem man sogar selber eine Kurve per Stift-Tool einzeichnen kann. Insgesamt lassen sich zudem bis zu 24 Presets auf dem Gerät speichern und per Taster abrufen.

In der Praxis…

bietet sich der Touché an, um kontinuierliche Steuersignale zu generieren, mit denen man vorzüglich z. B. Filter-Cutoff-Frequenzen steuern kann, allerdings lädt er natürlich auch − bauartbedingt − dazu ein, es aktiv als Drumpad zu missbrauchen.

Die Sensoren reagieren schon auf das leichteste Fingernagelkratzen − damit bietet sich das kleine Holzbrettchen für die Aufzeichnung eines breiten Performance-Spektrums an. Das geht im Idealfall von sanftesten Filterbewegungen bis hin zu kompletten Rhythmusspuren.

Gelungen!

Der MIDI-Controller Touché von Expressive E besitzt zwar wenige Features, setzt diese allerdings hervorragend um. Die MIDI- oder CV-Steuerung externer Synths macht unglaublichen Spaß, und die mitgelieferte Software Lié zum Mappen der Parameter ist schön gestaltet und funktioniert einwandfrei. Leider ist Letztere bisher nur für macOS erhältlich, und auch der Preis von 399,− Euro lässt im ersten Moment schlucken. Wer sich diesen Controller dennoch gönnt, wird mit einem Gerät belohnt, das sicherlich ungeahnte kreative Momente hervorrufen wird und obendrein schick aussieht.

www.expressivee.com

www.tomeso.net

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