Roland TR-808

Drumcomputer & Programming: Am Anfang war der Groove

Wer schon mal Rammstein in einer kuriosen Heimorgelversion von Mambo Kurt gehört hat, kennt sie: Die Rhythmen der ersten Drumcomputer, die einfache Presets wie Rumba, Tango oder Disco abspielen konnten und aus heutiger Sicht völlig unnatürlich klingen – aber genau aus diesem Grund oftmals Kultstatus genießen!

Roland TR 808
Jede TR-808 ist einzigartig, da jedes Gerät ein klein wenig anders klingt. Die Maschine ist aber nicht nur wegen ihres Sounds berühmt, denn der groovende Sequenzer macht die TR-808 zur Geheimwaffe.

Die Klangerzeugung der ersten Drumcompter war vollständig analog – es handelte sich also eigentlich um spezialisierte Synthesizer –, weshalb die Klänge mit ihren realen Kollegen auch nicht viel gemein hatten. Erst als Speicherbausteine erschwinglicher wurden, ersetzten Samples zunächst teilweise und schließlich vollständig die analoge Variante. Die alten Drumcomputer sind heute längst gefragte Sammlerstücke, für die viel Geld bezahlt wird. Deren Sounds findet man aber auch in jedem Keyboard, auf Sampling-CDs oder in Software-Plug-ins.

Führ mich ins Licht

Drumcomputer verfügen generell über eine analoge und/oder samplebasierte Klangerzeugung, einen Pattern-Sequenzer und oft auch Drum-Pads zum Triggern der Sounds. Grooves werden entweder in Realtime über die Pads gespielt oder im „Step-by-step“-Verfahren aufgenommen, bei dem meist die „Lauflichtprogrammierung“ zum Einsatz kommt: Hierbei stehen 16 beleuchtete Taster zur Verfügung, die jeweils eine Zählzeit im Takt repräsentieren. Startet man den Sequenzer, zeigen die Lämpchen durch kurzes Aufblinken ihre jeweilige Position an. Nun wählt man nacheinander Drumsounds aus und setzt sie auf die gewünschten Zählzeiten. In vielen Grooveboxen und Stepsequenzern findet man diese Art der Patternprogrammierung. Und auch in Programmen wie Cubase kann man sich z.B. im Drum- oder Key-Editor auf diese Weise Drumgrooves zusammenklicken.

Im Folgenden findest du einige Drum-Sheets zu angesagten Styles und Beschreibungen für den dazu passenden Drumcomputer. Für die Programmierung musst du nicht unbedingt über eine Drummachine verfügen, genauso gut kann man sie in einem Softwaresequenzer mit angeschlossenem Keyboard/Plug-ins oder direkt als User-Style in einem Keyboard nachprogrammieren. Außerdem findest du Audiobeispiele und MIDI-Files der Pattern unterhalb des Workshops.

HipHop/R’n’B

Sequenz 1

Die Roland TR-808 ist aus HipHop- und R’n’B-Kreisen nicht wegzudenken, und auch viele Popballaden können nicht auf Sounds dieses legendären Drumcomputers verzichten. Höre dir z.B. mal den Track Low von Flo Rida feat. T-Pain an: ein Party-HipHop-Track, der vor Kurzem erst die Poleposition der US-Charts erklommen hat. Hier werden nur Sounds der TR-808 verwendet. Besonders hervorzuheben ist die ultratiefe und extrem lang ausklingende Analog-Kick, die einen weiteren Basssound in dem Track überflüssig macht.

Bei HipHop-Producern erfreut sich auch eine andere Maschine größter Beliebtheit: die Akai MPC-Serie – eigentlich eine Kombination aus Sampler, Hardwaresequenzer und 16 Triggerpads. Damit ist die MPC zwar kein klassischer Drumcomputer (vor allem, weil sie erst mit Samples gefüttert werden muss), aber beherrscht auch diese Disziplin hervorragend. HipHop-Drumpattern sind sehr groovig, bei einigen Geräten kann man dies noch durch eine Swing-Quantisierung unterstützen. Das Tempo hält sich mit einem Mittelwert von rund 90 BPM in Grenzen.

Dance

Sequenz 2

Stile wie Dance, Trance oder Techno sind untrennbar mit den Sounds der Roland TR-909 verbunden, ohne die es diese Art Musik vielleicht gar nicht geben würde. Kein Dance-Titel kommt ohne die prägnante Bassdrum oder die Open-Hi-Hat dieser Maschine aus. Kurioserweise ist dies zum Zeitpunkt der Entwicklung derartiger Instrumente gar nicht von den Herstellern beabsichtigt gewesen, denn vielmehr wollte man ja auf dem damaligen Stand der Technik reale Drums simulieren.

Die Drumsounds der 909 werden gerne einzeln heftigst komprimiert, verzerrt oder auf sonstige Arten bearbeitet, sodass es heute unzählige Varianten der Sounds gibt. Auf der Webseite www.rebirthmuseum.com kann man sich kostenlos eine Software-Emulation der Drumcomputer TR-808 und TR-909 in Verbindung mit der ebenfalls legendären Bassline TB-303 downloaden. Eine Kombination, die Technogeschichte geschrieben hat.

Weiterhin bieten sich für elektronische Stile aller Art aktuelle, ebenfalls auf analoger oder mit Samples kombinierter Tonerzeugung basierende Drumsynthesizer an wie die Geräte der Firma JoMoX (z.B. Airbase 09), die Korg Electribes oder die Elektron Machinedrum.

Ein typischer Dance-Groove besteht aus einer 4-On-The-Floor-Kick (die also in Vierteln schlägt), ergänzt um eine offene Hi-Hat auf den Offbeats, Claps auf den Zählzeiten „2“ und „4“ sowie einem Snare-Fill, das in immer kleiner werdenden rhythmischen Einheiten langsam anschwillt. Das Tempo variiert von ca. 120 BPM (House), über 130–140 BPM (Dance, Trance) bis weit über 160 BPM (Gabber etc.).

Rock/Pop

Sequenz 3

Pop/Rock-Grooves zeichnen sich durch ein realistisches Spielgefühl aus, klassische 8- Beat-Rhythmik, abwechslungsreiche Hi-Hat-Figuren und bewährte Drum-Breaks. Bei den Sounds kommt es daher vor allem auf Natürlichkeit an. Bei den heutigen Speichergrößen werden die Samples immer aufwendiger, und es können Grooves erzeugt werden, die sich vor realen Schlagzeugaufnahmen nicht verstecken brauchen. Trotzdem ist das Feld an Hardware-Drumcomputern nicht mehr so breit aufgestellt wie früher, da einerseits in den meisten Keyboards Drumsounds und Aufnahmefunktionen integriert sind und andererseits große Software-Drumplayer wie z.B. EZ-Drums, Addictive Drums oder BFD mit riesengroßen Libraries aufwarten, die schon sehr realistisch sind. Doch wer auf Computer verzichten will, um z.B. im Proberaum zu einem Drumgroove Gitarre zu spielen, ist mit einem aktuellen Drumcomputer z.B. von Boss oder Zoom gut bedient.

 

5 Kommentare zu “Drumcomputer & Programming: Am Anfang war der Groove”
  1. hirsch

    So ne Drum Computer ist für alle Musikstile gut und es muss nicht immer ein Dance track sein! Hauptsache du hast freude an dem was du spielst und zuschluss ist es ja ein ersatz für einen Drummer!Die Idee dahinter ist nicht schlecht und ich finde es Super. Kraftwerk manier und so weiter…!

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  2. Ja, ich bin kein Drummer und habe da nicht viel Ahnung, daher hilft mir so etwas sehr meine Drumtracks zu erstellen. Ich hab mir den Spark LE gekauft und für mich ist es super so ein Eingabegerät zu haben und direkt zu hören wie sich der Rhythmus verändert wenn ich etwas verändere.

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  3. Goetzelmann

    Mit meiner alten Alesis sr16 bin ich im Life spiel zufrieden, doch über PC läst sich doch einiges leichter bearbeiten (benutze Cubase). Doch die berechtigung dieser Geräte macht absolut beim mucke machen seinen Sinn. Ronny Keyboarder

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  4. Synthesizer Lover und Drum Computer

    Habe mich entschieden meine Musik nur mit Analogen und Digitalen Elektronischen Musik Instrumenten auf zunehmen (Vierspur Kassetten Recorder) darunder sind auch neuere Drum Computer mit Song Mode!

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