Produkt: Keyboards 03/2019
Keyboards 03/2019
JAMIE CULLUM +++ 45 JAHRE YAMAHA +++ 80s-Sound heute! Synth-Pop-Legende HOWARD JONES +++ KAWAI NOVUS NV-5 – Hybrid Digitalpiano +++ Drummachine UNO DRUM – Beats für unterwegs
Sehr kompakt

Digitalpiano: Casio Privia PX-S3000 und PX-S1000 im Test

Die SUVs werden größer, die Bildschirme flacher, und wie ist das bei den Digitalpianos? Im Bereich zwischen 400 und 900 Euro überboten sich die Hersteller auf der NAMM-Show mit der Aussage, das kompakteste Kompaktmodell im Programm zu haben, frei nach der Devise: »Wir haben unser Digi geschrumpft.«

Anzeige

Der Trend zum smarten, preisgünstigen, platzsparenden und leicht transportierbaren Klavierersatz, der zudem stylish aussieht, nimmt nicht zuletzt wegen des knapper werdenden urbanen Wohnraums zu − da kommen die beiden Casio Privia Modelle PX-S1000 und PX-S3000 gerade recht.

Das Äußere ist gleich ein Hingucker: Es gibt kaum Knöpfe und Regler, stattdessen bestimmt eine glatte, in edlem Schwarz glänzende Oberfläche die Szene. Mit den Maßen von 132,2 x 23,2 x 10,2 cm sind die beiden Modelle gegenüber ihren Vorgängern um über 60% im Volumen geschrumpft − in der Höhe und Tiefe wirken sie im Vergleich zur Konkurrenz schmaler, und mit 11,2 und 11,4 Kilo liegen sie unter der 12-kg-Leichtgewichtsgrenze. Da frag ich mich: Geht das zu Lasten der Hammertastatur und ihrer Gewichtung? Inwieweit können die weniger Platz einnehmenden Lautsprecher noch ein rundes Klangbild erzeugen? Wie ist der Bedienkomfort angesichts der aufgeräumten Oberfläche?

Bei der ersten Kontaktaufnahme zum Instrument fällt positiv auf, dass die Tastatur einen guten Grip hat und mit der gewichteten Hammertastatur genügend Widerstand bietet. Die geriffelte, angeraute Oberfläche gewährleistet einen guten Halt auf den Tasten − das gefiel mir auf Anhieb gut. Für diese beiden Modelle wurde eine neue verkürzte Tastatur mit entwickelt, sodass selbst im verkleinerten Gehäuse noch genug Platz für die beiden Lautsprecher bleibt, die nach hinten abstrahlen, also nicht wie üblich nach oben oder unten. Zwei unscheinbare Schlitze über der Tastatur erlauben auch eine ergänzende Beschallung nach vorne zum Spieler hin. Die Anordnung der Lautsprecher hat Vor- und Nachteile: Werden die Pianos zur Beschallung von Zuhörern eingesetzt, erhalten diese den direkten (optimalen) Sound, während der darbietende Künstler ein wenig im Klangschatten sitzt. Wenn die Pianos im Wohnzimmer an der Wand stehen, erhält man die reflektierten Schallwellen immer noch »brühwarm« und das sogar authentischer, als wenn die Lautsprecher einen schallabsorbierenden Fußboden bestrahlen. Und zudem haben die Casio-Entwickler den beiden PX-S-Modellen noch eine zusätzliche psychoakustische Raumklangverbesserung in Form von »Surround« spendiert, mehr dazu später.

Zwei vorne platzierte Kopfhörerausgänge (Miniklinke) und zwei Klinkenbuchsen (Line-Out) an der Rückseite sowie ein Miniklinke-Line-In sorgen für weitere akustische Verbindungen zur Außenwelt − und wer’s ohne Kabel wünscht, kann via Bluetooth (5.0) die Lautsprecher der beiden Privia-Modelle ansteuern − die Bluetooth-Schnittstelle kann aber nicht für den Aufbau einer MIDI-Verbindung genutzt werden. Zwei USB-Buchsen stehen einerseits für den Anschluss zum Rechner/Handy/Tablet und andererseits zum Einstecken eines USB-Sticks für Aufnahme und Abspielen von MIDI- oder Audio-Songdaten (WAV) zur Verfügung. Ein MIDI-In/Out für die Verbindung zu anderen Klangerzeugern wurde eingespart, das ist aber m. E. ein Feature, das man eher bei einem Stagepiano erwarten würde.

Weiterhin können je ein Dämpferpedal und eine Assignable/Expression angeschlossen werden. Mitgeliefert wird ein einfacher Sustain-Schalter. Ein weiterer Anschluss ist für eine Pedal-Unit mit drei Pedalen (inkl. Halbstufen-Erkennung) gedacht, diese kann als Sonderzubehör ebenso geordert werden wie eine stabile Tasche mit zwei Außentaschen, in die z. B. auch der mitgelieferte Notenhalter passt. Ein kleines externes 12-Volt-Netzteil ist dabei, alternativ ist auch Batteriebetrieb mit AA-Batterien möglich (Akkus können nicht verwendet werden).

Das PX-S1000-Modell ist nicht nur in Schwarz, sondern auch mit weißem Gehäuse zu haben

Wie klingt’s?

Ein Digitalpiano ist m. E. in erster Linie ein Klavier, und darum interessiert natürlich hauptsächlich der Klavierklang. Den gibt es in verschiedenen Varianten, die drei Hauptvarianten des Grand Pianos »Concert«, »Bright« und »Mellow« unterscheiden sich hinsichtlich der Brillianz und der Gedecktheit des Klanges. Der Klang ist ansprechend, ausgewogen und natürlich, der Gesamtklang wirkt transparent und auch bei voller Lautstärke klar − da verzerrt nichts. Etwas Vorsicht ist in den hohen Lagen geboten, die klingen etwas dominant. Der Klang lässt sich dynamisch differenziert spielen, und die Lautstärke ist für ein Wohnzimmer locker ausreichend, auch für eine kleine Chorprobe sollte es langen.

Ein kleiner Ausflug in die Praxis: Als Nörgler vom Dienst hatte ich nach einiger Zeit den Eindruck, dass die bevorzugte Concert-Variante doch ein wenig zu gedeckt klingt, während das Bright-Piano für bestimmte Anwendungen vielleicht ein wenig zu hell und scharf klingen könnte. Kein Problem für das PX-S3000: Mithilfe des Brillianz-Parameters lässt sich der Klangeindruck um ±3 Einheiten in Richtung hell oder gedeckt effektiv ändern. Wer es genauer haben möchte, kann einen Equalizer bei den DSP-Effekten aufrufen und da ggf. unbehagliche oder unterbelichtete Frequenz auswählen und anpassen − das ist in dieser Preisklasse schon ein besonderer Luxus. Mir reichte allerdings bereits der Brillianz-Parameter, der sinnvollerweise sogar im direkten Zugriff für den Spieler erreichbar ist: Dafür stehen links über dem kleinen Pitchrad zwei Regler zur Verfügung, denen verschiedene Funktionen zugewiesen werden können, so z. B. auch Hallanteil und Brillianz − sehr gut! Neben den DSP-Effekten sind übrigens acht Hall- und zwölf Chorus-Typen an Bord. Darüber hinaus stehen noch viele weitere Effekte zur Verfügung, u. a. 100 DSP-Effekte.

Das ist noch nicht alles: Die Anschlagsdynamik lässt sich in fünf Stufen justieren, darüber hinaus stehen regelbare virtuelle Parameter wie Tasten-, Hammer- und Key-Off-Geräusche sowie Saiten- und Dämpferresonanz bereit − die hätte man in dieser Preisklasse nicht erwartet. Das ist ein ordentliches Pfund an Einstellmöglichkeiten, und es wäre ärgerlich, wenn die allesamt nach dem Ausschalten verschwinden würden. Damit das nicht passiert, lassen sich alle Einstellungen in 24 Bänken zu je 4 Areas (Programmspeicher) im Registrationsspeicher ablegen und stehen somit auf Knopfdruck zur Verfügung. Die Qualität der Klavierklänge in Verbindung mit der sehr guten Anschlagsdynamik und der ebenfalls gut zu spielenden Tastatur gehört m. E. zum Besten, was in dieser Preisklasse momentan geboten wird.

Die indirekte Lautsprecheranordnung hatte ich vorhin schon thematisiert: Mithilfe des Sound-Mode-Schalters kann zusätzlich zum Halleffekt, der ebenfalls mit dieser Taste aktiviert wird, ein Surround- Effekt aufgerufen werden: Dieser lässt den Klang räumlicher wirken, und der Spieler sitzt quasi »mittendrin«. Das Resultat ist deutlich hörbar und grundsätzlich gut − allerdings gibt es »Nebenwirkungen« in Form bestimmter »scharfer« Frequenzen, hier muss ggf. die Brillanz gemindert werden, oder man ruft die zweite, etwas dezentere Surround-Einstellung auf.

Die anderen Klänge eines Digitalpianos sind ihrer Wichtigkeit nach geordnet. Nicht mehr und nicht weniger als 700 Klänge darf der erwartungsfrohe Nutzer anspielen. Bei den nahen Verwandten des Klaviers, den E-Pianos, ist der Grundklang z. B. des Dynamic EP oder 60’s E-Piano gut, es fehlt mir aber ein wenig der dynamische Spielraum, der mich bei den Klaviersounds begeisterte − erst wenn man ziemlich kräftig in die Tasten hineinlangt, schaltet sich ein zweites Sample ein, das die erhoffte Klangänderung bringt.

Die Klangauswahl ist vielfältig und üppig, aber nicht wenige Klänge scheinen aus alten Libraries zu stammen, und diese entsprechen m. E. nur bedingt den jetzigen Standards − da ist eine kritische Auswahl notwendig. Bei der Klangsichtung ist es hilfreich, dass sich die einzelnen Klanggruppen innerhalb einer Kategorie durch nochmaliges Betätigen des Instrumentenschalters schnell durchsteppen lassen.

Bei den Orgelsounds möchte ich noch den Tipp geben, lieber mit den etwas schlichteren Orgeln wie Click Organ zu arbeiten und diese dann selbst mit Chorus und/oder Vibrato aufzubretzeln und abzuspeichern.

Zur Bedienung

Das Pitchrad, die beiden editierbaren Regler sowie das große Lautstärkenrad stellen die einzigen Erhebungen auf der planen Oberfläche dar − erst nach der Stromzufuhr beginnen Beschriftung und virtuelle Schalter auf der schwarzen Oberfläche zu leuchten und geben ihre Identität preis − besonders bei Dämmerlicht sieht das stylish aus. Und das Ganze hat auch einen Nutzen für den Spieler: Je nach ausgewählter Betriebsart werden nur die Angaben und die Parameter erleuchtet, die gerade relevant sind. Aufpassen: Nicht auf die Namen tippen, sondern auf die jeweiligen Eingabefelder mit den beiden Strichen. Die Werte und Namen der Instrumente werden auf dem Display dargestellt.

Die Betriebsmodi werden folgendermaßen eingestellt: Der linke Taster (Rhythm) neben dem Lautstärkerad schaltet zwischen den Einstellungen für Rhythmus (Drums), Accompagnement (Begleitautomatik) und Song zum Aufnehmen und Abspielen von Audio- und MIDI-Songs um. Der zweite Umschalter befindet sich in der Exit- und Function-Spalte: Hier können folgende vier Modi durchgesteppt werden: Klangauswahl, Rhythmus-Auswahl, Controller (siehe unten) und Registration.

Beispiel: Wenn ein Layerklang aufgerufen werden soll, wird zweimal der Function-Schalter getippt und man ist im Controller Modus. Da, wo eben noch die Namen Piano, E-Piano etc. leuchteten, ist jetzt zu lesen: DSP, Transpose, Knob, Arpegg., Split und Layer. Nach Betätigen des Layer-Schalters geht es per Function-Button zurück zu den aufleuchtenden Instrumentennamen für die Klangauswahl. Nach ein wenig Eingewöhnen ist die Bedienung klar − eine weitere Bedienungsmöglichkeit eröffnet die App Chordana − siehe weiter unten.

Zu beachten ist noch, dass die beiden Schalter »Sound Mode« und »Function« nicht nur als Umschalter dienen: Werden sie etwas länger festgehalten, führen sie direkt zu den Einstellungen für Hall und Surround oder zu den virtuellen Klaviergeräuschen.

Die Klänge lassen sich als »Whole«, »Layer«, »Split« und »Layer + Split« organisieren, außerdem steht ein »Duett«-Modus mit geteilter Tastatur für pädagogische Anwendungen zur Verfügung. Mit über 200 Drum-Rhythmen, 200 Begleitautomatik-Styles (sechs Akkordeingabe-Modi) und 100 Arpeggio-Presets steht ein reichhaltiges Arsenal an Mitspielern zur Verfügung. Intros, Ending, Fill-In und Variations-Schalter sorgen dafür, dass das PX-S3000 auch die Aufgaben eines Keyboards wahrnehmen kann.

Auf dem MIDI-Recorder können fünf Songs mit je drei Spuren aufgenommen werden. Der Audio-Recorder kann 99 aufgezeichnete WAV-Songs auf einem angeschlossenen USB-Stick verwalten; auf diesen lassen sich auch die Registrations und MIDI-Songs übertragen. Und damit sind noch alle kleinen Goodies vollständig erwähnt …

Das PX-S3000 im »Vollausbau« mit Notenständer, 3-fach-Pedal und Ständer − beides optional zu haben.

Das PX-S1000 muss auf Funktionen wie Begleitautomatik, Drums-Rhythmen und Arpeggiator verzichten. Die Anwahl der 18 Klänge geschieht durch das Halten der Grand-Piano-Taste und das Spielen einer der unteren Klavier-Tasten, die auch sogleich den gewünschten Klang wiedergeben. Das Grand-Piano klingt geringfügig anders als beim PX-S3000, das liegt wahrscheinlich an einer etwas anderen Equalizer-Grundeinstellung, denn die Tastatur und die Lautsprecher-Anlage sind identisch. Layer und Duett-Split sind möglich, aber beim regulären Split gibt es eine Einschränkung: Für den unteren Klang steht lediglich ein Basssound zur Verfügung.

Eine Audioaufnahme ist hier nicht möglich, ein zwei-Spur MIDI Sequenzer für einen Song ist allerdings ebenso vorhanden wie die Möglichkeit, Songs per Bluetooth über die Lautsprecher wiederzugeben. Die fünf Velocity-Einstellungen, der Surround-Modus sowie die virtuellen Klangeffekte entsprechen dem größeren Modell. Das PX-S1000 wendet sich somit in erster Linie an die »reinen« Pianisten und Editiergelüste.

Die App Chordana For Piano für iOS und Android, die kostenlos heruntergeladen werden kann, ist eine weitere interessante Anwendungs-Option. Installation und Verbindung klappten bei meinem Android-Tablet problemlos. Im »Piano Remote Controller«-Menü gibt es bequeme Editiermöglichkeiten für die Auswahl, Lautstärke und Oktavlage des Haupt-, Layer- und Split-Klangs − von hier aus lassen sich auch die Effekte, Pedal-Zuordnung u.v.m. regeln. Die Änderungen werden via USB sofort an die PX-S-Modelle weitergegeben und können dort in den Registrations (PX-S3000) gespeichert werden. Eine zweite Anwendung betrifft die Songs: Mit dem MIDI-Player lassen sich die vielen MIDI-Demo- und Übungssongs abspielen, die Töne werden dabei auf einer Notenwalze und mittels aufleuchtender Piano-Tasten visualisiert. Mit dem Abschalten der Spuren für die linke und rechte Hand, dem Setzen von A und B Markern für Übungsloops, dem Ändern des Tempo und der Tonhöhe (Transpose) gibt es sinnvoll nutzbare Übungshilfen. Die Noten sind außerdem als PDFs vorhanden, und so wird aus dieser App ein virtuelles Notenheft mit nützlichen pädagogischen Optionen. Nicht unerwähnt lassen möchte ich ein kleines i-Tüpfelchen in der Bedienung: In der App kann das angeschlossene Pedal zum Umblättern für die Notenseiten genutzt werden − clever!

Der Audio Player ermöglicht das Abspielen von Audio Daten (auch MP3s). Zum Anhören können die Lautsprecher der PX-Modelle via Bluetooth oder Miniklinkenkabel genutzt werden. Die Songs können in der Tonhöhe und Geschwindigkeit um ±3 Einheiten geändert werden, und mit dem Setzen von A und B Markern lassen sich Übungsloops definieren. Zu guter Letzt zeigt die App die Bedienungsanleitung an, die aber auch in gedruckter Form beiliegt.

Fazit

Da legt Casio die Latte im Bereich unter 900 Euro ein gehöriges Stück höher. Besonders das PX-S3000 ist in puncto Ausstattungsvielfalt (inkl. Begleitautomatik und Rhythmen), Editiermöglichkeiten, diversen Anschlüssen sowie den Registrations-Speichern außerordentlich flexibel. In den beiden Hauptkriterien Klavierklang und Tastatur können beide Modelle in dieser Preisklasse überzeugen. Wem es ausschließlich um den Klavierklang und die grundsätzlichen Layer- und Split-Optionen geht, ist mit dem PX-S1000 gut bedient, zumal bei beiden Modellen die Bedienung von der kostenlosen App »Chordana For Piano« profitiert.

 

Kleine Marktübersicht mit Digitalpianos unter 12 kg mit gewichteter Tastatur und Lautsprechern, die unter 900 Euro kosten.

 

Hersteller/Vertrieb: Casio
Internet: www.casio-europe.com/de

Preise UvP:

PX-S1000: 649,− Euro
PX-S3000: 899,− Euro
CS-68 (Stand): 129,− Euro
SP-34 (3-fach-Pedal): 69,− Euro
SC-800P (Tasche): 129,− Euro

Produkt: Keyboards 03/2019
Keyboards 03/2019
JAMIE CULLUM +++ 45 JAHRE YAMAHA +++ 80s-Sound heute! Synth-Pop-Legende HOWARD JONES +++ KAWAI NOVUS NV-5 – Hybrid Digitalpiano +++ Drummachine UNO DRUM – Beats für unterwegs

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren